Münchner Merkur köchelt Eintopf Ostfußball

Ostfussball.com möchte aus gegebenem Anlass die werten Damen und Herren beim Münchner Merkur auf diesem Weg ganz einfach nur auf die kleinen – von München aus in den Osten der Bundesrepublik schauend scheinbar kaum wahrnehmbaren – Unterschiede zwischen Elbe und Ostsee, zwischen Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, zwischen Ultras Dynamo und Suptras Rostock und letztendlich zwischen Gelb-Schwarz und Blau-Weiß aufmerksam gemacht haben; sind wir nicht nett? Aber auswärts – und vor allem im Westen der Bundesrepublik – sind sie ja wohl nicht so nett und sowieso alle gleich, diese Ossi-Fußball-Fans, so jedenfalls liest es sich bebildert zusammengefasst beim Münchner Merkur. Merde, da haben wir wohl einiges verpasst, uns im Osten sagt ja auch keiner was.

Aber blind sind wohl eher andere, wenn sie denn Köchin oder Koch beim ’Eintopf Ostfußball’ spielen dürfen …

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(merkur-online.de, 30. September 2011 – Screenshot: O.M.)

Da Ostfussball.com aber mitnichten nachtragend ist, möchten wir – wie bereits vor gut einem Jahr einem damals anderen Adressaten (Abenteuer Fußball im Osten: Stuttgart, Chemnitz und retour) – nunmehr auch den Münchner Merkur freundlich darauf hinweisen, um weitere West-Ost-Missverständnisse bereits vorab möglichst minimieren zu können, dass Soljanka beileibe kein Brauchtumsritual oder gar Paarungstanz und Goldbroiler genau so wenig eine Währungseinheit ist – Helau.

Post Scriptum: Kurz nach 16:30 Uhr wurde vom Münchner Merkur dann die Bebilderung in besagtem Artikel (Löwen-Duell gegen Dynamo als Hoch-Risiko-Spiel) substituiert.

[Dieser Beitrag wurde am 30. September 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

MedienScreen # 13 [Hooligans aus Elbflorenz, Feldforschung vor Gericht]

(…) Deutschland hat am 3. Juni das Qualifikationsspiel für die Fußball-Europameisterschaft in Wien gegen Österreich mit 2:1 gewonnen. Am Rande des Spieles gab es einen weiteren Sieg: Deutsche Hooligans schlugen im wahrsten Sinne des Wortes Gleichgesinnte aus Österreich im Vergnügungspark “Prater“. Rund 60 junge Männer von jeder Nation prügelten aufeinander ein.

“Erst standen sie sich gegenüber und machten sich mit Dehnübungen warm. Dann sind die Fäuste geflogen. Das Ganze dauerte zwei bis drei Minuten. Danach sind alle in Windeseile verschwunden“, erklärte (…) ein Polizist aus Nürnberg als Zeuge im Landgericht Dresden. Der Beamte ist einer von 14 Polizisten in der deutschen Delegation, die die Spiele der Nationalmannschaft begleiten. Den Spuk verhindern konnte er nicht. “Die uniformierten österreichischen Polizeikräfte waren mit rund 500 deutschen Hooligans in der Innenstadt beschäftigt.“ (…)

Ob Hooligans aus Dresden in Wien mitgemischt haben, ist nicht bekannt. Bei den schweren Krawallen am Rande des Länderspiels gegen die Slowakei am 1. September 2005 in Bratislava waren aber 30 Dresdner Hooligans mit dabei, sagte ein szenekundiger Polizeibeamter aus Dresden aus. Es sei zu befürchten, dass es bei der Fußball-Europameisterschaft im nächsten Jahr in Polen und der Ukraine nicht nur Länderspiele auf dem Rasen gibt. Sondern auch ein Kräftemessen zwischen den Hooligan-Gruppierungen der für die Endrunde qualifizierten Staaten, mutmaßte der Nürnberger Polizist.

