MedienScreen # 15 [Bild und Co. sind eine Gefahr für den ganzen Journalismus]

[Fundstück] “IRRE! Bild und co. sind eine Gefahr für den ganzen Journalismus“, Benjamin Giebenrath für Blickfang Ultra (BFU) im Januar 2012 [BFU # 23] –

Wir, die Redaktion des Blickfang Ultrà, haben die Schnauze gestrichen voll und versuchen uns hiermit an einer Abrechnung mit den sogenannten Kollegen unter der schreibenden Zunft. Wir nehmen uns die Frechheit heraus, Journalisten und Autoren in den Massenmedien als Kollegen zu bezeichnen, was unter den Lohnschreibern wohl für einen Aufschrei sorgen und mit einem spöttischen Lächeln quittiert werden dürfte, doch ist uns das egal. Wir sind Ultras, wir schreiben über Ultras, wir scheren uns nicht um Titel, Regeln oder Konventionen und bilden uns hiermit unsere eigene Wahrheit und erlauben uns diese zu verbreiten. Wir nutzen hierbei die beliebten Stilmittel des Populismus, der Verallgemeinerung und scheren genüsslich und mit hohem Eifer alle über einen Kamm!

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Wir können es nicht mehr mit ansehen, wie Ultrasgruppen nach vermeintlich schlimmen Vorfällen ihre Zeit damit verschwenden, gut und vorsichtig formulierte Stellungnahmen zu verfassen, welche die Wahrheit der Zeitungen und Polizisten in Frage stellen und der eigentlichen Wahrheit recht nahe kommen. Die Schriften erscheinen in Magazinen, Infozines, Fanzines, auf den Blogs und Homepages der Gruppen. Sie haben fast keinerlei Wirkung, werden kaum beachtet und die Zahl der Richtigstellungen in den Massenmedien, die durch einen solchen Text erfolgten, tendiert gegen Null. Was in den Massenmedien geschrieben steht, ist Gesetz und die eigene Wahrheit, da helfen keine Richtigstellungen und Widerlegung der Presseberichte. Zwar mag es sogenannte Journalisten geben, die sich die Texte durchlesen, doch werden sie den Teufel tun, ihren selbst verfassten Artikel, oder den eines sogenannten Kollegen, zu widerlegen. Uns ist egal, was der einzelne sogenannte Journalist denkt, wir sehen nur, was geschrieben wird, wie gegen unsere Bewegung gehetzt und wir alle in einen Topf geschmissen werden. Nutzt eure Zeit anders, hängt mit euren Freunden herum, versucht eure Gruppe weiterzubringen, geht malen, geht kleben, schreibt an euren Magazinen oder feiert in Clubs. Egal was, alles ist sinnvoller, als das verbreiten der eigentlichen Wahrheit, die lediglich von einem Personenkreis angenommen wird, der diese sowieso schon kennt.

Journalisten stigmatisieren und verbreiten entgegen besserem Wissen Lug und Trug! Ihnen ist das egal, sie sehen nicht die Qualität ihrer Texte, sie sehen nicht den Wahrheitsgehalt, sie sehen nicht die Wirkung – sie sehen lediglich die Reaktion ihres Chefredakteurs. Ein gelungener und guter Artikel ist nicht gut oder gelungen, wenn er hohen literarischen Ansprüchen genügt, ist nicht gut, wenn er besonders gut geschrieben wurde, sondern hat einzig und allein seine Daseinsberechtigung, indem er gedruckt wird. Lohnschreiber leben vom Schreiben, es ist ihr Beruf, keinesfalls aber ihre Berufung. In unserem System braucht man Geld zum Leben, was selbst für sogenannte Journalisten gilt, denn diese verdienen durch die Veröffentlichung ihrer Texte! Veröffentlicht wird aber lediglich, was sich verkauft – die Schlagzeile und die Wirkung auf den Leser muss stimmen. Was verkauft sich denn heutzutage besser als Gewalt? Nicht viel und insbesondere die Fußballgewalt scheint eine große Wirkung zu haben, denn sie findet, vermeintlich, im Rahmen von Massenveranstaltungen statt. In den Redaktionen dieser Republik ertönt lauter Jubel, wenn über den Ticker wieder Ausschreitungen aus einem Stadion eintrudeln. Was schreibt sich für diese Zunft denn leichter als ein Artikel über Ultras und Hooligans?

