Schlagwort-Archive: Medien

MedienScreen # 207 [Dresden. Stadtrat. Rechts-völkisch. Johannes Lichdi. Words.]

[Fundstück] Jürgen Kasek, “Was ist da los in Dresden? – Dresden kippt!“, Erratischer Eskapismus, 15. Februar 2019 –

(…) hatte der Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi, der von seiner Partei ebenfalls nicht auf einen aussichtsreichen Listenplatz gesetzt wurde und dennoch erhobenen Hauptes weiterhin überzeugende Politik macht, die neue Konstellation im Stadtrat als rechts-völkische Mehrheit bezeichnet.

Dies wiederum brachte den Fraktionsvorsitzenden der CDU auf die Palme, der eine Entschuldigung forderte und die beiden Fraktionsvorsitzenden der Grünen zur Distanzierung aufforderte.

Derselbe Fraktionsvorsitzende hatte unlängst den vier AfD-Stadträten bescheinigt alles “ehrenwerte Leute“ zu sein (…)

Zur Vollständigkeit der politischen Kultur sei noch erwähnt, dass zum Fackelmarsch der hiesigen Neonazis auch der stellvertretende Landesvorsitzende der AfD, einst Parteimitglied der CDU Dresden, aufruft (…)

Gegendemonstrationen gegen fackeltragende Neonazis werden in Dresden schnell als “linksextrem“ oder “Antifa“ eingeordnet (…) Die Hufeisentheorie, Gleichsetzung links und rechts, ist auf ihrem Höhepunkt (…)

Ich schreibe das für die Nachwelt auf, wenn man sich irgendwann eines Tages fragt, was in Sachsen passiert ist und warum es niemand verhindert hat (…)

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Post Scriptum – Und falls du das, so nebenbei zitiert, sanft am Original korrigiert, lesen solltest, Lichdi … Grüße & ein leises Venceremos!

MedienScreen # 206 [Dynamo Dresden. Hooligans never die? Whyever …]

[Fundstück] “Nach Hooligan-Flop: HSV gegen Dynamo Dresden soll annulliert werden“, spuckelch.de, 12. Februar 2019 –

(…) Nachdem die letzten Dynamofans Hamburg verlassen haben und die Stadt einer ersten Bilanz zu Folge noch steht, wurde bekannt, dass ein breites Bündnis aus Hamburger Medienschaffenden, Bürgern und Sensationstouristen eine Annullierung des 1:0 ausgegangenen Spiels zwischen dem HSV und Dynamo Dresden beantragt hat. Ziel sei es, die Partie neu anzusetzen und zu wiederholen.

Ein Sprecher des Bündnisses sagte, die “gefürchteten Dresdner Hooligans“ sollten eine zweite Chance bekommen. Denn ihr Auftritt in Hamburg habe in keinerlei Hinsicht den tagelang geschürten Erwartungen entsprochen. Einige Beobachter sprechen sogar davon, dass sich die “Hooligan-Invasion“ von der Ostelbe mit dem Benehmen durchschnittlicher Fußballfans vergleichen ließe.

Mickrige drei Festnahmen, ein vollgepinkelter Vorgarten, eine vermüllte Straße und unflätig “besonders aggressiv“ beschimpfte Journalisten seien die schlimmsten Schäden, die “Hunderte“ nach Hamburg gereister Hooligans zustande gebracht haben.

Die schwarz-gelben “Aggro-Fans“ seien dabei weit unter ihren Möglichkeiten geblieben und hätten mit ihrem durchschnittlichen Verhalten die eigentlich geplante Berichterstattung massiv behindert. Seitens der Dresdner sei so eine große Chance verpasst worden, endlich mal wieder für bundesweite Schlagzeilen abseits der sportlichen Misserfolge zu sorgen.

Immerhin sei Ruf der Dynamofans über Generationen blutrünstiger Haudraufs aufgebaut worden. Nun wäre es eine Frage des Fair Play, dass dieser nicht wegen der in Hamburg skrupellos an den Tag gelegten sturen Verweigerungshaltung einiger Tausend Irrläufer innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht wird.

Die Sachsen ließen die Chance verstreichen, Geschichte zu schreiben und den G20-Gipfel im Jahr 2017 vergessen zu machen. Deshalb ist auch ein großer Teil der schaulustigen Hamburger Bürger enttäuscht über den Ausgang dieses Abends. Sie hätten sich so darauf gefreut, endlich mal wieder “Gewalt beklatschen“ zu können. Nun unterstützen sie die Bemühungen um eine baldige Rückkehr der Dresdner Hooligans.

