Schlagwort-Archive: DFL

MedienScreen # 249 [Modern Football on Drugs? Rock ’n’ Roll?]

[Fundstück] “Fortsetzung der 3. Liga: Fußfall vor den Funktionären“, politplatschquatsch.com, 22. Mai 2020 –

(…) DFB-Chefs wie Theo Zwanziger wussten stets zum eigenen Vorteil zwischen der eigenen Moral und moralischen Vorgaben für Dritte zu unterscheiden. Im festen Schulterschluss mit Vater Staat bewährte sich der Fußballsport noch vor von Bundespolizei, Bundeswehr, Zoll und den Landespolizeien betriebenen Staatssportarten wie Biathlon, Fechten und Judo als kollektiver Motivator, Propagandist und Künder deutscher Größe. Der Verband, der unerwünschte Meinungsäußerungen von den Rängen strengstens verfolgt, kann sich bei eigenen, offenkundig fragwürdigen Geschäften darauf verlassen, dass Staatsanwaltschaft und Gerichte am Ende stets zum Schluss kommen, dass alles ganz prima gelaufen ist.

Wer nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung mit Pervitin startete, immerhin Hitlers aus Crystal Meth gemachte Panzerschokolade, der kann knapp sieben Jahrzehnte später immer noch vom Selbstvertrauensschub zehren, den die Droge auslöst. Mögen die Vereine zetern und ein kleiner Ministerpräsident im Osten über den “unerträglichen Druck“ jammern, den die “größte gesellschaftliche Gruppierung in unserem Land“ (Ex-DFB-Präsident Egidius Braun) auszuüben in der Lage ist. Aber das DFB-Präsidium vertritt eben Mehrheitsinteressen. Es wird schließlich nicht von den sieben Millionen Mitgliedern gewählt, sondern von 262 handverlesenen Funktionärsdelegierten. Das Millionenheer der Fußballer findet das gut. Sie alle wollen ja nur spielen (…)

Die DFB-Chefs aber wissen, dass Fußball kein Spiel ist, sondern ein Managersport, bei dem der gewinnt, der die Regeln bestimmt. Das tut der Fußballosten nicht (…)

(…) Am Ende steht, was (…) “Fußball“ genannt wird. Im Gegensatz zum Kniefall ist der Fußfall tiefer und umfassender, er gleicht einer Unterwerfung in Form einer Selbstdemütigung, verbunden mit der gestischen Zusicherung, dass der Fußfallende vollkommen und für immer kapituliert und anerkennt, dass die stärkere Macht sich durchgesetzt hat.

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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”Schon vier positive Coronavirus-Tests im Team – Dynamo Dresden wird von der DFL geopfert“, Jörg Leopold, Kommentar, Tagesspiegel Online, 22. Mai 2020

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(Screenshot Twitter: O.M.)

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MedienScreen # 247 [Modern Football goes to Hell? Anyway.]

[Fundstück] “Wiederanpfiff: Bälle müssen rollen für den Sieg“, politplatschquatsch.com, 30. April 2020 –

(…) Zu glauben, man würde in ein paar Tagen spielen können, um abzulenken, Verträge zu er- und die Kassen aufzufüllen, ist das eine. Das andere ist, als was sich der Spitzenfußball damit entpuppen wird: Eine traurige Operetteninszenierung, innen hohl und außen so langweilig, dass die Sender Stadiongeräusche aus der Konserve werden einspielen müssen, um die Stadtliga-Tristesse der Milliardenkickerei zu tarnen.

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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(Screenshot Twitter: O.M.)
(Die PARTEI Euskirchen – Faksimile: O.M.)

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[Fundstück] “Corona-Comeback der Kicker: Bier und Spiele“, politplatschquatsch.com, 7. Mai 2020 –

(…) Fußball muss nun an die Front, Fußball muss die Stimmung retten. So wie das Fußballverbot am Anfang die Funktion einer Sirene übernahm, ist es jetzt Aufgabe der Unterhaltungskünstler in kurzen Hosen, als Bordkapelle den Soundtrack zur Seuche zu spielen (…)

[Mit weiterem Dank & nochmaligem Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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(Screenshot Twitter: O.M.)

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– Nachschiebsel –

[Fundstück] “Corona-Fußballkrieg: Geheime Weltregierung“, politplatschquatsch.com, 14. Mai 2020 –

(…) Aus einer verkorksten Saison, die still und leise für beendet zu erklären ein Gnadenakt für alle Beteiligten gewesen wäre, wird ein bis in den Sommer reichendes Siechtum werden, elf Spieltage ohne Besuchserlaubnis, durchgezogen vor leeren Rängen (…)

(…) Die gesellschaftliche Funktion des Fußballs ist in “Corona-Zeiten“ (MDR) die der Gladiatoren im alten Rom. Einer muss ablenken, auf andere Gedanken bringen (…)

Der DFB (…) bekommt Extrawürste gebraten, wann immer ihm der Magen knurrt: Die letzten Großveranstaltungen, die noch stattfinden konnten, obwohl das große Sterben in Italien längst begonnen hatte, waren Fußballspiele. Die einzigen Menschen, die mitten im Lockdown mehr als einen anderen Menschen treffen und mit ihm zusammen spielen durften, waren Fußballspieler.

Der Fußball ist nicht rund wie die Welt, er ist die Welt und er bestimmt, wo es langgeht. Längst ist der Punkt überschritten, vor dem Funktionäre der schönsten Nebensache der Welt noch Respekt vor weltlichen Gesetzen und Verordnungen zeigten (…)

[Mit nachträglichem Dank & erneutem Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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MedienScreen # 214 [Football’s coming down?]

