Schlagwort-Archiv: politplatschquatsch.com

MedienScreen # 371 [FIFA World Cup 2026. Ist da was?]

[Fundstück] “Der Schulhofindikator: Es droht kein Sommermärchen“, politplatschquatsch.com, 8. Juni 2026 –

(…) Stell Dir vor, es ist Fußball-Weltmeisterschaft, und zum zweiten Mal hintereinander fehlt es unübersehbar an Euphorie (…)

(…) Dass die Weltmeisterschaft die Koalition rettet, erscheint so wahrscheinlich wie eine Nachnominierung der damaligen Helden Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski.

Bei aller Mühe, die sich die als Übertragungspartner eingespannten Sender auch im eigenen Interesse geben: Vor 20 Jahren schauten sich das letzte WM-Testspiel der DFB-Elf gegen Kolumbien 12,85 Millionen Zuschauer an. Vor dem Abflug zur WM in Brasilien schalteten immerhin noch 9,88 Millionen Menschen ein, um den letzten Test gegen Armenien zu sehen. Jetzt kamen nicht einmal neun Millionen zusammen, um beim knappen 2:1-Sieg gegen die Mannschaft von Gastgeber USA dabei zu sein.

Auch der grausame, aber unbestechliche Schulhofindikator zeigt erschütternde Daten. Kinder tragen immer noch Fußballtrikots. Doch am liebsten mit Spielern aus anderen Ländern. Unangefochten stehen die Fußball-Opas Lionel Messi und Cristiano Ronaldo an der Spitze der Verkaufshitparade. Dahinter folgen der Spanier Lamine Yamal, der Franzose Kylian Mbappé und der Engländer Jude Bellingham.

Die Zeiten, als ein deutscher Kicker wie Toni Kroos doppelt so viele Leibchen verkauft wie alle anderen sind vorbei. Selbst in Deutschland liegen die beim Trikotabsatz erfolgreichsten Stars Florian Wirtz und Jamal Musiala weit abgeschlagen hinter den Idolen einer Jugend, für die die Mannschaft nichts zählt und der Instagramkanal eines einzelnen Spielers alles (…)

Im Inneren hatte der DFB ohnehin auch in der Zeit der demonstrativen Vielfalt wie die katholische Kirche funktioniert. Ein Netzwerk aus Männern ließ keine Frau auch nur in die Nähe der Spitze des milliardenschweren Imperiums (…)

Es fehlt nicht an Stars, sondern an Identifikationsfiguren (…) Die vom Verfassungsschutz zeitweise in Gänze als rechtsextremistisch eingestufte AfD dockt an das raunende Gefühl der Entfremdung an. Schon bei der letzten Europameisterschaft hatte der – aus Westdeutschland stammende -Thüringer AfD-Chef Björn Höcke erklärt, er könne sich mit der Nationalmannschaft nicht mehr identifizieren, sie sei ihm “zu bunt“ (…)

ARD, ZDF und sämtliche privatkapitalistischen Medienheuschrecken meiden den dennoch ausdrücklich jeden Blick auf den tieferliegenden Konflikt. Stattdessen mühten sie sich in den Tagen und Wochen vor dem Beginn des Turniers einmal mehr nach Kräften, den Hauptgastgeberstaat zum Katastrophengebiet zu erklären.

Während Kanada – ein Land, bei dem sich Deutschland der Illusion hingibt, das Ahornblatt könnte bald zum 13. Stern in der Europaflagge werden – als heiterer Ort fröhlicher Spiele dargestellt wird, ist in den Vereinigten Staaten alles zu teuer, zu gefährlich und undemokratisch. Selbst Mexiko, vor vier Monaten noch Austragungsort eines mörderischen Gangkrieges, erscheint verglichen mit Trumps “Diktatur“ (Marcus Mittelmeier) wie eine lauschige Frühlingswiese.

Dass die Karten zu den Spielen in Kanada und Mexiko exakt genauso teuer sind wie in den USA – kein Wunder, werden sie doch alle vom Weltverband FIFA verkauft – fällt im Dienst der guten Sache unter den Tisch (…)

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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Remember?Anno 2010

MedienScreen # 370 [Wie der Stahl gehärtet wird]

[Fundstück] “Das Heute als einziges Leben: Jetzt, jetzt lebe ich“, politplatschquatsch.com, 12. Mai 2026 –

(…) Wenn die Veränderung der Welt länger dauert, als ein Mensch lebt, erlahmt das Interesse der Anwesenden, sich mit Haut und Haar für die Veränderung einzusetzen (…)

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

MedienScreen # 361 [(To) Xmas – Ding Dang Dong]

[Fundstück] “An und zu Weihnachten: Brutale Übersetzungen“, politplatschquatsch.com, 21. Dezember 2025 –

(…) Zwischen “an Weihnachten“ und “zu Weihnachten“ verläuft ein Graben, der früher geografischer Natur war. Der Duden verortet “an Weihnachten“ im Süden, “zu Weihnachten“ im Norden. Beide Präpositionen zulässig, die nördliche Variante dominierte lange, ihr Übergewicht aber endet langsam. An Weihnachten ist heute nichts mehr zu. Langsam schwingen sich die Verwendungskurven des “an“ auf, die des “zu“ fallen ab.

