Archiv der Kategorie: GhostsWords

US-Wahl 2016, Simpsons 2000

Niemand soll sagen, es nicht gewusst haben zu können …

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(Screenshot Twitter: O.M.)

Am 19. März 2000 wurde die Episode “Bart to the Future“ ausgestrahlt. Darin wird Bart Simpson von einem Indianer die Zukunft prophezeit: Während Bart als Rockstar unterwegs ist, wird seine Schwester Lisa Simpson im Oval Office als erste Präsdentin der USA gezeigt. Sie erkundigt sich nach den Staatsfinanzen und wird darüber informiert, dass ihr Vorgänger Donald Trump die USA in die völlige Pleite geführt hat (antenne.com, 9. November 2016).

“Es ist mit dem Leben wie mit den Prophezeiungen, man versteht sie erst, wenn sie erfüllt sind“ (Wilhelm Kreiten).

Mein Name ist Kindermann, René Kindermann …

… und ich bin ein ’Star-Moderator’. Schreiben zuweilen manche Medien. Gerade jetzt. Dafür kann ich gar nichts. Ich bin da unschuldig. Die anderen schreiben es: ’Beliebter TV-Mann’. Ja, beim Mitteldeutschen Rundfunk, dazu stehe ich. Und na ja, bekannt bin ich schon. Ein bisschen? Wie die Sendeanstalt. Weltbekannt. Und darüber hinaus. Mein Name ist Kindermann, René Kindermann.

Und ich bin unschuldig. Soll es aber nicht sein. Behaupten die anderen. Oder soll ein Blitzerfoto zeigen. Angeblich. Vom Mai 2015. Aus einer Tempo-30-Zone in Dresden. Dabei ist das Headquarter des MDR in Leipzig. Seit gefühlten Lichtjahren schon. Das weiß doch wohl jeder. Weltweit. Außerdem trägt der mit 55 Kilometern in der Stunde geblitzdingste Fahrer eine Sonnenbrille. So was steht mir doch gar nicht. Auch das wird weltweit bestätigt werden können. Und darüber hinaus.

Die amtierende Richterin am Amtsgericht Dresden meint nun, sie würde auf dem Blitzdingsfoto da schon eine gewisse Ähnlichkeit erkennen. Beim dokumentierten Fahrzeugführer. Also quasi mit mir. Behauptet sie. Wegen irgendwelcher irgendwie sichtbarer Geheimratsecken. Habe ich etwa angehende Geheimratsecken? Ich?

Ihr Völker der Welt und darüber hinaus, schaut nicht weg. Schon wurde einen Gerichtstermin lang hin und her verhandelt. Der Prozess wird fortgesetzt werden müssen. Es geht um viel. Als Strafe steht ein Punkt in Flensburg im Raum. Plus 80 Euro Bußgeld, in Worten: achtzig!

Mein Name ist Kindermann, René Kindermann. Und kann mir mal bitte jemand dieses Crowdfunding etwas näher erklären?

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(Scheint selbst gern genau hinzuschauen. René Kindermann im Rudolf-Harbig-Stadion, Dezember 2014 – Foto: dehli-news.de)

– Nachschiebsel vom 2. September –

(…) Wegen eines Punkts in Flensburg und eines Bußgelds von 80 Euro streitet sich der MDR-Reporter und Riverboat-Talkshow-Moderator René Kindermann seit zwei Wochen vor dem Amtsgericht Dresden (…) Am Donnerstag [1. September] war er trotz Ladung nicht erschienen. Die Richterin verdonnerte ihn dazu, zum nun dritten Sitzungstermin persönlich anwesend zu sein (…) [Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 2. September 2016].

