Archiv der Kategorie: CulturalScene

MedienScreen # 235 [Pittiplatsch 2.0?]

[Fundstück] “Der große Austausch: Wie sie Pittiplatsch töteten“, politplatschquatsch.com, 4. Dezember 2019 –

(…) Als sie kamen und alle Firmen in den Westen verkauften, regte sich kaum Protest, denn im Osten hatte ja sowieso niemand Geld, irgendetwas zu kaufen. Als sie alle Posten in den Behörden mit Westdeutschen besetzten, klagte niemand, denn im Osten hatte kaum jemand Verwaltungsrecht in Heidelberg oder Münster studiert. Und als die ostdeutschen Landesregierungen sich mit Profis aus den alten Ländern füllten, waren alle sehr dankbar. Wer gut regiert werden will, darf nicht zu stolz sein! (…)

Zuweilen aber gehen Fürsorge und Gouvernantentum auch ein wenig zu weit. So wie gerade eben, als der ostdeutsche Heimatsender MDR einen Mord an einer der wenigen moralisch unverschlissenen großen Charakterfiguren des deutschen Ostens in Auftrag gab: Pittiplatsch, “das bekannteste Gesicht des Ostens“ (Die Welt), soll ausgetauscht werden. Der Leipziger Sender will den schwarzen Kobold mit dem schrägen Humor, der seit 1962 anarchischen Widerstand gegen Obrigkeitsstaat, Regelsklaverei und eine Überbetonung der ernsten Seite des Lebens leistete, durch eine billige Kopie ersetzen, die ein Unternehmen aus dem – natürlich – westdeutschen Münsterland verfertigt hat.

Ein Skandal, der an die kulturellen Wurzeln dessen rührt, was vom Osten übrig ist, denn schließlich war es Pittiplatsch, der mit seinen Auftritten bei “Sandmann“ und im “Märchenwald“ dafür sorgte, einen der wenigen und seltenen Siege eines Ost-Angebotes gegen die Übermacht der amerikanischen Unkultur mit dem “yeah, yeah, yeah und wie das alles heißt“ (Ulbricht) zu holen.

Eine Niederlage, die den Westen offenbar immer noch schmerzt. Und weil Pittiplatsch bis heute – und trotz all der schicksalhaften Schläge, die der schwarze Punk hat einstecken müssen – erfolgreich gegen Meinungskorridore und verbale Tabus arbeitet, passt er offenbar nicht mehr ins Programm. Der MDR plant deshalb den großen Austausch, ähnlich raffiniert wie damals, als Bummi Bär von einem KGB-Rollkommando aus dem Märchenwald entführt wurde. Pittplatsch, obgleich erst 57 Jahre alt, wird ersetzt durch eine Kopie.

Dieser Pitti 2 ist nicht mehr schwarz wie das Original, weil die Verantwortlichen in Sachsen Angst vor Vorwürfen des “Black Facing“ haben. Er hat keine glänzende Haut mehr, an der alle Vorwürfe mangelnder politischer Korrektheit abprallen, sondern eine windelweiche Plüschoberfläche, die gesellschaftliche Kuschelbereitschaft signalisiert. Und die beim echten Pitti aus ein paar widerständigen Wollfäden bestehende wilde Behaarung ist weicher Wuschelwolle aus Westbeständen gewichen. Der MDR begründet das damit, dass die Originalfigur “nicht mehr dem Stand der heutigen Technik“ entsprochen habe. So hat Pittiplatsch unbedingt einen “beweglichen Mund“ benötigt und er habe Augen gebraucht, die “funkeln je nach Lichteinstrahlung“.

Prunk statt Punk und (…) Erziehungsauftrag statt Anarchie und nirgendwo eine Spur vom Verbleib des echten Pittiplatsch.

Gerüchten zufolge, die unter Pitti-Fans im momentan nur notregierten Thüringen kursieren, wo der von der DDR-Obrigkeit stets gefürchtete Outlaw aus dem Märchenwald zuletzt gesehen worden war, könnte Pittiplatsch tatsächlich verschleppt und im Keller des sogenannten “Kika“ (Kinderkanal) eingesperrt worden sein. Offizielle Verlautbarungen des MDR dazu gibt es nicht, Anfragen von PPQ wurden bislang nicht beantwortet.

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Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im Original.

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Uwe Steimle im (Ossi)Theater allein zuhaus?

Exposition –

“(…) Ein Träger des goldenen Aluhuts und ausgewiesener Verschwörungstheoretiker hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schlichtweg nichts verloren. Was nicht länger des Mitteldeutschen Rundfunks Strategie sein kann: Steimle machen lassen, dann entschuldigen, dann einhegen. Steimle wird doch nicht Recht haben, wenn er seine Kraft durch Freunde im Mitteldeutschen Rundfunk gewinnt?“ [Joachim Huber, Der Tagesspiegel Online, 25. Oktober 2019].

