ES geht weiter? Saisonrückblick 2017/18 von Blickfang Ultra

Was war da nicht alles zu lesen in den letztjährlichen Saisonrückblicken von Blickfang Ultra (BFU), die ja schon seit geraumer Zeit immer wieder publiziert werden …

“… Mal sehen, ob wir in einem Jahr einen erneuten Versuch wagen …“ [BFU-Saisonrückblick 2011/12, Vorwort].

“… Ich persönlich sehe es zumindest nicht als meine Aufgabe an, Richter darüber zu spielen, wer gut und schlecht ist. Das sollen andere machen. Ich merk selber immer mehr, wie mich dieses überhebliche Getue von manchen Gruppen oder auch Einzelpersonen nervt …“ [BFU-Saisonrückblick 2012/13, Vorwort].

“… ob es zukünftig überhaupt noch Sinn macht, das Projekt auch im kommenden Sommer zu stemmen. Aus derzeitiger Sicht natürlich noch gar nicht zu beantworten, mal schauen und abwarten, was die Zukunft so bringt. Jetzt aufzugeben und dem schnelllebigen Internet das Feld zu überlassen, wäre aber ja auch eigentlich doof und entspricht nicht dem Naturell eines Ultras …“ [Mirko Otto, ’Salut!’ im BFU-Saisonrückblick 2013/14].

“… Einige wird es vielleicht traurig stimmen, andere gar nachdenklich und anderen wird es schlichtweg egal sein, aber das vor euch liegende Pamphlet wird mit großer Wahrscheinlichkeit das letzte seiner Baureihe sein …“ [Mirko Otto, ’Salut!’ im BFU-Saisonrückblick 2014/15].

“… Wie sich die Sache zukünftig gestaltet, sprich, ob es auch im kommenden Sommer eine Fortsetzung geben wird, ist im Moment noch offen …“ [Mirko Otto, Intro im BFU-Saisonrückblick 2015/16].

“… Ja, es geht weiter, zumindest vorerst …“ [Mirko Otto, ’Hallo’ im BFU-Saisonrückblick 2016/17].

Und nun – fast ankündigungslos – ist ES da, der Saisonrückblick 2017/18 von Blickfang Ultra.

Allein schon das Titelcover ist – wie bisher eigentlich fast ununterbrochen – durchaus schick, andeutungsvoll, kann aber jenes aus dem Vorjahr kaum toppen. Was in den Folgejahren, so lange es diesen BFU-Saisonrückblick noch geben sollte, sowieso schwerlich zu fabrizieren sein wird. Aber die Geschmäcker sind ja verschieden.

Und der Inhalt? Wie immer: prächtig. Lesenswert. Bundesdeutsche Ultra-Szenen schildern ihre Sicht der Dinge, und – wohl erstmalig so praktiziert – aus benachbarten Ländern. Auch von den Bildern her sehr sehenswert. Allerdings hat die Layout-Abteilung in der diesjährigen Ausgabe hier und da wohl etwas flüchtig gewerkelt, leider. Schade.

Dem, wie gewohnt, qualitätsmäßig bestens gedruckten Erzeugnis seien solche Kleinigkeiten allerdings gern verziehen. Einmalig, so wie es ist. Immer noch. Und immer wieder?

“… Ich wünsche allen Lesern vergnügliche Stunden beim Lesen des monumentalen Gesamtwerkes. Wir hören … voneinander … spätestens in einem Jahr zur neuerlichen Auflage des Saisonrückblicks …“ [Mirko Otto, ’Vorwort’ im BFU-Saisonrückblick 2017/18].

Und, nur mal so angemerkt, bei einer Händlerin/einem Händler des eigenen Vertrauens ist Blickfang Ultra Saisonrückblick 2017/18 garantiert noch vorrätig. Es lohnt sich.

Kaotic Chemnitz. Et alia?

In den letzten Stunden war – auf Grund der aktuell wohl allseits bekannten Ereignisse in Chemnitz – bei MeyView.com eine doch auffällig verstärkte Suchabfrage nach Kaotic Chemnitz zu registrieren.

