MedienScreen # 149 [Ein Gespenst geht um in der Fußball-Welt]

[Fundstück] Christian Bartlau, “Der real existierende Fußball – Was Marx zur 48er-WM gesagt hätte“, n-tv.de, 11. Januar 2017 –

(…) Marx hat dem Kapitalismus seinen eigenen Untergang vorausgesagt, eher kämpferisch im “Kommunistischen Manifest“, eher analytisch im “Kapital“. Er schreibt dort in einer berühmten Passage, dass die kapitalistische Produktionsweise “zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter“. Einen ähnlichen Vorwurf machen Kritiker der 48er-WM der Fifa – sie entwerte damit das Turnier und könnte damit vom “Goldgräber“ zum “Totengräber“ des Fußballs werden (…)

MedienScreen # 148 [Pyrotechnik ist …]

[Fundstück] Elke Schmitter, “Pyromania Germaniae“, DER SPIEGEL, 7. Januar 2017 –

(…) Aufgrund seiner hohen Wirksamkeit, die sich ohne Training oder Fachkenntnisse erzielen lässt – Knall, Schreck und bunter Regen für kleines Geld -, empfiehlt sich das pyromanische Haushaltsset naturgemäß für die Begrüßung des neuen Jahres (…) und weil die Kinder nicht bis Mitternacht warten sollen, fängt das säkulare Opferfest schon lange vorher an. Es steigert sich kontinuierlich, bis in der Notaufnahme die Alkoholversehrten mit den Brandverletzten um Aufmerksamkeit konkurrieren (…) Eine höhere Steuerbelastung taugt nicht zur Eindämmung des Phänomens, denn schon heute werden die billigen Feuerwerkskörper übers Netz aus Ländern geordert, denen TÜV und DIN böhmische Dörfer sind, weshalb der eine und andere Finger den sparsamsten Pyrotechnikern zum neuen Jahr nun fehlt.

Man soll diese Volksseelensache ja nicht überstrapazieren, aber dass sich in Deutschland ein paramilitärischer Ritus durchgesetzt hat, der auf Krach, Schock und Überwältigung zielt, ist doch immerhin bedauerlich (…)

MedienScreen # 147 [Total Recall?]

[Fundstück] Hermann L. Gremliza, “Drum rechts, zwei, drei!“, konkret, 1/2017 –

(…) Wenn alle Nazis werden, die alten Sozis und die neuen, die Grünen und die anderen Linksliberalen, kann der Extremismus einpacken. Ja, das ist ungerecht. Man sieht die Erfolge der Toleranz doch an jeder Hauswand: Alle, bis auf ein paar ohnmächtige Grüppchen, beteuern unentwegt, die Nazis seien keine, sondern besorgte Bürger mit ihren Sorgen, Nöten, Ängsten und Abwehrreflexen, die man ernst nehmen müsse. Richtig ist natürlich das Gegenteil: Das Verständnis, das sie überall finden, hat sie gesellschaftsfähig gemacht und ermutigt (…)

Schweine bleiben auch als arme Schweine Schweine. Verlust oder halluzinierter Verlust des Arbeitsplatzes an einen Flüchtling oder Asylbewerber ist kein strafmildernder Umstand fürs Anzünden einer Flüchtlingsunterkunft oder auch nur fürs Begaffen der Szene. Wer am Seelenleben oder wie man das nennt solcher besorgter Bürger andocken will, um sie heim ins Reich seiner Partei zu holen, wird zu ihrem Animateur. So geht die andere, die wahre Geschichte der deutschen Gegenwart (…)