Dynamo Dresden in Dortmund: Fans, Medien und der Mainstream

Während am Wochenende, wenige Tage nach den Begegnungen in der 2. Runde im diessaisonalen DFB-Pokal, in den Ligen wieder um Punkte gespielt wurde – “Ein Feiertag für Fußball-Dresden“ (Morgenpost am Sonntag) – nachwehten Betrachtungen besonders um die Pokal-Partie zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden nach wie vor durch die verschiedensten Informationskanäle.

Ersten Medienartikeln zum Dortmunder Pokal-Abend folgte im Nachgang dann viel und noch mehr allseitig zu lesendes in Print- und Online-Zeitungen, Blogs sowie Fan-Foren. Zwischenzeitlich wurden eine Stellungnahme der Fangemeinschaft Dynamo (27. Oktober) und ein ’Rückblick’ seitens Ultras Dynamo (28. Oktober) veröffentlicht.

Gleichfalls abseitig des Medien-Mainstreams gab es verschiedenste Verlautbarungen und Betrachtungen der Szenerie, aus denen exemplarisch einige, wie auch immer, herausragten.

Besonders der zuletzt angeführte Beitrag von publikative.org hat nachfolgend eine durchaus breite Kontroverse ausgelöst. “(…) Die Publikative versucht daher noch einmal, die unterschiedlichen Diskussionsstränge zu entwirren. Einerseits, weil wir das Gefühl haben, dass Teile der ursprünglichen Argumentation entweder nicht verstanden oder absichtlich ignoriert wurden, andererseits weil unsere Kritik an einer bestimmten Art von Journalismus täglich aufs Neue bestätigt wird (…)“ –

(…) Und wir sympathisieren keinesfalls mit den Tätern im Dresdner Anhang. Aber das ist schlicht und ergreifend nicht das Ende der Geschichte. Viele weitere Fragen schließen sich an: War das Sicherheitskonzept ausreichend für ca. 13.000 Gästefans? Hätte die Polizei den abgesprochenen (und auf ihren Wunsch hin umverlegten) “Marsch“ der Dresdener besser absichern müssen? Ging das in Dortmund verfolgte Konzept, keine Fantrennung durchführen zu wollen, möglicherweise nicht auf? Wie kann es sein, dass einerseits Bürgerkriegsszenarien heraufbeschworen werden, andererseits aber die polizeilich und (sport-)politisch Verantwortlichen sich (zumindest im ZDF) nicht einer kritischen Nachfrage stellen müssen? Weil man zwar Demonstrationen von 100.000 Castor-Gegnern einigermaßen polizeilich und medial begleiten kann, aber keine 13.000 Dresdner Fans? (…)

(…) Wer ausschließlich Vereinspräsidenten, Sportfunktionäre, Polizeisprecher und Sicherheitspolitiker zu Wort kommen lässt, hat die andere Seite schlichtweg nicht gehört. Wer darüber hinaus die ohnehin schon dominanten Stimmen der genannten Autoritäten in einem medialen Diskurs auch noch verstärkt, leiht seine Stimme daher auch nicht denjenigen, die keine haben, sondern denjenigen, die ohnehin schon in gesellschaftlichen Machtpositionen mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet sind (…)

(…) Auch, dass es bei den Zweitliga-Ostderbys zwischen Dresden, Rostock und Cottbus zu Beginn der Saison mehr oder weniger ruhig blieb, wird weitgehend ausgeblendet. Stattdessen werden schamlos alle verfügbaren Klischees bedient, um damit die Forderung nach Zero Tolerance und harten Strafen zu verbinden – und zwar bitte ohne großes soziologisches oder sonst wie analytisches Gequatsche. Knüppel aus dem Sack und gut. Wie sehr diese Rhetorik der Logik des unverbesserlichsten Teils der Fanszenen in die Hände spielt, lässt sich kaum überschätzen. Die radikalsten Teile der Ultras werden in ihrem “Wir gegen alle – keine Kompromisse“-Weltbild so massiv bestätigt, wie es eben gerade geht. In der pauschalen Zuschreibung von “Gewalt“ an bestimmte Gruppen oder Fanszenen besteht die größte Gefahr einer Eskalation eben dieser (…)