Wird diese zweite Chance nicht für eine Rehabilitierung genutzt, sehe man keine andere Möglichkeit, als in künftigen Berichterstattungen dem Dresdner Gewaltpublikum die Eigenschaft “gefürchtet“ abzuerkennen.

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Mit Dank & Gruß an den Spuckelch und dortselbst im Original.

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[Kurven TV, YouTube.com, 12. Februar 2019]

MedienScreen # 205 [Wind of Change? Anyway …]

[Fundstück] Wolfgang Pohrt, angejahrter Mailwechsel mit Hermann L. Gremliza, auszugsweise veröffentlicht in konkret 2/2019 –

[14. November 2015] – (…) Die Kindermusiktruppe Scorpions, Freunde von Gerhard Schröder, die die Annexion der DDR mit ihrem “Wind of Change“ begleitet haben, hat bei ihrem Besuch in St. Petersburg die ausgesoffenen Gläser hinter sich an die Wand geworfen und den russischen Kellnern, die den Dreck zusammenkehren mussten, sehr zu deren Verwunderung erzählt, das sei eine alte russische Sitte (…)

Werner Patzelt – all against one?

Was könnte denn zu Professor Werner Patzelt – sehr frei nach Gunnar Schubert – letztzeitlich “nicht schon alles geklöppelt, gebatikt und gelyrikt worden“ sein?

Quasi bis dato aktuell zusammenfassend ist “Patzelt vs. TU Dresden: über Framing und die mediale Lust an Konflikten“ seit 21. Januar dieses Jahres bei flurfunk-dresden.de studierbar.

Nachfolgend publizierte die Sächsische Zeitung in ihrer Print-Ausgabe vom 23. Januar unter der Headline “Was soll das heißen: ’zu weit rechts’“? in der Causa Patzelt ein Interview mit Lutz Hagen, Professor für Kommunikations-Wissenschaft und Dekan der Philosophischen Fakultät, Technische Universität Dresden.

Ein oder zwei oder drei oder vier oder fünf oder sechs kurze Streifzüge durch besagtes Interview –

[…] “Vor drei Jahren gab es keine Position der TU. Vielmehr hat mich Herr Patzelt damals schon über seine entsprechenden Pläne informiert, die ich zunächst auch unterstützt habe. Formell beantragt hat er dieses unbezahlte Ehrenamt bei mir erst im Oktober 2018. In der Zwischenzeit war es aber unter anderem zu den Ereignissen von Chemnitz gekommen (Anm. d. Red.: zu rechtsextremen Ausschreitungen nach dem Tod eines mutmaßlich von Asylbewerbern erstochenen Menschen). Professor Patzelt hat sich dazu geäußert, aber im Rahmen einer Zusammenarbeit mit den Science-Files, einer polemischen Internetplattform. Dort wurde eine gemeinsame Petition an die Kanzlerin mit einem Foto von NS-Propagandaminister Goebbels unter der Überschrift ’Lügenspirale’ versehen. Wir haben ihn gebeten, das bitte zu ändern, was auch geschah. Und schwups – am anderen Tag war dort ein Foto von Stalins Geheimdienstchef Beria.“ […]

“[…] So war auf seinem privaten Blog ’Patzelts Politik’ lange Zeit das Impressum der TU angegeben; für uns das sichtbarste Zeichen dafür, dass die Trennung zwischen Wissenschaft und Politik bei ihm nicht in ausreichendem Maße gegeben war.“ […]

[…] “… was soll das denn heißen, ’zu weit rechts’? Es könnte ja nur bedeuten, dass er nicht mehr auf dem Boden der Verfassung steht – und das will ihm nun wirklich niemand vorwerfen. Ich habe ihm auch explizit geschrieben, dass es darum nicht geht […]“

“[…] Wie die erwähnten Beispiele zeigen, hat Professor Patzelt sich mehrfach politisch stark exponiert und Wissenschaft und Politik auf eine Weise vermischt, die dazu geeignet ist, dem Ruf der Fakultät und der TU Dresden zu schaden. Er selbst vergleicht sich ja mit einem Professor aus der Medizin, der zugleich auch Therapien wissenschaftlich auf ihre Eignung erforschen und praktisch anwenden dürfe. Ich finde, dieser Vergleich hinkt […]“

