Schlagwort-Archiv: Sächsische Zeitung

Achim Mentzel im Gurkenhimmel

Aus gegebenem Anlass.

“… Kaum machte die Nachricht vom Tod Achim Mentzels die Runde, waren auch schon die passenden Etikettierungen zur Hand. Die Deutsche Presse-Agentur und andere schrieben, der 69-Jährige sei ein ’ostdeutscher Unterhaltungskünstler’ gewesen. Damit ist alles gesagt. Nein, nicht über Mentzel. Sondern über die westdeutschen Hinterbliebenen.

Mentzel einen ostdeutschen Unterhaltungskünstler zu nennen, ist nicht falsch. Er wurde 1946 in Berlin geboren und machte in der DDR Karriere. Freilich ging seine Karriere nach 1989 weiter – also noch immerhin 27 Jahre lang. Er trat, um es mal so zu sagen, im Westfernsehen auf. Auch die Mehrzahl seiner Platten erschien in der größer gewordenen Bundesrepublik. Das Label ’ostdeutscher Unterhaltungskünstler’ ignoriert die Hälfte seines künstlerischen Lebens. Es macht den Mann so klein, wie es die DDR nie war. Und es signalisiert denen im Westen, dass sie diesen Achim Mentzel nicht kennen müssen …“ (Frankfurter Rundschau Online, 4. Januar).

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(Twitter, 4. Januar, 19:29 – Screenshot: O.M.)

“So was wie Achim Mentzel wird heute leider nicht mehr hergestellt“, behauptete Kalkofe 2012 in einem Interview. Keine Widerworte. Und: Machs gut, Achim. Egal wo.

– Nachschiebsel –

(…) am 4. Januar lief die Tragödie an, wenn auch zunächst nur in Ostdeutschland als solche empfunden: Achim Mentzel ging nach einem Herzinfarkt von uns. Sicherlich ein Mann mit strittigen Talenten, unbedingt aber eine Marke mit natürlichem Kopierschutz. Heutzutage baut doch kein Mensch aus der Unterhaltungsbranche so viele Brüche in seine Biografie ein (…) [Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 28. Dezember 2016].

MedienScreen # 70 [Tatort. Schimanski. Was braucht’s der Worte mehr?]

[Fundstück] Marcus Krämer, “Lieber Horst Schimanski! – Offener Brief an den ’Tatort’-Star aus den 80er-Jahren, dem laut Umfrage beliebtesten Jahrzehnt“, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), Magazin, 2. Januar 2016 –

(…) Nehmen wir zum Beispiel Sie, Herr Schimanski. Sie sind doch eine typische 80er-Figur. Schnurrbart, oller Anorak, im Ganzen ein bisschen verlottert, aber alles in allem ein dufter Typ. Sie hatten kein schickes Smartphone und kein Facebook – ja, nicht mal Internet – und kamen trotzdem klar (…)

Was haben wir heute? Til Schweiger. Den Keinohrhasenrambo für die ganze Familie. Er spielt den “Tatort“-Ballermann Nick Tschiller (…) Nick Tschiller soll wohl eine Art Schimanski 2.0 sein, noch härter, noch brutaler, noch frecher. Aber irgendwas stimmt nicht. Dieses Rumgeknatter mit der Schnellfeuerwaffe, diese amerikanische Action, diese Hollywood-Kulissen. Nee, komm, lass mal (…)

MedienScreen # 69 [Kunst am Bau]

[Fundstück] Jörg Hartmann, zitiert in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 31. Dezember 2015 –

Schauen Sie sich die Geldkassetten-Architektur von heute an. Oder den grünen Ökowahn mit der Wärmedämmung. Blinder Aktionismus, der Hausbesitzer zwingt, ihre Häuser mit Styroporchemie zu verpacken. Haben wir verlernt, schön zu bauen?

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MedienScreen # 65 [Sächsischer Schabowski]

[Fundstück] Thilo Alexe, Kolumne “Sächsisch betrachtet“, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 12. Dezember 2015 –

(…) SPD-Chef Martin Dulig gilt gemeinhin als recht sympathischer Kerl, der trotz seiner steilen Karriere ein netter Typ geblieben ist. Dass er als stellvertretender Ministerpräsident allerdings auch in den weltpolitischen Modus schlüpfen kann, hat er neulich humorvoll bewiesen – überraschenderweise bei der Vorstellung einer spaßarmen Straßenbaurichtlinie. Ein Journalist fragte, wann sie denn in Kraft trete. Dulig raschelte in seinem Papierstoß und nuschelte parodierend. “Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort unverzüglich.“ So wie einst Günter Schabowski. Eine Mauer ist danach allerdings nicht umgefallen (…)

Günter Schabowski, Pressekonferenz, 9. November 1989 –