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Steimle – Doktor Stuber kann da wohl auch nicht mehr helfen …

“(…) ’Kraft durch Freunde’ steht in schwarzer Frakturschrift auf dem weißen Untergrund des T-Shirts mit roten Ärmeln zu lesen. ’Kraft durch Freude’ (KdF) hingegen waren ein Werbespruch und gleichzeitig eine Organisation im Dritten Reich (…) Getragen wurde das T-Shirt mit dem abgewandelten Nazi-Werbespruch am Pfingstmontag [2019] vom sächsischen Kabarettisten Uwe Steimle bei einem Besuch des Literaturfestes in Meißen. Hier hat der Künstler bereits seit längerer Zeit engen Kontakt zu dem CDU-Stadtrat Jörg Schlechte (…)“ [Sächsische Zeitung, Print-Ausgabe, 13. Juni 2019].

(’Ina Pompeule’ @ Twitter, 12. Juni 2019, 21:39)

Wohlan denn, Herr Uwe Steimle. Da ist ja nun mittlerweile aus einer quasi kabarettistisch verbrämten Brust (fast?) alles weniger oder mehr anzügliche herauspulsiert – auf (original?) sächsisch gewissermaßen – und sich dabei völlig unschuldig gebend, genossen worden. Chapeau, Kamerad Steimle.

(Twitter, 13. Juni 2019, 13:47)

“(…) Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), konfrontiert mit dem Posting, mag sich nicht so recht festlegen, was er von dem Auftritt seines Mitarbeiters im KdF-Shirt hält (…) Auf die Tagesspiegel-Anfrage wie der Sender den Auftritt im ’Kraft durch Freunde’-Shirt bewertet, erklärte die MDR-Pressestelle: ’Wir bewerten das, was Herr Steimle in unserem Programm tut.’ (…) Steimle sorgt für Quote. Trotz – oder möglicherweise sogar wegen – seiner regelmäßigen rechten Ausfälle (…) Inzwischen hat Steimle keine Berührungsängste mehr mit Rechtspopulisten (…) Steimle selbst verteidigte sein KdF-Shirt in der ’Bild’-Zeitung. Er sagte dem Blatt: ’Ich bin Satiriker! Vermutlich hätte Jan Böhmermann für diesen Spruch einen doppelten Grimme-Preis mit Eichenlaub bekommen.’ Die Debatte um ihn nannte Steimle ’Blödsinn’. Ein langjähriger Freund von ihm, der mit seiner Aussage nicht namentlich zitiert werden will, stellt fest: ’Uwe Steimle entwickelt eine immer größere Nähe zu politischen Kräften der äußersten rechten Seite.’ Der Mann sagt das mit Bedauern. Und Ratlosigkeit.“ [Der Kabarettist Uwe Steimle und seine rechte Mission, Matthias Meisner, Der Tagesspiegel Online, 13. Juni 2019]

(Twitter, 13. Juni 2019, 22:12)

“(…) Uwe Steimle selbst wollte sich nicht äußern. Er gebe derzeit keine Interviews, sagte sein Agent. Zum T-Shirt mit dem offenkundigen Bezug zum Nationalsozialismus erklärte der Chef der Agentur: ’Da steht doch ’Kraft durch Freunde’ drauf.’“ [Steimles neue Provokation, Oliver Hach, Freie Presse Online, 13. Juni 2019]

Post Scriptum

(Screenshots Twitter: O.M.)

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Post Post Scriptum

Der MDR hat ein Problem. Es heißt Uwe Steimle. Der Schauspieler und Kabarettist, vielen noch bekannt als Kommissar Jens Hinrichs aus dem Schweriner Polizeiruf, eckt immer wieder an. Mal sind es verleumderische Gerüchte über Geflüchtete, die er in seiner Sendung “Steimles Welt“ (MDR) zum besten gibt. Mal, wie jüngst, ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Kraft durch Freunde“ – eine Abwandlung des NS-Slogans “Kraft durch Freude“ (…)

(…) “Das hat der Privatmann Uwe Steimle gemacht. Meine Meinung ist, das ist nicht originell. Das ist auch nicht lustig. Aber darüber hinaus, wenn er als Privatmann solche T-Shirts anzieht, warum sollte ich dann Konsequenzen ziehen?“ [MDR Fernseh-Unterhaltungschef Peter Dreckmann].

Zwei Monate vor den Landtagswahlen in Sachsen kann der MDR nur verlieren: Hält er an Uwe Steimle fest, wird er von dessen Kritikern mit Steimle zusammen in die rechte Ecke gestellt. Kündigt er die Zusammenarbeit auf, droht aus dem Lager der Steimle-Fans umso heftigere Kritik. Wohl niemand will Uwe Steimle in dieser Situation zum Märtyrer machen.