“[…] Das Grundgesetz räumt auch der Meinungsfreiheit einen höheren Rang ein als den meisten Rechten oder Pflichten, die leicht mit ihr in Konflikt geraten. Das gilt auch für die Mäßigungspflicht für Beamte, erst recht für Uni-Professoren. Daher kann ein Professor ziemlich viel äußern. Das ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt, solange er nicht gerade in seinen Lehrveranstaltungen Wahlwerbung für eine bestimmte Partei macht.“ […]

“[…] Bei meiner Entscheidung gegen die Seniorprofessur hat es keine Rolle gespielt, wo Herr Patzelt innerhalb des legalen politischen Spektrums zu verorten wäre.“

“Politik ist Verständigung über das Wirkliche“ (Hugo von Hofmannsthal).

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MedienScreen # 204 [Dynamo Dresden. Und ein erlebnissportlich orientiertes Eck.]

[Fundstück] Cornelius Pollmer, “TOHUWABOCKWURST“, Stadtluft Dresden (# 3, Print) –

(…) Willkommen am Straßburger Platz, willkommen bei Acki’s, willkommen also an einem jener Orte Dresdens, die Touristen besonders schlecht zu erklären sind. Das Acki’s ist ja nicht nur eine “Sportsbar“, wie es blätternd an einer Fassade steht. Es ist, an den Spieltagen von Dynamo, ein ultimativer Durchlauferhitzer. Eine Tankstelle für alle, die vor oder nach der Schlacht im Stadion “eens naschen“ wollen. Oder zwee. Oder neune.

Von weitem muss das Acki’s auf Touristen wirken, als hätte ausgerechnet in Dresden ein indigener Stamm bis in die Gegenwart überlebt. Wie von der Zeit vergessen liegt die kleine Hütte da, unweit vom Großen Garten und vom Stadion, eingekesselt von der Moderne. Von Gläserner Manufaktur und sprießendem Wohneigentum auf der Cockerwiese. Über dieser Hütte steigt Dunst auf, vielleicht sind es ja auch Rauchzeichen. Könnte ja sein, dass da keine zufälligen Wölkchen über dem Grill stehen, könnte ja sein, dass ich hier Zeuge eines stummen und vorzeitlichen Wechselgesangs werde, mit einem Widerpart irgendwo draußen, außerhalb der Stadt. Dy-na-mo (…)

(…) Billige Beats platzen ins Geschnatter, man hört beim Herumtapern nur Schlagworte: Regensburg. Ausländer. Walpurgis. Stadionverbot. Mingus. Umhau’n. Kunde. Am Grill werden im Sekundentakt Fleischprügel gewendet. Das dicht geknüpfte Netz an Leergutkästen kann den Pfand gerade so aufnehmen. Auch auf den Stehtischen sammeln sich solidarische Verbünde leerer Bierflaschen. Das Regiment Radeberger.

All dies ist getragen von dieser eigentümlichen Vorfreude, die sich vor jedem Spiel aufbaut und die, wie sich herausstellt, nicht nur im Stadion bald nach Anpfiff erstirbt.

Bei Acki’s zu sein, das heißt ja in aller Regel, vor der Bar herumzustehen und dünne zu quatschen (…)

(…) Im Gehen drehe ich mich noch einmal um, ein atmosphärisches Leuchten liegt über dem Stadionkessel, ein kalter Sternennebel (…)

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“’Stadtluft Dresden’ ist eine unabhängige Publikation – frei von PR und Schönfärberei – über die Stadt, über die man sich sowohl im besten als auch im schlechten Sinne immer wieder wundern muss. Gerade im Jahr 2018 hat die sächsische Landeshauptstadt einmal mehr negativ von sich reden lassen. Allerhand mediale Sonderthemen über Dresden (beispielsweise vom ZEIT-Magazin oder vom Magazin der Süddeutschen Zeitung) versuchten in diesem Jahr die Stadt zu erklären. “Stadtluft Dresden“ nähert sich mit journalistischen sowie literarischen Innen- und Außensichten der Frage, weshalb die Stadt mit ihren Widersprüchen so ist wie sie ist.“ [flurfunk-dresden.de, 29. November 2018]

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