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Faust des Ostens – Under friendly Judgmet Fire

Staatsanwaltliche Ermittlungen gegen die sich selbst so heißende Gruppierung Faust des Osten (FdO) aus dem Fan-Umfeld von Dynamo Dresden wurden, offiziell, seit Juni 2012 geführt.

Die Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden hatte in der seit dem 29. März dieses Jahres nunmehr angelaufenen Gerichtsverhandlung gegen – quasi übrig gebliebene – drei Angeklagte, als mutmaßlich führende Mitglieder der FdO, ursprünglich Fortsetzungstermine bis Mitte Juli 2021 terminiert. “Das Verfahren könnte jedoch schon weitaus früher beendet sein“ [Nina Böckmann, kreuzer online, 13. April].

“Das Landgericht Dresden hat am [11. Mai] drei Männer als Mitglieder der Hooligan-Gruppierung ’Faust des Ostens’ (FdO) verurteilt. Gegen einen 37-Jährigen verhängte die Staatsschutzkammer eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung, wobei fünf davon wegen langer Verfahrensdauer als vollstreckt gelten. Zwei zur Tatzeit 21-Jährigen wurde unter Anwendung von Jugendstrafrecht jeweils die Zahlung von 1500 Euro auferlegt. Sie wurden der mitgliedschaftlichen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, wie auch der 37-Jährige, sowie der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen“ [Freie Presse Online (Copyright dpa), 11. Mai].

Ein “mildes Urteil“, findet Konrad Litschko von der tageszeitung, und zitiert Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen

“Die niedrigen Strafen waren nach so vielen Jahren nicht anders zu erwarten. Es ist ein Armutszeugnis für die sächsischen Behörden, dass es mehr als zehn Jahre gedauert hat, um die Mitglieder dieser rechtsextremen, kriminellen Vereinigung zu verurteilen“ [taz.de, 11. Mai].

And now? Basta?

(Alttolkewitz. Dresden. Frühjahr 2015 – Foto: O.M.)

“Letzte Straftaten bekannter Mitglieder der FdO verzeichnete das [zuständige] Justizministerium noch im Dezember 2020“ [Dresdner Morgenpost, 4. Februar 2021].

  • Urteil gegen Mitglieder der Hooligan-Gruppierung “Faust des Ostens“ [Jens Usebach, jura.cc, 11. Mai d.J.]

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Faust des Ostens – Gerichtsnotizen

Seit dem 29. März dieses Jahres läuft nunmehr der Prozess gegen – quasi übrig gebliebene – drei mutmaßlich führende Mitglieder der Faust des Ostens (FdO) vor dem Dresdner Landgericht, mehr oder weniger. Bereits im Vorfeld des Prozesses war bekannt geworden, dass seitens des Gerichts vorab ein, wie auch immer geartetes, “Verständigungsangebot in Aussicht gestellt“ worden sei.

“Siebeneinhalb Jahre nach Anklageerhebung verfolgten … nur wenige Schaulustige den Auftakt am Landgericht Dresden. Die Justiz hatte dennoch vorsichtshalber Kontrollen verstärkt“, berichtete Gerichtsreporter Alexander Schneider [Sächsische Zeitung, 30. März].

Staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen die FdO werden, offiziell, seit Juni 2012 geführt. “Letzte Straftaten bekannter Mitglieder verzeichnet das Justizministerium noch im Dezember 2020“ [Dresdner Morgenpost, 4. Februar].

“(…) Die Gruppenmitglieder fallen schon früh im Umfeld von Fußballbegegnungen auf, verübten gemeinsam gewaltsame Übergriffe auf Mitglieder anderer Fußballmannschaften und vermeintliche Migrantinnen. Begrüßungen wie ’Heil Hitler’ oder ’Blood and Honour’ … seien normale Umgangsformen gewesen (…)

Die zur Verhandlung stehenden Straftaten liegen … zum Teil zehn Jahre zurück. Ein Umstand, der sich, so teilte Richter Kubista bereits mit, mildernd auf das Strafmaß auswirken wird … In ihren Einlassungen sind die drei Angeklagten geständig, lediglich Details stehen zur Debatte (…)“

[Nina Böckmann, “Auf der Suche nach dem Kick – Prozessbeginn gegen ’Faust des Ostens’“, kreuzer online, 13. April].

Die Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden hat für die Hauptverhandlung gegen die drei Angeklagten Fortsetzungstermine bis Mitte Juli 2021 vorgesehen [justiz.sachsen.de] – “Das Verfahren könnte jedoch schon weitaus früher beendet sein“ [Nina Böckmann].

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Faust des Ostens – Dresdner Gerichtszeichen

Die schier unendliche Geschichte der Faust des Ostens (FdO) scheint ein neues Kapitelchen geschrieben zu bekommen, quasi abschließend?