Journalisten betreiben Rufmord und geben ein großes Nichts aus Einzelschicksalen und den Menschen. Ein Artikel über Ausschreitungen bei Dynamo schreibt sich fast von alleine, denn der Journalist kann in diesem Fall nichts falsch machen. Die öffentliche Meinung über Dynamo hat sich im Lauf der Jahre manifestiert. Jeder Artikel, in dem Dynamo-Fans nicht als besoffene Nazischläger dargestellt werden, verwundert den Leser und lässt ihn in allem vom Glauben abfallen. Verliert ein Fußballfan durch eine Aneinanderreihung von schrecklichen Ereignissen einen Arm, so wird nicht der Mensch an sich gesehen, sondern die sogenannten Journalisten versuchen den Menschen in eine Schublade zu pressen, um dem Artikel eine reißerische Note zu verpassen, die dafür sorgt, dass er auch gedruckt und Geld auf das Konto des Lohnschreibers überwiesen wird. “Hooligan verliert Arm“ klingt besser als “Fußballfan verliert Arm“. Die Wirkung der erstgenannten Schlagzeile macht den Leser aufmerksam und sorgt für Gedanken, die nicht das Schicksal des jungen Menschen sehen, der sein Leben lang gezeichnet sein wird, sondern der Leser denkt an einen Hooligan, der durch sein eigens Tun und Handeln selbst schuld an seinem Schicksal ist. Hooligans und Ultras sind für diese sogenannten Journalisten und Leser der Abschaum der Gesellschaft, Streunende Köter, um die es einem nicht leid tun muss, die selber daran schuld sind. Wie können Menschen im sogenannten Journalismus alle Menschlichkeit über Bord werfen und gleichzeitig das Unmenschliche unter Ultras und Hooligans anprangern? Ein Spagat, der wohl nur einem Lohnschreiber und dem hirnlose Gefolge, auch genannt “die Leser“, gelingt, da sie es sich seit vielen Jahren angeeignet haben!

Journalisten sind eines der Rädchen im System. Polizei, DFB, DFL und der Staat betreiben hemmungslosen Lobbyismus und die Massenmedien geben sich dafür gerne her. Gesetze, Maßnahmen, neue Regulierungen werden beschlossen und müssen an den Mann, respektive Fan gebracht werden. Was eignet sich aus Sicht der Regulierer besser als die Verbreitung über die Massenmedien? Eine Meinung wird durch den Lobbyismus an Millionen Empfänger gebracht, der Clou daran ist, dass die Oberen den Wortlaut vorgeben, bestimmen, was verbreitet wird und welche Reaktion dies bei der Öffentlichkeit auslösen soll und der Lohnschreiber, der sogenannte Journalist, spielt da gerne den Lakaien und tippt den Artikel fröhlich in sein MacBook. Egal ob vor der WM 2006 in Deutschland, neue Stadionverbotsrichtlinien, nach ausufernden Polizeieinsätzen oder erst kürzlich bei der Pyrodebatte: Geschrieben wird, was die Oberen haben wollen, sogenannte Journalisten, die ausscheren und sich mit der realen Wahrheit befassen wollen, sind nicht gerade eine große Masse und gehen in dieser unter. Der Fan ist dabei der Dumme und das Versuchsfeld für einen immer neuen Wahnsinn des Staates und der Verbände, deren Regulierungswahn keine Grenzen zu kennen scheint.

