ZFC Meuselwitz: Unmoralisches Aufstiegsangebot durch RasenBallsport Leipzig?

Bei relativ ungemütlichem Wetter beschließt Edgar, gemütlich zurück gelehnt im häuslichen Sessel, zur Abwechslung einmal wieder dem sonnabendlichen Sport im Osten beim MDR eine Chance zu geben, gedacht – getan. Eine Hülse aus der regionalen Bierproduktion ist zur Hand, die Fernbedienung wählt unter fingerfertiger Bedienung den entsprechenden TV-Kanal und los geht’s. Draußen ist es, wie gesagt, sowieso ungemütlich und Fußball als solcher, besonders der regionale, interessiert Edgar schon mehr als nur weniger.

Die Sendung plätschert so vor sich hin, genau wie Edgar – von seinen Freunden übrigens Eddi genannt – es von vormaligen Stippvisiten dortselbst in Erinnerung hat. Außerdem ärgert sich Edgar ein wenig, dass er voreilig nach den Ergebnissen der Spiele im Videotext geschaut hat, so toll ist es für die ostdeutschen Vereine am aktuellen Spieltag in den Ligen nicht gelaufen. Schade – aber was soll’s, draußen ist es nicht gemütlicher geworden und Edgar will die Sendung nun auch bis zum Ende schauen, genehmigt sich dafür sogar noch eine zweite Hülse aus regionaler Bierproduktion.

Als der Bericht zur Regionalliga-Begegnung RB Leipzig gegen ZFC Meuselwitz beginnt, murmelt Eddi kurz vor sich hin “RasenBallsport heißen die, RasenBallsport, fast genau so wie Red Bull, nur eben länger, für den MDR wohl zu lang“ und verpasst dadurch ein wenig den Reportage-Einstieg zur Partie. Was war da mit Rasen mähen?, grübelt Edgar. Rasen mähen als Prämie für die Meuselwitzer, falls sie den Rasenballern aus Leipzig gegenüber dem Halleschen FC in der Vorsaison letztendlich zum Aufstieg verholfen hätten?

War die Sendung nicht auch schon einmal besser, als sich unbedingt solcher Reporter-Späßchen bemühen zu müssen?, sinniert Edgar nun vor sich hin und denkt leise seufzend an seinen ungemähten Rasen vor dem Haus.

Das Spiel plätschert, vom Freitagabend zusammengefasst, genau so wie die ganze sonnabendliche MDR-Sendung vor sich hin, die Leipziger – Eddi nuschelt wiederholt “Retortenverein“ – besiegen die Meuselwitzer mit 2:0 scheinbar relativ mühelos. Aber das wusste Edgar ja sowieso schon vom Videotext her.

Fast schon will Eddi, nun doch ein wenig gelangweilt von der Trivialität der Berichterstattung, abschalten oder zumindest den Sender wechseln, da ist gegen Ende des fast achtminütigen MDR-Beitrages schon wieder vom “Rasen mähen“, diesmal regelrecht als Prämie tituliert, die Rede.

Ach Quatsch, denkt Edgar, wer mäht denn wohl billig, fast kostenneutral, den Rasen eines sportlichen Kontrahenten, wenn dieser sich bezüglich eines anderen Rivalen um den Aufstieg in eine höhere Liga mehr oder weniger devot ergebnisdienstlich zeigt? – und dreht unter fingerfertiger Betätigung der Fernbedienung nach ungefähr sechs Minuten und paarunddreißig Sekunden den Ton seines Fernsehgerätes trotzdem etwas lauter …

Meine Güte, Eddi erschrickt fast, als der MDR beim Kapitän von RasenBallsport Leipzig – Daniel Frahn: ’Wenn wir den Aufstieg geschafft hätten, hätte ich mich auch in ’nen Trecker gesetzt und dort den Rasen gemäht’ – sogar senderunüblich noch einmal nachhakt und Herr Frahn plötzlich von einer wohl dahingenend noch ’anderen Sache’ zu sprechen anhebt.

