MedienScreen # 16 [Dynamo Dresden, Geisterspiel, Versuch eines Resümees]

[Fundstück] Gert ’Zimmi’ Zimmermann, Kolumne “Einwurf“, Dresdner Wochenkurier (Print-Ausgabe), 14. März 2012 –

(…) Der Sonntag gegen Ingolstadt ist in die Geschichte von Fußball-Deutschland eingegangen. Mit viel tiefsinnigem Humor wurde dem allmächtigen DFB gezeigt, dass auch im früheren Tal der Ahnungslosen schon lange nicht mehr alles so geht, wie es die Partei will. Denn die hatte bekanntlich immer Recht. Das haben die Genossen sogar aus voller Kraft gesungen. Allerdings meistens, wenn sie unter sich waren. Diesmal zeigte das Volk mit viel Ironie, was sie von Massenbestrafungen hält.

Ein Rentnerehepaar war genau so begeistert von der Leidenschaft der Dynamo-Anhänger wie die Kleinsten, die auf den Schultern ihrer Väter schon mal das Feindbild, den DFB, kennen lernten. Auf den durfte sogar neben dem Großen Garten in schnell aufgestellten Toiletten einmal für einen Euro Notdurft verrichtet werden. Für einen guten Zweck versteht sich. Die Verrichtung der meisten soll einer Befreiung gleich gekommen sein.

Allerdings war das Gelände sehr Rauch geschwängert. Auch die martialisch dröhnenden Böller sind nicht jedermanns Geschmack gewesen. Hier die Erklärung für die Duldung der Pyrotechnik. Da die Lennestraße in den Bereich der Polizei gehörte und nicht in den Herrschaftsbereich des Fußballbundes, war das Zünden diesmal abgesegnet. Das Vergehen gilt als Ordnungswidrigkeit und könnte mit einem Bußgeld von 35 Euro belangt werden. Musste aber nicht. Hat wer noch Fragen?

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(Foto: O.M.)

[Dieser Beitrag wurde am 14. März 2012 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 15 [Bild und Co. sind eine Gefahr für den ganzen Journalismus]

[Fundstück] “IRRE! Bild und co. sind eine Gefahr für den ganzen Journalismus“, Benjamin Giebenrath für Blickfang Ultra (BFU) im Januar 2012 [BFU # 23] –

Wir, die Redaktion des Blickfang Ultrà, haben die Schnauze gestrichen voll und versuchen uns hiermit an einer Abrechnung mit den sogenannten Kollegen unter der schreibenden Zunft. Wir nehmen uns die Frechheit heraus, Journalisten und Autoren in den Massenmedien als Kollegen zu bezeichnen, was unter den Lohnschreibern wohl für einen Aufschrei sorgen und mit einem spöttischen Lächeln quittiert werden dürfte, doch ist uns das egal. Wir sind Ultras, wir schreiben über Ultras, wir scheren uns nicht um Titel, Regeln oder Konventionen und bilden uns hiermit unsere eigene Wahrheit und erlauben uns diese zu verbreiten. Wir nutzen hierbei die beliebten Stilmittel des Populismus, der Verallgemeinerung und scheren genüsslich und mit hohem Eifer alle über einen Kamm!

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Wir können es nicht mehr mit ansehen, wie Ultrasgruppen nach vermeintlich schlimmen Vorfällen ihre Zeit damit verschwenden, gut und vorsichtig formulierte Stellungnahmen zu verfassen, welche die Wahrheit der Zeitungen und Polizisten in Frage stellen und der eigentlichen Wahrheit recht nahe kommen. Die Schriften erscheinen in Magazinen, Infozines, Fanzines, auf den Blogs und Homepages der Gruppen. Sie haben fast keinerlei Wirkung, werden kaum beachtet und die Zahl der Richtigstellungen in den Massenmedien, die durch einen solchen Text erfolgten, tendiert gegen Null. Was in den Massenmedien geschrieben steht, ist Gesetz und die eigene Wahrheit, da helfen keine Richtigstellungen und Widerlegung der Presseberichte. Zwar mag es sogenannte Journalisten geben, die sich die Texte durchlesen, doch werden sie den Teufel tun, ihren selbst verfassten Artikel, oder den eines sogenannten Kollegen, zu widerlegen. Uns ist egal, was der einzelne sogenannte Journalist denkt, wir sehen nur, was geschrieben wird, wie gegen unsere Bewegung gehetzt und wir alle in einen Topf geschmissen werden. Nutzt eure Zeit anders, hängt mit euren Freunden herum, versucht eure Gruppe weiterzubringen, geht malen, geht kleben, schreibt an euren Magazinen oder feiert in Clubs. Egal was, alles ist sinnvoller, als das verbreiten der eigentlichen Wahrheit, die lediglich von einem Personenkreis angenommen wird, der diese sowieso schon kennt.