Journalisten sind gut organisiert und weit vernetzt. Sie nutzen die modernen Massenmedien, wie Zeitungen und das Internet, um ihre Botschaften, Lügen und Hysterie zu verbreiten. Regelmäßig schwärmen sie aus und begeben sich auf ihren Feldzug gegen aktive Fans und Ultras. Bewaffnet mit Handys, iPhones, Smartphones und MacBooks schlagen sie zu und senden ihre “Wahrheit“ in alle Welt. Ihre treuen und leicht gläubigen Leser lassen sich dabei als weiterer Multiplikator missbrauchen und verbreiten die Inhalte in Form von Kommentaren auf den Homepages der Medien weiter, sie verbreiten diese in sogenannten Fanforen, am Stammtisch oder in Gesprächen auf der Arbeit oder im privaten Umfeld. Der Journalist ist sich dessen durchaus bewusst und arbeitet gezielt daran, die Meldungen so zu formulieren, dass sie der einfache “Manfred“ kapiert und fröhlich weiterverbreiten kann. Schuldig machen sich auch die sogenannten Ultras selbst, welche diese Meldungen in den eigenen Medien, wie beispielsweise ultras.ws, ebenfalls weiterverbreiten und die Inhalte gar noch diskutieren und für bare Münze nehmen. Schämt euch, ihr seid der Abschaum innerhalb des Abschaums und die Lakaien eines Systems, das ihr angeblich ablehnt und bekämpfen wollt. Ihr seid nichts weiter als ein weiterer Teil der hirnlosen Herde, die unserer Bewegung schadet und den sogenannten Journalisten und den Oberen in die Karten spielt!

Der Journalismus an sich wird neben der Judikative, der Exekutive und der Legislative oftmals als die vierte Gewalt eines Staates bezeichnet. Er wirkt meinungsbildend und manipulativ auf seine Nutzer und Empfänger. Unabhängige Medien sucht man in Deutschland leider vergebens, denn diese kommen, im Bereich der Ultraskultur, von den Ultras selbst, die in der Regel, abgesehen von leider wenigen Ausnahmen, auch nur von den Ultras genutzt werden. Ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt und es ist nicht davon auszugehen, dass sich in dieser Hinsicht etwas ändern wird. Wir leben in einer Gesellschaft, die Gewalt zwar ablehnt, diese aber ausübt und gerne begafft, nur um danach seinen Ekel auszudrücken und durch die moderne Medienlandschaft kann sich ein Jeder durch einen Kommentar wichtig machen. Es ist der Moment gekommen, an dem wir uns auskotzen müssen, indem wir populistisch auf den Populismus reagieren, in dem wir mit Verallgemeinerung auf die Verallgemeinerung reagieren, in dem wir die Stigmatisierung durch Stigmatisierung anprangern, in dem wir die Verbreitung von fragwürdigen Inhalten durch die Verbreitung von (für viele sicherlich) fragwürdige Inhalte verbreiten. Wir nutzen unsere Medien, um die Nutzung und den Missbrauch der Medien zu kritisieren. Wir sind Ultras, wir müssen uns vor niemanden rechtfertigen, außer vor uns selbst!

[Dieser Beitrag wurde am 10. März 2012 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 14 [Hooligans Elbflorenz, Zeitläufe, Gerichtsrauch]

(…) Schon seit August stehen fünf Männer im Alter von 19 bis 35 Jahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung am Landgericht Dresden – die mutmaßliche Führungsriege der “Hooligans Elbflorenz“. Doch inhaltlich ist die Staatsschutzkammer in der Beweisaufnahme noch nicht weit vorangekommen. Gestern [4. Oktober] flimmerten wieder Videobilder einer Schlägerei bei Obersuhl in Hessen, bei der ein Hooligan der “Brigade Nassau 96“ aus Frankfurt/Main schwerst verletzt wurde. Heraus kam bislang nur, dass Sachverständige zu allen Videos demnächst angehört werden sollen.

