Schlagwort-Archive: konkret-Magazin

MedienScreen # 205 [Wind of Change? Anyway …]

[Fundstück] Wolfgang Pohrt, angejahrter Mailwechsel mit Hermann L. Gremliza, auszugsweise veröffentlicht in konkret 2/2019 –

[14. November 2015] – (…) Die Kindermusiktruppe Scorpions, Freunde von Gerhard Schröder, die die Annexion der DDR mit ihrem “Wind of Change“ begleitet haben, hat bei ihrem Besuch in St. Petersburg die ausgesoffenen Gläser hinter sich an die Wand geworfen und den russischen Kellnern, die den Dreck zusammenkehren mussten, sehr zu deren Verwunderung erzählt, das sei eine alte russische Sitte (…)

MedienScreen # 203 [Screenshots für die Ewigkeit?]

[Fundstück] Ulrich Holbein, “Ausgeknipst“, konkret, 1/2019 –

(…) Wenn die Welt untergeht, ist das sicher nur halb so schlimm, solange nur einige Fotos von ihr übrigbleiben. Sobald mein Anwesen und Waldhäusel als Gesamtkunstwerk postum nicht erhalten werden kann, kann ich mich trösten, dass es doch schöne Fotos davon gibt. Also alles schnell noch ablichten, als Sicherheitskopie für die Akasha-Chronik untergegangener materieller Welträume (…)

MedienScreen # 200 [Nazi History X. Don’t Speak. Part Three.]

[Fundstück] Matthias Dell, “Waldspaziergang mit Höcke – der Spiegel als Klatschmagazin“, Deutschlandfunk Online, 1. November 2018 –

(…) Ich habe nie verstanden, warum man mit Neonazis reden soll. Und ich meine damit rechtsextreme Kader und nicht den Sprüche klopfenden Schwager auf der Familienfeier oder eine Rentnerin auf dem Land, die sich [in] den Echokammern der Angst verliert, die von der AfD befeuert werden (…)

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“… Warum soll man die vielen christlichen, sozialen, freien, alternativen oder ökologischen Demokraten, die schon morgen wieder anders könnten, nicht Nazis nennen? …“ (’von konkret’, in: konkret, 2/2016).

MedienScreen # 193 [Sommerhit 2018? Bella Ciao …]

[Fundstück] Michael Schilling, Rubrik “krieg & frieden“, konkret, 9/2018 –

(…) 2018. Ein Blogwart ruft im Internet den “offiziellen Sommerhit“ aus: “Bella Ciao“. Der Firma GfK Entertainment, die im Auftrag des Bundesverbandes Musikindustrie so was ermittelt, gefällt besonders, dass der Titel “eine eingängige Melodie“ hat und “Urlaubsstimmung verbreitet“.

Bis zum Frühjahr 2018 galt “Bella Ciao“, ursprünglich das Klagelied italienischer Reispflückerinnen, als Hymne der Resistenza. Ihr Text ist einer Frau gewidmet, die einen Partisanen bittet, sie vor den todbringenden Schwarzhemden in die Berge zu bringen, ins Gebiet der Freiheitskämpfer: “O partigiano , portami via, ché mi sento di morir“: Das Video des Sommerhits illustriert die Szene mit “aufgeknöpften Hemden, hochhackigen Schuhen und kurzen Kleidern“. Ein Sommerhit, sagt die Firma, “muss kommerziell sein, muss am Ballermann, auf Abi-Reise und im Club auch nach fünf Bier noch gleichermaßen funktionieren. Bella Ciao im elektronischen Remix erfüllt all diese Kriterien.“ (…)

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[Bella Ciao, Hannes Wader @ YouTube.com]

MedienScreen # 191 [Football will never die?]

[Fundstück] Stefan Gärtner, “Lieb’ Vaterschland“, konkret, 8/2018 –

(…) Ziemlich genau zwei Jahre zuvor, kurz nach der Fußball-EM (wo war sie gleich, ich müsst’ es erst mal nachsehen), hatte mich auf dem Fußballfernsehsofa die Erkenntnis überrollt, was ich hier tat, sei schädlich, hirn- und seelenlähmend; weil im TV-Kasten, wie es in einem Aufsatz heißt, den ich dem Freunde Roth hernach für sein einschlägiges, auch sonst sehr empfehlenswertes Buch Nie mehr Fußball (Münster 2017) schrieb; “schon wieder diese Leute herumhampelten, die unterm knappen Sakko T-Shirt tragen und die Moderationskarten mit zäher Aufgeräumtheit vor sich her; Fußballtrainer in Jeans, wie man sie mit zwanzig trägt und nicht mit fünfzig; Interviewpartner, die der Demütigung standhalten, auf dem Hemdkragen den Namen eines Sponsors mitzuführen; und Interviewer in den besten Jahren, die auszusehen versuchen wie ihre Söhne und dabei aussehen wie die Würstchen, die sie sind und wir sein sollen“. So gab ich überraschend auf, ermattet, ja zerrüttet von “den ewig identisch exaltierten Torjubelsprints, den ewig gleichen Tätowierungen, den ewig gleichen Antworten auf die immer selben Fragen, saß da und war beklommen, wie ausgeknipst und angewidert, nach 35 Jahren fußballerischen Fantums, nach Siegen und Niederlagen, Ekstase und Depression, nach Riesenlärm um letztlich nichts“. (…)

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(…) Das Kommen und Gehen, die von der Mehrzahl der Spieler lediglich inszenierte Identifikation mit dem Verein, die vergessen ist, sobald ein anderer 50 Cent pro Stunde mehr bietet, die Abschottung von der Außenwelt, das Hochstilisieren der Kicker zu “Helden“, nur weil sie mal das Tor getroffen haben, die Zensur von Interviews, dazu die Überhöhung des Fußballs und dessen Finanzgebaren insgesamt – nein, das alles ist nicht mehr mein Ding (…) [Henry Boss, “Eine große Liebe, die leider zerbrochen ist“, 12. April 2018].

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Erst wenn der letzte Abstoß geschlagen, die letzte Flanke weggefangen und der letzte Strafstoß vergeben ist, werdet ihr merken, dass Autofähnchen keine Tore schießen (PPQ, Juni 2010).

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