Journalisten stigmatisieren und verbreiten entgegen besserem Wissen Lug und Trug! Ihnen ist das egal, sie sehen nicht die Qualität ihrer Texte, sie sehen nicht den Wahrheitsgehalt, sie sehen nicht die Wirkung – sie sehen lediglich die Reaktion ihres Chefredakteurs. Ein gelungener und guter Artikel ist nicht gut oder gelungen, wenn er hohen literarischen Ansprüchen genügt, ist nicht gut, wenn er besonders gut geschrieben wurde, sondern hat einzig und allein seine Daseinsberechtigung, indem er gedruckt wird. Lohnschreiber leben vom Schreiben, es ist ihr Beruf, keinesfalls aber ihre Berufung. In unserem System braucht man Geld zum Leben, was selbst für sogenannte Journalisten gilt, denn diese verdienen durch die Veröffentlichung ihrer Texte! Veröffentlicht wird aber lediglich, was sich verkauft – die Schlagzeile und die Wirkung auf den Leser muss stimmen. Was verkauft sich denn heutzutage besser als Gewalt? Nicht viel und insbesondere die Fußballgewalt scheint eine große Wirkung zu haben, denn sie findet, vermeintlich, im Rahmen von Massenveranstaltungen statt. In den Redaktionen dieser Republik ertönt lauter Jubel, wenn über den Ticker wieder Ausschreitungen aus einem Stadion eintrudeln. Was schreibt sich für diese Zunft denn leichter als ein Artikel über Ultras und Hooligans?

Journalisten betreiben Rufmord und geben ein großes Nichts aus Einzelschicksalen und den Menschen. Ein Artikel über Ausschreitungen bei Dynamo schreibt sich fast von alleine, denn der Journalist kann in diesem Fall nichts falsch machen. Die öffentliche Meinung über Dynamo hat sich im Lauf der Jahre manifestiert. Jeder Artikel, in dem Dynamo-Fans nicht als besoffene Nazischläger dargestellt werden, verwundert den Leser und lässt ihn in allem vom Glauben abfallen. Verliert ein Fußballfan durch eine Aneinanderreihung von schrecklichen Ereignissen einen Arm, so wird nicht der Mensch an sich gesehen, sondern die sogenannten Journalisten versuchen den Menschen in eine Schublade zu pressen, um dem Artikel eine reißerische Note zu verpassen, die dafür sorgt, dass er auch gedruckt und Geld auf das Konto des Lohnschreibers überwiesen wird. “Hooligan verliert Arm“ klingt besser als “Fußballfan verliert Arm“. Die Wirkung der erstgenannten Schlagzeile macht den Leser aufmerksam und sorgt für Gedanken, die nicht das Schicksal des jungen Menschen sehen, der sein Leben lang gezeichnet sein wird, sondern der Leser denkt an einen Hooligan, der durch sein eigens Tun und Handeln selbst schuld an seinem Schicksal ist. Hooligans und Ultras sind für diese sogenannten Journalisten und Leser der Abschaum der Gesellschaft, Streunende Köter, um die es einem nicht leid tun muss, die selber daran schuld sind. Wie können Menschen im sogenannten Journalismus alle Menschlichkeit über Bord werfen und gleichzeitig das Unmenschliche unter Ultras und Hooligans anprangern? Ein Spagat, der wohl nur einem Lohnschreiber und dem hirnlose Gefolge, auch genannt “die Leser“, gelingt, da sie es sich seit vielen Jahren angeeignet haben!