“Alles Quatsch?“, fragt der MDR-Reporter nochmals nach – Edgar reibt sich fast zeitgleich Augen und Ohren und hat die halbvolle Hülse aus regionaler Bierproduktion derweil fast vergessen – und hört nur noch ein genuscheltes ’Nö, nicht alles Quatsch’ aus dem Mund von Daniel Frahn. Die sich anschließend ein wenig aufgeregt wirkende Äußerung von ZFC-Kapitän Frank Müller – ’Es wurde gesagt, für eine Zielleistung, falls wir gewinnen, zeigt sich RB erkenntlich’ – nimmt Eddi allerdings kaum noch so richtig zur Kenntnis.

Edgar denkt derweil an seinen Rasen vor dem Haus, den er wohl morgen oder irgenwann doch allein mähen muss. Er schaltet den Fernseher fingerfertig fernbedienend aus, streicht innerlich ZFC Meuselwitz von der Liste bislang sympathischer Vereine und ist sich sicher, kein Red Bull im Hause zu haben. Und allein das schon stimmt Eddi einigermaßen zufrieden – und noch zufriedener, dass der Traditionsverein Hallescher FC zu seiner persönlichen Freude damals trotzdem aufgestiegen ist. Nur der Rasen müsste eben mal wieder gemäht werden, bilanziert Edgar, aus dem Fenster schauend.

“Und komme mir jetzt bitte nicht mit ’Ein Stück weit unmoralisch ist so ein Angebot schon. Aber auch nicht wirklich unüblich. Und schon gar nicht strafbar’, Blöd-Zeitung, Du“, ruft Edgar noch hinter her. Kolportierte 25.000 Euro – für was denn? Der Rasen wartet, Eddi hat zu tun …

[Dieser Beitrag wurde am 7. Oktober 2012 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

***

Dynamo Dresden und Volkes Stimme

Es war ein sonniger Sonnabend, der zweite seiner Art im November. Der Kaffee tröpfelte gerade morgendlich durch die Maschine, als die Sächsische Zeitung auf dem Frühstückstisch unvermittelt leise zu sprechen anhub: “Siehe, ich bringe dir gedruckte Botschaften aus der weiten Welt und der Region – Lies mich!“ Oder war es etwa nur das Blubbern der Kaffeemaschine?

Doch einige Zeit später, der Kaffee und das Zigarettchen danach dampften vor sich hin, schien wiederum ein papierraschelndes Stimmchen im sonnendurchfluteten Raum zu erklingen: “Lies mich! Bitte! Ich bringe dir Botschaften! Botschaften zu den bösen Mädels und Buben aus dem Umfeld von Dynamo Dresden, Ultras oder Hooligans oder Fans, wie immer die auch heißen.“ Leichtes Stirnrunzeln am fast schon aufgeräumten Frühstückstisch – nur der Kaffee in der Tasse und das Zigarettchen im Aschenbecher dampfen noch vor sich hin. War der Freitagabend wirklich so heftig, so deftige Nachwehen von der klitzekleinen Feier, dass man nun schon eine gedruckte Zeitung sprechen hört?

Das papieren klingende Flüstern vom Tisch her wird nun ein wenig nachdrücklicher, eine Fiktion ist fast ausgeschlossen, die Sächsische Zeitung scheint wirklich zu sprechen: “Ich bringe dir Botschaften! Ich bringe dir Volkes Stimme!“ Immer noch leicht irritiert tastet eine Hand bereits nach der gedruckten Ausgabe der Zeitung. Halt! Stopp! Hier spielt doch wohl jemand einen kleinen Streich an so einem wunderschön sonnigen Novembersonnabend?

Nein, die Stimme geht einem nicht mehr aus dem Ohr: “Schau dir mein Leserforum an. Lies, was Volkes Stimme rund um Dynamo Dresden zu sagen hat. Sieh, wie wohlfein dabei differenziert wird. Schau, wie ich den Boden dafür bereitet habe.“

Nun allerdings ließ sich der Griff zur Zeitung durch nichts mehr unterdrücken –

“Wie bekommt Dynamo die Randale in den Griff?

