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Dynamo Dresden: Stadionblock sponsored by Sparkasse – Update: e-Payment

Das Rudolf-Harbig-Stadion (RHS), durchaus bekannt als Heimstätte der SG Dynamo Dresden (SGD), trägt auch kurz vor dem Beginn der neuen Saison in der 3. Liga nach wie vor seinen Namen und firmiert bislang keineswegs etwa beispielsweise unter Bunte-Murmel-Arena (BMA). Nicht erst in jüngerer Vergangenheit, aber besonders im Umfeld der Inbetriebnahme des Stadionneubaus vor gut einem Jahr, gab es schließlich immer wieder Diskussionen über eine eventuell neue Stadion-Titulierung.

Für und Wider in dieser Diskussion waren hauptsächlich von Emotionen aus der Historie sowie Bedenken vor weiter voran schreitender Kommerzialisierung, einem drohenden Ausverkauf der Tradition, geprägt – und von der Tatsache der notorisch leeren Kassen bei der SGD. Einer wie auch immer gearteten Kommerzialisierung bei Teilnahme am Spielbetrieb in der dritthöchsten bundesdeutschen Spielklasse das Wort reden zu wollen, kann indessen mehr als Augenwischerei gesehen werden. Der so genannte, allerdings bislang eher kleinliche, BILD-Block im RHS vegetiert per exemplum auch nicht gerade erst seit gestern vor sich hin – gab es Proteste unangepasster Fans, der Ultras, dagegen? Nach einer überlieferten Maxime von Volkmar Köster sei Dresden anders …

Ein wenig sommerlochbeschwert scheint ebenso der vor wenigen Tagen bekannt gegebene erste offizielle Block-’Verkauf’ des RHS untergegangen zu sein.

(…) Dynamo Dresden wird in der Saison 2010/11 erstmals einen separaten Bereich des Rudolf-Harbig-Stadions ausdrücklich für Familien bereit halten: Gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden lädt der Verein zu seinen Heimspielen in der 3. Liga ab sofort in den “Sparkassen-Familienblock“ ein. Dynamos langjähriger Partner hat seine Unterstützung für die Schwarz-Gelben damit erneut wesentlich aufgestockt und verleiht dem Block zukünftig sowohl den Namen als auch ein unverkennbares Äußeres (…) [SGD, 16. Juli 2010, 13:59]

Es lässt sich nun am sommerlichen Lagerfeuer nächtelang ausgiebigst trefflich diskutieren, über die so offerierte “Tribüne (…), auf der das Rauchen verboten“ sein wird und auf welcher “im Laufe der Saison diverse Aktionen und Unterhaltungsangebote für Kinder und Familien gestartet“ werden sollen – Nein, Kommerzialisierung ist die so postulierte Familienfreundlichkeit in einem Fußball-Stadion nun wirklich mitnichten. Schließlich hat die Ostsächsische Sparkasse lediglich die Blöcke D1 bis D4 im RHS gekauft und wird diesen – wie auch immer – “zukünftig sowohl den Namen als auch ein unverkennbares Äußeres“ geben; vielleicht ja sogar als farbiger Block im RHS beim auch in dieser Saison wieder anstehenden Auswärtspunktspiel des FC Rot-Weiß Erfurt (“Thüringen ist Rot-Weiß“) in der 3. Liga?

(…) damit ist der erste Block wohl “verkauft“? (…) Mal sehen, welche Tribüne als Nächstes “weggeht“ (…) [forum.dynamo-dresden.de, 16. Juli 2010, 19:13]

Nun mag diese fragende Dahinstellung vielleicht Kaffeesatz-Leserei vom Feinsten sein, wer weiß? Vielleicht sind die kolportierten Beobachtungen ja auch nur flachpsychologisch unverarbeitete Nachwehen einer erst kurz zurückliegenden Sommer-Phase, in der man unter anderem an einer urlaublich tangierten Tankstelle auf die erforderliche Kraftstoffbezahlung der Nachfrage “Alles? Noch was zu Trinken? Essen? Eine Fahne fürs Auto?“ [Autofähnchen schießen keine Tore] mit einem verneinenden Kopfschütteln begegnete – woraufhin sogleich insistierend zurück gefragt wurde: “Sie interessieren sich nicht für Fußball?“ Es ist wohl an der Zeit, dass sich genau um diesen wieder etwas zu drehen beginnt.

