MedienScreen # 192 [News Landscape. Yesterday. Today. Tomorrow?]

[Fundstück] Dennis Lehane, interviewt in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 24. August 2018 –

(…) Das Internet hat nicht nur die Art geändert, wie die Leute ihre Nachrichten erhalten. Es hat auch die Vorstellung vom Zusammenhang der Dinge ausradiert. Früher wussten wir, dass die Fakten, die wir etwa von der New York Times bekamen, viel wertvoller und realistischer waren als die “Fakten“, die uns der Typ nebenan auf dem Barhocker in der Kneipe anvertraute. Und warum? Weil die Reporter der Times Bildung und Erfahrung hatten. Also gab es einen Zusammenhang und eine Voraussetzung für die Fakten. Aus irgendeinem Grund schätzen wir das heute aber nicht mehr. Und der Typ auf dem Barhocker ist jetzt das Internet. (…)

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MedienScreen # 191 [Football will never die?]

[Fundstück] Stefan Gärtner, “Lieb’ Vaterschland“, konkret, 8/2018 –

(…) Ziemlich genau zwei Jahre zuvor, kurz nach der Fußball-EM (wo war sie gleich, ich müsst’ es erst mal nachsehen), hatte mich auf dem Fußballfernsehsofa die Erkenntnis überrollt, was ich hier tat, sei schädlich, hirn- und seelenlähmend; weil im TV-Kasten, wie es in einem Aufsatz heißt, den ich dem Freunde Roth hernach für sein einschlägiges, auch sonst sehr empfehlenswertes Buch Nie mehr Fußball (Münster 2017) schrieb; “schon wieder diese Leute herumhampelten, die unterm knappen Sakko T-Shirt tragen und die Moderationskarten mit zäher Aufgeräumtheit vor sich her; Fußballtrainer in Jeans, wie man sie mit zwanzig trägt und nicht mit fünfzig; Interviewpartner, die der Demütigung standhalten, auf dem Hemdkragen den Namen eines Sponsors mitzuführen; und Interviewer in den besten Jahren, die auszusehen versuchen wie ihre Söhne und dabei aussehen wie die Würstchen, die sie sind und wir sein sollen“. So gab ich überraschend auf, ermattet, ja zerrüttet von “den ewig identisch exaltierten Torjubelsprints, den ewig gleichen Tätowierungen, den ewig gleichen Antworten auf die immer selben Fragen, saß da und war beklommen, wie ausgeknipst und angewidert, nach 35 Jahren fußballerischen Fantums, nach Siegen und Niederlagen, Ekstase und Depression, nach Riesenlärm um letztlich nichts“. (…)

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(…) Das Kommen und Gehen, die von der Mehrzahl der Spieler lediglich inszenierte Identifikation mit dem Verein, die vergessen ist, sobald ein anderer 50 Cent pro Stunde mehr bietet, die Abschottung von der Außenwelt, das Hochstilisieren der Kicker zu “Helden“, nur weil sie mal das Tor getroffen haben, die Zensur von Interviews, dazu die Überhöhung des Fußballs und dessen Finanzgebaren insgesamt – nein, das alles ist nicht mehr mein Ding (…) [Henry Boss, “Eine große Liebe, die leider zerbrochen ist“, 12. April 2018].

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Erst wenn der letzte Abstoß geschlagen, die letzte Flanke weggefangen und der letzte Strafstoß vergeben ist, werdet ihr merken, dass Autofähnchen keine Tore schießen (PPQ, Juni 2010).

Remember?

MedienScreen # 190 [Diego Armando Maradona Franco – Down? Downer?]

[Fundstück] “Diego im Delirium“, Kristof Stühm & Christoph Stukenbrock, ’Im Blickpunkt’ – Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 28. Juni 2018 –

(…) “Ich möchte Euch sagen, dass es mir gut geht“, teilte Maradona am Mittwoch [27. Juni] mit. Zuvor hatte die Welt mit ansehen müssen, dass das nicht stimmen kann. Früher hielten seine Fans den Atem an, wenn Maradona den Ball bekam – heute vor Angst, dass er benebelt von der Tribüne fallen könnte.

Im Stadion in St. Petersburg führte der 57-Jährige ein beklemmendes Trauerspiel auf. Maradona scheint nur noch eine Karikatur seiner selbst zu sein (…)

“Mit Maradona ist der Hunger leichter zu ertragen“, stand auf einem Fanplakat während seiner besten Zeit in Neapel (…)

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