– Nachschiebsel vom 17. September –

(…) Freitag, 7.45 Uhr, Amtsgericht Dresden. Kommt er oder kommt er nicht? Richterin Daniela Lindemann und die Dresdner Tagespresse warten. Doch von MDR-Talker René Kindermann und seinem Anwalt Sylvio Schiller aus Berlin fehlt um diese ungewöhnlich frühe Stunde jede Spur (…)

(…) An diesem Freitag [16. September] ist Kindermann bereits zwei Tage verheiratet. Wir leben wirklich in schnellen Zeiten. Der frisch Vermählte hat jetzt anderes zu tun. Im Gericht erscheint er nicht. Später ist zu erfahren, er habe seinen Einspruch zurückgenommen. Kindermann wird das Knöllchen zu zahlen haben – und die Verfahrenskosten [“Schneller MDR-Talker“, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 17. September 2016].

MDR: Kniend vor Mateschitz

Wir erinnern uns, was bisher geschah – Edgar wollte eigentlich Rasen mähen …

Aber der Rasen um das heimatliche Häuschen war trotz des zeitigen Frühlings anno 2014 doch noch nicht ganz so weit gediehen, jedenfalls redete sich das Eddi – von seinen Freunden immer noch so genannt – ein und außerdem wollte er sich gerade zum Osterfest nicht dem Fron der Gartenarbeit unterwerfen, schließlich dauert die Saison noch ein wenig. Zudem hatte Edgar ein wenig Sorgen mit seinen Erinnerungen an den ostersamstäglichen Nachmittagsschoppen in Grohmann Siggi seinem Getränkestützpunkt. Was war da noch gleich, grübelt er leise vor sich hin. Nach einer Hülse aus der regionalen Bierproduktion ist ihm gerade irgendwie noch nicht wieder so, also brüht Eddi sich einen starken Kaffee, zündet sich ein Zigarettchen an und versucht sich zu erinnern …

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(Foto: O.M.)

Samstag Nachmittag, sinniert Edgar, eine vor sich hin philosophierende Plauder-Runde der älteren Jahrgänge saß wegen der etwas kühleren Luft in der gemütlichen Stammtisch-Ecke im Getränkestützpunkt vom Grohmann Siggi gleich um die heimatliche Ecke. Auf dem Flachbildschirm an der Wand wurde ein Fußballspiel gezeigt, eine Übertragung der als heimatlich bezeichneten Drei-Länder-Sende-Anstalt. Bei “Anstalt“ kicherte Eddi kurz leise vor sich hin, dachte an den Uralt-Joke “Mit Deiner Rente“ und seine Erinnerungsbilder werden etwas deutlicher.

Ob der weltpolitischen Ereignisse und der darüber hinaus philosophisch sowieso diskussionswürdigen Untiefen des Alltags hatte zunächst kaum einer der Anwesenden der Fußballübertragung Aufmerksamkeit geschenkt. Bis jemand immer wieder mit dem Finger in Richtung Bildschirm stocherte und etwas rief wie: ’Schaut mal, einer wie wir, den zeigen die öfters im Bild, der muss wichtig sein.’ Einer in unserem Alter wichtig? – Die Frage stand plötzlich irgendwie im Raum beim Grohmann Siggi im Getränkestützpunkt und die Runde am Stammtisch philosophierte nicht mehr vor sich hin, sondern wandte sich mehr und mehr dem Geschehen der Fernsehübertragung zu. ’Da, da is’er schon wieder’, bemerkte einer. Und kurz darauf fast schon im Chor bei der Ansicht einer gezeigten Totale auf dem Flatscreen: ’Jaaa, einer wie wir’. ’Naja’, schob jemand hinterher, ’jedenfalls so alt wie wir’. ’Aber bedeutend besser aussehend’, wurde in die Runde gemurmelt. Und wichtig schien er zu sein, der Mann da im TV, der Sender verpasste ja fast das Spiel auf dem Rasen.

Dann war erst einmal Halbzeit und der smart adrette Reporter – ’Der war am Anfang so richtig mutig und hat direkt aus dem Fan-Block heraus moderiert, da nannten sie ihn René’, gab einer aus der Renter-Runde seinen Wissensvorsprung preis – bettelte wie blöde vor der Kamera um ein Interview mit dem, der einer von uns hätte sein können, erinnert sich Edgar nunmehr deutlich. Auch ein Name schwirrte da schon durch Grohmann Siggi seinen Getränkestützpunkt: Vom Didi war die Rede, Mateschitz, Dietrich Mateschitz – Eddi’s Gedächtnis war wieder up to date.