Journalisten sind eines der Rädchen im System. Polizei, DFB, DFL und der Staat betreiben hemmungslosen Lobbyismus und die Massenmedien geben sich dafür gerne her. Gesetze, Maßnahmen, neue Regulierungen werden beschlossen und müssen an den Mann, respektive Fan gebracht werden. Was eignet sich aus Sicht der Regulierer besser als die Verbreitung über die Massenmedien? Eine Meinung wird durch den Lobbyismus an Millionen Empfänger gebracht, der Clou daran ist, dass die Oberen den Wortlaut vorgeben, bestimmen, was verbreitet wird und welche Reaktion dies bei der Öffentlichkeit auslösen soll und der Lohnschreiber, der sogenannte Journalist, spielt da gerne den Lakaien und tippt den Artikel fröhlich in sein MacBook. Egal ob vor der WM 2006 in Deutschland, neue Stadionverbotsrichtlinien, nach ausufernden Polizeieinsätzen oder erst kürzlich bei der Pyrodebatte: Geschrieben wird, was die Oberen haben wollen, sogenannte Journalisten, die ausscheren und sich mit der realen Wahrheit befassen wollen, sind nicht gerade eine große Masse und gehen in dieser unter. Der Fan ist dabei der Dumme und das Versuchsfeld für einen immer neuen Wahnsinn des Staates und der Verbände, deren Regulierungswahn keine Grenzen zu kennen scheint.

Journalisten sind gut organisiert und weit vernetzt. Sie nutzen die modernen Massenmedien, wie Zeitungen und das Internet, um ihre Botschaften, Lügen und Hysterie zu verbreiten. Regelmäßig schwärmen sie aus und begeben sich auf ihren Feldzug gegen aktive Fans und Ultras. Bewaffnet mit Handys, iPhones, Smartphones und MacBooks schlagen sie zu und senden ihre “Wahrheit“ in alle Welt. Ihre treuen und leicht gläubigen Leser lassen sich dabei als weiterer Multiplikator missbrauchen und verbreiten die Inhalte in Form von Kommentaren auf den Homepages der Medien weiter, sie verbreiten diese in sogenannten Fanforen, am Stammtisch oder in Gesprächen auf der Arbeit oder im privaten Umfeld. Der Journalist ist sich dessen durchaus bewusst und arbeitet gezielt daran, die Meldungen so zu formulieren, dass sie der einfache “Manfred“ kapiert und fröhlich weiterverbreiten kann. Schuldig machen sich auch die sogenannten Ultras selbst, welche diese Meldungen in den eigenen Medien, wie beispielsweise ultras.ws, ebenfalls weiterverbreiten und die Inhalte gar noch diskutieren und für bare Münze nehmen. Schämt euch, ihr seid der Abschaum innerhalb des Abschaums und die Lakaien eines Systems, das ihr angeblich ablehnt und bekämpfen wollt. Ihr seid nichts weiter als ein weiterer Teil der hirnlosen Herde, die unserer Bewegung schadet und den sogenannten Journalisten und den Oberen in die Karten spielt!

Der Journalismus an sich wird neben der Judikative, der Exekutive und der Legislative oftmals als die vierte Gewalt eines Staates bezeichnet. Er wirkt meinungsbildend und manipulativ auf seine Nutzer und Empfänger. Unabhängige Medien sucht man in Deutschland leider vergebens, denn diese kommen, im Bereich der Ultraskultur, von den Ultras selbst, die in der Regel, abgesehen von leider wenigen Ausnahmen, auch nur von den Ultras genutzt werden. Ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt und es ist nicht davon auszugehen, dass sich in dieser Hinsicht etwas ändern wird. Wir leben in einer Gesellschaft, die Gewalt zwar ablehnt, diese aber ausübt und gerne begafft, nur um danach seinen Ekel auszudrücken und durch die moderne Medienlandschaft kann sich ein Jeder durch einen Kommentar wichtig machen. Es ist der Moment gekommen, an dem wir uns auskotzen müssen, indem wir populistisch auf den Populismus reagieren, in dem wir mit Verallgemeinerung auf die Verallgemeinerung reagieren, in dem wir die Stigmatisierung durch Stigmatisierung anprangern, in dem wir die Verbreitung von fragwürdigen Inhalten durch die Verbreitung von (für viele sicherlich) fragwürdige Inhalte verbreiten. Wir nutzen unsere Medien, um die Nutzung und den Missbrauch der Medien zu kritisieren. Wir sind Ultras, wir müssen uns vor niemanden rechtfertigen, außer vor uns selbst!