Noch immer streiten sich die bis zu zehn Verteidiger mit dem Staatsanwalt, ergreifen jeden Anlass, das Gericht mit Befangenheits-, Aussetzungs- oder Unterbrechungsanträgen zu beschäftigen. Ihre Argumentation ist: Einvernehmliche Schlägereien sind nicht strafbar.

Der Vorsitzende Richter Peter Lames sieht das anders und reagiert in der ihm eigenen Weise (…) erst vergangene Woche gab er den Hinweis, dass die “Hooligans Elbflorenz“ nicht erst vor den Dönerüberfällen in der Neustadt – nach dem EM-Halbfinale Deutschland gegen Türkei im Juni 2008 – sondern im Jahr zuvor in Erscheinung traten. Ein szenekundiger Polizist berichtete von einem “Testmatch“ der Dresdner Hooligans im Juli 2007.

“Die Tendenz ist erkennbar, dass der Tatzeitraum so erweitert werden soll“, vermutete ein Verteidiger. So könnte auch die größte Dresdner Randale der letzen Jahre ins Visier der Richter rücken: Am 28. Oktober 2007 hatten Hunderte Gewalttäter nach einem Dynamo-Spiel gegen Lok Leipzig [*] in der St.-Petersburger-Straße gewütet und Polizisten angegriffen. Zu klären ist nun wohl, welche Rolle die Angeklagten bei diesen schweren Landfriedensbrüchen gespielt haben (…)

[Quelle – “Viel Rauch um nichts bislang im Hooligan-Prozess“, sz-online.de, 5. Oktober 2011]

[*] SG Dynamo Dresden (A) vs. 1. FC Lok Leipzig – Die “Freiheit” der 5. Liga (30. Oktober 2007)

[Dieser Beitrag wurde am 5. Oktober 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 13 [Hooligans aus Elbflorenz, Feldforschung vor Gericht]

(…) Deutschland hat am 3. Juni das Qualifikationsspiel für die Fußball-Europameisterschaft in Wien gegen Österreich mit 2:1 gewonnen. Am Rande des Spieles gab es einen weiteren Sieg: Deutsche Hooligans schlugen im wahrsten Sinne des Wortes Gleichgesinnte aus Österreich im Vergnügungspark “Prater“. Rund 60 junge Männer von jeder Nation prügelten aufeinander ein.

“Erst standen sie sich gegenüber und machten sich mit Dehnübungen warm. Dann sind die Fäuste geflogen. Das Ganze dauerte zwei bis drei Minuten. Danach sind alle in Windeseile verschwunden“, erklärte (…) ein Polizist aus Nürnberg als Zeuge im Landgericht Dresden. Der Beamte ist einer von 14 Polizisten in der deutschen Delegation, die die Spiele der Nationalmannschaft begleiten. Den Spuk verhindern konnte er nicht. “Die uniformierten österreichischen Polizeikräfte waren mit rund 500 deutschen Hooligans in der Innenstadt beschäftigt.“ (…)

Ob Hooligans aus Dresden in Wien mitgemischt haben, ist nicht bekannt. Bei den schweren Krawallen am Rande des Länderspiels gegen die Slowakei am 1. September 2005 in Bratislava waren aber 30 Dresdner Hooligans mit dabei, sagte ein szenekundiger Polizeibeamter aus Dresden aus. Es sei zu befürchten, dass es bei der Fußball-Europameisterschaft im nächsten Jahr in Polen und der Ukraine nicht nur Länderspiele auf dem Rasen gibt. Sondern auch ein Kräftemessen zwischen den Hooligan-Gruppierungen der für die Endrunde qualifizierten Staaten, mutmaßte der Nürnberger Polizist.