Das ist gut so, denn Edgar wird sich augenblicklich klar, dass er seinem Enkel nie davon erzählen würde. Denn es wurde laut und lauter in Grohmann Siggi seinem Getränkestützpunkt. Jemand hatte die Parole ausgegeben, immer wenn ’der Didi’ gezeigt wird, dann gibt’s eine Runde. Und es folgte Runde auf Runde. Das Geschehen auf dem Rasen wurde zur Nebensache, so wie für die berichtende Sendeanstalt scheinbar fast auch. ’Ho ho, wieso Berichterstattung?’, hatte einer auf die Bemerkung hinsichtlich ’öffentlich-rechtlicher Bildungsauftrag’ noch versucht einzuwerfen. ’Ist das noch Personenkult oder schon Heldenverehrung?’, kam es aus einer anderen Ecke des Stammtisches.

Letztendlich – ’Da ist der Didi noch mal, Prost! Prost! Prost!’ – war stammtischübergreifendes Schmunzeln angesagt, als der Trainer der unterlegenen Mannschaft von SV Darmstadt 98, Dirk Schuster, später dann bei Sport im Osten vor laufender MDR-Kamera “Red Bull“ zum Sieg auf dem Rasen gratulierte. ’Heißen die offiziell nicht RasenBallsport oder irgendwas mit Roten Bullen?’, kicherte die ansonsten gepflegt philosophierende Plauder-Runde kurzzeitig eher unphilosophisch vor sich hin.

Eddi ist sich allerdings ziemlich sicher, dass auch noch Bemerkungen gefallen waren, an die man sich wohl besser nicht erinnern und widergeben sollte, jedenfalls nicht öffentlich. Außer unter einem öffentlich rechtlichen Deckmantel vielleicht, grinst Edgar in sich hinein. Aber auch dieser Deckmantel gefällt ja nicht allen, wie er letztens lesen musste – “Schlimm übrigens auch zu sehen, wie unkritisch die ostdeutschen Medien mit diesem Kunstprodukt umgehen. Dass sich die mitgereisten MDR-Journalisten nach dem Spiel nicht noch auf Knien den Verantwortlichen näherten, war auch schon alles.“

Nö, alles war das doch lange nicht, schmunzelt Eddi, gerade eben kurz die News auf seinem kürzlich erworbenen Smartphone checkend, es geht immer noch etwas mehr darnieder kniend beim MDR

“… Dietrich Mateschitz. Der Red-Bull-Gründer war zum ersten Mal auf der Tribüne in Leipzig. Mit seiner Freundin Marion Feichtner. In roten Sesseln. Leger gekleidet … Mateschitz wirkte heiter und entspannt. Er hat gesehen wie seine nächste Idee aufgeht. Der Mann kommt vor Lachen überhaupt nicht mehr in den Schlaf. Mit einem Getränk Milliardär zu werden, das keiner braucht, ist ein geniales Meisterstück. In der Forbes-Liste wird er mit einem Vermögen von 9,8 Millarden US-Dollar bewertet. Als 127-reichster Mensch der Welt. Als reichster Österreicher. Er organisierte Vettel die Formel-1-Weltmeisterschaften. Und nun ist der Fußball dran. Die Kritik an seinem Modell wird nie verstummen. Das weiß Mateschitz. Aber der geniale Vermarkter kämpft nicht gegen die Kritiker, er kämpft darum, Freunde zu gewinnen …“

Nun, da der zurückliegend nachmittägliche Abend in Grohmann Siggi seinem Getränkestützpunkt wieder klar vor seinem inneren Auge liegt – die Runde war mit der Gewissheit, dass ’Didi’ keiner von ihnen und ein Freund schon gar nicht ist, auseinander gegangen – verspürt Edgar sogar wieder einen leichten Appetit auf eine Hülse aus der regionalen Bierproduktion. Und dieser Dietrich Mateschitz, René Kindermann vom MDR und der Mitteldeutsche Rundfunk als solcher sowieso – what ever … ciao.