Dynamos Auswärtsspiele sind begleitet von Prügel und Ausschreitungen. Der Verein sucht Lösungswege. Hier diskutieren SZ-Leser …

Nun ja, auf den ersten schweifenden Blick 23, nein genau 24 gedruckte Beiträge im Leserforum der quasi sprechenden Zeitung. Oh oh, 24 ist ja ganz schön knapp bei 23 und Nichts ist so wie es scheint, murmelte plötzlich eine weitere Stimme im Raum vor sich hin, verstummte allerdings abrupt, zudem noch überdeckt von fast schon zu hörenden huschenden Augen durch besagtes Leserforum und dem Geräusch der erneut vor sich hin tröpfelnden Kaffeemaschine.

Derweil blieben die huschenden Augen mitten auf der Seite des Leserforums erst einmal gewissermaßen hängen. “… Dynamo kann die Randale so lange nicht in Griff bekommen, solange selbst der Fanbeauftragte, und dies nicht zum ersten Mal, die Schuld nicht bei den Chaoten, sondern bei den Einsatzkräften der Polizei sucht und deren Einsatz als unverhältnissmäßig bezeichnet …“

Nicht übel für den Auftakt, sagten die Augen und schauten interessiert weiter. “… Solange Ultras und Dynamo-Hooligans zu Brandstiftung und Prügeleien mit der Polizei aufrufen, sind sie kriminelle Vereinigungen und von unserer bisher zu weichen Justiz durch echte Strafen zu erziehen …“

So, die durch eine nachträglich zweite, übrigens ohne weitere Nebengeräusche, vollgeblubberte Kaffeekanne mehr und mehr koffeingestärkten Augen wurden noch aufmerksamer und lasen weiter – “… Der Polizist, der zu seiner Verteidigung zuschlägt, muss sich dafür verantworten. Der Steinewerfer nicht …“ Noch ein Käffchen? – denn weiter geht’s mit beispielsweise “… Konsequenter vorgehen, den Verein auflösen …“ beziehungsweise “… von städtischer Seite nicht einen Cent mehr in dieses Unternehmen stecken …“ oder, wenn das schon nicht klappt, wenigstens “… Ausweisscanner an die Eingänge, inklusive persönliche Ausweisidentifikation wie im Flughafen …“

Mittlerweile war dann schon die dritte Kanne Kaffee durchgelaufen, so eine durch und durch spannend ausführliche und zudem noch bildende Lektüre am sonnabendlichen Vormittag geht ja ohne entsprechendes Doping schon mal gar nicht: “… Dynamo sollte endlich dauerhaft Video-Überwachung einsetzen, verdeckte Polizeikräfte auf die Ränge schicken …“ Zukunft, ich scheine dich zu hören – “… Die Vereinsführung verhätschelt die Ultras. Teilweise hatten die Ultras die Macht über die Sicherheit im Stadion. Es gibt … offensichtlich in der Vereinsführung Kräfte, die zumindest solche Ausschreitungen tolerieren …“ Zuviel Kaffee ist nicht gut.

Trinken andere Menschen auch nur Kaffee? – “… Wenn ich sehe, dass die Polizei nicht eingreift, frage ich mich, warum man die Polizei zur Arbeitsverweigerung nötigt und die Justiz untätig bleibt …“ Na, zumindest die Kaffeemaschine hatte sich derweil nicht arbeitsverweigernd mehrmals durchgeblubbert, aber dieser bezügliche Vergleich hinkt wohl ein wenig, wie ein jeder seiner herbeizitierten Art.

Dafür allerdings liest sich eine in besagtem Forum publizierte Lesermeinung dann fast schon wie resümierend: “… Nur durch intensive Bestrafung der Täter bekommt Deutschland das Problem in den Griff – allerdings erst, wenn Polizisten sich nicht für jeden Schlagstockeinsatz verantworten müssen …“

Man mag an imaginären Lagerfeuern trefflich darüber streiten, wie und von wem Leserbriefe zustande kommen und dann letztendlich mit welcher Absicht auch immer publiziert werden, whatever.

Es war vormals ein sonniger Sonnabend, der zweite seiner Art im November – und dann wurde irgendwie der Kaffee kalt.

“… Die halbe Welt weiß, dass immer die mit den Clownsmasken und den weiß-blau-roten Kopfbedeckungen die gesamte Pyrotechnik zünden! …“

Nota bene: “… Eventuell müssten einige Fans zum Psychiater/Psychologen zur Pflichttherapie …“

Ist noch ein frisch geköchelter Kaffee gefällig?