(…) Mit anderen Worten: Wer “große Teile“ der Dresdner Fanszene zu vorerst nicht mehr resozialisierbaren Gewalttätern erklärt, treibt die gemäßigten Teils der Fans in die Arme der gewaltbereiten. Warum sollten sich erstere weiterhin in Dialoge und Initiativen einbringen, wenn sie hinterher doch nur medial verteufelt und polizeilich behandelt werden? (…) [Etwas Besseres als diesen Journalismus – publikative.org, 30. Oktober 2011]

“(…) was passierte wirklich in Dortmund (…)“, lässt unterdessen die sonntägliche Dresdner Morgenpost durch Dirk Löpelt nunmehr ansatzweise nachfragen. Also mittlerweile wirklich plötzlich Fragen über Fragen, scheinbar? Nun, die Antworten des DFB, der DFL werden – mehr oder weniger plakativ? – folgen …

[Dieser Artikel wurde am 30. Oktober 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

SGD-Pressesprecher Buschmann kennt sich aus

Am 16. Oktober 2011 kam es im Vorfeld des Punktspiels in der 2. Bundesliga zwischen der SG Dynamo Dresden (SGD) und Alemannia Aachen zu einer Begegnung beider Fanlager. Ein “Bus mit Aachener Fans befand sich am Straßburger Platz als etwa 10 bis 15 Personen versuchten in den Bus zu gelangen. Als dies misslang, warfen Unbekannte mehrere Flaschen gegen den Bus. Dadurch wurden zwei Scheiben beschädigt. Die Höhe des Sachschadens beläuft sich auf rund 3.000 Euro“, teilte die Polizeidirektion Dresden am darauf folgenden Tag mit.

(…) Was war passiert? Statt auf einer weniger riskanten Route vom Hauptbahnhof her den Zugang zum Gästeblock anzusteuern, fuhr ein Bus am Straßburger Platz direkt um die dicht umlagerte Dresdner Fankneipe herum und kam dort etwa 45 Minuten vor Spielbeginn an der Ampel und im Stau auf der Lennéstraße wiederholt zum Stehen. Ein Augenzeuge (Name der Redaktion bekannt) berichtete: “Der Doppelstockbus war auf den ersten Blick nicht als Fanbus erkennbar, doch dann gingen oben Luken auf und Leute schauten raus, die mit Sprüchen und Gesten auf Stress aus waren. Die Dresdner Fans guckten sich alle an und fragten sich: Sind die lebensmüde?“ Auch eine Bustür sei kurz aufgegangen, Leute seien ausgestiegen, Pöbeleien ausgetauscht worden, so der “Normalo“-Fan, der mit seinem Sohn gerade auf dem Weg zum Spiel war. Dann versuchten laut Polizei 10 bis 15 Personen in den Bus zu gelangen, was aber misslang. Flaschen flogen auf beiden Seiten, die äußeren Scheiben zweier doppelt verglaster Busfenster gingen zu Bruch (…) [Dresdner Neueste Nachrichten, 19. Oktober]

Während Kristina Walther vom Fanprojekt Aachen noch rätselte, warum ein Alemannia-Bus an diesem Tag ausgerechnet die durchaus szenebekannte Dresdner Location Ackis Bierstube tangierte – “Das weiß keiner so genau. Woran es da gehakt hat, ist nicht geklärt. Eigentlich sollten die Busse von der Polizei zum Stadion geleitet werden. Es ist ein Treffpunkt mit der Polizei ausgemacht gewesen, aber es ist nicht einmal ganz klar, ob der Bus überhaupt da war“ – wusste einer der Pressesprecher der SGD, Henry Buschmann, scheinbar schon die Antwort –

“Das waren keine normalen Fans, da saßen Ultras drin …“

Aber unter Umständen haben ja die Dresdner Neueste Nachrichten Herrn Buschmann aus dem Zusammenhang heraus auch nur fälschlich verkürzt zitiert und er braucht sich dahingehend für nichts zu entschuldigen. Normale Fans sind eben nun mal keine Ultras und Pressesprecher eines Zweitliga-Vereins erst recht nicht. Also Herr Buschmann: Weiter so! Irgendwer wird Sie einst schon richtig verstehen.

