MedienScreen # 200 [Nazi History X. Don’t Speak. Part Three.]

[Fundstück] Matthias Dell, “Waldspaziergang mit Höcke – der Spiegel als Klatschmagazin“, Deutschlandfunk Online, 1. November 2018 –

(…) Ich habe nie verstanden, warum man mit Neonazis reden soll. Und ich meine damit rechtsextreme Kader und nicht den Sprüche klopfenden Schwager auf der Familienfeier oder eine Rentnerin auf dem Land, die sich [in] den Echokammern der Angst verliert, die von der AfD befeuert werden (…)

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“… Warum soll man die vielen christlichen, sozialen, freien, alternativen oder ökologischen Demokraten, die schon morgen wieder anders könnten, nicht Nazis nennen? …“ (’von konkret’, in: konkret, 2/2016).

Hannes Hertwig – Christsoziales Schild und Schwert?

Zuweilen glaubt der virtuell surfende Homo sapiens, wie zufällig in gewisse Niederungen des World Wide Web mausgerutscht zu sein. Oder einfach nur in geistige (Sprach)Untiefen seiner eigenen Gattung. Selbige ebenda auch noch politisch verbrämt. Und zudem christlich-demokratisch bemäntelt. So oder so, wie auch immer. Sehr speziell …

[Twitter, 9. November 2018, 09:37 Uhr]
[Screenshots Twitter: O.M.]
Hannes Hertwig – falls Sie nicht mit dem Zerreißen des Internets beschäftigt sind, wobei etwaiger virtueller (?) Widerstand ja sowieso “in noch nie dagewesener Brutalität niedergeschlagen“ würde – wollen Sie reden? Vielleicht über Ihre Probleme? Natürlich unter dem durch Sie genossenen meinungsfreiheitlichen Schutz, der Ihnen zusteht, in einer ’missgeburtlichen Demokratie’.

Von hier aus: Kein Wort mehr – “schnörkellos … diskussionslos“. Capice?

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(…) Auf telefonische Nachfrage erklärte Hertwig, er finde die Aussagen “ziemlich präzise“ (…) Er betonte, dass es sich nicht um Satire handle (…) Der Pressesprecher der Dresdner CDU, Johannes Preißiger, teilte auf Anfrage mit: “Herr Hertwig ist seit einem Jahr Mitglied der CDU Dresden. Jedes Mitglied hat das Recht, sich um ein Mandat zu bewerben. Herrn Hertwig wurde unsererseits dringend empfohlen, seinen Vorstellungstext zu überarbeiten. Dies verneinte er mit der Frage, ob man ihn zensieren wolle. Die CDU Dresden zensiert keine Vorstellungen von Kandidaten, sondern hält sich an demokratische Verfahrensweisen. Der Text des Herrn Hertwig ist eine persönliche Vorstellung und steht nicht für die CDU Dresden! Auf dem Nominierungsparteitag werden die wahlberechtigten CDU-Mitglieder diese Kandidatenvorstellung bewerten.“

[radiodresden.de, 9. November 2018, 16:29 Uhr]

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[watson.de, 9. November 2018, 19:02 Uhr – Screenshot: O.M.]
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(…) “Das ist eine Witzveranstaltung“. Mit diesen Worten begründet Hannes Hertwig seine Entscheidung, dem Nominierungsparteitag der Dresdner CDU am Samstag [17. November] fernzubleiben. “Da kann man sich nur zum Deppen machen“, sagte er der SZ [Sächsische Zeitung] am Freitagmorgen. Aber er bleibe bei seiner Kandidatur für den Landtag (…) [Sächsische Zeitung, Print-Ausgabe, 17. November 2018].

MedienScreen # 194 [Recht haben mit Fischer. Hetzjagd als solche]

[Fundstück] Thomas Fischer, “Offenkundig außer Kontrolle“, SPIEGEL ONLINE, 14. September 2018 –

(…) Bei einer von zu schwachen Polizeikräften nur unzureichend kontrollierbaren Demonstration rechtsradikaler und nationalsozialistischer Gruppierungen, mit Sympathie begleitet von angeblich “normalen“ Chemnitzer Bürgern, kam es zu zahlreichen Äußerungs-Straftaten (Hitlergruß, NS-Parolen, Bedrohungen) und gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen ausländisch aussehende Personen angegriffen, verfolgt und geschlagen wurden; außerdem wurde ein jüdisches Restaurant angegriffen.

Seither tobt ein beispiellos alberner Interview- und Verlautbarungskrieg darüber, ob die Beurteilung (…), es sei zu abstoßenden “Hetzjagden“ durch einen rechtsradikalen “Mob“ gekommen, zutreffend, germanistisch richtig, inhaltlich angemessen, politisch zumutbar und genügend sensibel war und ist. An dieser gesamtdeutschen Deutschlehrerkonferenz nehmen unter anderem teil: eine Bundeskanzlerin, mehrere Bundesminister, mindestens ein Ministerpräsident, ein Verfassungsschutzpräsident, Oberbürgermeister, Intendanten, Chefredakteure, Mitglieder einer rassistischen Partei, Mahner und Warner, Kommentatoren. Bei dieser Gelegenheit werden auch gleich noch einige andere Begriffe des deutschen Wortschatzes neu vermessen (…)

Das ist aus verschiedenen Gründen erstaunlich. Zum einen ist der Wortstreit ein sensationeller kommunikativer Erfolg der rechtsradikal-nationalsozialistischen Minderheit und daher eine deprimierende kommunikative Insolvenz des von ihr bekämpften “Systems“. Intellektuell und sozial randständige Persönlichkeiten (…) zwingen die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaats Sachsen zu einer öffentlichen Diskussion darüber, ob man das “kurzfristige Verfolgen“ von Ausländern durch Nationalsozialisten als “Hetzjagd“ bezeichnen dürfe (…)

Gemeinhin ist der normal besorgte Bürger weniger empfindsam, wenn es um Sprache geht (…)

Michael Kretschmer – Dein sächsisches Paradies gib uns heute?

