Neuer DFB-Strafenkatalog

Wie der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe berichtet, verschärft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zum 1. Januar 2014 seine Stadionverbotsrichtlinien gegen Fußballfans jeder Provenienz.

So werde in anderthalb Monaten “nach den verschärften Richtlinien, die eine Arbeitsgemeinschaft unter Beteiligung von Fanprojekten und Vereinen formuliert hat, das Höchstmaß für Stadionverbote in deutschen Spielstätten der ersten bis vierten Liga von drei auf fünf Jahre ausgedehnt“.

Dem SPIEGEL vorliegenden Papier zufolge sollen “Hausverbote von einem, zwei oder drei Jahren bei Gewalt, Verwendung von Pyrotechnik oder verfassungsfeindlichen Umtrieben“ nach wie vor Anwendung finden. Weiter heißt es, ein “Fünfjahresausschluss kann bei besonders schweren Vergehen gegen Wiederholungstäter verhängt werden“.

“Der DFB übermittelt gemäß dem Beschluss einmal wöchentlich der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) sowie der Bundespolizei die Namen der ausgesperrten Fans. Vor Spielen der deutschen Nationalmannschaft wird wie bisher eine Namensliste an die internationalen Verbände Uefa und Fifa weitergegeben“ (DER SPIEGEL, 18. November 2013).

[Dieser Artikel wurde am 18. November 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

RasenBallsport Leipzig: Reiner Calmund hat den Durchblick

Er war beispielsweise auch schon in der sächsischen Landeshauptstadt auf Mission, wer könnte es vergessen haben? Reiner ’Calli’ Calmund wollte dort vieles. Einiges für Dynamo Dresden? Oder mehr für sich selbst? Die aktive Dresdner Fanszene hat er wohl nie verstanden – und diese ihn mit der Zeit noch viel weniger. Es war einmal … ja, so beginnen landläufig Märchengeschichten. Und manchmal enden sie auch einfach so.

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(Rudolf-Harbig-Stadion, 20. November 2010 – Foto: dehli-news.de)

Herr Calmund zog sich aus Dresden jedenfalls irgendwie zurück, tingelt derweil unter anderem weiter durch die Fernsehkochshows dieses Landes und labert äußert seine pseudo tiefgreifende fußballerische Weltsicht nebenher in die mehr oder weniger geneigte Küchen-Öffentlichkeit. Applaus!

Und so liest es sich aktuell am 14. November dieses Jahres aus dem wie auch immer gearteten Küchenrevier einer ’deutschen, überregionalen Boulevardzeitung’ (wikipedia.org) herrlich simpel, wie Herr C. über die Kontrahenten der Leipziger RasenBaller fabuliert –

“Tradition schießt keine Tore und holt keine Punkte. Kohle holst du nur mit Kommerz. Natürlich gibt es da viel Häme und noch mehr Neidhammel. Aber das ist nun mal die deutsche Mentalität.“

Gehen wir in den Keller vor Ergriffenheit von der Callmund’schen Weisheit? Nein, wir wollen schließlich keine Neidhammel sein und deutschmental noch viel weniger.

Also, Herr Reiner Calmund – köcheln Sie ruhig weiter vor sich hin, whatever. Red Bull verleiht Flügel …

[Dieser Artikel wurde am 16. November 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Preußen Münster vs. Hansa Rostock: Pyrotechnik und mehr?

Die Begegnung am 15. Spieltag in der diessaisonalen 3. Liga zwischen SC Preußen Münster und FC Hansa Rostock endete am 1. November auf dem Rasen im Preußenstadion bekanntlich mit einem 1:2-Auswärtssieg der Hanseaten.

“Vor dem Anpfiff konnten die Hansa-Verantwortlichen wieder einmal zusehen, wie die ohnehin schon klamme Club-Kasse weiter von den eigenen Fans geschröpft wurde. Vermummte Anhänger der Mecklenburger brannten Pyrotechnik ab“, berichtet hernach aktuell ndr.de – einseitig verkürzend?

