Archiv der Kategorie: PoliticalScene

Quo vadis Dynamo Dresden?

Wer gedacht hat, die Wogen um den 3.-Liga-Verein SG Dynamo Dresden (SGD) würden sich nach dem erfolgten Stadtratsbeschluss zu den Nutzungsverträgen um das Rudolf-Harbig-Stadion (RHS) und der quasi in letzter Minute vorerst abgewendeten Insolvenz des Vereins ein wenig glätten, der muss sich mittlerweile wieder einmal eines Schlechteren belehrt sehen.

Der Name eines neuen Sportdirektors wird erst getuschelt, dann verkündet, später mehrmals nicht öffentlich präsentiert. Als einen “Affront gegenüber dem Stadtrat und vor allem den Steuerzahlern“ bezeichnet ein Rathaussprecher den Vorgang, zumal sich kurz nach besagter Stadtratsentscheidung Mitte März heraus stellte, dass der inthronisierte Sportdirektor wohl bereits seit Anfang März einen Vertrag mit der SGD hat. Im Umfeld der Geschehnisse um den Sportdirektorposten wird plötzlich ein neuer Trainername gehandelt, der Leiter Spielbetrieb wird offenbar daraufhin beurlaubt, Rücktritte aus der amtierenden Geschäftsführung angedroht. Vermutlich würde ein auch noch so großformatiges Organigramm alle aktuell kolportierten Fehde-Fäden im Verein nicht einmal ansatzweise transparent aufzeigen können.

Unterdessen wurde versucht nach außen hin – wenn schon nicht unbedingt Geschlossenheit – wenigstens Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.

“(…) Die SG Dynamo Dresden bedauert außerordentlich, dass (…) eine öffentliche Diskussion über Art und Zeitpunkt der Erweiterung der sportlichen Kompetenz des Vereins ausgebrochen ist. Diese Diskussion schadet dem fragilen Vertrauen, das in Wochen und Monaten harter Überzeugungsarbeit gegenüber der Landeshauptstadt Dresden, gegenüber dem Dresdner Stadtrat und gegenüber den Partnern des Vereins aufgebaut wurde. Aus diesem Grund bemühen sich alle Gremien, die Diskussion intern zu Ende zu bringen und eine gemeinsame Position zu finden, die dem (…) im Stadtrat getroffenen Beschluss gerecht wird. Diesbezüglich laufen ständig Gespräche innerhalb der und zwischen den einzelnen Gremien der SG Dynamo (…) Klar festzuhalten (…): Trainer Matthias Maucksch genießt das volle Vertrauen ausnahmslos aller Gremien des Vereins. Alle anders lautenden Meldungen entbehren jeglicher Grundlage (…)“ [dynamo-dresden.de, 24. März 2010, 16:11]

Ungemach droht der SGD nun ebenfalls auch wieder von anderer Seite in Hinsicht auf das Lizenzierungsverfahren, nach dem das Verhältnis zum Stadtrat aus der Führungsetage heraus so tollpatschig torpediert wurde. Nach zunächst verbaler Empörung aus den Reihen der Dresdner Kommunalpolitiker soll mittlerweile der Stadtratsbeschluss offenbar noch einmal auf den Prüfstand.

“(…) Die Bürgerfraktion im Stadtrat fordert die Oberbürgermeisterin hiermit auf, den vom Stadtrat am 19. März gefassten Beschluss zur ’Zuschusserhöhung zu Gunsten der Stadion Dresden Projektgesellschaft mbH’ auszusetzen, bis in der Frage der möglichen Besetzung der Stelle eines 2. Geschäftsführers Klarheit hergestellt sein wird.

Die Tatsache, dass seit dem 1. März 2010 ein Vorvertrag mit Herrn Beutel besteht, ist eine arglistige Täuschung seitens der darüber informierten Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder gegenüber Teilen des Stadtrats und der Öffentlichkeit.

Gleichzeitig wird an dieser Personalie deutlich, dass die Einflussnahme der Stadt auf Entscheidungen des Vereins genauso problematisch ist wie eine weitere Alimentierung des Vereins über Zuschusszahlungen an die Projektgesellschaft.

