Archiv der Kategorie: Anno 2025

MedienScreen # 361 [(To) Xmas – Ding Dang Dong]

[Fundstück] “An und zu Weihnachten: Brutale Übersetzungen“, politplatschquatsch.com, 21. Dezember 2025 –

(…) Zwischen “an Weihnachten“ und “zu Weihnachten“ verläuft ein Graben, der früher geografischer Natur war. Der Duden verortet “an Weihnachten“ im Süden, “zu Weihnachten“ im Norden. Beide Präpositionen zulässig, die nördliche Variante dominierte lange, ihr Übergewicht aber endet langsam. An Weihnachten ist heute nichts mehr zu. Langsam schwingen sich die Verwendungskurven des “an“ auf, die des “zu“ fallen ab.

Wer auf der Höhe der Zeit sein will, feiert an Weihnachten. Wer unterm Baum richtig zulangt, ist am späteren Heiligabend ordentlich “zu“, wie die Ostdeutschen den Zustand nennen, der keine tiefsinnigen Gespräche über den Wandel der Sprache in unsicheren Zeiten mehr zulässt. Zwischen der An-Armee und der Zu-Zivilisation klafft längst auch ein Bildungsgraben: Handwerker, Angestelltinnen und Krankenschwestern tendieren zum zu. Höhergebildete, die politische Magazine schauen und den “Spiegel“ lesen. Bis zum Jahr 2000 lag “zu Weihnachten“ dort mit 3.800 Verwendungsfällen deutlich vor “an Weihnachten“. Mittlerweile werden beide Fügungen gleich oft verwendet.

Der Tod der Feierlichkeiten zu Weihnachten ist nahe. Ein Gemeinplätzchen, das auf dem bunten Teller liegt, zwischen Lebkuchen und der alten Weisheit “Ostern und Pfingsten sind die Geschenke am geringsten.“ Der Sprachsüden hat sich mit dem Drang der Deutschen zur globalen Verbrüderung verbündet und gemeinsam verhöhnen sie die letzten Sprachsensiblen, die ihr gewohntes “zu“ kaum noch gegen das trendige “an“ verteidigen können.

Lange wird der Jubel über den Sieg nicht währen. Aktuelle Präpositionsbewegungen deuten auf eine salomonische Lösung. Weder “zu“ noch “an“ haben noch eine große Zukunft, selbst wenn Weihnachten als eines der großen Winterfeste überleben sollte. Im Zuge des allgemeinen Kulturverfalls sagen die einen “an Weihnachten bin ich zu Hause“. Die anderen greifen zum doppelten zu (…)

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

MedienScreen # 360 [(Bündnis)Grüne Untiefen]

(Screenshot TwitterX: O.M.)

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[Fundstück] “Grüner Sozialismus: Enterben für Anfänger“, politplatschquatsch.com, 1. Dezember 2025 –

(…) “Was für eine schaurige Ästhetik“, klagt eine der Mitgründerinnen entsetzt. “Schwarz dominiert, darauf grüne Lichter wie Krawatten auf Anzug“ bemängelt Jutta Ditfurth beim Blick auf die Bilder der Inszenierung des Parteitages, der die Grünen zurückführen soll zu einer realistischen Machtperspektive. “Die Vorsitzende trug olivgrün-schwarz“, ätzt die frühere Führerin der Parteilinken. Sie habe zudem betende Damen gesehen, die die Rede eines bleichen Vorsitzenden zu fürchten schienen, “zwischen dessen Pult und die Delegierten ein Wassergraben“ passe.

Es sollte das große Comeback sein, weiter ohne Inhalt, aber als Zeichen unübersehbar (…)

Die Grünen, das hat der Parteitag in Niedersachsen gezeigt, wären überall dabei, wenn es dem Ziel nützlich ist, sich aus dem Loch an Depression herauszuwühlen, in das die noch 2021 so siegesgewisse Partei durch die vielen jähen Wendungen  überall auf der Welt gestürzt worden ist. 65 Jahre nach ihrer Gründung steht die so lange jüngste und erfolgreichste Partei der Bundesrepublik vor dem Abgrund: Es fehlt ihr nicht nur an überzeugenden Führungspersönlichkeiten, es ihr fehlt auch an Visionen, an Glaubwürdigkeit und Konzepten (…)

Getreu der Marx’schen Devise, dass jede Partei angesichts der Aussicht auf 20 Prozent Stimmenzuwachs lebhaft wird, bei 50 Prozent positiv waghalsig, bei 100 Prozent alle menschlichen Gesetze unter ihren Fuß stampfe und bei 300 Prozent kein Verbrechen existiere, das sie “nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens“, flunkerten die Redner*innen um die Wette (…)

Nur noch ein paar krachende Niederlagen, und die grüne Partei ist bereit für Eingriffe, für die es nur “breite Akzeptanz gibt, wenn das Elend groß ist“.

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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(weltwoche.de, 30. November 2025 – Screenshot: O.M.)

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(Screenshot Bluesky: O.M.)

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Notabene – Der Zitator  [OM] ist, als damals amtierender Stadtrat in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden sowie Regionalbüroleiter einer Bundestagsabgeordneten, – einen Tag nach dem Bielefelder ’Kriegsparteitag’ 1999 – einst aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen ausgetreten.

Fußball-Kommerz wirr irrlichtend

Jüngst huschte wieder einmal eine der so genannten Kacheln durch die wie auch immer gearteten virtuellen Netzwerke. Irritierend? Vielleicht nur auf den ersten Blick –

(TwitterX, 21. November 2025 – Screenshot: O.M.)

Das Orakel des Kommerzes verheißt darüber hinaus so einiges. Irritierend auf den zweiten Blick, irgendwie?

So sei zukünftig die Champions League der Fußballerinnen nur im Disney+-Abo zu sehen. Die Fußball-Weltmeisterschaften der Frauen 2027 und 2031 könnten lediglich bei Netflix verfolgt werden. Und für die nächste WM der Männer hat wohl die Telekom 44 Partien exklusiv erworben, die allein über den Streamingdienst MagentaTV zu sehen sein werden sollen.

Aber das kann doch bitteschön nicht alles an möglichem Kommerz gewesen sein. Es gibt durchaus noch Möglichkeiten beim fußballerischen Rasenspektakel. Johannes Kopp auf taz.de hat da mal was vorbereitet –

(Screenshots taz.de: O.M.)

“Die Zerstückelung des Sports in kapitalisierbare Einheiten ist unendlich“ (Johannes Kopp, Ihr könnt nach Hause fahr’n, taz.de, 24, November 2025)

Modern Football – Vaya con Dios.

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