Seit Ende August verhandelt die Staatsschutzkammer des Landgerichts (…) gegen fünf mutmaßliche Mitglieder der Gruppierung “Hooligans Elbflorenz“ wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Gestern verschaffte sich die Kammer einen allgemeinen Überblick über die Hooligan-Szene in Deutschland und Dresden. Nach den Angaben des fränkischen Beamten hat fast jeder Bundesligist einen Hooligan-Trupp, der sich regelmäßig außerhalb des Stadions zu sogenannten Drittort-Auseinandersetzungen mit den Hooligans anderer Vereine trifft (…)

Auch die “Hooligans Elbflorenz“ sollen bei solchen “Matches“ fleißig mitgemischt haben. Rund 75 gewaltbereite Hooligans gibt es im Umfeld von Dynamo Dresden, dazu 450 zur Gewalt neigende Anhänger, die sogenannten “Ultras“. Die meisten “Ultras“ seien politisch dem linken Spektrum zuzuordnen. Eine Untergruppierung namens “Faust des Ostens“ stehe aber dem rechtsextremen Lager nahe, so der Dresdner Beamte.

(…) Der Prozess wird voraussichtlich bis ins Frühjahr 2012 fortgesetzt.

[Quelle – “Dynamo-Hooligans: Problemfall in der Liga und bei Länderspielen“, Dresdner Neueste Nachrichten, 29. September 2011]

[Dieser Beitrag wurde am 29. September 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 12 [Peinliche SG Dynamo Dresden und Dixie Dörner]

[Fundstück] Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 26. Januar 2011 –

(…) “Wir möchten, dass Dixie den Verein weiter unterstützt – in welcher Form auch immer“, sagte [SGD-Aufsichtsrats-Chef] Bohn.

[Fundstück] “Dynamo-Idol Dörner bei den Schwarz-Gelben abserviert! ’Viel versprochen, nichts gehalten’“, Dresdner Morgenpost, 21. September 2011 –

(…) Er ist eines der größten Dynamo-Idole überhaupt – doch die Schwarz-Gelben wollen Hans-Jürgen Dörner nicht mehr.

“Ich bin schon sehr enttäuscht, wie die ganze Sache gelaufen ist.“ (…) die Enttäuschung in seiner Stimme ist unüberhörbar: “Mir wurden von verschiedenen Leuten oft Zusagen gemacht, die aber am Ende alle nicht eingehalten wurden.“ Auch die letzte nicht: “Dixie“ sollte als Scout arbeiten. “Doch Steffen Menze hat mir mitgeteilt, dass dafür kein Geld da sei. Die Scouting-Abteilung wurde komplett aufgelöst. Jetzt suche ich nach einem Job bei anderen Vereinen in dieser Richtung. Für den Ruhestand ist es noch zu früh, ich möchte meine Erfahrung gern einbringen.“ Und zwar aus 392 Oberliga-Spielen, 100 Einsätzen für die DDR-Nationalmannschaft und mehr als 20 Jahren als Trainer.

Seinen letzten Job bei Landesligist Radebeul, mit dem er 2009 den Aufstieg geschafft hatte, gab der einstige Weltklasse-Libero im Juni 2010 auf – weil seine Dynamos gerufen hatten. Die Idee dazu kam von Reinhard Calmund, als Berater von Matthias Maucksch leistete Dörner seinen Beitrag zum Aufstieg. Zwischenzeitlich sollte er sich mit Aufsichtsrat Thomas Dathe um die Transfers für die jetzige Saison kümmern. Mit Menzes Verpflichtung als Sportchef im Frühjahr war das nach wenigen Tagen wieder hinfällig.

Beim Laureus-Benefizspiel am 4. September bekam “Dixie“ Dörner bei der Vorstellung den lautesten Beifall der Fans. Die haben ihr Idol nicht vergessen – im Gegensatz zu den derzeitigen Dynamo-Verantwortlichen.