Retardierendes Moment –

“(…) kann der MDR nur verlieren: Hält er an Uwe Steimle fest, wird er von dessen Kritikern mit Steimle zusammen in die rechte Ecke gestellt. Kündigt er die Zusammenarbeit auf, droht aus dem Lager der Steimle-Fans umso heftigere Kritik. Wohl niemand will Uwe Steimle in dieser Situation zum Märtyrer machen“ [Nadja Mitzkat, ZAPP @ ndr.de, 26. Juni 2019].

Peripetie –

(MDR Presse @ Twitter, 4. Dezember 2019)

Epilog –

“(…) Dass Uwe Steimle nun nicht auf dem tückischen Feld der Satire gestolpert ist, sondern über illoyales Verhalten gegenüber seinem Arbeitgeber, es hat schon selbst viel von einer Satire-Nummer“ [Oliver Reinhard, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 5. Dezember 2019].

Vorhang –

(Screenshots Twitter: O.M.)

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Pittiplatsch lebt …

… und zum aktuell 60. Geburtstag des Sandmännchens – Godfather of good Night – gönnte ihm Judith Kochendörfer bei Inforadio rbb sogar einen eigenen, klitzekleinen, Sidekick.

“(…) Das DDR-Kinderfernsehprogramm war überschaubar, aber hochwertig. Über Jahrzehnte hielt sich der Sandmann als einflussreichste Kindersendung einsam an der Spitze. Auch nach der Wende hat er nichts von seinem Kultcharakter eingebüßt. Bis heute sind das Männlein mit dem Spitzbart und seine Nebenfiguren Ikonen: Herr Fuchs, Frau Elster, die Ente Schnatterinchen, der Kobold Pittiplatsch, dieses ameisenhafte Wesen aus zwei braunen Kugeln mit Augen und Armen dran, und Moppi, der durchgeknallte Hund (…)“

[“Für uns Ostkinder war der Sandmann quasi Familienmitglied“, rbb24.de, 22. November 2019]

Ja, der “Nonkonformist … Outlaw aus dem Märchenwald“ (PPQ) – Pittiplatsch, der Liebe – ist unvergessen, lebendig nach wie vor, hier und da – mit besonderen Grüßen in die Pitti-Ruhmeshalle Politplatschquatsch.

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Steimle, Steimle und kein Ende?

Ach, der Steimle Uwe. Populär und verehrt in einigen MittelDeutschenRandgebieten wie einst und immer noch der Stülpner Karl. Wobei letzterer mitnichten in ein Töpfchen mit ersterem ’Volkshelden’ – Schauspieler, Autor und titulierter Kabarettist sowie Satiriker – geworfen werden sollte, Sorry Karl.

Ja, der Steimle Uwe als solcher. Bekannt aus Film, Funk und Fernsehen – und diversen Zusammenhängen, die durchaus als politisch benannt werden können. Wenn’s rechtens ist.

Steimle Uwe, der Verkannte? Und nun zitiert auch noch DER SPIEGEL in seiner aktuellen Print-Ausgabe (# 44) den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) mit der Ansage “die Redaktionen seien gerade dabei, ’den Bereich Kabarett und Satire inhaltlich neu aufzustellen’“.

“(…) Im Kern ist das vage formuliert, wie die ARD-Anstalt ihren Umgang mit dem umstrittenen sächsischen Kabarettisten hält. In einer seiner letzten Provokationen posierte Steimle in einem Nicki – für ihn im DDR-Sprachgebrauch ein ’Nicki’ – mit der Aufschrift ’Kraft durch Freunde’ in Fraktur“ (…) [Der Tagesspiegel Online, 25. Oktober 2019].

Steimle Uwe, das stets unverstandene Opfer im mitteldeutschen Osten? Noch im Mai dieses Jahres “porträtierte ihn der Sender [MDR] in seiner Reihe ’Lebensläufe’ als ’Heimatforscher und Störenfried’, als ’Mann, der zum kulturellen Inventar Mitteldeutschlands gehört’“ (Der Tagesspiegel Online, 25. Oktober 2019).

Und nun, Steimle Uwe? Kein Doktor Stuber in Sicht? Wenigstens eine fangemeinschaftliche Selbsthilfegruppe? Oder doch einfach weiterhin im Schoß des MDR?

“(…) Ein Träger des goldenen Aluhuts und ausgewiesener Verschwörungstheoretiker hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schlichtweg nichts verloren. Was nicht länger des Mitteldeutschen Rundfunks Strategie sein kann: Steimle machen lassen, dann entschuldigen, dann einhegen. Steimle wird doch nicht Recht haben, wenn er seine Kraft durch Freunde im Mitteldeutschen Rundfunk gewinnt?“ [Kabarettist auf rechter Mission – MDR drückt sich um Entscheidung über Uwe Steimle, Joachim Huber, Der Tagesspiegel Online, 25. Oktober 2019].