Eddi ist sich sicher, es wird den Tag geben, da er seinem Enkel davon erzählt.

[Dieser Beitrag wurde am 21. April 2014 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Polizei feat. Ultras?

Wir erinnern uns, was bisher geschah – Edgar wollte eigentlich Rasen mähen …

Das Jahr 2014 ist erst wenige Tage alt und obwohl die Temperaturen im Außenbereich eher Frühling statt Winter vorgaukeln, ist trotzalledem natürlich mitnichten an eine rasenmäherische Aktion im heimatlichen Gärtchen zu denken.

Und so beschließt Eddi – von seinen Freundinnen und Freunden nach wie vor so geheißen – sein bislang schon durchaus umfangreiches Archiv zum Zeitgeschehen ein wenig zu ordnen und über den Jahreswechsel liegen gebliebene Fundstücke entsprechend einzusortieren. Vielleicht muss er ja auch seinem Enkel irgendwann wieder einmal bei den Hausaufgaben helfen. Und außerdem macht es Spaß, denkt Edgar so vor sich hin, seine papieren gefüllte Ordner-Ansammlung mit einem Blick streifend. “Ach ja, old school“, seufzt Edgar leise.

Klar hat Eddi längst auch die elektronischen Medien entdeckt und mit der Zeit Schritt für Schritt für sich erschlossen, zuweilen mit tatkräftiger Hilfe seines Enkels. “Ha ha, von wegen old school. Die Racker von heute denken ja glatt, das wäre nur mit ’alt’ zu übersetzen. Na, wenn die wüssten“, brummelt Edgar und fährt nebenbei seine liebevoll gepflegte Rechentechnik in ihren Betriebszustand hoch. Eddi besorgt sich aus den Tiefen seines kleinen Hauses noch eine Hülse aus der ostregionalen Bierproduktion, zündet sich eine Zigarette an und beginnt seine Archiv-Ordner aller Art zu bearbeiten.

“Och, was die Tage alles so passiert“, murmelt Edgar, “ist doch eigentlich gerade rasenfußballerisch freie Zeit jetzt“. Seine Recherche-Reise geht nun kalendarisch noch weiter zurück. Und da Eddi ein durch und durch offener Mensch ist, endet die Welt dabei für ihn keinesfalls am Lattenzaun seines kleinen erdenen Grundstücks.

Aber so viel Zeit hat Edgar heute eigentlich gar nicht für seine archivarische Tätigkeit. Einige Leutchen warten – gerade bei diesem Wetter – garantiert noch am Getränkestützpunkt vom Grohmann Siggi um die Ecke auf eine vor sich hin philosophierende abendliche Plauder-Runde. Und Rasen gibt es ja gerade sowieso keinen zu mähen.

Edgar lässt noch einmal kurz seinen Blick schweifen, bevor er zu Grohmann Siggi seinem Getränkestützpunkt aufbrechen will. “Was ist denn das hier?“, murmelt er. Irgend so eine Pressemitteilung der Polizei zu einem längst zurück liegenden Oberliga-Spiel in Baden-Württemberg. “Ausschreitungen bei SSV Reutlingen gegen Karlsruher SC II“, überlegt Eddi, “muss mir das jetzt unbedingt etwas sagen?“. Och nö, ab damit in den Rundordner für zeitgeschichtliche Abfälle und gut ist der Abend. Da bleiben die Augen von Eddi plötzlich an einer Ansage in der polizeilichen Pressemitteilung hängen –

Informationen und Hintergründe zum Thema Ultra, Ultras und Hooligans finden sich auf http://www.ultras.ws. [Polizeidirektion Reutlingen – Pressemitteilung – 25. November 2013 – Stand: 14.15 Uhr]

Edgar schmunzelt vor sich hin: “Ach, die Welt ist aus den Fugen. Jetzt macht schon die Polizei Werbung für Ultras und Hooligans, so was aber auch“. Eddi versteht, wie offenbar die Polizei ebenso, einige der sich immer wieder im öffentlichen Sprachgebrauch vermischenden Betitelungen zwar auch nicht so recht, schüttelt aber immerhin nachdenklich seinen Kopf und fragt sich leicht irritiert: Dürfen die so was überhaupt, also die Polizei, so mit einem quasi werbenden Verweis auf einer offiziellen Pressemitteilung? Ist das nicht fast schon kommerzielles Sponsoring?