Diesen speziell Suchanfragenden mag, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ein wenig geholfen werden …

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“(…) Kurz nachdem in der Nacht zum Sonntag [26. August] ein Mann im Chemnitzer Stadtzentrum erstochen wurde, begannen auf Facebook erste Spekulationen. Viele User mutmaßten über die Nationalitäten der Beteiligten und waren sich sicher, dass die Täter unter den Geflüchteten zu suchen seien. Die Polizei gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Informationen über die mutmaßlichen Täter bekannt, dennoch veröffentlichte die Hooligangruppe Kaotic Chemnitz wenige Stunden später einen Aufruf auf Facebook unter dem Motto ’Zeigen, wer in der Stadt das Sagen hat’. Er richtet sich an alle Fans des Chemnitzer FC (CFC) – ein Novum in der Stadt. Kaotic Chemnitz ist seit 2012 mit einem Erscheinungsverbot im Stadion belegt, unter ihren Mitgliedern sind Chemnitzer Kameradschafter. Bislang mobilisierten sie aber eher unter sich. (…) Zuletzt waren Fußballfans in den Neunzigern als gewaltbereit aufgetreten. Damals gab es die Gruppe Hoonara, eine Abkürzung für Hooligans, Nazis und Rassisten. Sie prügelte sich mit anderen Hooligans und griff politische Gegner an, wie etwa das lokale Alternative Jugendzentrum. Hoonara ist schon lange inaktiv, ihre Mitglieder sind es nicht. Sie sind heute Mentoren für junge Neonazis, spielen in Rechtsrockbands und arbeiten in Securityunternehmen. Hoonara-Gründer Thomas H. sagte 2007 in einem Interview dem Fußballmagazin Rund, dass die Ex-Mitglieder trotz Inaktivität jederzeit erreichbar seien. Wenn man gebraucht werde, sei man in einer halben Stunde da. Bis heute dürfte sich daran nicht viel geändert haben (…)“ [Johannes Grunert, Zeit Online, 27. August 2018].

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“Kaotic Chemnitz ist mal aus dem Umfeld von ’Hooligans-Nazis-Rassisten’ kurz HoNaRa entstanden und war der Versuch mit einem politisch weniger verbrannten Namen wieder in die Fußballöffentlichkeit zu treten. Wobei sich die Gruppe relativ schnell wieder als rechtsextrem einen Namen machte“ [Robert Claus, detektor.fm, 27. August 2018].

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  • (…) Pogromstimmung in Karl-Marx-Stadt – Rechtsradikale marschieren in Chemnitz auf und machen Jagd auf Migranten und Migrantinnen. Die Drahtzieher sind Anhänger des Chemnitzer FC. Deren Geschichte reicht weit zurück (…) [Tobias Finger, 11freunde.de, 27. August 2018].

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(…) Nach Angaben (…) zählen die Fan-Gruppen (…) – den Chemnitzer FC tangierend –  New Society/NS Boys und Hoonara zu den aktuellen Beobachtungszielen des Verfassungsschutzes in Sachsen (…)

(…) Die getroffenen Aussagen stießen beim Chemnitzer FC auf Unverständnis (…) CFC-Geschäftsstellenleiter Lutz Fichtner [lagen] derzeit [19. September 2012] keinerlei Informationen vor, dass der Verein oder einzelne Fans unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen würden. Im Gegenteil, die Gruppierung “Hoonara“ bestünde in ihren Strukturen bereits seit dem Jahr 2000 nicht mehr; ebenso wurde die zweite Gruppe, die “New Society“ vor drei Jahren hinsichtlich ihrer Symbolik vom Verein verboten. Gegen damalige Führungskräfte sind entsprechende Stadionverbote verhängt worden (…) [cfc-fanpage, 19. September 2012]

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(Chemnitz. Fischerwiese. Unvergessen? – Screenshot Ultras.ws: O.M.)

“’Wo Unkraut gedeiht, wird Jäten zur Pflicht.’ frei übersetzt: Nazis raus!“ [cfc-fanpage.de – Forum, 3. September 2008].

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MedienScreen # 191 [Football will never die?]

[Fundstück] Stefan Gärtner, “Lieb’ Vaterschland“, konkret, 8/2018 –

(…) Ziemlich genau zwei Jahre zuvor, kurz nach der Fußball-EM (wo war sie gleich, ich müsst’ es erst mal nachsehen), hatte mich auf dem Fußballfernsehsofa die Erkenntnis überrollt, was ich hier tat, sei schädlich, hirn- und seelenlähmend; weil im TV-Kasten, wie es in einem Aufsatz heißt, den ich dem Freunde Roth hernach für sein einschlägiges, auch sonst sehr empfehlenswertes Buch Nie mehr Fußball (Münster 2017) schrieb; “schon wieder diese Leute herumhampelten, die unterm knappen Sakko T-Shirt tragen und die Moderationskarten mit zäher Aufgeräumtheit vor sich her; Fußballtrainer in Jeans, wie man sie mit zwanzig trägt und nicht mit fünfzig; Interviewpartner, die der Demütigung standhalten, auf dem Hemdkragen den Namen eines Sponsors mitzuführen; und Interviewer in den besten Jahren, die auszusehen versuchen wie ihre Söhne und dabei aussehen wie die Würstchen, die sie sind und wir sein sollen“. So gab ich überraschend auf, ermattet, ja zerrüttet von “den ewig identisch exaltierten Torjubelsprints, den ewig gleichen Tätowierungen, den ewig gleichen Antworten auf die immer selben Fragen, saß da und war beklommen, wie ausgeknipst und angewidert, nach 35 Jahren fußballerischen Fantums, nach Siegen und Niederlagen, Ekstase und Depression, nach Riesenlärm um letztlich nichts“. (…)

