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Die Coca-Cola-Fans des DFB

Es gab die Zeit, als der weiseste unter den Weisen in der Erforschung des fußballerischen Fanbrauchtums durch und durch bedeutungsschwangere Worte dachte und diese, seine Erkenntnisse, der Welt natürlich auch mitnichten vorenthalten wollte.

“Die eingefleischten Fans, die Ultras, bekunden kein besonders großes Interesse an der Nationalmannschaft. Für sie sind diese Spiele ein Ausbund des Kommerzes.“ [tagesanzeiger.ch, 16. Januar 2007]

Im gleichen Duktus kam Gunter A. Pilz dann damals zwar noch ein wenig in ein geografisches West-Ost-Schleudern, vollzog den einmal aufgebauten Spannungsbogen seiner Forschungen aber fast nahtlos bis zum bitteren Ende, wie auch immer.

“In Deutschland ist ein Teil der Ultra-Szene in den letzten Jahren gewalttätig geworden, vor allem in den neuen Bundesländern. Es handelt sich meist um Jugendliche mit wenig Bildung und Perspektiven, die ihre Ohnmacht mit Gewalt kompensieren. Weil diese Ultras politisch Rechtsextreme sind, identifizieren sie sich mit der Nationalmannschaft und provozieren Ausschreitungen.“ [tagesanzeiger.ch, 16. Januar 2007]

Aber lange ist es her. Ultras, Hooligans, Hooltras wurden in jener Zeit noch nicht übermäßig reflektiert. Die Gezeiten haben sich geändert?

Ja – The Times They Are a-Changin’. Und um das ’nicht besonders große Interesse an der Nationalmannschaft’ zu kompensieren – vielleicht hat da jemand beim DFB noch einmal bei Gunter A. Pilz nachgelesen? – wird jetzt vorgebaut, aufgerüstet, gigantomasiert.

“Der Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola hat Großes vor: Mit einer gigantischen Choreografie wollen die Fans die DFB-Auswahl vor dem Anpfiff des WM-Qualifikationsspiels gegen Österreich am Freitag (ab 20.45 Uhr, live im ZDF) in der Münchner Allianz-Arena begrüßen.“ [dfb.de, 3. September 2013]

Powered by Coca-Cola? Dann doch schon fast lieber den unverblümten Klartext von Gunter A. Pilz: “Für viele Ultras ist ein Gefängnisaufenthalt sogar die bessere Perspektive als das bisherige Leben“ [sport1.de, 10. April 2008].

Die Vorarbeit für den 6. September 2013 in der Allianz-Arena zu München “leistet das 35-köpfige Choreoteam des Fan Clubs und Volunteers des Bayerischen Fußballverbands“ [dfb.de].

Coca-Cola oder Red Bull? Helau!

[Dieser Artikel wurde am 3. September 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Gunter A. Pilz und der verruchte Fußball im Osten

Einiges gibt es zuweilen schon zu lesen vom quasi “selbst ernannten Fan-Forscher Gunter A. Pilz“ [ultras.ws]. Gut, es mag mitunter Höhen und Tiefen in der Frequenz seiner publizistischen Tätigkeiten geben, denn schließlich ist Herr Pilz als Doktor der Philosophie und Diplom-Soziologe ein durchaus vielbeschäftigter Mensch: Honorar-Professor, Hochschuldozent, Projektleiter, Lehrbeauftragter, Mitglied unter anderem in der DFB-Kommission für Prävention und Sicherheit sowie Berater von Theo Zwanziger – und eben auch so genannter Fan-Forscher und Fan-Soziologe.