Seit Ende August verhandelt die Staatsschutzkammer des Landgerichts (…) gegen fünf mutmaßliche Mitglieder der Gruppierung “Hooligans Elbflorenz“ wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Gestern verschaffte sich die Kammer einen allgemeinen Überblick über die Hooligan-Szene in Deutschland und Dresden. Nach den Angaben des fränkischen Beamten hat fast jeder Bundesligist einen Hooligan-Trupp, der sich regelmäßig außerhalb des Stadions zu sogenannten Drittort-Auseinandersetzungen mit den Hooligans anderer Vereine trifft (…)

Auch die “Hooligans Elbflorenz“ sollen bei solchen “Matches“ fleißig mitgemischt haben. Rund 75 gewaltbereite Hooligans gibt es im Umfeld von Dynamo Dresden, dazu 450 zur Gewalt neigende Anhänger, die sogenannten “Ultras“. Die meisten “Ultras“ seien politisch dem linken Spektrum zuzuordnen. Eine Untergruppierung namens “Faust des Ostens“ stehe aber dem rechtsextremen Lager nahe, so der Dresdner Beamte.

(…) Der Prozess wird voraussichtlich bis ins Frühjahr 2012 fortgesetzt.

[Quelle – “Dynamo-Hooligans: Problemfall in der Liga und bei Länderspielen“, Dresdner Neueste Nachrichten, 29. September 2011]

[Dieser Beitrag wurde am 29. September 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 12 [Peinliche SG Dynamo Dresden und Dixie Dörner]

[Fundstück] Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 26. Januar 2011 –

(…) “Wir möchten, dass Dixie den Verein weiter unterstützt – in welcher Form auch immer“, sagte [SGD-Aufsichtsrats-Chef] Bohn.

[Fundstück] “Dynamo-Idol Dörner bei den Schwarz-Gelben abserviert! ’Viel versprochen, nichts gehalten’“, Dresdner Morgenpost, 21. September 2011 –

(…) Er ist eines der größten Dynamo-Idole überhaupt – doch die Schwarz-Gelben wollen Hans-Jürgen Dörner nicht mehr.

“Ich bin schon sehr enttäuscht, wie die ganze Sache gelaufen ist.“ (…) die Enttäuschung in seiner Stimme ist unüberhörbar: “Mir wurden von verschiedenen Leuten oft Zusagen gemacht, die aber am Ende alle nicht eingehalten wurden.“ Auch die letzte nicht: “Dixie“ sollte als Scout arbeiten. “Doch Steffen Menze hat mir mitgeteilt, dass dafür kein Geld da sei. Die Scouting-Abteilung wurde komplett aufgelöst. Jetzt suche ich nach einem Job bei anderen Vereinen in dieser Richtung. Für den Ruhestand ist es noch zu früh, ich möchte meine Erfahrung gern einbringen.“ Und zwar aus 392 Oberliga-Spielen, 100 Einsätzen für die DDR-Nationalmannschaft und mehr als 20 Jahren als Trainer.

Seinen letzten Job bei Landesligist Radebeul, mit dem er 2009 den Aufstieg geschafft hatte, gab der einstige Weltklasse-Libero im Juni 2010 auf – weil seine Dynamos gerufen hatten. Die Idee dazu kam von Reinhard Calmund, als Berater von Matthias Maucksch leistete Dörner seinen Beitrag zum Aufstieg. Zwischenzeitlich sollte er sich mit Aufsichtsrat Thomas Dathe um die Transfers für die jetzige Saison kümmern. Mit Menzes Verpflichtung als Sportchef im Frühjahr war das nach wenigen Tagen wieder hinfällig.

Beim Laureus-Benefizspiel am 4. September bekam “Dixie“ Dörner bei der Vorstellung den lautesten Beifall der Fans. Die haben ihr Idol nicht vergessen – im Gegensatz zu den derzeitigen Dynamo-Verantwortlichen.