[Dieser Beitrag wurde am 10. März 2012 bei Ostfussball.com publiziert.]

MedienScreen # 14 [Hooligans Elbflorenz, Zeitläufe, Gerichtsrauch]

(…) Schon seit August stehen fünf Männer im Alter von 19 bis 35 Jahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung am Landgericht Dresden – die mutmaßliche Führungsriege der “Hooligans Elbflorenz“. Doch inhaltlich ist die Staatsschutzkammer in der Beweisaufnahme noch nicht weit vorangekommen. Gestern [4. Oktober] flimmerten wieder Videobilder einer Schlägerei bei Obersuhl in Hessen, bei der ein Hooligan der “Brigade Nassau 96“ aus Frankfurt/Main schwerst verletzt wurde. Heraus kam bislang nur, dass Sachverständige zu allen Videos demnächst angehört werden sollen.

Noch immer streiten sich die bis zu zehn Verteidiger mit dem Staatsanwalt, ergreifen jeden Anlass, das Gericht mit Befangenheits-, Aussetzungs- oder Unterbrechungsanträgen zu beschäftigen. Ihre Argumentation ist: Einvernehmliche Schlägereien sind nicht strafbar.

Der Vorsitzende Richter Peter Lames sieht das anders und reagiert in der ihm eigenen Weise (…) erst vergangene Woche gab er den Hinweis, dass die “Hooligans Elbflorenz“ nicht erst vor den Dönerüberfällen in der Neustadt – nach dem EM-Halbfinale Deutschland gegen Türkei im Juni 2008 – sondern im Jahr zuvor in Erscheinung traten. Ein szenekundiger Polizist berichtete von einem “Testmatch“ der Dresdner Hooligans im Juli 2007.

“Die Tendenz ist erkennbar, dass der Tatzeitraum so erweitert werden soll“, vermutete ein Verteidiger. So könnte auch die größte Dresdner Randale der letzen Jahre ins Visier der Richter rücken: Am 28. Oktober 2007 hatten Hunderte Gewalttäter nach einem Dynamo-Spiel gegen Lok Leipzig [*] in der St.-Petersburger-Straße gewütet und Polizisten angegriffen. Zu klären ist nun wohl, welche Rolle die Angeklagten bei diesen schweren Landfriedensbrüchen gespielt haben (…)

[Quelle – “Viel Rauch um nichts bislang im Hooligan-Prozess“, sz-online.de, 5. Oktober 2011]

[*] SG Dynamo Dresden (A) vs. 1. FC Lok Leipzig – Die “Freiheit” der 5. Liga (30. Oktober 2007)

[Dieser Beitrag wurde am 5. Oktober 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

Münchner Merkur köchelt Eintopf Ostfußball

Ostfussball.com möchte aus gegebenem Anlass die werten Damen und Herren beim Münchner Merkur auf diesem Weg ganz einfach nur auf die kleinen – von München aus in den Osten der Bundesrepublik schauend scheinbar kaum wahrnehmbaren – Unterschiede zwischen Elbe und Ostsee, zwischen Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, zwischen Ultras Dynamo und Suptras Rostock und letztendlich zwischen Gelb-Schwarz und Blau-Weiß aufmerksam gemacht haben; sind wir nicht nett? Aber auswärts – und vor allem im Westen der Bundesrepublik – sind sie ja wohl nicht so nett und sowieso alle gleich, diese Ossi-Fußball-Fans, so jedenfalls liest es sich bebildert zusammengefasst beim Münchner Merkur. Merde, da haben wir wohl einiges verpasst, uns im Osten sagt ja auch keiner was.

Aber blind sind wohl eher andere, wenn sie denn Köchin oder Koch beim ’Eintopf Ostfußball’ spielen dürfen …

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(merkur-online.de, 30. September 2011 – Screenshot: O.M.)