Abgesehen von sehr wohl akribischen Studien produzierte sich Gunter A. Pilz – während er wie nebenbei Hooltras und Hultras aus der Taufe hob – in der Vergangenheit öffentlich beispielsweise auch mit doch weniger differenzierenden Äußerungen über den Fußball-Fan als solchen –

“Für viele Ultras ist ein Gefängnisaufenthalt sogar die bessere Perspektive als das bisherige Leben.“ [sport1.de, 10. April 2008]

“(…) man darf nicht davon ausgehen, dass die Probleme nur in den neuen Bundesländern sind. Die haben wir im Westen genauso. Wir haben sie hier zum Teil in einer etwas weniger offenen und verdeckten Form. Was die Gewalteventkultur anbelangt, haben wir sie im Westen genauso wie im Osten. Insofern sind die Unterschiede etwas verwaschen (…)“ [dw-world.de, 16. September 2009]

Die vormals noch so ’verwaschenen Unterschiede’ scheinbar negierend, ließ Herr Pilz nun aktuell seine PR-Abteilung agieren und diktierte der Nachrichtenagentur DPA – von vielen Medien kommentarlos zitierend übernommen – folgendes …

(…) Das grundsätzliche Problem der Gewalt im Fußball gehe (…) aber ohnehin nicht von den eigentlichen Fans – auch nicht den Ultras – aus. Die wahren Krawallmacher benutzten die Spiele nur als Vorwand. “Bei Auswärtspartien sind plötzlich 50 bis 100 ’Fans’ dabei, die man bei Heimspielen gar nicht sieht“ (…) In dieser Hinsicht war vor allem der Osten immer wieder negativ in die Schlagzeilen geraten. “Dort gibt es noch großen Nachholbedarf“ (…) [newsticker.sueddeutsche.de, 17. September 2010, 15:45]

Nachholbedarf im Osten also, nur im Osten?

“(…) Selbst ernannte Fußball-Experten, angebliche Szene-Kenner aller Couleur, gibt es landauf und landab; sich zudem teilweise mit virtuellen Internet-Ultras und Foren-Hooligans gegenseitig fast perfekt niveaulos ergänzend (…)“ [Der Fußball-Fan als Persona non grata]

[Dieser Artikel wurde am 18. September 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

“Die Kirche im Dorf lassen“

Nach erneuten Ereignissen um Fußball-Begegnungen wird dem Phänomen Ultras und Gewalt zum Teil wieder nur populistisch begegnet

“Krawalle, Pyro und Ausschreitungen“ (ultrafans.de) prägten am ersten März-Wochenende dieses Jahres mehrere Partien von der Bundesliga bis zur Regionalliga. Die Rauchschwaden sind kaum verzogen, körperliche und materielle Lädierungen noch nicht geheilt sowie sportrechtliche Nachwehen gerade erst angekündigt. Fast umgehend wird allerdings der Fußball-Fan als solcher und – Hooligans gleich mit in den Topf werfend – die Spezies Ultra im besonderen nahezu reflexartig und gleichwohl kaum differenzierend mit teilweise martialisch anmutenden Reaktionen aus gesellschaftlichen Höhenlagen bedacht.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, verlangte, Spiele notfalls ohne Publikum zu veranstalten: “So extrem muss das möglich sein“. Nach Ansicht von Freiberg sei es nur eine Frage der Zeit, dass es beim Fußball Todesopfer geben werde. Gleichzeitig wurde die Forderung nach einem Reiseverbot von so genannten Problem-Fans zu Auswärtsspielen erhoben. Aus den Reihen der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) folgte der Vorschlag für die Möglichkeit von Präventivinhaftierungen “für Hooligans“. Rainer Wendt, DPolG-Bundesvorsitzender, erklärte, “notorische Krawallmacher“ ließen sich mit Reiseverboten oder Meldeauflagen kaum von den Stadien fernhalten. “Diese Schwerkriminellen beeindruckt nur, wenn sie die Spieltage hin und wieder in der Zelle verbringen“. Bereits im April 2008 hatte Fan-Forscher Gunter A. Pilz festgestellt: “Für viele Ultras ist ein Gefängnisaufenthalt sogar die bessere Perspektive als das bisherige Leben“.

Der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Helmut Spahn, bezeichnete die GdP-Befürchtung, künftig sei bei Fußball-Ausschreitungen mit Toten zu rechnen, als “völlig unseriös“. Zwar wolle er diesbezüglich “nicht von geistiger Brandstiftung reden, aber es ist nicht weit davon entfernt“.

Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) resümiert aktuell allerdings schon eine “problematische Entwicklung in den Fan-Kulturen“. Erst vor wenigen Tagen dokumentierte der Tagesspiegel die teilweise Entwicklung der bundesdeutschen Ultra-Szene von bedingungslosen Fans ihres Vereins hin zum Gang-Verhalten außerhalb der Stadien. Darin sieht Gunter A. Pilz jetzt seine vor rund drei Jahren aufgestellte These vom “Hooltra“ (Ultras, Hooligans, Hooltras?) bestätigt, nach der er damals prognostizierte, dass in den weitgehend friedlichen Ultra-Gruppen verstärkt gewaltbereite Teilgruppen entstehen würden.

Wie genau sich Gunter A. Pilz in der Ultra-Szene auskennt, verdeutlichte er beispielsweise wenige Monate nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, als er innerhalb nur weniger Interview-Zeilen feststellte: “Die eingefleischten Fans, die Ultras, bekunden kein besonders großes Interesse an der Nationalmannschaft. Für sie sind diese Spiele ein Ausbund des Kommerzes. In Deutschland demonstrierten Ultras vor der WM gegen das Turnier, weil ihre Kreativität und Fankultur keinen Platz hatten (…) In Deutschland ist ein Teil der Ultra-Szene in den letzten Jahren gewalttätig geworden, vor allem in den neuen Bundesländern. Es handelt sich meist um Jugendliche mit wenig Bildung und Perspektiven, die ihre Ohnmacht mit Gewalt kompensieren. Weil diese Ultras politisch Rechtsextreme sind, identifizieren sie sich mit der Nationalmannschaft und provozieren Ausschreitungen (…)“. Und die seit gut einem Vierteljahr sagenumwobene Spezies des Hultra (Ultras? Hooligans? Hultras?) erforscht Gunther A. Pilz scheinbar noch, zudem vermutlich allein im Osten der Bundesrepublik.

Der KOS-Leiter Michael Gabriel sieht durchaus begründet nach den jüngsten Geschehnissen auch die Polizei in der Verantwortung, die ihre Einsatzkonzepte hinterfragen müsse, denn “das Arsenal, das man mal für die Hooligans entwickelt hat, ist Eins-zu-Eins auf die Ultras angewandt worden“. Die hauptsächlichen Ursachen für die vermehrt erscheinende Gewaltakzeptanz unter Ultras liegt für Gabriel in “zu wenig Wertschätzung von Seiten der Vereine“ und im Verhalten der Polizei, “die teilweise zu massiv und unverhältnismäßig gegen die Ultras vorgeht“. Diese Gängelungen hätten letztendlich gewaltbereite Gruppen bei den Ultras, “die mit positiven Absichten in die Stadion gekommen sind und mit Choreographien und anderen Dingen die Stimmung verbessern wollen“, gestärkt.

“Die Zunahme der Gewalt ist eine Art selbsterfüllende Prophezeiung“, bilanzierte Gabriel noch Anfang März. Auch nach den Vorfällen in letzter Zeit ist sich Gabriel sicher, “dass wir diese Phase positiv überstehen“. Gleichfalls seien alle Fans in der Pflicht: “Die Fan-Szenen müssen stärker Verantwortung übernehmen, für das, was in den Kurven passiert. Der große Rest der Kurve muss sich zu Wort melden“.

Man müsse definitiv keine Angst vor einem Gang ins Fußball-Stadion haben, stellte er zudem nach den Geschehnissen des ersten März-Wochenendes klar. “Ich finde, man muss ein bisschen die Kirche im Dorf lassen“, verlangte Michael Gabriel hinsichtlich des Begehrens nach Präventivhaft und Reiseverbot. In der vorjährigen Saison noch scheiterte der Versuch, den gesamten Anhang eines Vereins der damaligen Regionalliga-Nord unter Generalverdacht zu stellen und allen Anhängern den Besuch eines Auswärtsspiels zu verwehren (Der Fußball-Fan als Persona non grata). Aus den momentanen Äußerungen seitens der Gewerkschaften spreche, so der Frankfurter KOS-Leiter, “mindestens Hilflosigkeit“, zudem würden die Vorfälle “politisch instrumentalisiert“. Das in der Bundesrepublik recht stabile Verhältnis zwischen Vereinen, Fangemeinschaften und der Polizei werde durch die Polizeigewerkschaften mit ihren Äußerungen jetzt beiseite gewischt.