*Alle fett kursiv gesetzten Zitate – auszugsweise – so im Original: Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), Leserforum, 12. November 2011*

[Dieser Artikel wurde am 14. November 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Dynamo Dresden: Schnöder Online-Auftritt

Kalle und Kulle sind zuweilen öfter im World Wide Web unterwegs, gerade an einem trübe verregneten Wochenende. Nicht, dass die zwei keine Freundinnen oder Freunde hätten, die beiden informieren sich halt einfach gern online hier und da aktuell über etwaige Neuigkeiten – gerade an einem trübe verregneten Wochenende – zumal, wenn Freundinnen und Freunde etwas anderes vorhaben. Bei ihren Recherchen sind die zwei Freunde zudem ziemlich versiert im Umgang mit ihrer Rechentechnik in der heimischen Wohngemeinschaft. Und da Kulle und Kalle, wie die Nachbarn oft lautstark hören können, dem Fußballsport als solchem zugetan sind, tangieren ihre Online-Ausflüge natürlich auch mehr als lediglich mitunter fußballerisch relevante Homepages.

“Schau mal“, sagt Kalle zu Kulle, dabei von seinen zwei Bildschirmen kurz aufblickend, “ich lese hier gerade bei Ostfussball.com, dass laut den Angaben von meedia.de die Dresdner Dynamos neben ihrem realen Aufstieg sogar auch noch quasi Drittliga-Internet-Meister geworden sind und zudem in der letzten Saison wohl mehr Besucher auf der offiziellen Website des Vereins hatten, als alle Zweitliga-Clubs und acht der Bundesliga-Vereine“.

“Dynamo Dresden?“, murmelt Kulle fragend vor sich hin – dabei ebenfalls kurz von den vor ihm flimmernden zwei Bildschirmen aufblickend – “Basecap ab für so eine solide Leistung als Drittligist im virtuellen Raum“, und weiter grinsend: “Ach ja, unspannend war der reale Aufstieg der Dresdner über die Relegation ja auch nicht gerade“.

Nach einer längeren – lediglich durch Tastaturklappern unterbrochenen – Stille flüstert Kalle plötzlich: “Kulle, magst du Tetris?“ Und Kulle schreckt – welche Websites auch immer gerade betrachtend – hoch und stöhnt: “Auweia, ja, ich zocke das Teil manchmal immer noch, unerreicht genial, kann regelrecht süchtig machen, so simpel das Game auch ist“. “Ah ja, du bist ja schließlich auch ein Online-Urgestein“, antwortet Kalle.

Schweigen, Tastaturgeklapper, leise Musik im Hintergrund … Fünf Minuten später Kulle: “Warum fragst du eigentlich gerade jetzt nach Tetris, dem Spiel meiner längst verflossenen Jugend?“ und schaut grinsend zu Kalle.

“Ach“, antwortet Kalle, “ich habe hier eine Homepage auf einem meiner Schirme, die schaut sich an, als hätte sie ein Tetris-Fan mal so nebenbei entworfen und dann einfach ins Web gestellt“. “Eine neue Tetris-Fan-Site?“, wird Kulle aufmerksam. “Nö“, entgegnet Kalle, “hat irgendwas mit Fußball zu tun, also auch mit Fans, allerdings lese ich gerade eine Mitteilung, es sei eine Übergangswebsite oder so“.

Kulle nuschelnd: “Und du hast doch was gegen Tetris, du jünglicher Ignorant der Old-School-Online-Zeiten“. Dann deutlicher: “Los, schick’ mir mal den Link der Seite, wenn du mich jetzt schon neugierig gemacht hast“. “Quark“, sagt Kalle, “wir sitzen im selben Raum und dann schicke ich dir virtuell einen Link, hast’e sie noch alle? Ich sag’ ihn dir einfach, kannst ja gleich in deinen Browser mitmeißeln … Moment … dynamo-dresden.de“.

Stille. Lange Stille. Dann die Stimme von Kulle: “Ich spiele jetzt lieber Tetris“. Kalle: “Es ist doch nur eine so genannte Übergangswebsite, hast du denn die Infos nicht gelesen?“ Kulle: “Lass mich in Ruhe, ich drehe gerade die Würfel bei Tetris …“.

