Oldie Masters Chemnitz: Hader wegen Hooligans

Am 26. Januar findet in der Arena Chemnitz das nunmehr bereits 21. Oldie Masters statt, bei dem diesjährig Michael Ballack im Trikot des Chemnitzer FC, Titelverteidiger des eins Oldie Masters 2012, auflaufen wird. Im Vorfeld dieser Veranstaltung summieren sich allerdings mittlerweile einige organisatorische Besonderheiten, die es wohl “nur in Chemnitz“ gibt, skizziert aktuell jedenfalls die Dresdner Morgenpost.

So wird berichtet, dass das Oldie-Team von Dynamo Dresden, welches eigentlich nach der Absage von Juventus Turin einspringen sollte, wegen “angeblicher Sicherheitsbedenken“ wieder ausgeladen wurde. Denn “als Polizei und Ordnungsamt von der geplanten Dynamo-Teilnahme erfuhren, schrillten bei den Sicherheitsbeamten aus unerklärlichen Gründen die Alarmglocken“.

“Plötzlich hieß es, dass dann die Sicherheitsauflagen deutlich erhöht werden müssen und auch ein Bier-Ausschank in der Halle nicht möglich sei. Wir sind ein Familienturnier und haben kein Interesse, dass sich unsere Zuschauer wie in einem Hochsicherheitstrakt vorkommen müssen“, zitiert die MoPo Jörg Hempel vom Veranstalter Krauß Event.

Aber das Chemnitzer Sicherheitskarussell drehte sich noch weiter. “Beim Vorschlag, das Oldie-Team des FC St. Pauli einzuladen, senkten die Ordnungswächter erneut den Daumen. Aufgrund der Rivalität zwischen den Fans des Chemnitzer FC und des FC St. Pauli sei die Teilnahme der Kiez-Kicker zu gefährlich“ (Dresdner Morgenpost, 11. Januar).

Wir erinnern uns – es geht um ein Oldie-Turnier, in dessen langjähriger Geschichte es zuschauerseitig noch nie zu erwähnenswerten Zwischenfällen gekommen ist.

Nach Informationen der Dresdner Morgenpost soll sich Michael Ballack übrigens am 26. Januar “in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz eintragen. Vorausgesetzt, Polizei und Ordnungsamt spielen mit …“.

Aber Chemnitz ist ja schließlich und letztendlich die ’Stadt der Moderne’.

[Dieser Artikel wurde am 12. Januar 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Hooligans Elbflorenz: Fußball-Schläger der deutschen Rechtsgeschichte? – Update: “Abhör-Panne“

Seit mittlerweile 24. August 2011 stehen fünf Männer unter anderem wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, die Hooligans Elbflorenz gegründet und zahlreiche Gewalttaten in Zusammenhang mit Fußballspielen von Dynamo Dresden angezettelt zu haben. Am 2. Januar 2013 fand am Landgericht Dresden der nunmehr 73. Sitzungstag in besagter Sache statt.

“Doch ein Ende des wohl aufwendigsten Prozesses um Fußball-Schläger der deutschen Rechtsgeschichte ist (…) erneut in die Ferne gerückt“, vermutet durchaus originell und original so formulierend die Sächsische Zeitung am 3. Januar in ihrer Print-Ausgabe.

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(Foto: O.M.)

Einer der fünf Beschuldigten, sich seit Dezember 2012 wegen ihm zur Last gelegter erneuter Delikte wiederum in U-Haft befindend, wurde während einer früherer Inhaftierung von zwei nunmehr im Prozess ebenfalls Mitangeklagten besucht. “Die Polizei zeichnete das Gespräch auf. Jetzt ist der Mitschnitt Thema der Beweisaufnahme“, wird berichtet.

Nach bisheriger Auffassung der Staatsschutzkammer hätten “die Angeklagten eine ’mehr oder weniger stark ausgeprägte rechtsextreme Gesinnung’. Das bestreiten die Angeklagten jedoch. Selbst die Staatsanwaltschaft geht nicht davon aus“, bilanziert die Sächsische Zeitung.

Aktuell hat die Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden die zehn Verteidiger der Angeklagten aufgefordert, “neue Termine abzugleichen. Bleibt es dabei, findet im Juni dieses Jahres der 93. Prozesstag statt. Endet der Prozess auch bis dahin nicht, jährt er sich am 24. August zum zweiten Mal“ (Sächsische Zeitung).

– Update 7. Januar 2013 –

Die zu den Beweismitteln genommene Tonbandaufzeichnung des Besucher-Gespräches zwischen drei der im Hooligans Elflorenz-Prozess Beschuldigten während eines früheren Haftaufenthaltes eines von ihnen ist höchstwahrscheinlich unbrauchbar.

Mit richterlicher Genehmigung wurde im Mai 2009 der Lauschangriff durchgeführt – im Besuchergroßraum der Haftanstalt. “Die Folge: babylonisches Stimmengewirr auf dem Band“, berichtet die Dresdner Morgenpost, die den Vorgang als “Abhör-Panne bei der Polizei“ tituliert. “Wir verstehen nichts“, zitiert die Zeitung den Vorsitzenden Richter Peter Lames.

Das besagte Tondokument war zum Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg überstellt, dort allerdings als “kaum auswertbar“ eingeschätzt worden. Nunmehr sei das Bundeskriminalamt (BKA) eingeschaltet. “Sollte das auch nichts hören, hat die Kripo hier ein Problem: ’Da drohen Anzeigen wegen falscher Verdächtigung und Falschaussage’, so ein Anwalt“ (Dresdner Morgenpost, 7. Januar).

[Dieser Artikel wurde am 4. Januar 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

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