In der laufenden Saison ist es schon wiederholt zu Zwischenfällen in den bundesdeutschen Ligen gekommen. Resultierend hat der DFB die Geldstrafen gegen beteiligte Vereine drastisch erhöht und verschärfend auch bereits in mehreren Fällen Begegnungen unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden lassen. Spiele ohne Zuschauer seien für die DFL nur “als äußerste Sanktion“ gegen einen Verein vorstellbar, so Holger Hieronymus, Geschäftsführer Spielbetrieb der Deutschen Fußball Liga (DFL). Allerdings habe nicht der Fußball Hooliganismus und Rechtsextremismus zu verantworten. Den Forderungen der Polizeigewerkschaften widersprechend betonte Hieronymus, dass die Sicherheits- und Fanbeauftragten in ständigem Kontakt mit der Polizei stünden – gleichwohl könne der Fußball nicht die Aufgaben der Polizei übernehmen oder diese gar finanzieren.

Im gerade in letzter Zeit stark frequentierten ultras.ws-Forum wird der zitierte Begriff der Hilflosigkeit allerdings mit Inkompetenz übersetzt, die Beobachtungen zufolge bei “unkoordinierten Polizeieinsätzen in der Vergangenheit bei Fußballveranstaltungen an den Tag gelegt wurde“. In Folge dessen sei “das Verhältnis zum Ultra/Fan in der Kurve auf ein Höchstmaß strapaziert“. Die von den Polizeigewerkschaften geforderten Maßnahmen werden mit “Auch eine Idee, den Hass weiter zu schüren“ kommentiert. Fast schon philosophisch lautet das Online-Fazit: “Nun hat die Krise den Staat auch in seinem eigenen Machtinstrument eingeholt …“.

Der Ball wird weiter rollen und die Wahrheit, jedenfalls nach Otto Rehhagel, auf dem Platz liegen. Die andere Wahrheit sieht allerdings immer stärker anders aus. Das Magazin für Fußball-Kultur 11Freunde bilanzierte in seiner Ausgabe vom Dezember 2008:

“Nun ist es ja so, dass der heutige Profifußball für jeden Fan, ganz egal ob Kuttenträger, Normalo oder Ultra, mitunter nur sehr schwer zu ertragen ist. All die falschen Emotionen auf dem Platz, der Super-Sonntag im DSF … Reinhold Beckmann, horrende Eintrittspreise, die absurden Gehälter der Spieler und bis zur Unkenntlichkeit zerpflückte Spielpläne …“

Zudem hätten Vereine und Polizei “in den Jahren zuvor jede nur erdenkliche Anstrengung unternommen, um aktiven Fans den Aufenthalt im Stadion gründlich zu verleiden“. Was also wird letztendlich aus den Fans jeder Provenienz und dem Fußball im eigentlichen Sinne des Sports?

[Dieser Artikel wurde am 14. März 2009 – bebildert – bei Telepolis veröffentlicht.]

Ultras? Hooligans? Hultras?

