Archiv der Kategorie: FoundPieces

MedienScreen # 214 [Football’s coming down?]

[Fundstück] Daniel Rahaus, ’Debatte’ in DER SPIEGEL, 30. März 2019 –

(…) Die Deutsche Fußball Liga berichtet noch Jahr für Jahr über Rekorde, zuletzt 4,42 Milliarden Euro Umsatz. Doch immer mehr Fans sind im wahrsten Sinne des Wortes ent-täuscht und scheinen diese Sinnlosigkeit zu erkennen, zumindest, sie vage zu fühlen.

So mehren sich die Zeichen für ein Ende des jahrelangen Fußballbooms. Die Zuschauerzahlen etwa weisen kein Wachstum mehr auf. Die Anzahl der ausverkauften Erstligapartien, als möglicher Frühindikator einer abnehmenden Auslastung der Stadien, sinkt deutlich – um zehn Prozent in der vergangenen Saison gegenüber den Vorjahren.

Zudem lässt sich die mediale Verfügbarkeit des Fußballs kaum weiter steigern. Deutliche Sättigungseffekte bei Fans sind in Forenkommentaren nachzulesen.

Vor allem gibt es keine öffentlich sichtbare ligaweite Anstrengung, die Ausprägung des heutigen Fußballs nachhaltig zu verändern. Niemand drängt sich auf, den entstehenden Widersprüchen mit Analysen und allen Mitgliedern der Fußballfamilie – von der Bundesliga bis hin zu den Landes- und Kreisligen – gerecht werdenden Zukunftskonzepten zu begegnen und entsprechend zu handeln. Dafür verdienen alle zentral handelnden Personen wohl nach wie vor noch viel zu gut oder sind in der Kurzsichtigkeit und im Überlebenskampf des wöchentlichen Fußballgeschäfts geradezu verloren (…)

(…) es ist … legitim, wenn die von der langjährigen Ungerechtigkeit betroffenen Vereine alternative, in Teilen radikale Entwürfe zur heutigen Fußballwelt in Erwägung ziehen.

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(…) abgestumpft sind die Fußballfans angesichts der in den vergangenen Jahren aufgedeckten Bestechungen und Korruptionen bei Fifa, Uefa oder DFB.

(…) Schulterzucken ist ein Indiz für die zunehmende Entfremdung zwischen der Fußballbasis und den hohen Funktionären … Die fortschreitende Zerstückelung der Spieltage, die immer irrwitzigeren Ablösesummen und Gehälter … – damit können sich nicht mehr alle Fans identifizieren (…)

[Kommentar von Daniel Klein, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 3. April 2019]

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MedienScreen # 213 [HTTP 404a]

[Fundstück] “Zitate zur Zeit …“, politplatschquatsch.com, 28. März 2019 –

Artikel 13 ist ein beispielloser Schritt zur Transformation des Internets von einer offenen Plattform zu einem Werkzeug für automatisierte Überwachung und Kontrolle der Nutzer.

Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web

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Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im Original.

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“(…) Wussten Sie, dass die erste Matrix als perfekte Welt geplant war, in der kein Mensch hätte leiden müssen. Ein rundum glückliches Leben. Es war ein Desaster. Die Menschen haben das Programm nicht angenommen, es fielen ganze Ernten aus. Einige von uns glauben, wir hätten nicht die richtige Programmiersprache, euch eine perfekte Welt zu schaffen, aber ich glaube, dass die Spezies Mensch ihre Wirklichkeit durch Kummer und Leid definiert. Die perfekte Welt war also nur ein Traum, aus dem euer primitives Gehirn aufzuwachen versuchte. Die Matrix wurde neu designed, zu dem, was sie heute ist … der Höhepunkt eurer Zivilisation (…)“

[Agent Smith in Matrix, 1999]

[Matrix Revolutions (2003), Agent Smith, YouTube.com]

MedienScreen # 212 [Fußballfans. Sachsen. “Nazi-Problem?“]

[Fundstück] Gordian Meyer-Plath, Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen, interviewt in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 23. März 2019 –

(…) Aktuell wird eine niedrige dreistellige Zahl der Fußballanhängerszene dem Bereich Rechtsextremismus zugerechnet. Schwerpunkte sind die Großstädte. Dort bestehen mit “Faust des Ostens“ (Dresden), den “New Society Boys“ (NS-Boys) (Chemnitz) sowie der Gruppe “Kaotic“ (Chemnitz) auch die größten und attraktivsten Strukturen. Darüber hinaus sind die “Black Devils“ aus Hoyerswerda bekannt (…)

(Nicht in Hoyerswerda, aber nach wie vor präsent. Faust des Ostens. Graffiti-Tag – Foto: O.M.)

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(…) Im Mai 2013 laufen Ermittlungen gegen mehr als 100 Beschuldigte der Faust des Ostens. Zitierte damals die Sächsische Zeitung Oberstaatsanwalt Jürgen Schär. Mitte Februar 2015 hat die Faust des Ostens dann etwa 40 Mitglieder. So die zu diesem Zeitpunkt von DPA zitierten Angaben von Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) (…) Im Zusammenhang der 2015’er Februar-Antwort des Innenministers (Vorgangs-Nummer 6/579) auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (DIE LINKE) legt Markus Ulbig etwa 160 Rechtsextremisten in der gewaltbereiten Fußballfanszene in Sachsen zugrunde (…)

[(…) Zählappell – Rechtsextreme Hooligans in Sachsen, 2. September 2015]

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MedienScreen # 211 [“… Stay strong Rui Pinto!”]

