Schlagwort-Archiv: Fußball

Fußball-Kommerz wirr irrlichtend

Jüngst huschte wieder einmal eine der so genannten Kacheln durch die wie auch immer gearteten virtuellen Netzwerke. Irritierend? Vielleicht nur auf den ersten Blick –

(TwitterX, 21. November 2025 – Screenshot: O.M.)

Das Orakel des Kommerzes verheißt darüber hinaus so einiges. Irritierend auf den zweiten Blick, irgendwie?

So sei zukünftig die Champions League der Fußballerinnen nur im Disney+-Abo zu sehen. Die Fußball-Weltmeisterschaften der Frauen 2027 und 2031 könnten lediglich bei Netflix verfolgt werden. Und für die nächste WM der Männer hat wohl die Telekom 44 Partien exklusiv erworben, die allein über den Streamingdienst MagentaTV zu sehen sein werden sollen.

Aber das kann doch bitteschön nicht alles an möglichem Kommerz gewesen sein. Es gibt durchaus noch Möglichkeiten beim fußballerischen Rasenspektakel. Johannes Kopp auf taz.de hat da mal was vorbereitet –

(Screenshots taz.de: O.M.)

“Die Zerstückelung des Sports in kapitalisierbare Einheiten ist unendlich“ (Johannes Kopp, Ihr könnt nach Hause fahr’n, taz.de, 24, November 2025)

Modern Football – Vaya con Dios.

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Überleben in der “Hölle“ des Fußballs ist möglich. Und Herr Böni grüßt …

… wobei der Betrachter der Szenarie dachte, dass nach der unvergessenen Böni’schen “Hölle von Dresden“ (2006) nichts groß höllisch irgendwie bezügliches mehr aus randfußballsportlich gequälten Tastaturen perlen könnte. Aber Texte wollen geschrieben, Filmformate gesendet werden, mehr oder weniger journalistisch – wie einst, so heute.

Und plötzlich, fast unerwartet …

[“Die Machtgier der Ultras“, exactly @ ardmediathek.de, 3. September 2025]

(Screenshots TwitterX: O.M.)

… werden höllische Erinnerungen geweckt, quasi neu belebt.

Wie ward anno dazumal – nach “Herr Böni überlebt die ’Hölle von Dresden’“  – geschrieben?

Gegen Gewalt, gegen Rassismus,
aber auch gegen Sensations-Journalismus und Polemik.
(Berthold Berg)

… no further words needed.

MedienScreen # 326 [Video Assistant Referee kills the old Football Game]

[Fundstück] “Großer Bruder VAR: Die Totengräber des Fußballs“, politplatschquatsch.com, 1. Juli 2024 –

(…) Schiedsrichter, ehemals die Spruchberechtigten auf jedem Fußballplatz, tragen nur eine Pfeife spazieren (…) Ob aber ein Tor ein Tor ist oder ein Elfmeter ein Elfmeter, das entscheiden dunkle Mächte ohne Namen, versteckt hunderte Kilometer entfernt (…)

Hier fummeln Techniker an Computersimulationen, die das einst so einfache Spiel der 22 Männern mit dem einen Ball in virtuelles Spektakel verwandeln. Kein Leben ist mehr darin, kein Jubel mehr unschuldig. Jeden Moment kann aus dem Bunker der “Video Assistent Referees“ ein Kommando zurück kommen. Das Foul war dann keins oder kein Foul war doch eins oder der Ball drin oder der Zeh im Abseits (…)

Das Fußballspiel stirbt auf dem Seziertisch der Analyse per KI und GPS-Vermessung. Niemand ist mehr für nichts verantwortlich, weil alle ernsthaften Entscheidungen von gesichtslosen Instanzen (…) getroffen werden (…)

(…) Fertig ist die Beerdigung des Fußballspiels, wie es die Welt bisher kannte (…)

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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UEFA EURO 2024. Kein Kommentar. Punkt?

