Archiv der Kategorie: PoliticalScene

MedienScreen # 290 [BündnisOlivGrün sells]

[Fundstück] Felix Klopotek, “Green Peace“, konkret, 5/2022 –

(…) War Krieg für die Grünen vor wenigen Wochen noch die ultima ratio, nur denkbar als begrenzte, nun ja: Spezialoperation – so wurde die Zustimmung der Parteispitze zum Nato-Überfall auf Jugoslawien in die Parteigeschichte integriert -, scheint er jetzt die Herausforderung zu sein, die pazifistisch versiffte Nationen dringend benötigen, um sich mental zu verjüngen und wirtschaftlich und infrastrukturell neu aufzustellen. Man darf nicht vergessen, dass es nie nur die pragmatische, realpolitische und pedantisch auf Quote und Proporz pochende Seite der Grünen gab, sondern immer auch die visionäre, gesellschaftsplanerische.

(…) moralische Standards waren stets Teil der grünen intellektuellen Visionen, konnten aber tagesaktuell geopfert werden, wenn es darum ging, die Staatsräson durchzusetzen (…)

***

MedienScreen # 288 [OliveGreen Way]

[Fundstück] “Vorsicht, Merkel-Falle!“, Stephan-Andreas Casdorff, Kommentar, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 13. April 2022 –

(…) Auf dem Grünen-Parteitag 1999 wurde der damalige Außenminister Fischer wegen des Kosovo-Einsatzes der Nato (mit der Bundeswehr) mit einem Farbbeutel beworfen. Nicht nur für den linken Fundi-Flügel bedeutete das Ja zum Einsatz eine Zäsur (…)

Und heute? Waffenlieferungen! Einsätze außerhalb des Bündnisgebietes! So sieht die Wirklichkeit aus. Außenministerin Baerbock fordert die Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine. Und Kritik ist nicht vernehmlich.

(…) Die Wandlung beispielsweise bei Baerbock und Habeck ist schon für die Öffentlichkeit atemberaubend. Wie muss die erst auf die Partei wirken? (…) Die Grünen schienen vor der jüngsten Wahl kurzzeitig auf dem Weg zur Volkspartei zu sein (…) Die Performance von Baerbock und Habeck (…) beflügelt diese Vorstellung wieder.

***

(Screenshot Twitter: O.M.)

***

MedienScreen # 285 [War Games]

[Fundstück] Bernhard Torsch, “Welle machen“, konkret, 3/2022 –

(…) Seit sie im Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee die Hintern versohlt bekamen, ist ein nicht unerheblicher Teil der Deutschen russophil, denn der autoritäre Charakter bewundert den, der stärker ist als er selbst, und heute sind die größten Putin-Fans nicht mehr Kommunisten, sondern die Arschlöcher für Deutschland und andere neue Nazis. Eine ähnliche Liebe zum Volk der deutschen Täter entwickelte sich in Russland zwar nicht in der Breite der Bevölkerung, aber die durchweg rechtsradikalen und rassistischen “Intellektuellen“, die die russische Debatte seit dem Ende der Sowjetunion dominierten, fanden Deutschland ebenso attraktiv wie die Oligarchen, die dort gierige Abnehmer von Rohstoffen sowie Wäscher unversteuerter Gewinne rekrutieren konnten (…)

***

(Sächsische Zeitung, 28. Februar 2022 – Screenshot: O.M.)

***

(Screenshot Twitter: O.M.)

MedienScreen # 284 [Freedom Day light]

[Fundstück] Markus Feldenkirchen, “Zurück ins Leben“, DER SPIEGEL, 19. Februar 2022 –

Am 20. März also sollen (…) so gut wie alle Coronamaßnahmen auslaufen. Einige geschichtsvergessene Mitbürger sind darüber so aus dem Häuschen, dass sie von einem Freedom Day sprechen. Das ist, mit Verlaub, Kokolores und an Peinlichkeit kaum zu übertrumpfen. Als Freedom Day wurde bislang zum Beispiel jener Tag im Jahr 1994 bezeichnet, an dem in Südafrika die Apartheid endete (…) Oder der Tag der Nelkenrevolution in Portugal (…) Oder die Befreiung von Auschwitz. Bei uns geht es aktuell nur um den schnöden Umstand, dass man bald auch wieder ungeimpft in die Kneipe darf. Welch ein Hohn (…)