[Fundstück] “Spruchbanderklärung: Freiheit für Rui Pinto!“, wanderers-bremen.de, 16. März 2019 –

(…) Bereits im September 2015 wurde von anonymen Whistleblowern die Enthüllungsplattform “Football Leaks“ gegründet. Um die Enthüllungen in Zukunft öffentlichkeitswirksamer zu präsentieren, wurden nach 2016 Kooperationen mit europäischen Medien geschlossen (…) Die Identität des Sprechers von “Football Leaks“, der zunächst unter dem Namen “John“ öffentlich in Erscheinung getreten ist, wurde Anfang des Jahres enthüllt (…)

Wir sind dankbar für den Mut, den Rui Pinto bewiesen hat und hoffen, dass dies erst der Anfang ist, wieder mehr Gerechtigkeit in unseren geliebten Fußballsport zu bringen.

You whistled loud – Stay strong Rui Pinto!

(SV Werder Bremen vs. FC Schalke 04, 8. März 2019 – Foto: Wanderers Bremen Online)

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MedienScreen # 210 [Talk about fascism]

[Fundstück] “Faschismus angeboren: Nazi als ostdeutscher Gendefekt“, politplatschquatsch.com, 26. Februar 2019 –

(…) Der Historiker David Cantoni hat Wahlergebnisse in 11.000 Gemeinden untersucht und herausgefunden, dass die Vorliebe für die Wahl extrem rechter Parteien offenbar auf einen Gendefekt zurückzuführen ist, der sich der derzeit lebenden Generation von radikalen Wählern menschen- und fremdenfeindlicher Parteien nicht direkt zurechnen lässt.

In der “Zeit“ beschreibt Cantoni eine Kontinuität der Grausamkeit, die überall dort, wo einst die NSDAP erfolgreich war, heute die AfD sieht. Der Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, früher Hauptstadt der Bewegung, längst aber tiefgreifend durchdemokratisiert, hat mit seinen Tests der politischen Traditionen in Familien belegen können, dass “Kinder politisch ähnlich ticken, wenn ihre Eltern rechtes Denken pflegen“ (Cantoni).

(…) Faschismus kann angeboren werden. Durch weitgehenden Luftabschluss, wie er in der Sächsischen Schweiz, den endlosen Weiten Mecklenburgs oder in den menschenleeren Brachlandschaften Sachsen-Anhalts gegeben ist, würden extremistische Traditionen weitergegeben wie beschädigte Gene bei Verwandtenehen. “Wenn sich Menschen in einer Community bewegen, in der sie relativ wenig Kontakt zu anderen Leuten, anderen Denkweisen, anderen Lebensstilen haben“, so Cantoni, entstehe eine solche faschistische “Kontinuität in der politischen Denkweise“ häufiger und stärker, begünstigt durch die Lage in kleineren Ortschaften bevorzugt im ländlichen Raum.

Es ist wie in der Epigenetik – die Weitergabe politischer Einstellungen zwischen den Generationen und sogar über den engen Kreis einer Kernfamilie hinaus geschieht nach den Vorgaben aller meiotisch und mitotisch vererbbaren chemischen Veränderungen des Genoms, die durch Umwelteinflüsse wie die Parteimitgliedschaft des Vaters, Talkshow-Vorlieben der Mutter oder frühkindliche Prägungen infolge der Konfrontation mit rechtslastigen Lehrern ohne Veränderung der kodierenden DNS-Sequenz ausgelöst werden.

(…) Wie der Vater, so denkt prinzipiell auch der Sohn. Selbst bei unveränderter Genom-Sequenz ergaben Untersuchungen der frühembryonalern Entwicklung, dass Eltern, die Altnazis sind, häufig Kinder aufziehen, die dann eher selten zu Achtundsechzigern wurden, vor allem in Ostdeutschland. Typischer ist es, so Cantoni, dass Eltern und Kinder ähnliche Einstellungen haben. Wo Vater die NSDAP wählte, entscheiden sich Tochter und Sohn direkt im Anschluss an die Befruchtung der Eizelle und die Zellteilung bis ins 8-Zell-Stadium, dass sie der AfD ihre Stimme geben.

Politische Einstellungen, die Menschen schon in den Dreißigerjahren hatten, sagt Cantoni, hätten sich so “bis heute erhalten“. Anhand von Statistiken über die Wahlergebnisse der NSDAP damals und die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl auf der Ebene der rund 11.000 Gemeinden in Deutschland gelang es den Wissenschaftler, eine starke Korrelation zwischen NSDAP und AfD nachzuweisen. Wo damals die eine Partei stark war, ist es heute die andere. Wo damals Goebbels triumphierte, lacht heute Gauland (…)

(…) Verantwortlich dafür ist vermutlich die molekulare Organisation des sogenannten Goebbels-Genoms, das über epigenetische Modifikationen verfügt, die wie ein hochkomplexer Regulationsmechanismus funktioniert, der sicherstellt, dass nicht alle Gene einer Zelle gleichzeitig gelesen werden können. Dadurch sind chemische Modifikationen der DNS und des Hassbotenstoffs Chromatins in der Lage, nazistische Expressionsmuster wie die Vorliebe für Faschismus und Menschenfeindlichkeit und eine Exposition für Reichstagsbrandgeruch mit großer Präzision weiterzugeben.

Während ehemals vom Nazi-Gen infizierte und durchseuchte Landstriche in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz über konsequente Quarantäne von den emsigen Landeszentralen für politische Bildung ausgemendelt werden konnten, macht Ostdeutschland David Cantoni immer noch große Sorgen (…)

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Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im Original.