Jedenfalls berichtet die Sächsische Zeitung in ihrer Print-Ausgabe vom ersten März-Tag dieses Jahres, das Landgericht Dresden habe nunmehr “erstmals einen Termin für den Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder und Anführer der ’Faust des Ostens’ (FdO) bestimmt. Am 29. März beginnt die Hauptverhandlung vor der Staatsschutzkammer“, sei durch einen Gerichtssprecher bestätigt worden.

“Den nur noch drei Angeklagten im Alter von 30 bis 37 Jahren wird unter anderem die Bildung/Anführerschaft einer kriminellen Vereinigung, Diebstahl und Körperverletzung vorgeworfen. Das Verfahren gegen zwei weitere Mitbeschuldigte wurde eingestellt. Grund dafür sei das junge Alter der heute 26- und 28-Jährigen zur Tatzeit und die inzwischen verstrichene Zeit“, so Gerichtsreporter Alexander Schneider.

Staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen die FdO werden, offiziell, seit Juni 2012 geführt.

Im Laufe der Saison 2011/12 verbannte die aktive Dresdner Fan-Szene die Faust des Ostens als Gruppierung aus dem K-Block im Rudolf-Harbig-Stadion. Optische Zeichen der FdO sind allerdings im Stadtgebiet und auch in der Region aktuell nach wie vor nicht zu übersehen. Zwischenzeitlich berichtete dann im Januar 2013 SPIEGEL ONLINE, dass in Dresden “mehrere Mitglieder der vermeintlich rechtsgerichteten ’Faust des Ostens’ über Monate mit der Polizei zusammengearbeitet haben“ sollen.

Am 22. August 2013 teilte die Dresdner Staatsanwaltschaft offiziell mit, dass gegen fünf mutmaßliche Anführer der als kriminell eingestuften FdO aus dem Umfeld von Dynamo Dresden Anklage erhoben worden ist. “Letzte Straftaten bekannter Mitglieder verzeichnet das Justizministerium noch im Dezember 2020“ [Dresdner Morgenpost, 4. Februar 2021].

“(…) Es ist nun der erste FdO-Prozess vor einer Staatsschutzkammer. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden stammt vom Sommer 2013 … Zunächst sind 20 Sitzungstage bis Juli geplant. Die Verhandlung könnte jedoch auch schneller enden. ’Die Kammer hat uns für den ersten Sitzungstag ein Verständigungsangebot in Aussicht gestellt’, sagte Andrej Klein, einer der Verteidiger“ [Sächsische Zeitung, 1. März 2021].

(Schatten der Vergangenheit? Auerswalder Blick Nord, Sommer 2012 – Foto: O.M.)

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Faust des Ostens – Years later

Was ist zur selbst so ernannten Faust des Ostens (FdO) – sehr frei nach Gunnar Schubert – “nicht schon alles geklöppelt, gebatikt und gelyrikt worden“? Und die Jahre zogen ins Land …

Aktuell berichtet just die Dresdner Morgenpost (tag24.de, 4. Februar): “Doch nun könnte der Prozess noch diesen Monat in Dresden beginnen.“ Überraschung?

Naja – “Nach knapp acht Jahren, die diese Anzeige schon beim Landgericht Gericht Dresden vorliegt, gibt es nun erste Terminvorschläge der zuständigen Kammer“, liest es sich dann etwas genauer. Irgendwie. Denn – Überraschung?: “Terminiert wurde noch nicht. Der Prozess könnte diesen Monat schon beginnen, aber der Auftakt beispielsweise auch erst im Mai sein“, wird Landgerichtssprecher Thomas Ziegler zitiert.

Staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen die FdO werden, jedenfalls offiziell, seit Juni 2012 geführt. “Letzte Straftaten bekannter Mitglieder verzeichnet das Justizministerium noch im Dezember 2020“, so die Dresdner MoPo.

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MedienScreen # 267 [Arzgebirg, wie bist du schie …]

[Fundstück] “abgefakt: Das Erzgebirge“, re:marx, 13. Januar 2021 –

Aktuell gilt das Erzgebirge als eine Art sächsischer Sündenbock, mal wieder. Und zwar mal wieder vollkommen zurecht – denn irgendwas ist immer im Erzgebirge, meistens sind es aber Nazis, aktuell ist es die bockige Bevölkerung, die die Nazis wählt. Das Erzgebirge ist der Boomer unter den Gebirgen (…)

(…) Das Erzgebirge ist einfach nur eine Ansammlung von erbärmlichen Erhebungen, die es nie geschafft haben, richtige Berge zu werden.