Videosequenz SC Preußen Münster vs. FC Hansa Rostock –

“Unmittelbar vor Spielbeginn entfachten die Gästefans in ihrem Block mehrere Blinkbengalos und bengalische Fackeln. Auch die Heimfans zündeten in ihrer Kurve Pyrotechnik. Während und nach dem Spiel brannten immer wieder in beiden Fanlagern pyrotechnische Gegenstände. In allen Fällen werden die entsprechenden Strafanzeigen mit Nachdruck verfolgt. Man ist sich sicher, im Nachgang die Täter zu ermitteln, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei.

Zum Spielende überkletterten 33 Gästefans den Zaun und gelangten in den Innenraum des Stadions. Durch Ordner und Polizei konnten diese wieder ihn den Block zurück geführt werden“ [wn.de].

“Einsatzleiter Martin Mönnighoff: ’In Zusammenarbeit mit allen Verantwortlichen haben wir uns gut auf das Spiel vorbereitet. Das Einsatzkonzept erwies als richtig und ist mitverantwortlich für den zufriedenen Verlauf des Abends. Leider gibt es aber immer wieder ein paar Unbelehrbare die Pyrotechnik benutzen’, resümiert er den Abend“ [Polizei Münster].

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(Preußenstadion, 1. November 2013 – Foto: YouTube)

Wer mag da wohl, wie auch immer pyrotechnisch aufmerksam beobachtend, wohin nur zuerst geschaut und dann letztendlich berichtend zusammengefasst beleuchtet haben? Fragen wird man ja doch noch einmal dürfen, wen auch immer …

[Dieser Artikel wurde am 3. November 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

FC Erzgebirge Aue: Pöbeln im Schacht

Da ist jemandem wohl aber quasi wirklich gewissermaßen die Galle übergelaufen. “FCE-Trainer Götz wettert gegen pöbelnde Besucher bei den Veilchen“, so ist in der Dresdner Morgenpost vom 22. Oktober dieses Jahres unter der Headline ’Beschämende Beleidigungen!’ zu lesen.

Was ist denn da los im ’Schacht’?

“Meine Jungs haben es nicht verdient, auf dem Weg in die Kabine beleidigt zu werden (…) Was ich sehr beschämend fand ist, wie sich vereinzelte Besucher der Tribüne benehmen, wie sie verbal auf einige Spieler losgehen. Wo ich überlege, was haben die für eine Kinderstube genossen.“

Falko Götz benannte mithin besagte “Leute ’Besucher’ und bewusst nicht Fans“ (MoPo). Allerdings sei so etwas beim Heimspiel gegen VfL Bochum (2:1) am 19. Oktober beileibe kein Einzelfall gewesen. “Gerade nach der Niederlage gegen Bielefeld [0:2 am 13. September] legte sich der Trainer mit Leuten am engen Weg zur Kabine an. Da flogen Worte von der Seite hinter dem Zaun – Fäkalsprache ist da noch ein verniedlichender Begriff“ (Morgenpost).

FCE-Präsident Lothar Lässig schloss sich der Kritik von Falko Götz fast nahtlos an. “Nach einem halben Jahr Amtszeit habe ich mir schon überlegt, alles niederzulegen, weil diese verbalen Entgleisungen überhand genommen haben“, zitiert die Dresdner Morgenpost.

FC Erzgebirge Aue – Quo vadis?

[Dieser Artikel wurde am 23. Oktober 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Fußballkrieg von Leipzig und Schwarzer Peter

“… im Nebel liegt, wie die Online-Kollegen der LVZ letztendlich zu ihrem großen Auftritt gekommen sind.“ Was bisher geschah, wir erinnern uns – LVZ-Fußballkrieg: Offene Fragen.