In einer Mitteilung vom 24. Juli gab die SGD bekannt, dass ab “31. Juli 2010, mit dem ersten Heimspiel der Drittliga-Saison 2010/2011 gegen Carl Zeiss Jena, (…) von der Stadion Dresden Projektgesellschaft (…) ein stadioneigenes bargeldloses Bezahlmedium eingeführt“ wird. Dadurch ist zukünftig im Rudolf-Harbig-Stadion – außer im Fanshop, an den Fanartikel-Ständen und beim Kartenerwerb – keinerlei Kauf mit Bargeld mehr möglich. Chip-Chip-Hurra?

[Dieser Artikel wurde am 22. Juli 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

MedienScreen # 1 [Fußball-WM und sowieso, Autofähnchen schießen keine Tore]

[Fundstück] politplatschquatsch.com, 24. Juni 2010 –

“Erst wenn der letzte Abstoß geschlagen, die letzte Flanke weggefangen und der letzte Strafstoß vergeben ist, werdet ihr merken, dass Autofähnchen keine Tore schießen.“

***

Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im Original.

[Dieser Beitrag wurde am 26. Juni 2010 bei Ostfussball.com publiziert.]

Dynamo Dresden: Gelb-Schwarz, Schwarz-Gelb oder …?

Nein, es war beileibe kein Desinteresse und noch weniger durchaus unterstellbare Schreibfaulheit, dass in den letzten Tagen die aktuellen Vorgänge um die SG Dynamo Dresden (SGD) nicht näher reflektiert wurden. Allerdings hätte es für geneigte Leser spätestens ab Mitte der letzten Woche eines Organigramms im XXL-Format bedurft, um einigermaßen übersichtlich darstellen zu können, wer denn in den verschiedenen Führungsetagen des Vereins gegen wen intrigiert, wer unter welchen Umständen geschasst und wer dann nicht nur fast gleichzeitig als welcher Fußball-Funktionär inthronisiert werden soll; wer schweigt, wer lügt oder nur die Halbwahrheit verkündet – quasi, wer gegenwärtig alles öffentlich scheinbar eher um das Wehe statt des Wohles der Sportgemeinschaft Dynamo Dresden bemüht ist.

Wer mit welchen Interessen das Personalkarussell in den Führungsgremien nach einer sich eigentlich schon in so genannten trockenen Tüchern befindenden Lizenz für die nächste Saison letztendlich eigentlich angestoßen hat, wird wohl nie öffentlich werden. Andererseits boten die letzten Tage ausreichend Schlagzeilen für Medien aller Couleur: Hauptgeschäftsführer Stefan Bohne tritt zurück – Als heißen Nachfolge-Kandidaten nennen Medien den Ex-Karlsruher Manager Rolf Dohmen – Aufsichtsratsvorsitzender Holm Große tritt zurück – Die verbleibenden Mitglieder des Aufsichtsrates kündigen an, “zeitnah zurücktreten“ zu wollen – Der amtierende Vorsitzende des Aufsichtsrates erklärt, ein Rücktritt sei der falsche Weg. Der Aufsichtsrat werde bis zum Herbst weitermachen, dann soll es Neuwahlen geben – Die Stadt Dresden verweigert ihre Zustimmung zur Ernennung eines neuen Geschäftsführers. Letzte Meldung [8. Juni, 17:00] von der offiziellen Homepage des Vereins –

(…) Der Aufsichtsrat der SG Dynamo Dresden wird am Mittwoch [9. Juni] beim Dresdner Amtsgericht einen Antrag auf die Bestellung eines Notvorstandes einreichen (…)

