Schlagwort-Archiv: DER SPIEGEL

MedienScreen # 148 [Pyrotechnik ist …]

[Fundstück] Elke Schmitter, “Pyromania Germaniae“, DER SPIEGEL, 7. Januar 2017 –

(…) Aufgrund seiner hohen Wirksamkeit, die sich ohne Training oder Fachkenntnisse erzielen lässt – Knall, Schreck und bunter Regen für kleines Geld -, empfiehlt sich das pyromanische Haushaltsset naturgemäß für die Begrüßung des neuen Jahres (…) und weil die Kinder nicht bis Mitternacht warten sollen, fängt das säkulare Opferfest schon lange vorher an. Es steigert sich kontinuierlich, bis in der Notaufnahme die Alkoholversehrten mit den Brandverletzten um Aufmerksamkeit konkurrieren (…) Eine höhere Steuerbelastung taugt nicht zur Eindämmung des Phänomens, denn schon heute werden die billigen Feuerwerkskörper übers Netz aus Ländern geordert, denen TÜV und DIN böhmische Dörfer sind, weshalb der eine und andere Finger den sparsamsten Pyrotechnikern zum neuen Jahr nun fehlt.

Man soll diese Volksseelensache ja nicht überstrapazieren, aber dass sich in Deutschland ein paramilitärischer Ritus durchgesetzt hat, der auf Krach, Schock und Überwältigung zielt, ist doch immerhin bedauerlich (…)

MedienScreen # 142 [Red Bull Leipzig. Tausendmal. Plus Eins.]

[Fundstück] Markus Feldenkirchen, “RB Leipzig: Dummdreist siegt“, DER SPIEGEL, 26. November 2016 –

(…) Allein die Existenz von RB Leipzig ist eine Unverschämtheit, sie verstößt gegen jedes Gerechtigkeitsempfinden. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hätte diese Mogelpackung niemals zulassen dürfen (…)

RB Leipzig (…) ist der erste Verein, der gleich vom Sponsor entwickelt und gegründet wurde – als reine Marketingmaßnahme. Man kann zig Verharmlosungen für diesen Umstand bemühen – sie sind alle verlogen (…)

Was wirklich aufregt, ist die Dummdreistigkeit rund um dieses Konstrukt. Und derer, die es zugelassen haben, weil sie sich Profite davon versprachen (…)

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MedienScreen # 139 [Schimi. You remember?]

[Fundstück] Cordt Schnibben, “Wo waren Sie um 20.15 Uhr? – Auf 1000 ’Tatorte’ hat es die erfolgreichste Sendung des deutschen Fernsehens gebracht, seit 46 Jahren erledigen die Kommissare sonntags Mörder. Und erzählen von einem Land, in dem das Verbrechen blüht und der Staat verzweifelt.“, DER SPIEGEL, 5. November 2016 –

(…) Zum Robin Hood der Kommissare wurde Horst Schimanski alias Götz George, Arbeitersohn aus Duisburg, Beschützer der Schwachen, Jäger der Mächtigen, einer, der mehr Anarchist ist als Polizist. Schimanski brach mit allen Regeln, nach denen fast alle Kommissare vor ihm ermittelt hatten. Die halbe Nation diskutierte am Tag nach seinem ersten Auftritt in “Duisburg-Ruhrort“: Darf es einen solchen Polizisten geben in Deutschland?

Horst Schimanski war antiautoritär, er war der Traumkommissar der Achtundsechziger in den Rundfunkanstalten, wenn schon Polizist, dann so einer (…)

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[Heroes Of The 80s, YouTube.com, 28. Juni 2016]