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World Words of Kindermann …

… zum künstlichen Ski-Weltcup am Elbufer in Dresden.

Ein seit jeher schon äußerst, naja, wertvolles Event. Diesjährig in Corona-Zeiten quasi noch wertsinnvoller –

“… Wir sind uns der Verantwortung natürlich sehr bewusst …“

Und damit die Werte-Stimmung dieses Hypes nicht, naja, leiden möge, sprudelt es vorab regelrecht aus René Kindermann, gewissermaßen markengerecht, pseudo echt, irgendwie –

“… Wenn die Zuschauer nicht da sind, die das Besondere ausmachen in einem Stadion, wie wir es ja auch in Dresden haben, dann fehlt etwas. Wir werden das akustisch etwas auffangen und die Jubelschreie sowie den Applaus der Zuschauer vom letzten Weltcup hier einspielen …“

[Zitate: René Kindermann, Geschäftsführender Gesellschafter und Organisator des Ski World Cup Dresden, interviewt in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 16. Dezember 2020]

(Screenshot Twitter: O.M.)

“… Sag’ warum, René …“ (Die Ärzte, 1993) könnte einem unter Umständen in den akustischen Sinn kommen, vielleicht. Aber das wäre dann schon wieder eine ganz andere Geschichte …

Abisus abisum invocat.

MedienScreen # 264 [Smoke in Saxony]

[Fundstück] Dirk Neubauer, Amtierender Bürgermeister von Augustusburg, zitiert in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 8. Dezember 2020 –

Ihr schließt Euch heimlich zu zehnt in euren Garagen ein, um gemeinsam im Qualm auf den Widerstand anzustoßen? Meckert dort, dass eure Kneipenfreunde ’vom Staat’ kaputt gemacht werden. Und denkt, weil ihr um die Ecke parkt, merkt es keiner? Labert gegen Impfstoffe, mutiert zu Virologen und stellt alle ins geistige Abseits, die versuchen, dem Drama schnellstmöglich ein Ende zu setzen. Ihr bezeichnet die Maske als Maulkorb und verstopft zugleich die Netzwerke mit Verschwörungsunsinn, Anschuldigungen und Widerstandsgelaber … Versucht es mal mit Verantwortung. Dieses Land braucht keinen Hass, keine Verschwörungstheorien und vor allem keine vermeintlichen Querdenker, die schon am einfachsten scheitern, was Menschsein bedeutet: an Rücksichtnahme.

MedienScreen # 263 [Hominisation?]

[Fundstück] Katja Ebstein, interviewt in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 5. Dezember 2020 –

(…) Wir werden an der Dummheit und Uninformiertheit der Vielen kaputtgehen. Als junger Mensch habe ich gedacht: Die dumme Masse gibt es nicht, in allen Bereichen wächst Intelligenz nach, egal wie milieugeschädigt man ist. Mit den Jahren habe ich begriffen, dass es einen diffusen großen Teil der Bevölkerung gibt, der mit seiner Basisbeschaffung so ausgelastet ist, dass er für gesellschaftliche Mitverantwortung keine Geisteskraft mehr aufbringen kann. Das geht nur noch bis zum eigenen Tellerrand, und das ist erschreckend (…)

MedienScreen # 262 [Hools. Politically. Differentiated?]

[Fundstück] Robert Claus, interviewt in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 16. November 2020 –

(…) Man muss differenzieren. Nicht alle Hooligans in Deutschland sind rechtsextrem, aber es gibt große Schnittmengen. Mit den Demonstrationen der Corona-Leugner vereint sie ein rabiater Sozialdarwinismus, verbunden mit einer enormen Staats- und Demokratiefeindlichkeit sowie Menschenrechts- und Wissenschaftsfeindlichkeit (…)

(…) Wir sprechen bei den Hooligan-Szenen nicht von neuen Phänomenen, sondern über jahrzehntelang rekrutierte und etablierte Gruppen (…)

(…) Die Gewalt bei Fußballspielen hat vielerorts abgenommen, allerdings ist die Hooligan-Szene nicht verschwunden, sie tritt nun verstärkt in anderen Feldern auf (…)

MedienScreen # 260 [Singsanggedichtliches. Ambivalent maskiert?]

[Fundstück] “Pandemie-Poesie: Ich trage eine Maske“, politplatschquatsch.com, 12. November 2020 –

Ich trage eine Maske,

und diese Maske ist grau.

Es ist die Alltagsmaske,

die Vater trug schon in blau.

Die Maske ist niemals gefallen,

obwohl sie den Leugnern missfiel.

Sie nervt nun weiter uns alle,

doch sie dient ’nem höheren Ziel.

Ich trage eine Maske,

das Grauen der Epidemie.

Es hat meine Alltagsmaske

auch etwas von Anästhesie.

Und wenn sie auch stört beim Atmen,

so kram’ ich sie doch stets wieder vor.

Auf dass wir uns alle gut schützen

wie Angie schon mehrfach beschwor.

Ich trage eine Maske,

und diese Maske ist grau.

Es ist die Alltagsmaske,

die uns alle beschützt so genau.

Das Virus hat die Politik ermächtigt,

zu Lockdown, Krediten und mehr.

Drum vorwärts ihr Bürger nun fügt euch,

bis erlahmen all die Querdenkeeeer.

*Ich trage eine Maske – nach der Melodie “Ich trage eine Fahne“*

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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(Kleiner Satyr, Pirna, 2020 – Foto: A.M.)

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– Nachschiebsel –

(…) Ach, hätten doch Kneipen geöffnet, man könnte sich alles schönsaufen. Aber nur die Kirche ist geöffnet, Gott ist systemrelevant, und ich schenke Jesus eine Maske, dass er gesund bleiben möge. Es ist ja so schon alles ein Kreuz.

Wolfgang Schaller, Kolumne “Satirischer Nachschlag“, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 21. November 2020