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Faust des Ostens – Dresdner Gerichtszeichen

Die schier unendliche Geschichte der Faust des Ostens (FdO) scheint ein neues Kapitelchen geschrieben zu bekommen, quasi abschließend?

Jedenfalls berichtet die Sächsische Zeitung in ihrer Print-Ausgabe vom ersten März-Tag dieses Jahres, das Landgericht Dresden habe nunmehr “erstmals einen Termin für den Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder und Anführer der ’Faust des Ostens’ (FdO) bestimmt. Am 29. März beginnt die Hauptverhandlung vor der Staatsschutzkammer“, sei durch einen Gerichtssprecher bestätigt worden.

“Den nur noch drei Angeklagten im Alter von 30 bis 37 Jahren wird unter anderem die Bildung/Anführerschaft einer kriminellen Vereinigung, Diebstahl und Körperverletzung vorgeworfen. Das Verfahren gegen zwei weitere Mitbeschuldigte wurde eingestellt. Grund dafür sei das junge Alter der heute 26- und 28-Jährigen zur Tatzeit und die inzwischen verstrichene Zeit“, so Gerichtsreporter Alexander Schneider.

Staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen die FdO werden, offiziell, seit Juni 2012 geführt.

Im Laufe der Saison 2011/12 verbannte die aktive Dresdner Fan-Szene die Faust des Ostens als Gruppierung aus dem K-Block im Rudolf-Harbig-Stadion. Optische Zeichen der FdO sind allerdings im Stadtgebiet und auch in der Region aktuell nach wie vor nicht zu übersehen. Zwischenzeitlich berichtete dann im Januar 2013 SPIEGEL ONLINE, dass in Dresden “mehrere Mitglieder der vermeintlich rechtsgerichteten ’Faust des Ostens’ über Monate mit der Polizei zusammengearbeitet haben“ sollen.

Am 22. August 2013 teilte die Dresdner Staatsanwaltschaft offiziell mit, dass gegen fünf mutmaßliche Anführer der als kriminell eingestuften FdO aus dem Umfeld von Dynamo Dresden Anklage erhoben worden ist. “Letzte Straftaten bekannter Mitglieder verzeichnet das Justizministerium noch im Dezember 2020“ [Dresdner Morgenpost, 4. Februar 2021].

“(…) Es ist nun der erste FdO-Prozess vor einer Staatsschutzkammer. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden stammt vom Sommer 2013 … Zunächst sind 20 Sitzungstage bis Juli geplant. Die Verhandlung könnte jedoch auch schneller enden. ’Die Kammer hat uns für den ersten Sitzungstag ein Verständigungsangebot in Aussicht gestellt’, sagte Andrej Klein, einer der Verteidiger“ [Sächsische Zeitung, 1. März 2021].

(Schatten der Vergangenheit? Auerswalder Blick Nord, Sommer 2012 – Foto: O.M.)

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MedienScreen # 269 [Talk to go]

[Fundstück] Margarete Stokowski, “Talkrunden im TV – Schweigen kann so sexy sein“, SPIEGEL ONLINE, 2. Februar 2021 –

(…) Es ist ein Problem, dass politische Talksendungen unterhalten müssen, aber zugleich eben Themen behandeln, bei deren Behandlung Unterhaltung als Priorität nicht unbedingt hilfreich ist. Das kann manchmal gut gehen, es kann aber eben auch komplett schiefgehen, sodass Talkformate oft nur noch die Karikatur einer echten Diskussion sind. Wobei es durchaus unterhaltsam und zugleich der Sache dienlich wäre, wenn in einer politischen Talksendung eine der befragten Personen nach einer Frage einfach aufsteht, sich die Mikrokabel aus der Kleidung zieht und sagt: “Es tut mir leid, ich muss erst mal einmal um den Block gehen und darüber nachdenken, bin gleich wieder da.“ (…)

MedienScreen # 265 [Hope? “(… Go!)“]