Wenn man diese Erkenntnis erstmal sacken lässt: macht plötzlich alles viel mehr Sinn: Die Einwohner, die nie ein echtes Bergvolk sein durften, und sich deshalb umso verzweifelter an ihre Traditionen klammern. Die nie die krasse geografische Abgeschiedenheit des Karakorums erleben konnten und sich zum Ausgleich für ein Leben in gesellschaftlicher Abgeschiedenheit entschieden haben. Die sächsischen Alpen, die nicht hatten sein sollen, sich aber trotzdem “Gebirge“ nennen, obwohl sie nicht mal eine richtige Baumgrenze haben. Die Hügel, die lieblich in der Landschaft liegen, aber dabei nie so spektakulär aussehen, dass sich Milliarden japanischer Touristen mit Selfie-Sticks durch Seiffen schieben. Natürlich kommen auch Touristen ins Erzgebirge, aber das sind meistens gesetzte Best-Age-Packer mit beigen Jansport-Rucksäcken, westfälische Weihnachtsmarkthopper oder NPD-Kader auf Dienstreise. Die Wahrheit ist: Das Erzgebirge ist ein natural born Low-Performer-Gebirge mit daraus resultierender Minderwertigkeits-Mentalität, und alles, was dort so passiert, ist nur die traurige Konsequenz (…)

(…) Und überhaupt: Mordor hat den Schicksalsberg, das Erzgebirge hat den Fichtelberg.

Das ist: Das Erzgebirge ist eine derartige Traditions-Trutzburg, dass Horsts Heimatministerium hier glatt eine Zweigstelle eröffnen könnte, ein Steuerparadies für Traditionen. Dafür wurde die Region 2019 mit dem Weltkulturerbe-Titel prämiert, und jetzt kann dort alles für immer so bleiben, wie es war. Gleichzeitig ist das Erzgebirge auch ein Industrie- und Innovationsstandort, es gibt Forschung in Freiberg und Design in Schneeberg, aber am Ende bleibt irgendwie immer der Eindruck einer gewissen Weltabgewandtheit, der sich in den letzten Corona-Wochen leider ziemlich hart verfestigt hat, aber nicht sonderlich überraschend ist: Die logische Konsequenz aus der ewigen Traditionstümelei und Heimathuldigung ist, dass das Erzgebirge nicht nur ein Schutzgebiet für Landschaft und Natur, sondern auch eines für Deutschtum im allerschlechtesten Sinne ist (…) schlimmer geht es nimmer.

(…) Neben der Sächsischen Schweiz ist das “Gebirsch“ der gefühlt einzige Ort, an dem die NPD noch existiert. Wobei sie hier viel mehr als nur “noch existiert“, (…) sie wird von der Bevölkerung gewählt, sie hat das Sagen auf den Straßen. Man kann sich stundenlang durch ausführliche Auflistungen rechtsextremer Vorfälle scrollen, sollte dabei aber mindestens einen Kotzeimer in unmittelbarer Nähe stehen haben. Nazi-Schwibbbögen, Reichskriegsfenster, Hitlergrüße, Hitlerkostüme zu Fasching, Nazi-Mobs vor Bussen mit Geflüchteten, Vereinigungen wie die “Heimattreue Niederdorf“ (…), Fackelmärsche durch Schneeberg, in Wiesen gemähte Hakenkreuze, irgendjemand “wehrt sich“ (…), die Litanei nimmt kein Ende, im Erzgebirge schreibt man Sachsen noch mit einem großen Doppel-S am Anfang (…) Es ist nicht nur in den alten Schächten finster, sondern auch in den Tälern drumrum.

(…) Natürlich ist nicht alles rechts im Erzgebirge, genauso wenig wie in Chemnitz nur glatzige Nazi-Ärsche und ultrarechte CFC-Hools leben. Dafür besticht das Erzgebirge mit seiner pulsierenden Popkultur und unglaublichen Banddichte: Viele mittlerweile vollkommen irrelevante Nullerjahre-UK-“The“-Acts träumen von der unerschütterlichen Coolnes der erzgebirgischen “De“-Bands wie De Randfichten, De Kripplkiefern, de Erbschleicher, De Haamitleit der De Ranzn. Bob Dylan wäre gern wie Anton Günther und das Coachella ist nur eine schlechte Influencer-Kopie der Annaberger Kät.

Wie sich das Erzgebirge selbst sieht: Das Erzgebirge hält sich für das Auenland, ist aber in Wirklichkeit Mordor: Die Flüsse heißen Schwarzwasser, die Menschen arbeiteten in Schächten, der Fichtelberg gilt als sächsischer Mount Doom, böse Zauberer stehen hinter großen Kesseln und kochen Meth und die ganze Wismut-Uran-Geschichte ist auch eher düster. Doch im Zuge einer ausgeprägten Selbstwahrnehmungsstörung nennt sich das Erzgebirge neuerdings “Herzgebirge“, obwohl wir alle wissen, dass “Hetzgebirge“ leider ein bisschen näher an der Wahrheit ist (…)

[Im vollständigen Original @ remarx.eu]

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[“O Arzgebirg, wie bist du schie“ @ YouTube.com]