Archiv der Kategorie: PoliticalScene

MedienScreen # 205 [Wind of Change? Anyway …]

[Fundstück] Wolfgang Pohrt, angejahrter Mailwechsel mit Hermann L. Gremliza, auszugsweise veröffentlicht in konkret 2/2019 –

[14. November 2015] – (…) Die Kindermusiktruppe Scorpions, Freunde von Gerhard Schröder, die die Annexion der DDR mit ihrem “Wind of Change“ begleitet haben, hat bei ihrem Besuch in St. Petersburg die ausgesoffenen Gläser hinter sich an die Wand geworfen und den russischen Kellnern, die den Dreck zusammenkehren mussten, sehr zu deren Verwunderung erzählt, das sei eine alte russische Sitte (…)

Werner Patzelt – all against one?

Was könnte denn zu Professor Werner Patzelt – sehr frei nach Gunnar Schubert – letztzeitlich “nicht schon alles geklöppelt, gebatikt und gelyrikt worden“ sein?

Quasi bis dato aktuell zusammenfassend ist “Patzelt vs. TU Dresden: über Framing und die mediale Lust an Konflikten“ seit 21. Januar dieses Jahres bei flurfunk-dresden.de studierbar.

Nachfolgend publizierte die Sächsische Zeitung in ihrer Print-Ausgabe vom 23. Januar unter der Headline “Was soll das heißen: ’zu weit rechts’“? in der Causa Patzelt ein Interview mit Lutz Hagen, Professor für Kommunikations-Wissenschaft und Dekan der Philosophischen Fakultät, Technische Universität Dresden.

Ein oder zwei oder drei oder vier oder fünf oder sechs kurze Streifzüge durch besagtes Interview –

[…] “Vor drei Jahren gab es keine Position der TU. Vielmehr hat mich Herr Patzelt damals schon über seine entsprechenden Pläne informiert, die ich zunächst auch unterstützt habe. Formell beantragt hat er dieses unbezahlte Ehrenamt bei mir erst im Oktober 2018. In der Zwischenzeit war es aber unter anderem zu den Ereignissen von Chemnitz gekommen (Anm. d. Red.: zu rechtsextremen Ausschreitungen nach dem Tod eines mutmaßlich von Asylbewerbern erstochenen Menschen). Professor Patzelt hat sich dazu geäußert, aber im Rahmen einer Zusammenarbeit mit den Science-Files, einer polemischen Internetplattform. Dort wurde eine gemeinsame Petition an die Kanzlerin mit einem Foto von NS-Propagandaminister Goebbels unter der Überschrift ’Lügenspirale’ versehen. Wir haben ihn gebeten, das bitte zu ändern, was auch geschah. Und schwups – am anderen Tag war dort ein Foto von Stalins Geheimdienstchef Beria.“ […]

“[…] So war auf seinem privaten Blog ’Patzelts Politik’ lange Zeit das Impressum der TU angegeben; für uns das sichtbarste Zeichen dafür, dass die Trennung zwischen Wissenschaft und Politik bei ihm nicht in ausreichendem Maße gegeben war.“ […]

[…] “… was soll das denn heißen, ’zu weit rechts’? Es könnte ja nur bedeuten, dass er nicht mehr auf dem Boden der Verfassung steht – und das will ihm nun wirklich niemand vorwerfen. Ich habe ihm auch explizit geschrieben, dass es darum nicht geht […]“

“[…] Wie die erwähnten Beispiele zeigen, hat Professor Patzelt sich mehrfach politisch stark exponiert und Wissenschaft und Politik auf eine Weise vermischt, die dazu geeignet ist, dem Ruf der Fakultät und der TU Dresden zu schaden. Er selbst vergleicht sich ja mit einem Professor aus der Medizin, der zugleich auch Therapien wissenschaftlich auf ihre Eignung erforschen und praktisch anwenden dürfe. Ich finde, dieser Vergleich hinkt […]“

“[…] Das Grundgesetz räumt auch der Meinungsfreiheit einen höheren Rang ein als den meisten Rechten oder Pflichten, die leicht mit ihr in Konflikt geraten. Das gilt auch für die Mäßigungspflicht für Beamte, erst recht für Uni-Professoren. Daher kann ein Professor ziemlich viel äußern. Das ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt, solange er nicht gerade in seinen Lehrveranstaltungen Wahlwerbung für eine bestimmte Partei macht.“ […]

“[…] Bei meiner Entscheidung gegen die Seniorprofessur hat es keine Rolle gespielt, wo Herr Patzelt innerhalb des legalen politischen Spektrums zu verorten wäre.“

“Politik ist Verständigung über das Wirkliche“ (Hugo von Hofmannsthal).