Steimle Uwe – einer aus Sachsen, “der weltlichen Vorhölle, dem Sendegebiet des MDR“ [Konkret Literatur Verlag anno 2006].

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Und jährlich grüßt das Murmeltier. Saisonrückblick 2018/19 von Blickfang Ultra.

Das Winterschlaf haltende Murmeltier könnte symbolbildlich wohl eher für den Rezensenten treffend sein, denn es ist nunmehr bereits etwas später im mittlerweile herbstlichen Jahr. Aber nicht zu spät, einen oder mehrere Blicke auf und in dieses Druckwerk zu werfen, welches immerhin schon seit Anfang August zum Beispiel bei nofb-shop.de gelistet ist.

In’s eigentlich zusammenhangliche Wortspiel gebracht hat Mirko Otto das pelzige Nagetier in seinem letztsaisonal rückblickenden Vorwort –

“… Nach einem selten dagewesenen Endspurt, der sich eher wie ein Marathonlauf anfühlte, grüßt nun schon zum neunten Mal das Murmeltier …“

Ja, wohlwahr, der neunte BFU-Saisonrückblick, Chapeau! Eigentlich braucht’s keiner weiteren Worte, denn – wer sich nur etwas auskennt – solch ein Projekt, noch dazu in den szenetypischen Zusammenhängen, (immer wieder) zu stemmen, das heißt was.

“Vielleicht wäre es für die zuweilen nur noch selbstverliebte Old- und Next-Generation der Ultras an der Zeit, einmal kurz zu schweigen. Und szeneübergreifend die Sonnenbrillen abzusetzen sowie zumindest symbolisch das Basecup zu lüften“ [MeyView.com in: BFU-Saisonrückblick 2014/15].

Wobei Mirko Otto, was in den letzten Jahren in der Art so nicht häufig geschah, diesjährig extra hervorhebt …

“… wie sehr mich die Zusammenarbeit mit den beteiligten Gruppen geflasht hat … der Austausch war auf einer absolut kollegialen, ja fast schon herzlichen Ebene … Umso mehr möchte ich in aller Öffentlichkeit meinen Respekt und ein fettes Danke an alle beteiligten Szenen ausrichten …“ [BFU-Saisonrückblick 2018/19, Vorwort].

Es scheinen zuweilen (wieder?) Wunder zu geschehen in Ultra-Deutschland – inclusive des vielmehr als kleinen ’Exkurses’ der Curva Viola Salzburg -, könnte vermutet werden. Da ist nach wie vor mehr als nur noch plakatives Leben in der Szene. Ja?

Beim BFU-Saisonrückblick bleibt’s auf alle Fälle stabil hochqualitativ – Konzept und Layout zum Vorjahr unverändert, Druckqualität wie immer bestens. Über die beitraglichen Inhalte der 34 beteiligten Ultra-Gruppierungen mag die geneigte Leserschaft selbst ’richten’.

Durch die subjektive Brille betrachtet, erscheint die aktuelle Ausgabe des BFU-Saisonrücklicks bedeutend bildlastiger als in einigen Vorjahren, was mitnichten als Negativum zu sehen wäre.

Und ja, das Titelcover, fast schon berühmt berüchtigt (?) bei BFU-Saisondruckwerken. Das diesjährige ist – gefühlt – fast schon richtige Kunst, so wie es daherkommt, auf alle Fälle ein Hingucker. Aber jenes vom BFU-Rückblick 2016/17? Unerreicht? Unerreichbar? Kunst ist frei, Geschmack ebenso.

“… Wir hören nächstes Jahr an gleicher Stelle sicher wieder voneinander …“ [Mirko Otto, ’Vorwort’ im BFU-Saisonrückblick 2018/19].

… es wäre, zehnjubelartig (?), mehr als bisschen besonders. Zeit für etwas Besonderes dann? Es wird zu sehen sein, einst.

In ’Dealer’-Kreisen des eigenen Vertrauens ist Blickfang Ultra Saisonrückblick 2018/19 zum Preis von 8,90 Euro garantiert nach wie vor erhältlich, 296 Seiten stark. Und stark sowieso, wer’s (noch) versteht – so.

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– Nachschiebsel –

Apropos ’Winterschlaf haltendes Murmeltier’: Erschien der bislang letzte, originäre, Blickfang Ultra (# 45) nunmehr wirklich bereits schon im November 2018 (nofb-shop.de)? Oder täuscht – mittlerweile Ende Oktober 2019 – der dahingehende Augenschein? Fragen über Fragen …