[Fundstück] Sibylle Berg, “Lehren aus Corona – Ich hoffe wieder“, SPIEGEL ONLINE, 2. Januar 2021 –

(…) Ich unterstelle den meisten Menschen, dass sie das Sterben anderer nicht gleichgültig in Kauf nehmen, sondern dass sie, nachdem sie an sich gedacht haben, auch an andere denken. Ich unterstelle auch Menschen, die jetzt nach Wahrheiten suchen und im Netz auf Vitamin D und auf Checker-Osteopathen stoßen, die ihnen Hoffnung geben, keine böse Absicht, sondern einfach – Verzweiflung.

Doch sosehr die Vielen auch nach Begründungen suchen für ihren Aufenthalt auf der Erde, ihrem Lebensentwurf, sosehr sie daran glauben mögen, dass es ein höheres Wesen gibt, das die Welt lenkt. Oder dass ausgerechnet ihr Geburtsort, ihr Beruf, ihr Sein sich vor anderen auszeichnet oder die Seuche ein Konstrukt des Bösen ist, ist es nicht so. Es ist Pech, dass es eine Pandemie gibt. Und es ist Gier, die das Gesundheitssystem in den westlichen Ländern privatisiert und gewinnorientiert wirtschaften lässt. Es ist Zufall, dass wir leben und wie lange und wo oft auch (…)

Ich glaube, dass Regierungen das sind, was man wählt, und Kapitalisten die Macht haben, die man ihnen gibt. Und dass viele Menschen in der großartigen Lage sind, ihr Leben angenehmer zu gestalten als bis jetzt. Und vielleicht ein bisschen die Welt zu retten, statt Leuten zu folgen, die mit der Angst des Einzelnen Geschäfte machen wollen. Ich wünsche Ihnen wirklich allen ein besseres neues Jahr. Außer den Faschisten (…)

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[* “Harter Weg (Go!)“, Broilers, 2011]

MedienScreen # 248 [Everything flies?]

[Fundstück] Thomas Fischer, “Corona, Spaß und Schuld“, SPIEGEL ONLINE, 15. Mai 2020 –

(…) Natürlich wiegen Freude und Glück meist leicht auf der Seele, wogegen Angst und Zorn unendlich schwer lasten. So sind die Menschen und die Leute. Wenn vom Dach eines Hauses ein Petunientopf geworfen wird, weiß man nicht wirklich ganz sicher, was geschehen wird. Es mag sein, dass das Gravitationsgesetz wirkt, wie es dies seit geraumer Zeit tut. Es gibt allerdings, wie sich unschwer ermitteln lässt, durchaus Thesen, es komme auch insoweit darauf an. Ich sage nur: Antimaterie, Paralleluniversen, Matrix. Aber auch diesseits der Kosmologie wird der Boden desto unsicherer, je näher wir ihm kommen. Ist alles eine Illusion? Könnte ein Wind die Flugbahn verändern? Wird der Topf unterwegs seine Gestalt ändern oder gestoppt werden? Wird unten jemand getroffen? Wenn ja: Wer, warum, und hätte man es verhindern können? Ein albernes Beispiel, ohne Frage. Wenn Sie den Petunientopf aber durch einen Atomsprengkopf ersetzen und das Hausdach durch einen “Tornado“-Jet, rückt die Sache schon näher (…)

MedienScreen # 240 [Praecox-News]

[Fundstück] Sascha Lobo, “Diagnose: Vorzeitiger Nachrichtenerguss“, SPIEGEL ONLINE, 8. Januar 2020 –

(…) In sozialen Medien ist schon kurze Zeit nach einem beliebigen Großereignis jede Position und Gegenposition eingenommen, jeder Gag und jede Trollerei gemacht, jede noch so fernliegende Einordnung unternommen und jede Metaebene erklommen worden. Die Öffentlichkeit dürstet dann nach dem Gefühl neuer Fakten oder neuen Entwicklungen, und alles beginnt fast wieder von vorn (…)