Da Ostfussball.com aber mitnichten nachtragend ist, möchten wir – wie bereits vor gut einem Jahr einem damals anderen Adressaten (Abenteuer Fußball im Osten: Stuttgart, Chemnitz und retour) – nunmehr auch den Münchner Merkur freundlich darauf hinweisen, um weitere West-Ost-Missverständnisse bereits vorab möglichst minimieren zu können, dass Soljanka beileibe kein Brauchtumsritual oder gar Paarungstanz und Goldbroiler genau so wenig eine Währungseinheit ist – Helau.

Post Scriptum: Kurz nach 16:30 Uhr wurde vom Münchner Merkur dann die Bebilderung in besagtem Artikel (Löwen-Duell gegen Dynamo als Hoch-Risiko-Spiel) substituiert.

[Dieser Beitrag wurde am 30. September 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

MedienScreen # 13 [Hooligans aus Elbflorenz, Feldforschung vor Gericht]

(…) Deutschland hat am 3. Juni das Qualifikationsspiel für die Fußball-Europameisterschaft in Wien gegen Österreich mit 2:1 gewonnen. Am Rande des Spieles gab es einen weiteren Sieg: Deutsche Hooligans schlugen im wahrsten Sinne des Wortes Gleichgesinnte aus Österreich im Vergnügungspark “Prater“. Rund 60 junge Männer von jeder Nation prügelten aufeinander ein.

“Erst standen sie sich gegenüber und machten sich mit Dehnübungen warm. Dann sind die Fäuste geflogen. Das Ganze dauerte zwei bis drei Minuten. Danach sind alle in Windeseile verschwunden“, erklärte (…) ein Polizist aus Nürnberg als Zeuge im Landgericht Dresden. Der Beamte ist einer von 14 Polizisten in der deutschen Delegation, die die Spiele der Nationalmannschaft begleiten. Den Spuk verhindern konnte er nicht. “Die uniformierten österreichischen Polizeikräfte waren mit rund 500 deutschen Hooligans in der Innenstadt beschäftigt.“ (…)

Ob Hooligans aus Dresden in Wien mitgemischt haben, ist nicht bekannt. Bei den schweren Krawallen am Rande des Länderspiels gegen die Slowakei am 1. September 2005 in Bratislava waren aber 30 Dresdner Hooligans mit dabei, sagte ein szenekundiger Polizeibeamter aus Dresden aus. Es sei zu befürchten, dass es bei der Fußball-Europameisterschaft im nächsten Jahr in Polen und der Ukraine nicht nur Länderspiele auf dem Rasen gibt. Sondern auch ein Kräftemessen zwischen den Hooligan-Gruppierungen der für die Endrunde qualifizierten Staaten, mutmaßte der Nürnberger Polizist.

Seit Ende August verhandelt die Staatsschutzkammer des Landgerichts (…) gegen fünf mutmaßliche Mitglieder der Gruppierung “Hooligans Elbflorenz“ wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Gestern verschaffte sich die Kammer einen allgemeinen Überblick über die Hooligan-Szene in Deutschland und Dresden. Nach den Angaben des fränkischen Beamten hat fast jeder Bundesligist einen Hooligan-Trupp, der sich regelmäßig außerhalb des Stadions zu sogenannten Drittort-Auseinandersetzungen mit den Hooligans anderer Vereine trifft (…)

Auch die “Hooligans Elbflorenz“ sollen bei solchen “Matches“ fleißig mitgemischt haben. Rund 75 gewaltbereite Hooligans gibt es im Umfeld von Dynamo Dresden, dazu 450 zur Gewalt neigende Anhänger, die sogenannten “Ultras“. Die meisten “Ultras“ seien politisch dem linken Spektrum zuzuordnen. Eine Untergruppierung namens “Faust des Ostens“ stehe aber dem rechtsextremen Lager nahe, so der Dresdner Beamte.

(…) Der Prozess wird voraussichtlich bis ins Frühjahr 2012 fortgesetzt.

[Quelle – “Dynamo-Hooligans: Problemfall in der Liga und bei Länderspielen“, Dresdner Neueste Nachrichten, 29. September 2011]

[Dieser Beitrag wurde am 29. September 2011 bei Ostfussball.com publiziert.]

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