Archiv der Kategorie: MatrixTrace

MedienScreen # 281 [Digitales Kasperletheater]

[Fundstück] Frauke Hunfeld, “Kann man seinen Computer töten?“, DER SPIEGEL, 30. Dezember 2021 –

(…) Was wir zu sehen bekommen von unserer Wirklichkeit ist nur noch die Benutzeroberfläche, nicht mehr die Wirklichkeit selbst. Ursache und Wirkung sind nicht mehr nachvollziehbar, man kann keinen mehr fragen, verantwortlich ist immer “das System“. Wir drücken Knöpfe, wir klicken Links, aber was dahinter geschieht: keine Ahnung. Wir sind wie Kinder im Kasperletheater, die mit dem Kasperle mitfiebern und schreien, wenn sie das Krokodil sehen. Die meisten von uns ahnen zwar, dass da hinter dem Vorhang einer sitzen muss, der die Puppen führt. Aber wer genau das ist und was er bezweckt und wie man im Notfall an ihn rankommt, wissen wir nicht. Können wir nicht wissen. Hauptsache, das Stück funktioniert und hat ein Happy End. Und das Kasperle überlebt.

MedienScreen # 248 [Everything flies?]

[Fundstück] Thomas Fischer, “Corona, Spaß und Schuld“, SPIEGEL ONLINE, 15. Mai 2020 –

(…) Natürlich wiegen Freude und Glück meist leicht auf der Seele, wogegen Angst und Zorn unendlich schwer lasten. So sind die Menschen und die Leute. Wenn vom Dach eines Hauses ein Petunientopf geworfen wird, weiß man nicht wirklich ganz sicher, was geschehen wird. Es mag sein, dass das Gravitationsgesetz wirkt, wie es dies seit geraumer Zeit tut. Es gibt allerdings, wie sich unschwer ermitteln lässt, durchaus Thesen, es komme auch insoweit darauf an. Ich sage nur: Antimaterie, Paralleluniversen, Matrix. Aber auch diesseits der Kosmologie wird der Boden desto unsicherer, je näher wir ihm kommen. Ist alles eine Illusion? Könnte ein Wind die Flugbahn verändern? Wird der Topf unterwegs seine Gestalt ändern oder gestoppt werden? Wird unten jemand getroffen? Wenn ja: Wer, warum, und hätte man es verhindern können? Ein albernes Beispiel, ohne Frage. Wenn Sie den Petunientopf aber durch einen Atomsprengkopf ersetzen und das Hausdach durch einen “Tornado“-Jet, rückt die Sache schon näher (…)

MedienScreen # 240 [Praecox-News]

[Fundstück] Sascha Lobo, “Diagnose: Vorzeitiger Nachrichtenerguss“, SPIEGEL ONLINE, 8. Januar 2020 –

(…) In sozialen Medien ist schon kurze Zeit nach einem beliebigen Großereignis jede Position und Gegenposition eingenommen, jeder Gag und jede Trollerei gemacht, jede noch so fernliegende Einordnung unternommen und jede Metaebene erklommen worden. Die Öffentlichkeit dürstet dann nach dem Gefühl neuer Fakten oder neuen Entwicklungen, und alles beginnt fast wieder von vorn (…)

MedienScreen # 239 [Venceremos! Virtuell? And so on?]

[Fundstück] Margarete Stokowski, “Hass-Stürme im Netz – Solidarität muss bedingungslos sein“, SPIEGEL ONLINE, 31. Dezember 2019 –

(…) das Internet ist kein verwunschener Wald. Die Dinge, die hier passieren, folgen bestimmten Regeln, nur dass die Regeln vielen nicht bekannt sind. Nazis sind nicht so kreativ, ihre Einschüchterungsversuche haben immer wieder dieselbe Dynamik. Und doch stehen einzelne Menschen, Redaktionen, ArbeitgeberInnen oft völlig gelähmt vor dem Spektakel, wenn erneut jemand betroffen ist (…)

(…) Hass im Netz ist keine Magie, aber selbst wer sie für ein mystisches Spektakel hält, sollte wissen, dass es eine Art Gegenzauber gibt: bedingungslose Solidarität und aktive Unterstützung der vom Hass Betroffenen (…)