MedienScreen # 377 [W3 – Unendliche Weiten?]

[Fundstück] “Vorsicht! Ausrasten kann süchtig machen!“, Peter Stawowy, flurfunk-dresden.de, 31. August 2026 –

Das Internet sollte ursprünglich mal ein schöner Ort werden: mit viel Wissen, bunten Bildern und weltweiter Vernetzung. Doch das Projekt scheint gescheitert. Längst ist das Netz ein Ort, in dem die menschlichen Abgründe bodenlos ausgelebt werden (…)

Die schöne und blühende Pionierzeit ist längst vorbei. In der Realität des digitalen Kapitalismus gilt im Internet eine andere, bittere Logik: Verweildauer ist zur Währung geworden. Und nichts bindet die menschliche Aufmerksamkeit mehr als negative Gefühle. Ganz oben auf der Liste: Empörung (…)

(…) Früher trafen sich die Menschen am Lagerfeuer, am Stammtisch oder im Verein, um auf “die da oben“, “die Reichen“, “die von anderswo“ oder vielleicht auch nur das Wetter zu schimpfen. Das gemeinsame Genörgel und Gemecker war verbindend: Es stiftete Zusammengehörigkeit und entlastete das eigene, kleine Gemüt – zumindest kurzfristig. Nicht, dass das missverstanden wird: Nörgeln und schimpfen sind zutiefst menschliche Eigenarten. Auch Fußballfans im Stadion schreien sich gern den Frust der Arbeitswoche aus dem Leib, wenn der Schiedsrichter Mist baut oder das eigene Team scheitert – und das ist auch gut so (…)

Dummerweise hat sich die Stammtischkultur ins Digitale verlagert – verbunden mit einer Eskalationsdynamik, die uns als Gesellschaft durchaus gefährlich werden könnte. Das Gute daran: Das Netz funktioniert wie ein gigantischer Katalysator für aufgestaute Emotionen. Das Schlechte daran: Das Netz funktioniert wie ein gigantischer Katalysator für aufgestaute Emotionen (…)

Wir Menschen bauen Quantencomputer und fliegen zum Mond, aber beim Umgang mit den eigenen Gefühlen verharren wir auf dem Niveau von Neandertalern. So gesehen wäre es nur konsequent, die gesamte digitale Gesellschaft immer mal auf die Therapiebank zu schicken (…)