[Dieser Beitrag wurde am 21. September 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 11 [Hooligans Elbflorenz, Rechtsauslegung]

(…) Die Angeklagten im Prozess gegen die “Hooligans Elbflorenz“ könnten den Durchschnitt der männlichen deutschen Bevölkerung zwischen 19 und 35 Jahren repräsentieren: ein Versicherungskaufmann, ein Inhaber eines Parkettstudios, ein Türsteher, ein Auszubildender und ein organisierter Neonazi. Ihre Gemeinsamkeit besteht in der Freude an gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Ihresgleichen: Über Jahre hinweg sollen die fünf Männer Anführer einer Gruppe von bis zu 50 Hooligans gewesen sein, die sich in der bundesdeutschen Szene durch zahlreiche erfolgreiche “Matches“ einen Namen gemacht hat. Bei diesen “Matches“ handelt es sich um sogenannte Drittortauseinandersetzungen, das heißt um Verabredungen mit anderen Hooligan-Gruppen, um nach vereinbarten Regeln, jenseits von Stadion und Ligabetrieb, aufeinander loszugehen. Ein “Match“ dauert in der Regel nicht länger als eine Minute. Die Staatsanwaltschaft Dresden und eine Sonderermittlungsgruppe des LKA Sachsen vermuteten die Bildung einer kriminellen Vereinigung und verfolgten die Gruppe.

Zahlreiche Telefonate wurden über einen Zeitraum von wahrscheinlich mehr als zwölf Monaten abgehört, mindestens ein verdeckter Ermittler wurde eingeschleust, es wurden Observationen durchgeführt und Hausdurchsuchungen vorgenommen. Dass man in Sachsen manchmal zu einer speziellen Rechtsauslegung neigt, ist nicht neu (…) So wurden im Ermittlungsverfahren nach Angabe des Rechtsanwaltes Rolf Franek die Gespräche zwischen Verteidigung und Mandanten vom LKA abgehört und protokolliert. Bei der ersten Akteneinsicht seien diese Protokolle noch zugänglich gewesen, inzwischen seien sie entfernt worden. Weitere Kompetenzüberschreitungen der Behörden werden nach Ansicht der Verteidigung in der Hauptverhandlung (…) eine Rolle spielen. Die große Frage der ersten Verhandlungstage ist die Feststellung der Sittenwidrigkeit der verabredeten “Matches“. Die Verfolgung von Hooligans nach Paragraph 129 des Strafgesetzbuches ist ein Novum in der deutschen Rechtsgeschichte, das stellten sowohl die Verteidigung als auch der Vorsitzende Richter des Landgerichtes fest. Franek argumentiert, dass eine Körperverletzung mit Einwilligung des Verletzten grundsätzlich nicht rechtswidrig sei, wenn keine Sittenwidrigkeit vorliege. Die vorher von den Beteiligten vereinbarten Regeln der “Matches“ schlössen eine solche Sittenwidrigkeit aus.

Der Schweizer Soziologe und Hooligan-Experte Marice Illi sagte gegenüber der Jungle World: “Hooligans im klassischen Sinne, die ihre Aktionen bewusst planen und mit den gegnerischen Hooligans teils sogar in kollegialem Kontakt stehen, halten sich bei ihren Kämpfen an einen Ehrenkodex: gleich große Gruppen, kein schweres Schuhwerk, keine Waffen, kein Nachtreten bei Fall zu Boden. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass bei einem fairen Fight dies auch eingehalten wird.“

(…) Beim Prozess am Dresdner Landgericht wird ein Grundsatzurteil zur Frage der Strafbarkeit solcher “Matches“ erwartet. Illi verweist darauf, dass Repression nichts am Vorhandensein gewalttätiger Subkulturen ändern kann: “Unsere Gesellschaft, wenn auch immer zivilisierter, bringt ein gewisses Maß an Gewaltbereitschaft mit sich. Wenn durch solche Hooligan-Aktionen dieses Potential auf Feld, Wald und Wiese abgebaut werden kann, sehe ich darin nicht nur Nachteile.“

[Quelle – “Prozess gegen Hooligans in Dresden – Verprügeln mit Fair Play“, jungle-world.com, 8. September 2011]

[Dieser Beitrag wurde am 8. September 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

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