Schlagwort-Archive: Sibylle Berg

MedienScreen # 168 [Press The Restart Button?]

[Fundstück] Sibylle Berg, “Ausschreitungen und Überwachung – Staatstrojaner brennen nicht so gut wie Autos“, SPIEGEL ONLINE, 15. Juli 2017 –

(…) Brennende Autos sind der absolute super Aufmerksamkeitsgau gegen etwas so Trocknes wie Überwachung. Mit Zeug, das irgendwo unsichtbar passiert, holt man keinen hinter dem Ofen vor. Zumal ja noch nichts passiert ist. Das Sammeln all Ihrer Mails, der besuchten Websites, Ihrer Fitnessdaten und Kaufgewohnheiten, die Gesichtserkennung, die tollen Smart-Geräte, die viele sich selbst kaufen, das ist ein bisschen wie Benzin zur Selbstentzündung zu erwerben. Das süße Netz. Das den Welthandel befeuert hat und Einsame zueinander bringt, müsste im Moment gelöscht und neu gestartet werden (…)

MedienScreen # 166 [Laughing Out Loud]

[Fundstück] Sibylle Berg, “Besser leben durch Humor – Selten so gelacht“, SPIEGEL ONLINE, 17. Juni 2017 –

(…) “Man muss auch einfach mal über sich lachen können“ ist das neue “Ich bin nicht ironisch“ (…)

Ich bin ein prima Mensch. Das Problem sind die anderen. Ich bin so ein fantastischer Mensch, dass ich die Erde mit mir bevölkert sehen möchte, und darum erlaube ich mir, über mich zu lachen. Statt über mich zu weinen, den ganzen Tag. Über meine Sterblichkeit, meine Hilflosigkeit, meine Inkonsequenz, meine Ratlosigkeit, meine Angst in der Nacht und die Angst am Tag und die Angst vor dem Ende. Lache ich. Bis mir die Tränen kommen, über so viel Erbärmlichkeit.

MedienScreen # 162 [Thomas Fischer. Weißer Mann …]

[Fundstück] Sibylle Berg, “Frauen gegen Machos – Humor entwickeln! Besser werden!“, SPIEGEL ONLINE, 25. März 2017 –

(…) Jüngst zog eine Journalistin los, um Thomas Fischer mal so richtig an die Wand zu klatschen. Was herauskam, war eine Punktlandung für den ehemaligen Bundesrichter und ein anklagend-quengelnder Artikel einer Frau. Wenn man Herrn Fischer begegnen will, sollte man sich klar darüber sein, dass das nur auf einer intellektuellen Ebene und am besten mit sehr viel Humor stattfinden sollte (…)

Fischer vorzuwerfen, dass er ist, wie er ist – ein in seiner Zufriedenheit gut eingerichteter, intelligenter, weißer, vermutlich wohlhabender Mann -, ist genauso blöd, wie einem Menschen das Atmen vorzuhalten. Fischer verachtet nicht Frauen, sondern Dummheit. Daran ist nichts verkehrt (…)

MedienScreen # 92 [Die Brücken am virtuellen Fluss]

[Fundstück] Sibylle Berg, “Selbstvermarktung: Wer auffällt, ist out“, SPIEGEL ONLINE, 9. April 2016 –

(…) Es ist ein Fluch, Angehörige der Brücken-Generation zu sein. Die vor und nach Social Media. Immer zu wissen, wie es früher war, auch nicht besser, immer zu wissen wie unglaublich praktisch soziale Medien sind, und wie unglaublich dämlich zugleich. Sich zu fragen, wie es eigentlich um das Wissen bestellt ist, wenn Wissen für die meisten Wikipedia bedeutet, die als Wissen Zeitungen in Fußnoten auflistet, die wiederum von Wikipedia abschreiben (…)