[Dieser Artikel wurde am 22. Oktober 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Sondereinsatz Radebeul: Chemie Leipzig on Tour

Am 22. Oktober 2011 kommt es in der Wernesgrüner Landesliga Sachsen zum Punktspiel Radebeuler BC 08 gegen BSG Chemie Leipzig. Der Anpfiff zu dieser Begegnung auf dem Rasen im Lößnitzstadion Radebeul ist auf 15 Uhr terminiert.

So kann sich eine Ankündigung dieser Partie allerdings auch lesen: “Am Sonnabend werden 300 vermummte Leipziger Fußball-Fans erwartet. Die Polizei rät davon ab, Dynamo-Schals zu tragen“ (“Sorge wegen Hooligans in Radebeul“, Sächsische Zeitung). Ein Teil der Chemie-Fans sei bekannt für Randale, die Leipziger Ultras “allerdings nicht zu vergleichen mit denen von Dynamo. Zu Problemen komme es oft erst, wenn die Ultras einen Anlass zum Prügeln finden“, so der Artikelverfasser Peter Redlich – Fußballfans, Ultras, Hooligans mit wenigen Tastaturanschlägen mal eben ganz locker in eine Schublade schreibend. Und “deshalb wird Radebeul, auch zum ersten Mal, einen richtigen Polizeieinsatz erleben“. Da hat wohl jemand ziemlich kritiklos undifferenzierend fleißig von einem Sportredakeur selbiger Zeitung gelernt?

“… Wir bekommen Augenkrebs beim Lesen von Sven Geislers Artikeln …“ (Ultras Dynamo, ’Zentralorgan’ 7/11/12)

Einsatzleiter Torsten Schulze rät am kommenden Samstag – so jedenfalls die Sächsische Zeitung – den Radebeulern “dringend, nicht mit Dynamo-Schals aufzutreten“, denn wie bereits verkürzt zitiert, “zu Problemen komme es oft erst, wenn die Ultras einen Anlass zum Prügeln finden. Dies könnte beispielsweise ein Fan in Dynamo-Kleidung sein. Darauf würden die Leipziger allergisch reagieren“.

“… Zwischen den Fanblocks soll es einen Sicherheitszaun geben. Willomitzer rechnet mit insgesamt 400 bis 600 Leipzigern, darunter der harte Kern. Eigentlich fasse das Lößnitzstadion locker 5.000 Besucher. Deshalb hofft der [Radebeuler] Sportstättenchef, dass die Situation beherrschbar bleibt …“

Fast ansatzlos folgend formulierte Jörg Richter für die Sächsische Zeitung: “… Die Angst geht um in Radebeul. Dessen weinselige Idylle soll gestört werden. ’Vermummte Barbaren’ aus dem fernen Leipzig wollen zu Hunderten mit dem Zug in die kleine Stadt an der Lößnitz einfallen und sie aus ihrem Dresdner Vorortschlaf entreißen … – Doch sind die Chemie-Fans wirklich die bösen Chaoten mit dem Negativimage, das ihnen in jedes Stadion voraus eilt? …“ (“Angst vor Chemie-Fans berechtigt?“, Sächsische Zeitung). Die Leserin und der Leser werden schier hin und her gerissen zwischen Apokalypse und Apokalypse.

Der Radebeuler BC 08 unterdessen “lädt alle Fans und Fußballfreunde zum Heimspiel am kommenden Wochenende zum Lößnitzstadion ein“. Wie einfach liest sich das denn …

[Dieser Artikel wurde am 21. Oktober 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Thüringen: Punkt-Spiel mit gleichzeitiger Pokal-Wertung

Not macht bekanntlich erfinderisch. Nun muss es nicht unbedingt zuvorderst Not gewesen sein, was da am letzten Wochenende in Thüringen eine durchaus nicht gewöhnliche Fußballbegegnung mit doppelter Wertung gabar, unkoventionell scheint das Ereignis so allerdings allemal schon.

Die Ansetzung BSV Eintracht Sondershausen gegen SV Motor Altenburg mutierte am 15. Oktober quasi zu einer Mehrfachpartie. Denn da innerhalb kurzer Zeit in der Thüringen-Liga und im Landespokal diese Begegnung beider Vereine terminiert war, wurde man sich vorab einig, alles mit einem Spiel über den grünen Rasen zu bringen; die ansonsten zweimalig angefallenen Kosten wurden also letztendlich für beide Vereine jeweils halbiert. So ging es an diesem Spieltag dann nunmehr einerseits um Punkte in der thüringischen Verbandsliga, andererseits gleichzeitig um das Weiterkommen im Oddset-Pokal des Freistaates.