Im Hause der Leipziger Volkszeitung (LVZ) werden vermutlich stirnrunzelnd Augen gerollt, jedenfalls hier und da, wenn der Terminus “Fußballkrieg“ nun bereits zum wiederholten Mal bei Ostfussball.com Verwendung findet. Das gefällt nämlich nicht. Zugegeben vielleicht ein wenig zu Recht. Aber Ostfussball.com gefällt auch nicht immer alles, was – von wem auch immer – online oder gedruckt journalistisch verbreitet wird.

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(Von oben betrachtet – Screenshot: maps.google.de)

Der Gegenstand einiger Aufregung – jedenfalls bei der LVZ, so könnte man den Eindruck haben – dürfte bekannt sein.

Die Begegnung in der 3. Hauptrunde im diessaisonalen Wernesgrüner Pokal-Sachsen zwischen 1. FC Lokomotive Leipzig und RasenBallsport Leipzig endete am 12. Oktober mit einem 0:2 auf dem Rasen des Zentralstadions – ein friedliches Fußballfest. Allerdings war für zirka zwei Stunden auf dem Online-Portal der Leipziger Volkszeitung realtiv umfassend und auch detailliert von “Ausschreitungen während des Leipzig-Derbys“ zu lesen. Später korrigierte LVZ-Online.de und postete, “eine fehlerhafte Pressemitteilung der Polizei“ habe “für Verwirrung“ gesorgt. Besagte Korrektur-Formulierung wurde gleichfalls in der nachfolgenden Print-Ausgabe der LVZ übernommen, also von Online- und Print-Ressort augenscheinlich quasi Hand in Hand arbeitend, jedenfalls in dieser Hinsicht. Warum allerdings die Richtigstellung auch gedruckt veröffentlicht wurde, da das ’Ärgernis’ gut einen Tag zuvor virtuell passiert war, sorgte doch für Verwunderung.

Womit wir bei der Polizei wären, dem Partner von journalistischen Berichterstattungen über Ereignisse und Veranstaltungen jedweder Art öffentlichen Interesses. Bei der Absicherung des Sachsenpokalspiels war Polizeisprecher Michael Hille vor Ort, die Begegnung hatte sicherheitsrelevanten Charakter, schließlich spielte Lok gegen RasenBall, also nicht gerade kleine Emotionen sowie zudem aufmerksame mediale Augen und Ohren.

Nach Ende der fußballerischen Begegnung versandte die Leipziger Polizei eine Pressemitteilung an ihren Medien-Verteiler und dabei passierte “einem jungen Kollegen“, so Pressesprecher Uwe Voigt gegenüber Ostfussball.com, “ein Missgeschick“. Als Vorlage zur Erstellung einer Pressemitteilung habe jener junge Kollege einen Polizeibericht aus den letzten Jahren “dabei gehabt“. Diese Vorlage sei dann versehentlich als zweite Seite zur aktuellen Pressemitteilung verteilt worden. “Mit einiger Zeitverzögerung“, so Voigt, habe der junge Kollege sein Missgeschick bemerkt beziehungsweise sei durch nachfragende Medien darauf aufmerksam geworden und revidierte über den Medien-Verteiler die ominöse zweite Seite. So weit, so ungeschickt.

Das Sachsenpokalspiel wurde kurz nach Dreiviertel Fünf im Zentralstadion abgepfiffen. Eine ’fälschlicherweise mit veröffentlichte zweite Seite’ wurde von der Polizei nach Spielschluss versendet, bestätigte Pressesprecher Uwe Voigt. Die letztendlich zutreffende Pressemitteilung veröffentlichte die Polizeidirektion Leipzig mit “Stand: 18:00 Uhr“. Und mit Terminierung von 20:08 Uhr war bei LVZ-Online.de dann zu lesen: “Nach der Begegnung sorgte eine fehlerhafte Pressemitteilung der Polizei für Verwirrung. Anders als darin mitgeteilt, kam es während des Spiels nicht zu Ausschreitungen“.