Die Regierungserklärung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) vom 5. September dieses Jahres wird unverrückbar so stehen bleiben. Wie in hellbraunen Sandstein gemeißelt. Deutlich. Historisch. So oder so.

[phoenix, YouTube.com, 5. September 2018]

MeyView.com dokumentiert im Folgenden – aus einem zeitlich begrenzten Sichtfenster und ohne jedweden Anspruch auf Vollständigkeit – wie die Sicht der Dinge auch interpretiert werden kann, so oder so …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Screenshots Twitter: O.M.)

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Kaotic Chemnitz. Et alia?

In den letzten Stunden war – auf Grund der aktuell wohl allseits bekannten Ereignisse in Chemnitz – bei MeyView.com eine doch auffällig verstärkte Suchabfrage nach Kaotic Chemnitz zu registrieren.

Diesen speziell Suchanfragenden mag, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ein wenig geholfen werden …

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“(…) Kurz nachdem in der Nacht zum Sonntag [26. August] ein Mann im Chemnitzer Stadtzentrum erstochen wurde, begannen auf Facebook erste Spekulationen. Viele User mutmaßten über die Nationalitäten der Beteiligten und waren sich sicher, dass die Täter unter den Geflüchteten zu suchen seien. Die Polizei gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Informationen über die mutmaßlichen Täter bekannt, dennoch veröffentlichte die Hooligangruppe Kaotic Chemnitz wenige Stunden später einen Aufruf auf Facebook unter dem Motto ’Zeigen, wer in der Stadt das Sagen hat’. Er richtet sich an alle Fans des Chemnitzer FC (CFC) – ein Novum in der Stadt. Kaotic Chemnitz ist seit 2012 mit einem Erscheinungsverbot im Stadion belegt, unter ihren Mitgliedern sind Chemnitzer Kameradschafter. Bislang mobilisierten sie aber eher unter sich. (…) Zuletzt waren Fußballfans in den Neunzigern als gewaltbereit aufgetreten. Damals gab es die Gruppe Hoonara, eine Abkürzung für Hooligans, Nazis und Rassisten. Sie prügelte sich mit anderen Hooligans und griff politische Gegner an, wie etwa das lokale Alternative Jugendzentrum. Hoonara ist schon lange inaktiv, ihre Mitglieder sind es nicht. Sie sind heute Mentoren für junge Neonazis, spielen in Rechtsrockbands und arbeiten in Securityunternehmen. Hoonara-Gründer Thomas H. sagte 2007 in einem Interview dem Fußballmagazin Rund, dass die Ex-Mitglieder trotz Inaktivität jederzeit erreichbar seien. Wenn man gebraucht werde, sei man in einer halben Stunde da. Bis heute dürfte sich daran nicht viel geändert haben (…)“ [Johannes Grunert, Zeit Online, 27. August 2018].

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“Kaotic Chemnitz ist mal aus dem Umfeld von ’Hooligans-Nazis-Rassisten’ kurz HoNaRa entstanden und war der Versuch mit einem politisch weniger verbrannten Namen wieder in die Fußballöffentlichkeit zu treten. Wobei sich die Gruppe relativ schnell wieder als rechtsextrem einen Namen machte“ [Robert Claus, detektor.fm, 27. August 2018].

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  • (…) Pogromstimmung in Karl-Marx-Stadt – Rechtsradikale marschieren in Chemnitz auf und machen Jagd auf Migranten und Migrantinnen. Die Drahtzieher sind Anhänger des Chemnitzer FC. Deren Geschichte reicht weit zurück (…) [Tobias Finger, 11freunde.de, 27. August 2018].

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(…) Nach Angaben (…) zählen die Fan-Gruppen (…) – den Chemnitzer FC tangierend –  New Society/NS Boys und Hoonara zu den aktuellen Beobachtungszielen des Verfassungsschutzes in Sachsen (…)

(…) Die getroffenen Aussagen stießen beim Chemnitzer FC auf Unverständnis (…) CFC-Geschäftsstellenleiter Lutz Fichtner [lagen] derzeit [19. September 2012] keinerlei Informationen vor, dass der Verein oder einzelne Fans unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen würden. Im Gegenteil, die Gruppierung “Hoonara“ bestünde in ihren Strukturen bereits seit dem Jahr 2000 nicht mehr; ebenso wurde die zweite Gruppe, die “New Society“ vor drei Jahren hinsichtlich ihrer Symbolik vom Verein verboten. Gegen damalige Führungskräfte sind entsprechende Stadionverbote verhängt worden (…) [cfc-fanpage, 19. September 2012]

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(Chemnitz. Fischerwiese. Unvergessen? – Screenshot Ultras.ws: O.M.)

“’Wo Unkraut gedeiht, wird Jäten zur Pflicht.’ frei übersetzt: Nazis raus!“ [cfc-fanpage.de – Forum, 3. September 2008].

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