(…) Was hatte man Motor Altenburg in einem Anflug fachlicher und fußballspezifischer Ahnungslosigkeit vor diesem Topspiel nicht alles vorgehalten: Aus Kostengründen könne und wolle man z.B. nicht zweimal nach Sondershausen fahren. Vielleicht hätte man als Journalist nur kurz nachdenken müssen und sich fragen, welche Mannschaft unterhalb des Bezahlfußballs, mit dem man sich offenbar gedanklich sonst ausschließlich befasst, an einem Wochentag um 14.00 Uhr eine spielfähige Mannschaft auf den Platz bringt. Mal ganz abgesehen von den fehlenden Zuschauern, die in übergroßer Zahl zu einer solchen Tageszeit ebenfalls einer geregelten Arbeit außerhalb des Fußballplatzes nachgehen. Wenn überhaupt, ist Kritik am Thüringer Fußballverband angebracht, der offenbar auf “Gut Glück“ das Pokal-Achtelfinale (…) ansetzte (…) [motor-altenburg.de, 16. Oktober 2011]

Den doppelten Modus dieser Partie keinesfalls außer acht lassend – so wird medienseitig berichtet – wäre bei einem Punkt-Spiel-Unentschieden bis zu einer Pokal-Entscheidung weiter gespielt worden. Nach 90 Minuten lag Motor Altenburg mit 2:3 vorn. Dafür gab es drei Liga-Punkte und im Pokal-Viertelfinale den FC Carl Zeiss Jena als Gegner. Da wiederum ist dann eine erneue Zwei-in-Eins-Partie ausgeschlossen, jedenfalls in dieser Konstellation. Wenn so etwas allerdings bundesweit Schule macht … – aber sage bitte niemand, allein die Ossis hätten daran Schuld.

[Dieser Artikel wurde am 18. Oktober 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Dresden: Erneute Attacke gegen Glücksgas-Stadion

Bereits schon in der Nacht zum 24. Juli 2011, unmittelbar vor dem Ost-Derby in der diessaisonalen 2. Bundesliga zwischen der SG Dynamo Dresden und dem FC Hansa Rostock, wurde das Stadion an der Dresdner Lennéstraße zum ersten Mal beschädigt. Wie Stadionmanager Hans-Jörg Otto darstellte, sind damals gegen 1:45 Uhr 10 bis 15 Männer aus den Gebüschen gegenüber des Stadioneinganges gekommen und haben den Schriftzug glücksgas stadion sowie die verglaste Außenfassade mit Teerbeuteln und Steinen beworfen. Dabei gingen mehr als ein Dutzend Fensterscheiben zu Bruch, der Schriftzug am Stadion wurde stark beschädigt und zudem sei weiterhin erheblicher Sachschaden entstanden. Die Polizei nahm die Personalien von acht Verdächtigen wegen des Verdachtes hinsichtlich Landfriedensbruchs auf.

Der neue Schriftzug am Dresdner Stadion war erst wenige Tage zuvor, nach den Spielen der Fußball-WM der Frauen, an der Fassade angebracht worden. Die Dresdner Polizei ging bei dem damaligen Anschlag davon aus, dass sich die Attacke nicht gegen das Stadion selbst, sondern gegen den Schriftzug glücksgas stadion gerichtet habe. Die Heimspielstätte der Dresdner Dynamos hieß als solche bis 2010 Rudolf-Harbig-Stadion.

Wie die Polizeidirektion Dresden aktuell mitteilt, haben Unbekannte am Abend des 13. Oktober 2011 nunmehr das Dresdner Stadion erneut beschädigt. Festgestellt wurde “schwarze Farbe an dem Schriftzug und der Glasfassade“. Zudem seien bei dem zielgerichteten Bewerfen des Schriftzuges ein vor dem Stadion stehender Pkw Daihatsu und ein Pkw Audi mit Farbe beschädigt worden. Zur Höhe des Sachschadens gibt es derzeit noch keine Angaben.

[Dieser Artikel wurde am 14. Oktober 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

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