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(…) Das Kommen und Gehen, die von der Mehrzahl der Spieler lediglich inszenierte Identifikation mit dem Verein, die vergessen ist, sobald ein anderer 50 Cent pro Stunde mehr bietet, die Abschottung von der Außenwelt, das Hochstilisieren der Kicker zu “Helden“, nur weil sie mal das Tor getroffen haben, die Zensur von Interviews, dazu die Überhöhung des Fußballs und dessen Finanzgebaren insgesamt – nein, das alles ist nicht mehr mein Ding (…) [Henry Boss, “Eine große Liebe, die leider zerbrochen ist“, 12. April 2018].

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Erst wenn der letzte Abstoß geschlagen, die letzte Flanke weggefangen und der letzte Strafstoß vergeben ist, werdet ihr merken, dass Autofähnchen keine Tore schießen (PPQ, Juni 2010).

Remember?

Gerichtsjahre mit der Faust des Ostens

Am 22. August 2013 teilte die Dresdner Staatsanwaltschaft offiziell mit, dass gegen fünf mutmaßliche Anführer der als kriminell eingestuften Fangruppe Faust des Ostens (FdO) aus dem Umfeld von Dynamo Dresden Anklage erhoben worden ist. Bei Ermittlungen gegen die Gruppierung hatten Dresdner Polizei und Staatsanwaltschaft am 5. Juni 2012 in Sachsen insgesamt 17 Wohnungen und Firmenräume durchsucht.

Im Laufe der Saison 2011/12 verbannte die aktive Dresdner Fan-Szene die Faust des Ostens als Gruppe aus dem K-Block im Rudolf-Harbig-Stadion (RHS). Optische Zeichen der FdO sind allerdings im Stadtgebiet und auch in der Region nach wie vor nicht zu übersehen, obwohl – Gerüchten zufolge – die Dresdner Ultra-Szene alle öffentlich sichtbaren Zeichen der Faust des Ostens zu taggen, sprich übertünchen, beabsichtigte.

(Noch immer unweit des RHS – Foto: O.M.)

Die Tatvorwürfe gegen die “auch rechtsextreme“ FdO belaufen sich auf Bildung einer kriminellen Vereinigung, gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch und schweren Bandendiebstahl. In dem bei der Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden anhängigen Verfahren gegen die Angeklagten der Faust des Ostens “ist jedoch fast fünf Jahre nicht Wesentliches mehr passiert. Da keiner der Angeklagten in Untersuchungshaft saß, sah sich die Kammer gezwungen, andere Prozesse vorzuziehen“, resümiert aktuell für die Sächsische Zeitung Gerichtsreporter Alexander Schneider.

“(…) Vergangene Woche gab es ein wenig Bewegung. Die Richter haben das Verfahren eröffnet. Damit kamen sie der nach fünf Jahren drohenden Verjährung zuvor. Ein Prozesstermin ist derzeit jedoch nach Angaben des Landgerichts nicht in Sicht (…)“ [Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 4. Juni 2018].

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MedienScreen # 189 [Dynamo Dresden. Birthday. Thoughtful.]

[Fundstück] Henry Boss, “Eine große Liebe, die leider zerbrochen ist“, ’DYNAMO Spezial’, Dresdner Morgenpost (Print-Ausgabe), 12. April 2018 –

(…) Das Kommen und Gehen, die von der Mehrzahl der Spieler lediglich inszenierte Identifikation mit dem Verein, die vergessen ist, sobald ein anderer 50 Cent pro Stunde mehr bietet, die Abschottung von der Außenwelt, das Hochstilisieren der Kicker zu “Helden“, nur weil sie mal das Tor getroffen haben, die Zensur von Interviews, dazu die Überhöhung des Fußballs und dessen Finanzgebaren insgesamt – nein, das alles ist nicht mehr mein Ding (…)

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(RHS, 30. August 2006 – Foto: dehli-news.de)

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Notabene – Des Zitators [OM] erste ’Begegnung der dritten Art’ datiert auf den 12. April 1975 im Rudolf-Harbig-Stadion (RHS).

The Times They Are a-Changin’.

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