[Dieser Artikel wurde am 3. Juli 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Dynamo Dresden: Wer hat’s erfunden?

Ohne den Werbespot für einen durchaus bekannten Kräuterbonbon auch nur im Geringsten lächerlich machen zu wollen, könnte man an dieser Stelle quasi vorab zur Abwechslung allerdings doch auch gleich einmal mit einer niveauvollen Preisfrage beginnen. Um welchen bundesdeutschen Fußball-Klub handelt es sich, wie aktuell im Folgenden beschrieben: Polizeisportverein, Regionalliga zugehörig, mit in der Vergangenheit geschwenkten Hakenkreuz-Fahnen in der Fankurve? Keine Lösung? Der Telefonjoker murmelt: “Ostdeutschland“. Immer noch keine richtige Peilung?

Und siehe da, die virtuelle Welt zeigt den Weg und die Auflösung, irgendwie jedenfalls. Es handelt sich, die geneigte Leserschar ahnte es ob der Überschrift wohl schon längst, um die SG Dynamo Dresden (SGD), jedenfalls irgendwie. Nun mag eventuell der kleinliche Einwand kommen, die SGD spiele doch gar nicht in der Regionalliga und das mit den Hakenkreuzfahnen …? “Liga-Namen sind doch nur Schall und Rauch, aber Ostdeutschland als Tipp hat gestimmt“, murmelt schläfrig der Telefonjoker. Und die Hakenkreuzfahnen in der Fankurve – bildpolemisch geschildert, als wäre es scheinbar gerade erst gestern gewesen? Der Telefonjoker nuschelt leicht gereizt: “Wer hat’s erfunden?“. Nichts einfacher als das, nun auch gegenseitig ein wenig behilflich sein zu können und zur Quelle der Erkenntnis, der Aargauer Zeitung, zu führen.

(…) Seit Jahren dümpelt der achtfache Deutsche Meister Dynamo Dresden ohne sportlichen Erfolg im tiefsten Deutschen Profispielbetrieb, der dritten Bundesliga, herum. Der eigens für den ehemaligen Polizeisportverein errichtete Fussballtempel sollte aber Ruhm und Ehre aus vergangenen Tagen in die Ostdeutsche Metropole zurücktragen (…)

Der Gasanbieter – einst auch Anbieter für Schornsteinfeger – kauft der “Stadion Projektgesellschaft“ die Namensrechte daraufhin ab und tauft das “Rudolf-Harbig-Stadion“ in “Glücksgas-Stadion“ um. Dieser Stadionname bringt den Verein erneut in die Nähe der rechtsextremen Szene (…)

Es ist nicht das erste Mal, dass Dynamo Dresden Nähe zur “braunen Suppe“ nachgesagt wird. So suchten Neonazis in der Vergangenheit in unregelmässigen Abständen die Fankurve des Vereins heim und skandierten dort Hitler-Parolen (…)

[So im Original: “Wie das neue Stadion in Dresden eine Nazi-Debatte entflammen konnte“, aargauerzeitung.ch, nach Eigenangabe dortselbst “Aktualisiert am 03.02.11, um 16:01“]

(…) Nun muss sich Dynamo Dresden neben dem Vorwurf der rechtsextremen Szene zu nahe zu stehen mit einem ganz anderen Problem herumschlagen. So feilscht der ehemalige Polizeisportverein seit Errichtung und Einweihung des modernen Stadions mit der Landeshauptstadt Dresden um die Höhe des zu bezahlenden Mietzinses (…)

[So im Original: “Wie Dynamo Dresden gegen zu hohe Mietkosten kämpft“, aargauerzeitung.ch, nach Eigenangabe dortselbst “Aktualisiert am 04.02.11, um 16:21“]

“Oh menno“, tröpfelt es Minuten später murmelnd aus dem Telefonhörer, “bei den Schweizern spielt Dynamo doch korrekt in der 3. Liga und mit Hakenkreuzfahnen ist da so auch nichts zu lesen. Und außerdem, ich habe zwar auf den Rängen bei Dynamo früher wirklich einiges erlebt, auch in und nach den 89’er Zeiten, aber Hakenkreuzfahnen? Der Schreiberling packt wohl alle seine Vorurteile auf einen Haufen und dann in zwei Artikel, fabriziert dabei stellenweise arg grenzwertige Zusammenhänge und fertig ist für ihn die tausendjährige Nazi-Fan-Laube in Dresden“. Erstaunt ob des untypisch längeren Monologs schweigt der Telefonjoker, vielleicht lauscht er auch nur ergriffen seinem etwas gewagten Wortspiel hinterher.