Die Bürgerfraktion fordert die Oberbürgermeisterin auf, dem Stadtrat geänderte Darlehensverträge zur Beschlussfassung vorzulegen, die die Einflussnahme der Stadt auf Vereinsangelegenheiten minimieren (…)

Darüber hinaus fordern wir vom Stadtrat eine klare Aussage, die zukünftige Forderungen des Vereins definitiv ausschließt (…)“ [Rote Karte für Dynamo-Aufsichtsrat – Bürgerfraktion Dresden, 25. März 2010]

Auf der Homepage der SGD steht zu lesen: “Über Ergebnisse und das weitere Vorgehen wird so bald wie möglich informiert“ – Wenn so bald wie möglich dann irgendwann einmal nicht zu spät ist.

[Dieser Artikel wurde am 25. März 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Dynamo Dresden: Insolvenz vorerst abgewendet

Die Insolvenz des 3. Liga-Vereins SG Dynamo Dresden (SGD) ist vorerst abgewendet. Der Dresdner Stadtrat hat gestern Nachmittag mit deutlicher Mehrheit für einen erneuten finanziellen Zuschuss an die Stadion-Projektgesellschaft gestimmt. Den gemeinsamen Antrag hatten SPD, Linke, Grüne und die FDP eingebracht. Die CDU stimmte überwiegend dagegen.

Für die kommende Saison sollen nun weitere 1,2 Millionen Euro von der Stadt Dresden kommen. Voraussetzung ist aber, dass Dynamo Dresden weitere 200.000 Euro einsparen muss. Ebenso wird die Stadionprojektgesellschaft sowie der Vermarkter Sportfive aufgefordert, Dynamo um jeweils 100.000 Euro zu entlasten. Außerdem gibt die Stadt Dresden für die Lizenz eine 100.000-Euro-Bürgschaft.

SGD-Hauptgeschäftsführer Stefan Bohne: “Wir sind sehr froh über diese Entscheidung, weil sie neben der finanziellen Entlastung auch die Chance bietet, das Grundübel zu beseitigen, das in der Konstruktion der Verträge liegt.“

Bekanntermaßen gab es seit Anfang dieser Woche einen Aufruf der Dresdner Fangemeinschaft, dem gestern auch zahlreiche Dynamo-Anhänger folgten.

“(…) Dynamo muss weiterleben! ’Arsch hoch! Alle! Jetzt!’ (…) Darum: Freitag, ab 16 Uhr, Rathaus – Es gibt keine Ausreden mehr. Wer jetzt fehlt, macht sich mitschuldig“ [fangemeinschaft-dynamo.de, 16. März 2010].

Die finanzielle Hilfe ist allerdings bei vielen Dresdner Mitbürgern durchaus sehr umstritten, da nun Steuergelder für andere wichtige Projekte in der Stadt wegfallen oder anderweitig eingespart werden müssen. Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann: “Es ist frustrierend zu sehen, wie leicht organisierte Interessen öffentliche Kassen plündern können. Der Steuerzahler hat komplett die Last zu tragen. Das zusätzliche Geld muss bei Investitionen gestrichen werden.“

[Dieser Artikel wurde am 20. März 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Dynamo Dresden und die Lizenz – Ganz oder nur verloren?

Die vorab vollmundig angkündigte LiveStream-Übertragung von Dresden Fernsehen der letztendlich über das weitere Wohl und Wehe der SG Dynamo Dresden (SGD) entscheidenden Sitzung des Sport- und Finanzausschusses der sächsischen Landeshauptstadt Dresden war teilweise nur unter Aufbietung größter Geduld und zeitweiliger Nutzung scheinbar nötiger außerterrestrischer Technologien uneingeschränkt genießbar. Die fast LiveStream-Diskussion im offiziellen Dynamo-Forum offenbarte, neben allerlei Verbalien, kaum genießbare, geschweige denn aufschlussreicherere Informationen, als bis dato sowieso bekannt.

Vor und während der Sitzung des städtischen Ausschusses hatten Fans der SGD zu einer Kundgebung vor dem Rathaus aufgerufen. Zwischenzeitlich berichtete Radio Dresden, dass nach über vier Stunden Verhandlungen im Rathaus eher “Ernüchterung“ herrsche. So habe sich der Finanzausschuss auf keinerlei Kompromiss einigen können. Möglicherweise solle nun die Thematik im Stadtrat – in einer Sondersitzung – behandelt werden.

So eine Sondersitzung des Stadtrates “sei innerhalb weniger Tage möglich“, sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) gegenüber Radio Dresden. Nach diesem Stand allerdings muss die SGD bei einer fristgerechten Abgabe der Lizenzunterlagen am 1. März an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) die geforderten Unterlagen mit bereits vorab bilanzierten Finanzlücken einreichen.

