Schlagwort-Archiv: Sächsische Zeitung

MedienScreen # 264 [Smoke in Saxony]

[Fundstück] Dirk Neubauer, Amtierender Bürgermeister von Augustusburg, zitiert in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 8. Dezember 2020 –

Ihr schließt Euch heimlich zu zehnt in euren Garagen ein, um gemeinsam im Qualm auf den Widerstand anzustoßen? Meckert dort, dass eure Kneipenfreunde ’vom Staat’ kaputt gemacht werden. Und denkt, weil ihr um die Ecke parkt, merkt es keiner? Labert gegen Impfstoffe, mutiert zu Virologen und stellt alle ins geistige Abseits, die versuchen, dem Drama schnellstmöglich ein Ende zu setzen. Ihr bezeichnet die Maske als Maulkorb und verstopft zugleich die Netzwerke mit Verschwörungsunsinn, Anschuldigungen und Widerstandsgelaber … Versucht es mal mit Verantwortung. Dieses Land braucht keinen Hass, keine Verschwörungstheorien und vor allem keine vermeintlichen Querdenker, die schon am einfachsten scheitern, was Menschsein bedeutet: an Rücksichtnahme.

MedienScreen # 263 [Hominisation?]

[Fundstück] Katja Ebstein, interviewt in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 5. Dezember 2020 –

(…) Wir werden an der Dummheit und Uninformiertheit der Vielen kaputtgehen. Als junger Mensch habe ich gedacht: Die dumme Masse gibt es nicht, in allen Bereichen wächst Intelligenz nach, egal wie milieugeschädigt man ist. Mit den Jahren habe ich begriffen, dass es einen diffusen großen Teil der Bevölkerung gibt, der mit seiner Basisbeschaffung so ausgelastet ist, dass er für gesellschaftliche Mitverantwortung keine Geisteskraft mehr aufbringen kann. Das geht nur noch bis zum eigenen Tellerrand, und das ist erschreckend (…)

MedienScreen # 262 [Hools. Politically. Differentiated?]

[Fundstück] Robert Claus, interviewt in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 16. November 2020 –

(…) Man muss differenzieren. Nicht alle Hooligans in Deutschland sind rechtsextrem, aber es gibt große Schnittmengen. Mit den Demonstrationen der Corona-Leugner vereint sie ein rabiater Sozialdarwinismus, verbunden mit einer enormen Staats- und Demokratiefeindlichkeit sowie Menschenrechts- und Wissenschaftsfeindlichkeit (…)

(…) Wir sprechen bei den Hooligan-Szenen nicht von neuen Phänomenen, sondern über jahrzehntelang rekrutierte und etablierte Gruppen (…)

(…) Die Gewalt bei Fußballspielen hat vielerorts abgenommen, allerdings ist die Hooligan-Szene nicht verschwunden, sie tritt nun verstärkt in anderen Feldern auf (…)

MedienScreen # 260 [Singsanggedichtliches. Ambivalent maskiert?]

[Fundstück] “Pandemie-Poesie: Ich trage eine Maske“, politplatschquatsch.com, 12. November 2020 –

Ich trage eine Maske,

und diese Maske ist grau.

Es ist die Alltagsmaske,

die Vater trug schon in blau.

Die Maske ist niemals gefallen,

obwohl sie den Leugnern missfiel.

Sie nervt nun weiter uns alle,

doch sie dient ’nem höheren Ziel.

Ich trage eine Maske,

das Grauen der Epidemie.

Es hat meine Alltagsmaske

auch etwas von Anästhesie.

Und wenn sie auch stört beim Atmen,

so kram’ ich sie doch stets wieder vor.

Auf dass wir uns alle gut schützen

wie Angie schon mehrfach beschwor.

Ich trage eine Maske,

und diese Maske ist grau.

Es ist die Alltagsmaske,

die uns alle beschützt so genau.

Das Virus hat die Politik ermächtigt,

zu Lockdown, Krediten und mehr.

Drum vorwärts ihr Bürger nun fügt euch,

bis erlahmen all die Querdenkeeeer.

*Ich trage eine Maske – nach der Melodie “Ich trage eine Fahne“*

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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(Kleiner Satyr, Pirna, 2020 – Foto: A.M.)

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– Nachschiebsel –

(…) Ach, hätten doch Kneipen geöffnet, man könnte sich alles schönsaufen. Aber nur die Kirche ist geöffnet, Gott ist systemrelevant, und ich schenke Jesus eine Maske, dass er gesund bleiben möge. Es ist ja so schon alles ein Kreuz.

Wolfgang Schaller, Kolumne “Satirischer Nachschlag“, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 21. November 2020

Dresdner Reichskristallabend. Prioritäres Allerlei?

Der neunte Tag im deutschen November, zuvorderst wohl historisch ’besetzt’ als Gedenktag an die Reichspogromnacht vom Jahr 1938, wer wüsste es nicht? Oder? –

“(…) eine ganz und gar entwürdigende Vorstellung, dass ausgerechnet am Jahrestag dieser Schandtaten … Menschen in Dresden wie üblich Hetzredner bejubeln, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihres Glaubens pauschal als Schmarotzer, Betrüger und Verbrecher diskriminieren … An einem solchen Tag darf kein Platz für Diskriminierung und Hetze sein. Nicht auf dem Ex-Hitler-Platz, nicht anderswo in Dresden. Nirgendwo.“ [Oliver Reinhard in Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 9. November 2015]

“(…) Auch ohne jedes Jahr selbst des 9. Novembers zu gedenken, kann und sollte man die Würde dieses Datums und der Erinnerung respektieren und verteidigen, wenn sie verletzungsgefährdet ist. Und diese Gefahr besteht (…)“ [Oliver Reinhard, a.a.O.]

(Screenshots Twitter: O.M.)

… no further words necessary?

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– Prioritäres Nachschiebsel –

(Screenshot Twitter: O.M.)

“… verantwortungslose Menschen sind zynisch“ (Bernhard Steiner).

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– Nachnachschiebsel –

(…) Aber so weit sind wir schon: Dass in Dresden am 9. November anlässlich der Reichspogromnacht ein Gedenken an von Nazis zerstörte Synagogen und in KZs geschleppte Juden wegen Corona nicht gestattet, aber am gleichen Tag der Aufmarsch der besorgten besorgniserregenden Bürger samt Ansprache eines Nazis gestattet wird, Hakenkreuze eingeschlossen. Haben Behörden das rechte Auge geschlossen? Oder kann man ein Auge gar nicht schließen, wenn es nicht vorhanden ist? (…)

Wolfgang Schaller, Kolumne “Satirischer Nachschlag“, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 21. November 2020