[Dieser Beitrag wurde am 21. September 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 11 [Hooligans Elbflorenz, Rechtsauslegung]

(…) Die Angeklagten im Prozess gegen die “Hooligans Elbflorenz“ könnten den Durchschnitt der männlichen deutschen Bevölkerung zwischen 19 und 35 Jahren repräsentieren: ein Versicherungskaufmann, ein Inhaber eines Parkettstudios, ein Türsteher, ein Auszubildender und ein organisierter Neonazi. Ihre Gemeinsamkeit besteht in der Freude an gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Ihresgleichen: Über Jahre hinweg sollen die fünf Männer Anführer einer Gruppe von bis zu 50 Hooligans gewesen sein, die sich in der bundesdeutschen Szene durch zahlreiche erfolgreiche “Matches“ einen Namen gemacht hat. Bei diesen “Matches“ handelt es sich um sogenannte Drittortauseinandersetzungen, das heißt um Verabredungen mit anderen Hooligan-Gruppen, um nach vereinbarten Regeln, jenseits von Stadion und Ligabetrieb, aufeinander loszugehen. Ein “Match“ dauert in der Regel nicht länger als eine Minute. Die Staatsanwaltschaft Dresden und eine Sonderermittlungsgruppe des LKA Sachsen vermuteten die Bildung einer kriminellen Vereinigung und verfolgten die Gruppe.

Zahlreiche Telefonate wurden über einen Zeitraum von wahrscheinlich mehr als zwölf Monaten abgehört, mindestens ein verdeckter Ermittler wurde eingeschleust, es wurden Observationen durchgeführt und Hausdurchsuchungen vorgenommen. Dass man in Sachsen manchmal zu einer speziellen Rechtsauslegung neigt, ist nicht neu (…) So wurden im Ermittlungsverfahren nach Angabe des Rechtsanwaltes Rolf Franek die Gespräche zwischen Verteidigung und Mandanten vom LKA abgehört und protokolliert. Bei der ersten Akteneinsicht seien diese Protokolle noch zugänglich gewesen, inzwischen seien sie entfernt worden. Weitere Kompetenzüberschreitungen der Behörden werden nach Ansicht der Verteidigung in der Hauptverhandlung (…) eine Rolle spielen. Die große Frage der ersten Verhandlungstage ist die Feststellung der Sittenwidrigkeit der verabredeten “Matches“. Die Verfolgung von Hooligans nach Paragraph 129 des Strafgesetzbuches ist ein Novum in der deutschen Rechtsgeschichte, das stellten sowohl die Verteidigung als auch der Vorsitzende Richter des Landgerichtes fest. Franek argumentiert, dass eine Körperverletzung mit Einwilligung des Verletzten grundsätzlich nicht rechtswidrig sei, wenn keine Sittenwidrigkeit vorliege. Die vorher von den Beteiligten vereinbarten Regeln der “Matches“ schlössen eine solche Sittenwidrigkeit aus.

Der Schweizer Soziologe und Hooligan-Experte Marice Illi sagte gegenüber der Jungle World: “Hooligans im klassischen Sinne, die ihre Aktionen bewusst planen und mit den gegnerischen Hooligans teils sogar in kollegialem Kontakt stehen, halten sich bei ihren Kämpfen an einen Ehrenkodex: gleich große Gruppen, kein schweres Schuhwerk, keine Waffen, kein Nachtreten bei Fall zu Boden. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass bei einem fairen Fight dies auch eingehalten wird.“

(…) Beim Prozess am Dresdner Landgericht wird ein Grundsatzurteil zur Frage der Strafbarkeit solcher “Matches“ erwartet. Illi verweist darauf, dass Repression nichts am Vorhandensein gewalttätiger Subkulturen ändern kann: “Unsere Gesellschaft, wenn auch immer zivilisierter, bringt ein gewisses Maß an Gewaltbereitschaft mit sich. Wenn durch solche Hooligan-Aktionen dieses Potential auf Feld, Wald und Wiese abgebaut werden kann, sehe ich darin nicht nur Nachteile.“