Was würde wohl der scheinbar medial allmächtige Law-and-Order-Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, dazu sagen? Obwohl, Herr Wendt sei ja mit dem Adjektiv “unsympatisch“ noch gut bedient – wie Eddi beim weiteren Aufräumen seines Archivs in der Ausgabe 12/2013 der Zeitschrift konkret nebenbei lesen konnte.

Fragen über Fragen schwirren wie lautlos durch den Raum. “Aber jetzt“, sagt Eddi zu sich selbst, seine vorerst letzte Zigarette ausdrückend und die heimatliche Rechentechnik herunter fahrend, “geht es erst einmal zur abendlichen Runde beim Grohmann Siggi“. Der Rasen muss sowieso noch warten …

Post Scriptum: Ultras.ws wollte zu dieser “spaßigen Causa“ kein darüber hinaus gehendes Statement abgeben. Die Polizeidirektion Reutlingen sowie Herr Rainer Wendt wurden nicht nachgefragt – warum auch? “Die Wahrheit ist immer konkret“ (Lenin).

[Dieser Beitrag wurde am 10. Januar 2014 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

RasenBall-Fans: Peinlicher geht immer

Wir erinnern uns, was bisher geschah – Edgar wollte Rasen mähen …

Der Rasen musste nicht lange warten und Eddi – von seinen Freunden immer noch so genannt – hatte auch sonst genügend zu tun, von wegen Rentner haben niemals Zeit.

Vor allem während der gärtnerischen Saison kam er nur selten dazu, dem sonnabendlichen Sport im Osten beim MDR eine Chance zu geben.

“Ach, der MDR“, murmelte Edgar öfter vor sich hin, wenn er in seinen Beeten werkelte oder wieder einmal den Rasen mähte. “Mit Deiner Rente, so verballhornen die Leute das Senderkürzel, das ham’ die aber nicht wirklich verdient.“ Was er nun damit genau meinte, wurde aus seinem Gemurmel allerdings nie so richtig deutlich.

Fast ein Jahr war unterdessen ins Land gegangen, viel Wasser die Elbe und die Pleiße seitdem hinabgeplätschert, als Eddi sich damals fragte, ob die Sendung Sport im Osten nicht auch schon einmal besser und der Fußballsport als solcher noch früher nicht irgendwie ehrlicher war, wenigstens ein bisschen?

Und er hat oft nachgedacht, über den Fußball in seiner Region und auch den MDR. Aber das mit dem MDR würde er nie zugeben, nicht einmal in der trauten – durchaus zuweilen weise vor sich hin philosophierenden – Rentner-Runde bei Grohmann Siggi seinem Getränkestützpunkt um die Ecke.

Nun ist es fast schon wieder Herbst und Sonnabend, die Gartenarbeit im Großen und Ganzen getan. “Vielleicht einen Rasenschnitt noch?“, überlegt Edgar vor sich hin. Und beschließt dann, doch wieder einmal bei Sport im Osten ’reinzuschauen. Wer weiß, wer weiß?

Aber etwas Zeit bleibt noch, zumal er seinem Enkel versprochen hat, ihm bei dessen Hausaufgaben ein wenig zu helfen. Schließlich soll ja der Junior nächste Woche eine gelungene Arbeit rund um das Thema ’Peinlichkeiten’ in der Schule abgeben. Und versprochen ist versprochen, so als Ehrenwort zwischen Opa und Enkel – aber pssssst.