[Fundstück] Daniel Rahaus, ’Debatte’ in DER SPIEGEL, 30. März 2019 –

(…) Die Deutsche Fußball Liga berichtet noch Jahr für Jahr über Rekorde, zuletzt 4,42 Milliarden Euro Umsatz. Doch immer mehr Fans sind im wahrsten Sinne des Wortes ent-täuscht und scheinen diese Sinnlosigkeit zu erkennen, zumindest, sie vage zu fühlen.

So mehren sich die Zeichen für ein Ende des jahrelangen Fußballbooms. Die Zuschauerzahlen etwa weisen kein Wachstum mehr auf. Die Anzahl der ausverkauften Erstligapartien, als möglicher Frühindikator einer abnehmenden Auslastung der Stadien, sinkt deutlich – um zehn Prozent in der vergangenen Saison gegenüber den Vorjahren.

Zudem lässt sich die mediale Verfügbarkeit des Fußballs kaum weiter steigern. Deutliche Sättigungseffekte bei Fans sind in Forenkommentaren nachzulesen.

Vor allem gibt es keine öffentlich sichtbare ligaweite Anstrengung, die Ausprägung des heutigen Fußballs nachhaltig zu verändern. Niemand drängt sich auf, den entstehenden Widersprüchen mit Analysen und allen Mitgliedern der Fußballfamilie – von der Bundesliga bis hin zu den Landes- und Kreisligen – gerecht werdenden Zukunftskonzepten zu begegnen und entsprechend zu handeln. Dafür verdienen alle zentral handelnden Personen wohl nach wie vor noch viel zu gut oder sind in der Kurzsichtigkeit und im Überlebenskampf des wöchentlichen Fußballgeschäfts geradezu verloren (…)

(…) es ist … legitim, wenn die von der langjährigen Ungerechtigkeit betroffenen Vereine alternative, in Teilen radikale Entwürfe zur heutigen Fußballwelt in Erwägung ziehen.

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(…) abgestumpft sind die Fußballfans angesichts der in den vergangenen Jahren aufgedeckten Bestechungen und Korruptionen bei Fifa, Uefa oder DFB.

(…) Schulterzucken ist ein Indiz für die zunehmende Entfremdung zwischen der Fußballbasis und den hohen Funktionären … Die fortschreitende Zerstückelung der Spieltage, die immer irrwitzigeren Ablösesummen und Gehälter … – damit können sich nicht mehr alle Fans identifizieren (…)

[Kommentar von Daniel Klein, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 3. April 2019]

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Über Pyrotechnik reden? Mal wieder?

“Fanorganisationen verlassen Dialogstrukturen des DFB“, war einst im Oktober 2015 zu lesen (Fußballfans, DFB, Dialog – Punkt, Aus, Ende?). War da was?

“DFB und DFL haben die Diskussion um Pyrotechnik für beendet erklärt. Sie beriefen sich dabei auf ein Rechtsgutachten, das das Verbot bestätigen soll. Laut der Initiative ’Pyrotechnik legalisieren’ besagt das Gutachten etwas anderes – von Täuschung ist die Rede“, hieß es weit zuvor im Dezember 2011 (Über Pyrotechnik weiter sprechen scheint kein Verbrechen). War da was?

Noch länger zurückliegend gab es in der Causa bereits im Herbst 2010 offiziell wahrnehmbare Post (Pyrotechnik im Stadion: Offener Brief aus Chemnitz an den DFB). War da was?

Und nun, Anfang 2019, alles auf Null? Ist da was?

Die Sächsische Zeitung jedenfalls titelbildet in ihrer Print-Ausgabe vom 21. Februar dieses Jahres mit “Feuer frei im Stadion?“ und publiziert einen durch Dynamo Dresden unterstützten Anstoß zur Diskussion in Sachen Pyrotechnik. Alles neu macht ein Februar, egal welchen Jahres?

“Wir würden uns wünschen, dass es zu diesem Thema künftig wieder einen institutionalisierten Dialog zwischen den aktiven Fanszenen, Vereinen und Verbänden in Deutschland gibt“, zitiert die Sächsische Zeitung Michael Born, Geschäftsführer bei Dynamo Dresden.

Gleichzeitig forderte Born die Fans auf, “so lange es in der Sache keinen Kompromiss gibt, auf Pyrotechnik zu verzichten“. Wie gehabt. In Ewigkeit. Amen?

(Pro Bengalo 500 Euro? Volksparkstadion, 11. Februar 2019 – Foto: ultras-dynamo.de)

Allerdings regte der Dynamo-Geschäftsführer im Nachgang immerhin an, “dass alle Seiten wieder aufeinander zu gehen, um einen ehrlichen Kompromiss zu finden“. Eine weniger als mehr glaubhafte Botschaft, einmal wieder …

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) reagierte indes “trotzig“, so aktuell die Sächsische Zeitung.

“’Pyrotechnik in den Stadien ist nach den DFL-Statuten verboten’, heißt es in einer Stellungnahme, auf die sich der DFB beruft. Damit blieben die schriftlich gestellten Nachfragen der Sächsischen Zeitung unbeantwortet, wie die, ob ein erneuter Dialog denkbar wäre und wenn ja, unter welchen Bedingungen.“

Same procedure as always?

MedienScreen # 198 [Football’s coming home. Right?]

[Fundstück] ’John’, Football Leaks, zitiert in DER SPIEGEL, 3. November 2018 –

(…) Nur über eines reden sie nie: über die Fans. Über die Leute, die diesen Sport groß gemacht haben … Der Fußball ist mittlerweile völlig außer Kontrolle geraten (…)

(Rudolf-Harbig-Stadion, 2. November 2018 – Foto: bultras.net)

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