Der Fan-Forscher Gunter A. Pilz provoziert mit seinen Aussagen zuweilen Teile der Fußball-Gemeinde und erfreut sich auch dadurch einiger Berühmtheit. Manchmal erfindet er sich aber nur selbst neu

Unzweifelhaft haben die sozialwissenschaftlichen Feldforschungen und daraus resultierende Veröffentlichungen – wie beispielsweise Zuschauerverhalten im Profifußball – von Gunter A. Pilz, Professor an der Universität Hannover, längst ihren Platz in der Geschichte der versuchsweise tieferen Ergründung des Fußball-Fans als unbekanntes Wesen gefunden. Den von ihm geprägten – und in der aktiven Fan-Szene hernach nachdrücklich kritisierten – Begriff “Hooltra“ erklärte der Soziologe aus einer von ihm beobachteten Verquickung von Teilen der gewaltlosen Ultra-Gruppen, “die sich nun einerseits klar zu Gewalt bekennen und andererseits weiter ihr Ultra-Leben führen, sich von daher also von den Hooligans unterscheiden“ (vgl. Ultras, Hooligans, Hooltras?).

In einem Interview hatte Pilz damals zudem gesagt, man habe “eher einen Rückgang der Gewalt zu verzeichnen – mit Ausnahme der neuen Länder … In den alten Ländern hat die Gewalt abgenommen“. Auch der Spiegel konnte kurze Zeit später nicht an der Hooltra-Diskussion vorbei und zitierte Pilz, Hooligans als solche seien infolge der Ablösung durch Hooltras eher als “Auslaufmodell“ zu sehen.

In einschlägigen Fan-Foren kursiert nach wie vor die Aussage des im April 2008 von der Informationsplattform ultrafans.de umgehend zum “Vader Abraham der deutschen Fanszene“ ernannten Fan-Forschers: “Für viele Ultras ist ein Gefängnisaufenthalt sogar die bessere Perspektive als das bisherige Leben“ (vgl. Der Fußball-Fan als Persona non grata). Pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft 2008 antwortete Gunter A. Pilz dann auf die Frage, ob sich am soziologischen Background besagter Fan-Szene etwas geändert habe: “Wenig. Es sind junge Menschen mit niedrigem Bildungsniveau und wenigen Erfolgserlebnissen. Sie sind sozial schlecht gestellt, haben nichts zu verlieren.“

Doch vieles ist vergänglich. Aktuell erzählt Herr Pilz nun der Rheinischen Post: “In Bremen wurden einmal vier Hools festgenommen. Der eine war Ingenieur, der zweite Banker, der dritte Mathematiker und der vierte Rechtsanwalt. Ganz solide Typen …“ – Ultras, Hooligans, Hooltras? Niedriges Bildungs- und Sozialniveau? Gunter A. Pilz ist jedoch durchaus flexibel. Denn “für den Soziologen Pilz gibt es keine Verbindung zwischen der sozialen Herkunft und der Frage, ob jemand gewalttätig ist oder nicht“, heißt es in der Zeitung.

Wiederholt und widerlegt sich der fanforschende Professor aber mittlerweile nicht gleichzeitig selbst, allerdings mit quasi leicht verändertem Akzent? “Der Hooliganismus ist ein Auslaufmodell. Es gibt nur noch selten Gruppen mit einem Kodex. An ihre Stelle treten immer öfter bestimmte Ultra-Bewegungen“, sagt Pilz und fügt hinzu: “Wir sprechen deshalb von ’Hultras’.“

“Ja es ist vorbei … Hultras lösen nun endgültig die Hooligans ab!“, kommentierte daraufhin sarkastisch die Plattform ultrafans.de die Neuschöpfung – und beförderte Pilz sogleich in den Stand als “Oberschlumpf“. Die freundlichste Erklärung für den “Hultra“ war bislang im Forum von ultras.ws zu lesen, wo sogar andeutungsweise wohlwollend unterstellt wurde, vielleicht habe “… einfach nur ein depperter Zeitungsfink … sein Diktiergerät abgehört … und das dann, so wie gehört, niedergeschrieben …“.

“Es gibt den Proll- und den Yuppie-Hool“, so Gunter A. Pilz. Den nunmehr fast schon sagenumwobenen “Hultra“ erforscht er offenbar noch. Und die so Ausgespähten schauen leicht amüsiert zu – oder ignorieren es einfach. “Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich nix“, hieß es dazumal.

[Dieser Artikel wurde am 13. November 2008 bei Telepolis veröffentlicht.]