Wahre und echte Fan*innen sind wichtig. Immer und überall, wo auch immer.

Unmittelbar vor den vorab medial hochgejazzten ballaballa Rasenfußballspielchen namens UEFA EURO 2024 scheint aktuell allerdings das bundesdeutschlandläufige Elendchen der wahren und echten Fan*innen immer offenbarer denn je zu werden, wie auch immer …

(Screenshot TwitterX: O.M.)

Erinnern wir uns? Früher? Einst? Sind Zeitreisen möglich? Wer weiß …

“Erst wenn der letzte Abstoß geschlagen, die letzte Flanke weggefangen und der letzte Strafstoß vergeben ist, werdet ihr merken, dass Autofähnchen keine Tore schießen.“ [MeyView.com, 26. Juni 2010]

– “Zitate zur Zeit: Die letzte Flanke“ [politplatschquatsch.com, 15. Juni 2016]

MedienScreen # 321 [Dynamo Dresden und die ’Tradition’]

[Fundstück] “Training hinter verschlossenen Türen – Nach Morddrohungen gegen Stefan Kutschke sagt Dynamo die öffentlichen Einheiten ab. Dass Angestellte des Vereins attackiert werden, ist kein Einzelfall“, Daniel Klein, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 10. April 2024 –

(Sächsische Zeitung, Titelseite, 10. April 2024 – Foto: O.M.)

(…) Dass Angestellte des Vereins attackiert werden, hat fast schon eine unheilvolle Tradition bei Dynamo.

Im Februar 2007 gab es noch nicht die Möglichkeit, sich abzuschotten, damals begleiteten knapp 50 Vermummte die Spieler von der Umkleidekabine im Steinhaus zum Trainingsplatz im Großen Garten, dabei wurde Pyrotechnik gezündet, die Profis mussten sich Beschimpfungen anhören.

Neun Monate später musste der damalige Hauptgeschäftsführer Bernd Maas das Harbig-Stadion während eines Heimspiels unter dem Schutz von Sicherheitsbeamten verlassen, nachdem sich Fans auf den Weg in den VIP-Bereich gemacht hatten. Maas hatte zuvor ein zu hoch gehängtes Plakat am Zaun entfernen lassen (…)

Im Februar 2008 stellte der damalige Regionalligist Anzeige gegen Unbekannt, nachdem am Stadion und im Umfeld Drohungen gegen Maas auf Mauern gesprüht worden waren, sein Name unter einem gezeichneten Galgen auftauchte (…) Der damalige Aufsichtsrats-Chef Thomas Mulansky erklärte daraufhin den Schutz der Dynamo-Mitarbeiter zur obersten Priorität. Ebenfalls 2008 wurde Mulanskys Auto Opfer eines Farbanschlags, dafür drangen die Täter auf sein Privatgrundstück ein.

Eine geschmacklose Überraschung wartete auf die Spieler im November 2008 beim Betreten des Trainingsplatzes. In der Nacht zuvor hatten Unbekannte elf grabähnliche Löcher ausgehoben und diese mit Holzkreuzen versehen. Auch da stellte der Verein Strafanzeige.

Im Mai 2014 verlor Dynamo das Saisonfinale gegen Arminia Bielefeld, was den Abstieg in die 3. Liga besiegelte. Nach Spielende wurde im K-Block ein XXL-Spruchband entrollt: “Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu verlassen.“ Angesprochen fühlten sich davon die Dynamo-Spieler, die zum Teil verängstigt in der Kabine saßen und später unter Begleitschutz nach Hause fuhren.

Nach dem Abstieg vor zwei Jahren in der Relegation gegen Kaiserslautern schließlich drangen vermummte Fans in den Kabinentrakt und in den Mannschaftsbus ein und bedrohten die Spieler (…)

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(Screenshot TwitterX: O.M.)

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(Rudolf-Harbig-Stadion Dresden, 11. Mai 2014 – Foto: Frank Dehlis)

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