[Nadja Mitzkat, “Grenzen der Satire? Der MDR und Uwe Steimle“, ZAPP @ ndr.de, 26. Juni 2019 (Rechtschreibung sanft korrigiert)]

Im Auge des Krah

Gute Freunde kann niemand trennen, lautet eine landläufige Weisheit. Und Freunde stehen einander bei, besonders in der Not. Wenn sie echt sind. Über Kameradschaft hinaus.

Mehr oder weniger sinnhafte Volksweisheiten gibt es ja einige. Zuweilen nicht einmal von Parteigrenzen aufzuhalten. Da ist einer in der FDP, ein anderer nennt die CDU seine politische Heimat. Passiert.

Nun gut, einer der beiden sieht sich eher parteipolitisch unabhängig. So als amtierender Oberbürgermeister der sächsischen Landeshauptstadt.

Der andere wiederum, so munkelt es hier und da, erwarb Meriten beispielsweise bei Tätigkeiten als “weltweiter Anwalt der Piusbruderschaft“ mit “Kanzleisitz in Dresden“ (Alternative Dresden News, 5. August 2011).

Einer der beiden, Dirk Hilbert, hat Aufmerksamkeit. Welche auch immer. Allein aus seiner Position heraus. Der andere wiederum sucht offenbar noch die ihm letztendlich vorhergesehene Beachtung. Hier und da.

“’Lange Wickelröcke sind unmoralisch, weil hässlich’. Diese provokante These vertritt Maximilian Krah, der sich selbst als Vollblutanwalt, Vollblutkatholik und Vollblutvater bezeichnet“ (Katholische Nachrichten, 6. Oktober 2015). Plakativ flach herbeizitiertes Beispiel? Geschenkt.

Möglicherweise sucht der Mann aber einfach nur Freunde. Auch über Parteigrenzen hinweg. Oder politische Gruppengräben überwindend. Letztendlich kennen sich Maximilian Krah (CDU) und Dirk Hilbert (FDP) eventualiter ja sogar. In Dresden ist einiges möglich …

Apropos Pegida: Da war doch mal diese Kathrin Oertel. Eben jene, die nunmehr offenbar als Mitarbeiterin für die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt (Oppa, hol’ die Flaggen vom Boden) arbeiten möchte. Na hallo, Frau Oertel kann ja mal Leute kennen. Und scheinbar auch gekannt werden. Zart geschützt und verteidigte politische Freundesbande hier und da? Wer weiß.

Kann man sich Freunde aussuchen? Also: politische? Und sprachlich sodann wehrhaft füreinander einstehen? Die selbst gewählte Wagenburg per se verteidigen? Ohne sich zu kennen? Fragen über Fragen …

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(Screenshot Twitter: O.M.)

Eine literarische Anleihe? In aller Freundschaft? Politisch verbrämt? “Was er unter Freundschaft zu verstehen habe, erfuhr er nie“ (Heinrich Mann in Professor Unrat). Historisch ohne Zusammenhang? Schade. Aber einen Versuch war es wert.

“Wer sich als Mann an Schönheit, und dazu gehört nunmal ein gewisser Sex Appeal, nicht still erfreuen kann, muss an sich arbeiten“ (Maximilian Krah, a.a.O.). Billig aus dem Kontext gezerrt? Unpolitisch? Hat mit der Frage von Matthias Meisner nichts gemein? Und mit der Krah’schen Antwort noch weniger? Bleibt aber einfach mal so stehen. Wie auch immer. Sei’s drum.

Erbärmlich ist wohl manches. Hier und da. Aber das wäre dann schon wieder eine andere Geschichte. In Dresden. Oder anderswo.

– Nachschiebsel vom 16. Juli –

“(…) Vorwürfe, er sei rechtslastig, lässt er an sich abprallen. ’Ich bin realistisch’ (…)“ [“Der Provokateur“, Maximilian Krah porträtiert von Andreas Weller, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 16. Juli 2016]

– Nachschiebsel vom 19. September –

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(Screenshots Twitter: O.M.)

– Nachschiebsel vom 21. September –

(…) Eine Internetseite, auf der offen zum Austritt aus der CDU aufgerufen wird, und wenige Stunden später ein Fax, das den Abgang offiziell macht: Maximilian Krah hat seinen Unmut über die CDU, ihre Asylpolitik und seinen Austritt zelebriert (…) [Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 21. September 2016]

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(Screenshot Twitter: O.M.)

– Nachschiebsel vom 8. Oktober –

(…) Kürzlich trat Krah mit großem Aplomb aus der CDU aus – nun geht er den logischen nächsten Schritt: “Ich werde nächste Woche den Vorsitzenden des AfD-Kreisverbandes Dresden treffen und mit ihm die Modalitäten meines Beitritts besprechen“ (…) [“CDU-Refugees Welcome“, DER SPIEGEL, 8. Oktober 2016].