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MedienScreen # 202 [Nazi History X. Don’t Speak. Part Four.]

[Fundstück] Udo Lindenberg, interviewt in Sächsische Zeitung, Magazin (Print-Ausgabe), 29. Dezember 2018 –

(…) Also, mit erklärten Nazis kann man nicht sprechen. Wer die Menschenwürde infrage stellt oder den Holocaust leugnet, dem kann keiner helfen (…)

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MedienScreen # 200 [Nazi History X. Don’t Speak. Part Three.]

[Fundstück] Matthias Dell, “Waldspaziergang mit Höcke – der Spiegel als Klatschmagazin“, Deutschlandfunk Online, 1. November 2018 –

(…) Ich habe nie verstanden, warum man mit Neonazis reden soll. Und ich meine damit rechtsextreme Kader und nicht den Sprüche klopfenden Schwager auf der Familienfeier oder eine Rentnerin auf dem Land, die sich [in] den Echokammern der Angst verliert, die von der AfD befeuert werden (…)

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“… Warum soll man die vielen christlichen, sozialen, freien, alternativen oder ökologischen Demokraten, die schon morgen wieder anders könnten, nicht Nazis nennen? …“ (’von konkret’, in: konkret, 2/2016).

Hannes Hertwig – Christsoziales Schild und Schwert?

Zuweilen glaubt der virtuell surfende Homo sapiens, wie zufällig in gewisse Niederungen des World Wide Web mausgerutscht zu sein. Oder einfach nur in geistige (Sprach)Untiefen seiner eigenen Gattung. Selbige ebenda auch noch politisch verbrämt. Und zudem christlich-demokratisch bemäntelt. So oder so, wie auch immer. Sehr speziell …

[Twitter, 9. November 2018, 09:37 Uhr]
[Screenshots Twitter: O.M.]
Hannes Hertwig – falls Sie nicht mit dem Zerreißen des Internets beschäftigt sind, wobei etwaiger virtueller (?) Widerstand ja sowieso “in noch nie dagewesener Brutalität niedergeschlagen“ würde – wollen Sie reden? Vielleicht über Ihre Probleme? Natürlich unter dem durch Sie genossenen meinungsfreiheitlichen Schutz, der Ihnen zusteht, in einer ’missgeburtlichen Demokratie’.

Von hier aus: Kein Wort mehr – “schnörkellos … diskussionslos“. Capice?

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(…) Auf telefonische Nachfrage erklärte Hertwig, er finde die Aussagen “ziemlich präzise“ (…) Er betonte, dass es sich nicht um Satire handle (…) Der Pressesprecher der Dresdner CDU, Johannes Preißiger, teilte auf Anfrage mit: “Herr Hertwig ist seit einem Jahr Mitglied der CDU Dresden. Jedes Mitglied hat das Recht, sich um ein Mandat zu bewerben. Herrn Hertwig wurde unsererseits dringend empfohlen, seinen Vorstellungstext zu überarbeiten. Dies verneinte er mit der Frage, ob man ihn zensieren wolle. Die CDU Dresden zensiert keine Vorstellungen von Kandidaten, sondern hält sich an demokratische Verfahrensweisen. Der Text des Herrn Hertwig ist eine persönliche Vorstellung und steht nicht für die CDU Dresden! Auf dem Nominierungsparteitag werden die wahlberechtigten CDU-Mitglieder diese Kandidatenvorstellung bewerten.“

[radiodresden.de, 9. November 2018, 16:29 Uhr]

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[watson.de, 9. November 2018, 19:02 Uhr – Screenshot: O.M.]
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(…) “Das ist eine Witzveranstaltung“. Mit diesen Worten begründet Hannes Hertwig seine Entscheidung, dem Nominierungsparteitag der Dresdner CDU am Samstag [17. November] fernzubleiben. “Da kann man sich nur zum Deppen machen“, sagte er der SZ [Sächsische Zeitung] am Freitagmorgen. Aber er bleibe bei seiner Kandidatur für den Landtag (…)

[Sächsische Zeitung, Print-Ausgabe, 17. November 2018].

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CDU-Phantom fällt bei der Wahl der Landtagskandidaten durch – Sieben Dresdner treten für die Partei im nächsten Jahr an. Hannes Hertwig hatte keine Chance, dazuzugehören.

Er blieb ein Phantom (…)

[Sächsische Zeitung, Print-Ausgabe, 19. November 2018].