[Quelle – “Prozess gegen Hooligans in Dresden – Verprügeln mit Fair Play“, jungle-world.com, 8. September 2011]

[Dieser Beitrag wurde am 8. September 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 10 [In memory of Lutz Eigendorf]

[Fundstück] Frank Willmann: “Die Legende vom Eisenfuß“, jungewelt.de, 6. September 2011 –

(…) In der Spätphase der DDR kickten beim BFC Dynamo allerhand junge Männer mit entwickeltem Konsumdenken. Als staatlich anerkannte Amateure mit dickem Gehalt, die ausschließlich fürs Kicken bezahlt wurden, konnten gute Oberligaspieler durchaus mit einem Schlossermeister der PGH “Fröhliche Laubsägekunst“ mithalten. Wer einmal fett Kohle gesehen hatte, wollte selbstredend gern auch noch mehr davon. Spielerwechsel innerhalb der sozialistischen Staatengemeinschaft waren nur schwer möglich. Und welcher Spieler hatte schon Bock auf mongolische Melonen, tschetschenische Bohnensuppe oder rumänische Krautwickel? Die richtig harte Kohle und das ganze schicke Drumherum, das gab’s in Massen nur im Westen zu holen (…) Der goldene Westen lockte etliche Kandidaten, doch nicht alle hatten den Mut eines Lutz “Eisenfuß“ Eigendorf.

1956 in Brandenburg geboren, kam Lutz schon im zarten Alter von vierzehn zum BFC Dynamo (…) insgesamt kickte er 100mal in der DDR-Oberliga für den BFC. 1978 schoß er bei seinem Debüt in der Nationalmannschaft gleich zwei Tore. Ein Jahr später, am 20. März, nutze Lutz Eigendorf einen Stadtbummel durchs dröge Gießen, um sich von der Mannschaft des BFC Dynamo abzusetzen. Das DDR-Team war anläßlich eines Freundschaftsspieles gegen den 1. FC Kaiserslautern im Westen. Ob er während des Spiels von Kaiserslauterer Seite angeworben wurde, ist nur zu erahnen. Mielke soll getobt haben, als er von Eigendorfs Abgang erfuhr (…)

Nach Eigendorfs Flucht sperrte ihn die UEFA für ein Jahr wegen Vertragsbruchs. Während dieser Sperre arbeitete er in Kaiserslautern als Trainer. Als er endlich wieder Fußball spielen konnte, war ihm die alte Stärke verlorengegangen. Er wurde in Kaiserslautern nie glücklich und wechselte 1982 zu Eintracht Braunschweig. In Westdeutschland wurde er von knapp fünfzig westdeutschen MfS-Informanten bespitzelt. In den Stadien der DDR erscholl hinfort bei Spielen des vermeintlichen Stasiclubs BFC Dynamo der provokative Gesang “Wo bleibt denn der Eigendorf“ und trieb die Funktionäre auf die Palme.

In der Nacht des 5. März 1983 wurde Eigendorf bei einem Verkehrsunfall in Braunschweig schwer verletzt. Er starb zwei Tage später. Er hatte 2,2 Promill im Blut. Doch manche vermuteten einen MfS-Auftragsmord. Der Unfall wurde immer wieder aufgerollt. Anfang 2011 gab dann die zuständige Staatsanwaltschaft bekannt, es gebe im Fall Eigendorf keine objektiven Hinweise auf ein Fremdverschulden.

Nach seinem Unfalltod hatten die BFC-Fans Flagge gezeigt. Mit einem Spruchband gedachten sie beim nächsten BFC-Spiel ihres “Eisenfußes“. Ordner und Polizisten versuchten, das Spruchband zu konfiszieren, doch der BFC-Block verteidigte diese letzte Erinnerung bis aufs Blut.

[Dieser Beitrag wurde am 6. September 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

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