Ob es zum Thema Mietzuschuss für das Rudolf-Harbig-Stadion (RHS) möglicherweise wirklich noch eine Sondersitzung des Dresdner Stadtrates geben wird, war nach dem Abend des 26. Februar letztendlich nicht eindeutig einschätzbar. Sicher dagegen ist allerdings ein Datum: Lizenzunterlagen-Abgabe, 1. März 2010, 15:30 Uhr. Punkt. Aus?

[Dieser Artikel wurde am 26. Februar 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Kommandos 13. Februar?

Berlin. Der verhinderte Aufmarsch von Dresden gebiert nachträglich offenbar militante Drohgebärden aus dem rechtsextremen Milieu.

Dass der Verlauf des diesjährigen 13. Februar in rechtsextremen Strukturen und Zusammenhängen Spuren hinterlassen hat, ist unschwer zu verfolgen. Ob der für sie desaströse Tag die Szene letztendlich verunsichert oder eher zusammen geschweißt hat, bleibt allerdings abzuwarten.

Während die durchaus emotional geführten Auswertungsdiskussionen in den einschlägig bekannten rechtsextremen Internetforen langsam zu verebben scheinen, zeigt sich augenscheinlich, dass der Stachel der Blockade von Dresden – Keinen Meter gelaufen zu sein – bei einigen wohl doch viel tiefer im rechten Fleisch sitzt, als auch nur halböffentlich zugegeben. Nach ersten internen Irritationen beginnt die so genannte nationale Bewegung, nachdem es im unmittelbaren Umfeld des 13. Februar bereits beispielsweise in Gera und wiederholt in Pirna militante Aktionen gegeben hatte, offensichtlich noch offensiver zu agieren.

So wird mittlerweile beispielsweise aus Berlin berichtet, dass mehrere linke Organisationen und Aktivisten; größtenteils Unterzeichner des Blockadeaufrufs von Nazifrei! – Dresden stellt sich quer, Drohbriefe erhalten haben, in denen ein sich selbst so betitelndes “Kommando 13. Februar“ sehr andeutungsweise militant mitteilt: “… dein Leben interessiert uns brennend“. Teilweise sei den Briefen zudem ein Streichholz beigefügt gewesen, so die Nachrichtenagentur ddp. Aus offenbar ebenso rechtsextremen Zusammenhängen heraus war übrigens bereits am 14. Februar in einer anonymisierten E-Mail an redok unter anderem angekündigt worden: “Die kommenden 364 Tage werden ganz spannend“ und weiter: “was glaubt ihr denn was passiert wenn die Polizei nicht vor Ort ist ?“ (Schreibweise so im Original).

Unterdessen warnte Heinz Fromm, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, in einem Tagesspiegel-Gespräch vor einer steigenden Aggressivität der rechtsextremen Szene. So könne sich eine “Jetzt-Erst-Recht-Stimmung“ entwickeln. Der rechtsextreme Veteran Christian Worch fordert derweil nach dem diesjährigen 13. Februar in Dresden auf seiner Website weniger als mehr verklausuliert: “Also: Umdenken. Flexibler planen. Koordinierter handeln. Egoismen zurückstellen. Und sich nicht mehr wie eine Hammelherde an einem einzelnen Ort einpferchen lassen“.

[Dieser Artikel wurde am 24. Februar 2010 bei redok veröffentlicht.]

Dynamo Dresden: Positionspapier zu Stadionkosten und Lizenz-Gefahr

Die Vereinsführung der SG Dynamo Dresden (SGD) ist im nach wie vor schwelenden Streit mit der sächsischen Landeshauptstadt um die Betreibungskosten und Nutzungsverträge des neuen Rudolf-Harbig-Stadions in die Offensive gegangen und hat “als Zusammenfassung der vorliegenden Informationen“ nunmehr ein aktuelles Positionspapier “zur Information der Dresdner Stadträte und der Öffentlichkeit“ zusammen gestellt. Damit hoffe man “einen weiteren Beitrag zur Transparenz und zu einer fairen Diskussion leisten zu können“ (SGD-Pressesprecher Enrico Bach).