Wer auf der Höhe der Zeit sein will, feiert an Weihnachten. Wer unterm Baum richtig zulangt, ist am späteren Heiligabend ordentlich “zu“, wie die Ostdeutschen den Zustand nennen, der keine tiefsinnigen Gespräche über den Wandel der Sprache in unsicheren Zeiten mehr zulässt. Zwischen der An-Armee und der Zu-Zivilisation klafft längst auch ein Bildungsgraben: Handwerker, Angestelltinnen und Krankenschwestern tendieren zum zu. Höhergebildete, die politische Magazine schauen und den “Spiegel“ lesen. Bis zum Jahr 2000 lag “zu Weihnachten“ dort mit 3.800 Verwendungsfällen deutlich vor “an Weihnachten“. Mittlerweile werden beide Fügungen gleich oft verwendet.

Der Tod der Feierlichkeiten zu Weihnachten ist nahe. Ein Gemeinplätzchen, das auf dem bunten Teller liegt, zwischen Lebkuchen und der alten Weisheit “Ostern und Pfingsten sind die Geschenke am geringsten.“ Der Sprachsüden hat sich mit dem Drang der Deutschen zur globalen Verbrüderung verbündet und gemeinsam verhöhnen sie die letzten Sprachsensiblen, die ihr gewohntes “zu“ kaum noch gegen das trendige “an“ verteidigen können.

Lange wird der Jubel über den Sieg nicht währen. Aktuelle Präpositionsbewegungen deuten auf eine salomonische Lösung. Weder “zu“ noch “an“ haben noch eine große Zukunft, selbst wenn Weihnachten als eines der großen Winterfeste überleben sollte. Im Zuge des allgemeinen Kulturverfalls sagen die einen “an Weihnachten bin ich zu Hause“. Die anderen greifen zum doppelten zu (…)

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

MedienScreen # 360 [(Bündnis)Grüne Untiefen]

(Screenshot TwitterX: O.M.)

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[Fundstück] “Grüner Sozialismus: Enterben für Anfänger“, politplatschquatsch.com, 1. Dezember 2025 –

(…) “Was für eine schaurige Ästhetik“, klagt eine der Mitgründerinnen entsetzt. “Schwarz dominiert, darauf grüne Lichter wie Krawatten auf Anzug“ bemängelt Jutta Ditfurth beim Blick auf die Bilder der Inszenierung des Parteitages, der die Grünen zurückführen soll zu einer realistischen Machtperspektive. “Die Vorsitzende trug olivgrün-schwarz“, ätzt die frühere Führerin der Parteilinken. Sie habe zudem betende Damen gesehen, die die Rede eines bleichen Vorsitzenden zu fürchten schienen, “zwischen dessen Pult und die Delegierten ein Wassergraben“ passe.

Es sollte das große Comeback sein, weiter ohne Inhalt, aber als Zeichen unübersehbar (…)

Die Grünen, das hat der Parteitag in Niedersachsen gezeigt, wären überall dabei, wenn es dem Ziel nützlich ist, sich aus dem Loch an Depression herauszuwühlen, in das die noch 2021 so siegesgewisse Partei durch die vielen jähen Wendungen  überall auf der Welt gestürzt worden ist. 65 Jahre nach ihrer Gründung steht die so lange jüngste und erfolgreichste Partei der Bundesrepublik vor dem Abgrund: Es fehlt ihr nicht nur an überzeugenden Führungspersönlichkeiten, es ihr fehlt auch an Visionen, an Glaubwürdigkeit und Konzepten (…)

Getreu der Marx’schen Devise, dass jede Partei angesichts der Aussicht auf 20 Prozent Stimmenzuwachs lebhaft wird, bei 50 Prozent positiv waghalsig, bei 100 Prozent alle menschlichen Gesetze unter ihren Fuß stampfe und bei 300 Prozent kein Verbrechen existiere, das sie “nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens“, flunkerten die Redner*innen um die Wette (…)

Nur noch ein paar krachende Niederlagen, und die grüne Partei ist bereit für Eingriffe, für die es nur “breite Akzeptanz gibt, wenn das Elend groß ist“.

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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(weltwoche.de, 30. November 2025 – Screenshot: O.M.)

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(Screenshot Bluesky: O.M.)

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Notabene – Der Zitator  [OM] ist, als damals amtierender Stadtrat in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden sowie Regionalbüroleiter einer Bundestagsabgeordneten, – einen Tag nach dem Bielefelder ’Kriegsparteitag’ 1999 – einst aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen ausgetreten.

MedienScreen # 355 [(Salon)Grüne kennen kein Vergeben und Vergessen]

[Fundstück] “Ferner Osten: Grüner Aufbruch ins Unbekannte“, politplatschquatsch.com, 18. Juli 2025 –

(…) Die Grünen haben den Ostdeutschen nie verziehen, dass sie damals nicht vom Wetter reden wollten (…)

(…) die Partei, die ihr ostdeutsches Bündnis-90-Erbe längst im Keller der Parteizentrale am Platz vor dem Neuen Tor entsorgt hat[…] (…)

Die neue Strategie ist dreigliedrig: Zerknirschung. Reue. Abschwören. Zerknirschung soll signalisieren, dass die Grünen ihre Fehler erkannt haben. Reue zeigt, dass Einsicht da ist. Und Abschwören sichert Umdenken zu (…)

(…) Die Grünen fühlen sich missverstanden, sie wollen ihre Politik keineswegs ändern, sondern besser erklären, damit auch die eher ungebildeten Ostdeutschen verstehen, dass grüne Edelthemen (…) Begeisterung auslösen müssen.

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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Notabene – Der Zitator  [OM] ist, als damals amtierender Stadtrat in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden sowie Regionalbüroleiter einer Bundestagsabgeordneten, – einen Tag nach dem Bielefelder ’Kriegsparteitag’ 1999 – einst aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen ausgetreten.