Zudem scheint offenbar die offizielle Kommunikation der SGD seit einigen Tagen lediglich nur noch über Verlautbarungen auf der Homepage realisiert zu werden. Der Medien-Verteiler via E-Mail jedenfalls wird geflissentlich verspätet beziehungsweise gar nicht bedient – Absicht? Welche Angaben standen eigentlich seitens der SGD in den beim DFB eingereichten Lizenzierungsunterlagen für die Saison 2010/2011? Hat Trainer Matthias Maucksch mittlerweile einen gültigen Vertrag? Wer zeichnet für unter diesen Umständen eventuell doch zustande kommende Neuverpflichtungen und Vertragsabschlüsse? Wie steht es um die Verträge rund um das Rudolf-Harbig-Stadion? Wer ist letztendlich haftbar für den Vertrauensverlust – bei den Fans jeder Provenienz, in der Bevölkerung, in der Sportpolitik, bei den Sponsoren? Fragen über Fragen …

Sogar im Online-Forum von Fans der SGD, welches der offiziellen Internet-Präsenz des Vereins – seit eines vor Zeiten amtierenden Hauptgeschäftsführers Bernd Maas anscheinend allerdings nach wie vor zensiert – unmittelbar angegliedert ist, gibt es seit einigen Tagen die Diskussion “Wer schmeißt seine Mitgliedschaft hin?“ Quo vadis SGD?

[Dieser Artikel wurde am 8. Juni 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Dynamo Dresden ohne Hauptsponsor?

Wenn die medienseitig verbreitete Nachricht stimmt, dann steht Drittligist SG Dynamo Dresden (SGD) wenige Wochen vor dem Start in die neue Saison derzeit ohne Hauptsponsor da. Wie berichtet wird, habe das Umwelt-Unternehmen Veolia den Sponsor-Vertrag mit der SGD gekündigt. Als Begründung der Vertragskündigung sei seitens Veolia ein “gestörtes Vertrauensverhältnis zum Aufsichtsrat“ benannt worden.

Die auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands jedenfalls zitiert dahingehend Jens Heinig, seines Zeichens Geschäftsführer der Veolia Ost GmbH: “Ich habe den Aufsichtsrat mehrfach um Infos gebeten, unter anderem warum der Trainer noch keinen neuen Vertrag hat. Oder wann endlich feststeht, wer ab Juli Geschäftsführer ist. Es kam nie eine Antwort.“ (…) “Diese Leute arbeiten unprofessionell, haben so viel Bockmist gebaut. Wenn sie nicht zum Rücktritt fähig sind, fühle ich mich verarscht und ziehe die Konsequenzen.“ Jens Heinig trat Mitte Juli 2009 “aus persönlichen Gründen“ als Aufsichtsratsmitglied bei der SGD zurück. Bereits zur damaliger Zeit kritisierte er: “Mir missfällt, wie manche Leute auftreten, und nur ihre eigenen Interessen vertreten. Außerdem gab es Entscheidungen, die ich nicht mittragen kann. Letztlich hat es etwas mit Ehrlichkeit zu tun“ (Sächsische Zeitung, 17. Juli 2009).

Veolia hat einen Sponsorenvertrag bis 2011. Planen Sie einen vorzeitigen Ausstieg?

Wir sind stolz, Hauptsponsor von Dynamo zu sein und wollen mit unserem finanziellen Engagement im Sport und für karitative Zwecke der Stadt etwas zurückgeben, in der wir als Unternehmen verwurzelt sind. Aber wir wollen eine Perspektive für den Verein sehen, die nicht von einigen in ihrer Selbstherrlichkeit aufs Spiel gesetzt wird. Deshalb gibt es eine Ausstiegsklausel.

[Interview-Auszug, Jens Heinig in: Sächsische Zeitung, 30. März 2010]

Veolia hatte die SGD als Hauptsponsor zuletzt mit rund 300.000 Euro pro Saison sekundiert. Zudem wird berichtet, dass weitere Sponsoren der SGD mit ihrem Rückzug aus dem Geschäft drohen, “wenn der Aufsichtsrat des Vereins nicht zurücktritt“ (sachsen-fernsehen.de). Wie sich diese Entwicklung im Weiteren eventuell auf eine Spielgenehmigung der SGD für die neue Saison in der 3. Liga auswirken wird, ist derzeit nicht prognostizierbar.