Das vorliegende Papier umfasst auf 45 Seiten folgende Inhalte:

  1. Zusammenfassung der Positionen Finanzverwaltung Landeshauptstadt Dresden ./. SG Dynamo Dresden incl. Bewertung/Aufarbeitung der vorliegenden Präsentation von Herrn BM Vorjohann
  2. Übersicht über die Finanzentwicklung und wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins im Zeitraum der Spielzeiten 2007/2008 bis 2010/2011
  3. Überblick über die Kosten- und Vergleichsanalyse 3. Liga des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) incl. schriftlicher Bestätigung des vorliegenden Zahlenmaterials durch den DFB-Direktor, Herrn Helmut Sandrock
  4. Überblick über den Zeitplan des anstehenden Lizenzierungsverfahrens für die Saison 2010/11

Neben durchaus bereits in der Öffentlichkeit kolportierter Zahlen bezüglich der Kostenrechnungen für das Rudolf-Harbig-Stadion ist es der SGD in dem Positionspapier noch einmal wichtig darauf hinzuweisen, dass seitens der Landeshauptstadt “durch Mehrerträge und die lediglich geringfügige Mehrbelastung im Zusammenhang mit dem neuen Stadion die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation“ der SGD suggeriert werden solle. Zudem sei die Betrachtung “unvollständig“, es wäre “nicht mit den absoluten Zahlen der Spielzeiten gearbeitet“ worden. Die städtische Analyse vernachlässige “durch die oberflächliche Betrachtung die tatsächlich vorhandenen Kostenstrukturen und insbesondere die vorgenommenen Sparmaßnahmen der SG Dynamo Dresden“. Das Ergebnis sei “eine schwer zu durchschauende, in einem Detail auf Schätzungen beruhende, Aufstellung einzelner Erlöspositionen der SGD“. Ein weiterer SGD-Kritikpunkt wird dahingehend formuliert, dass für “die Bestimmung eines wirtschaftlichen, marktgerechten und fairen Mietzinses […] ein objektives Gesamtbild nötig“ sei, das nur durch “eine vollständige Betrachtung der wirtschaftlichen Gesamtsituation“ vermittelt werden könne.

In Auswertung der Kosten- und Vergleichsanalyse der 3. Liga durch den DFB kommt die Vereinsführung der SGD zu dem Fazit, dass “die strukturelle Benachteiligung der SG Dynamo Dresden gegenüber ihren Wettbewerbern evident“ ist. Während beispielsweise 2008/2009 zirka fünf Prozent der Gesamtaufwendungen der SGD in die Stadionnutzung flossen, steige dieser Beitrag 2009/2010 auf 18 Prozent und letztendlich 2010/2011 auf ungefähr 30 Prozent. Vergleichbare Vereine der 3. Liga investieren den vorgelegten DFB-Angaben zufolge durchschnittlich rund 7 Prozent in die reine Nutzung des Stadions.

Ziel seitens der SGD ist auch aus diesem Grund “eine gemeinsame faire, marktgerechte und langfristige Lösung zwischen Landeshauptstadt und Verein gemäß folgender Prämissen:

Einerseits eine Anpassung der Stadionkosten, die
• den Rahmenbedingungen der Liga Rechnung trägt,
• die Leistungsfähigkeit des Hauptmieters berücksichtigt,
• die eingeleitete Konsolidierung des Vereins unterstützt und
• sich an erfolgreichen Modellen anderer Standorte orientiert.
Andererseits weitere Sparmaßnahmen des Vereins, flankiert von anhaltendem
• seriösen und den Bedingungen angepassten Wirtschaften,
• transparenten und regelmäßigen Informieren der Partner sowie
• Aufarbeiten und Korrigieren der Verfehlungen der Vergangenheit“.

Ein weiteres Fazit des vorliegenden Papiers lautet allerdings: “Ohne eine grundsätzliche strukturelle Veränderung kann der Verein die Zulassungsvoraussetzungen des DFB für die Spielzeit 2010/2011 unter keinen Umständen erfüllen. Die Folge wäre der Ausschluss vom Spielbetrieb der 3. Liga und die Insolvenz der SG Dynamo Dresden“.

Die Lizenz-Unterlagen für die kommende Saison müssen bis 1. März, 15:30 Uhr, beim DFB vorliegen. Unter Umständen durch den DFB gesetzte Auflagen für die letztendliche Lizenz-Erteilung müssten bis zum 3. Juni erfüllt werden.

[Dieser Artikel wurde am 23. Februar 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]