Womit wir bei der Leipziger Volkszeitung wären, genauer beim Ressort Sport und der Online-Abteilung. Aber zuerst lesen wir doch noch einmal, wie vor 20:08 Uhr auf LVZ-Online.de ’informiert’ wurde. Über die mehr oder weniger nachvollziehbar wahren sowie virtuell zeitlichen Abfolgen an diesem nachmittäglichen Abend und das damit verbundene Handeln beteiligter Personen mag die geneigte Leserin und der geneigte Leser selbst befinden, dabei aber bitteschön keinesfalls unbedacht voreilig eine mögliche Verquickung unterstellen zwischen dem Ressort Sport und der Online-Abteilung sowie deren ’Berichterstattung’ –

“(…) Während des Pokalspiels zwischen Lok und RB Leipzig (…) ist es nach Polizeiangaben zu Ausschreitungen gekommen. Gegen 16 Uhr – also mit Beginn der zweiten Halbzeit des Derbys – habe es außerhalb des Stadions eine Auseinandersetzung zwischen den Fan-Lagern gegeben. Etwa 500 Lok-Anhänger griffen demnach im Bereich des Parkplatzes Friedrich-Ebert-Straße auch den Ordnungsdienst an. Als die Polizei einschritt, warfen die Randalierer Steine und Flaschen nach den Beamten, schlugen und traten sie.

Wie die Polizei weiter mitteilte, wurde zunächst versucht, die Situation mit Lautsprecherdurchsagen zu beruhigen. Nachdem dies erfolglos blieb, setzten die Sicherheitskräfte Wasserwerfer und Hunde ein. Den Angaben zufolge wurden die Angreifer so in Richtung Waldplatz abgedrängt und der Parkplatz gegen 16.25 Uhr geräumt. Die Polizisten nahmen elf Personen vorläufig fest und leiteten zahlreiche Ermittlungsverfahren ein. Insgesamt wurden offenbar fünf Polizeifahrzeuge durch Steinwürfe beschädigt, die Beamten wurden nicht verletzt (…)“ [© LVZ-Online].

“Da ich selbst vor Ort war, kann ich mir nicht vorstellen, dass eine solche Auseinandersetzung in Stadionnähe unbemerkt geblieben wäre“, so der Resort Leiter Sport bei der LVZ, Winfried Wächter. Ja, richtig – hat sonst noch jemand ’berichtet’?

Sorry, aber das lassen wir jetzt einfach einmal so stehen.

Und zwar lassen wir es so stehen, auch oder gerade, weil es für den Leiter LVZ Digital, Matthias Roth, offenbar kein größeres Problemchen darüber hinaus gibt, dass Ostfussball.com die – zugegeben – polemisch zugespitzte Formulierung vom ’kleinen journalistischen Blitzkrieg’ gewagt hat ins Sprachspiel zu bringen.

Und diesen Unsinn, den LVZ-Online da in offenbar flinker Eile in die Tastatur gefingert hat, lassen wir auch deswegen stehen, weil Matthias Roth der Ansicht ist, die Titulierung “Unsinn“ sei dafür “nicht angebracht“.

Und wir lassen das Zeitdokument auch deswegen so stehen, weil Matthias Roth mit dem Vorwurf einer mangelnden journalistischen Sorgfaltspflicht zu Felde zieht, es ihm allerdings scheinbar nichts ausmacht, sich selbst nur auf eine einzige Quelle, nämlich die Polizei, zu beziehen, nach der sinngemäßen Ansage, für eine erste Vorab-Meldung reichen Polizeiangaben ungeprüft.

Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizeidirektion Leipzig, hat ein – wie auch immer zustande gekommenes – Missgeschick seiner Behörde unumwunden eingeräumt und das ganz kollegial entspannt. Matthias Roth, Leiter LVZ Digital, intervenierte “auf das Schärfste“ gegen die Darstellungen bei Ostfussball.com. Winfried Wächter, Ressortleiter Sport bei der LVZ, hieß den Autor – zwar nicht im direkten Zusammenhang, aber immerhin – einen Lügner und sieht “keinen Grund, Ihnen künftig Fragen zu beantworten“.

Sind etwa noch Fragen offen?

[Dieser Artikel wurde am 17. Oktober 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

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