[Dieser Artikel wurde am 28. Mai 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Sachsen: Aktuell rund 300 Menschen in der ’Kategorie C’ für Hooligans

Mitte Mai beantwortete das Sächsische Staatsministerium des Innern eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Sächsischen Landtag unter der Thematik “Hooligans mit besonders hoher Gewaltbereitschaft 2010“.

Dabei wurde die Frage “Wie viele Hooligans aus Sachsen werden in die Kategorie C (…) bei der ’Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze’ des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes eingeordnet?“ wie folgt beantwortet: “Aktuell werden ca. 290 Personen im Umfeld sächsischer Fußballvereine der Kategorie C zugerechnet (…)“.

(…) Die Polizei unterteilt Fußballfans in drei Kategorien: Als “Kategorie A“ werden friedliche Fans, die nur das Spiel sehen wollen, bezeichnet. Die “Kategorie B“ umfasst die so genannten “gewaltbereiten“ Fans, die nicht mit der Absicht kommen, Gewalt auszuüben, aber Aggressionspotenzial in sich tragen. Die “gewaltsuchenden“ Fans dagegen, die als “Kategorie C“ bezeichnet werden, sind an den Fußballspielen weniger interessiert als an Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans und der Polizei (…) [wikipedia.org]

Auf eine weitere Teil-Frage der Kleinen Anfrage (Drucksache 5/2076), “Wie viele Hooligans stehen welchen konkreten Fußballklubs aus Sachsen nahe?“, antwortete das Sächsische Innenministerium (Aktenzeichen 31-0141.50/5449):

Den sächsischen Fußballvereinen werden durch die zuständigen Dienststellen aktuell Personen der Kategorie C wie folgt zugerechnet:

  • SG Dynamo Dresden – 75
  • 1. FC Lokomotive Leipzig – 80
  • Chemnitzer FC – ca. 20-30
  • FC Erzgebirge Aue – ca. 30
  • FC Sachsen Leipzig – 28
  • FSV Zwickau – 50

Dem Umfeld des Chemnitzer FC werden zudem noch ca. 20 so genannte Althooligans zugerechnet, die bereits seit mehreren Jahren nicht mehr als Störer bei Fußballspielen in Erscheinung getreten sind.

“Kein Frieden im Fußballstadion“ beschrieb darauf folgend die Sächsische Zeitung wenige Tage nach der Veröffentlichung dieses parlamentarischen Vorgangs die bezügliche Situation im Freistaat Sachsen.

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg befand übrigens in einem Urteil Mitte Dezember 2008, dass der so genannten “Hooligan-Datei“ die Rechtsgrundlage fehle. So habe das Bundesinnenministerium eine Rechtsverordnung zu erlassen, welche die Sammlung besagter Daten regelt, stellte das Gericht damals fest. Zuvor hatte bereits im Mai 2008 das Verwaltungsgericht Hannover die Datei für rechtswidrig erklärt. “Seit Jahren speichert das Bundeskriminalamt (BKA) Informationen über Hooligans und Personen, die bei Sportereignissen, vor allem beim Fußball, auffällig geworden sind. In der Datei ’Gewalttäter Sport’, inoffiziell auch ’Hooligan-Datei’ genannt, werden inzwischen knapp 10.000 Menschen aufgelistet“ (Hamburger Abendblatt, 18. Dezember 2008).

Erst im April 2010 hat das Verwaltungsgericht Karlsruhe “erneut die fehlende rechtliche Grundlage der Verbunddatei ’Gewalttäter und Sport’ moniert (…) In diesem Sommer wird sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Datei ’Gewalttäter und Sport’ befassen. Nach den Karlsruher Urteilen spricht manches dafür, dass auch das Bundesverwaltungsgericht die Datei für rechtswidrig erklärt“ (spiegel.de). Aktuellen Angaben zufolge umfasst die bundesweite Datei “Gewalttäter und Sport“ mittlerweile zirka 11.000 Einträge.

[Dieser Artikel wurde am 25. Mai 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]