“Aargauer Zeitung?“, knurrt es kurz danach wieder aus dem Hörer, “Schweiz? Da läutet doch was. Böni, Andreas Böni und die ’Hölle von Dresden’, damals in Sport-BILD, der schreibt doch seit einiger Zeit in der Schweiz“. Stille am Telefon, dann: “Nein, habe jetzt extra noch mal nachgeschaut, Vasilije Mustur heißt das journalistische Genie, das alles zusammengewürfelt in den Braune-Brühe-Topf geworfen hat“.

Und wieder herrscht stille Stille am Telefon, lediglich Tastaturklappern und Musik ist im Hintergrund zu vernehmen. “Ach, jetzt geht mir eine Kerze an“, murmelt der Joker fast schon wieder schläfrig. “Die Aargauer Zeitung hat da was zusammengeschustert und als seriösen Journalismus verkauft, dann aus irgendwelchen Gründen die am auffälligsten und inhaltlich verquersten Sachen einfach verschlimmbessert, ohne es irgendwie kenntlich zu machen, geschickter Menschenschlag verträumt da hinter den Alpen, irgendwie jedenfalls“.

(…) Seit Jahren dümpelt der achtfache Deutsche Meister Dynamo Dresden ohne sportlichen Erfolg im tiefsten Deutschen Profispielbetrieb, der Regionalliga, herum. Der eigens für Dynamo Dresden errichtete Fussballtempel sollte aber Ruhm und Ehre aus vergangenen Tagen in die Ostdeutsche Metropole zurücktragen (…)

Der Gasanbieter kaufte der Stadion Projektgesellschaft die Namensrechte ab und taufte das “Rudolf-Harbig-Stadion“ in “Glücksgas-Stadion“ um. Dieser Stadionname bringt den Verein erneut in die Nähe der rechtsextremen Szene (…)

Es ist nicht das erste Mal, dass Dynamo Dresden Nähe zur “braunen Suppe“ nachgesagt wird. So suchten Neonazis in der Vergangenheit sporadisch die Fankurve des Vereins heim, skandierten dort Hitler-Parolen und schwenkten Hakenkreuz-Fahnen (…)

[So im Google-Cache, “Abbild der Seite, wie diese am 3. Febr. 2011 15:50:15 GMT angezeigt wurde.“]

(…) Nun muss sich Dynamo Dresden neben dem Vorwurf der rechtsextremen Szene zu nahe zu stehen mit einem ganz anderen Problem herumschlagen. So feilscht der Polizeisportverein seit Errichtung und Einweihung des modernen Stadions mit der Landeshauptstadt Dresden um die Höhe des zu bezahlenden Mietzinses (…)

[So im Google-Cache, “Abbild der Seite, wie diese am 4. Febr. 2011 15:49:20 GMT angezeigt wurde.“]

Fast abrupt legt der Telefonjoker auf, gerade noch bleibt ein genuscheltes “Peinlich das Ganze, oberpeinlich“ akustisch nachschwingend in der Leitung hängen und irgend so etwas wie: “Der neue Stadionname ist aber auch …“.

Der Autor reibt sein vom längeren Telefonat ein wenig taubes Ohr. Und dann seine Augen – die von der Aargauer Zeitung veröffentlichte Vereinsgeschichte der SGD endet online nach wie vor: “Nun spielt Dynamo wieder in der Regionalliga“.

Auf Nachfrage sagte SGD-Pressesprecher Enrico Bach, er habe “die Interviewanfrage der Aargauer Zeitung eigentlich als seriös empfunden“.

[Dieser Artikel wurde am 7. Februar 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

1 2