Ganz old school – ja, auch Eddi hat eine Vergangenheit – greift der Fußball-Opa nach dem sechzehnten Band der Brockhaus Enzyklopädie und findet an entsprechender Stelle Schlagworte wie ’unangenehm’ und ’beschämend’. “Naja, das Gelbe vom Ei ist das nun aber noch nicht“, nuschelt Edgar vor sich hin.

Also auf ins Internet, denkt sich Eddi, die wissen dort doch immer alles. Jedenfalls soll man einiges in diesem WorldWideWeb finden können, hat er von seinem Enkel gehört. Und Dank dem schnellen Anschluss, den sein Enkel wohl auch eigennützigerweise in Edgars Häuschen eingerichtet hat, flutschen die Daten nur so über den Bildschirm.

Erst vergaloppiert sich Eddi virtuell ein wenig, alldieweil der kleine Racker als Browser-Startseite Ostfussball.com eingerichtet hat. “Wie kann ich das nur ändern?“, grübelt Edgar, amüsiert sich aber nebenbei dortselbst erst einmal über die Diskussion um einen 11Freunde-Artikel zum RasenBall-Verein aus Leipzig.

“Vielleicht sollte ich doch wieder öfter Sport im Osten schauen, die scheinen den Verein ja richtig zu mögen“, murmelt Eddi erstaunt vor sich hin. “Aber Red Bull?“ – Edgar schüttelt den Kopf und schielt nach einer Hülse aus der regionalen Bierproduktion. “Mal langsam“, sagt er für sich, “Sport im Osten fängt noch lange nicht an, erst kommt der Enkel“. “Und vielleicht später dann eine Hülse“, kichert er noch leise hinterher.

“Also weiter durch dieses Internet“, murmelt Eddi, drückt seine Zigarette im Aschenbecher aus und lässt die Finger auf der Tastatur spielen. “Vom Enkel lernen, heißt siegen lernen“, spricht er sich dabei selbst Mut zu. Aber auch Wikipedia liefert auf die fingerfertig bezügliche Suchanfrage von Edgar nur pseudoerklärende Stichworte wie ’sehr unangenehme Belästigung’.

Edgar denkt an seinen Enkel, denkt an die abzuliefernde Hausarbeit des Juniors – Eddi mag nicht aufgeben, schließlich ist noch ein Quentchen old school in ihm lebendig.

Hoppla, was ist das denn? Edgar stutzt. Irgendwie muss er auf der Tastatur abgerutscht sein, ein zweites Fenster in seinem Browser hat sich wie von Geisterhand geöffnet. Ein Schnappschuss aus irgend so einem Ultra-Forum flimmert plötzlich auf seinem Bildschirm –

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(Screenshot: ultras.ws)

“Sind das nicht die lustigen Anhänger von diesen RasenBallsportlern aus Leipzig letztens im Stadion von Osnabrück?“, überlegt Eddi. Und er denkt an die Hausarbeit seines Enkels. “Na, wenn das nicht peinlich ist“, murmelt er leise vor sich hin.

Die schulische Arbeit des Enkels scheint gerettet. Edgar lehnt sich leicht zurück, tastet nach einer Hülse, seufzt leise, da er noch mehr Hülsen aus der regionalen Bierproduktion im Hause weiß – aber kein Red Bull. Seine Recherchen zur Hausarbeit wird Eddi dann seinem Enkel später via E-Mail schicken, das ist für ihn mittlerweile kein Problem mehr.

“Davon werden noch die Kinder seiner Kinder erzählen“, grinst Edgar in sich hinein. “Oder vielleicht wird davon auch gar nichts groß übrig bleiben, wenn’s dann das Zeug die Pleiße hinab gespült hat irgendwann“, klingt seine Stimme nachdenklich. “Die Kinder deiner Kinder kennen deinen Namen schon nicht mehr“, melodiert es wie zufällig leise nachhallend aus den Lautsprecherboxen durch den kleinen Arbeitsraum im beschaulichen Häuschen.

Aber jetzt gleich läuft erst einmal Sport im Osten über den Bildschirm. Eddi will es wissen. Er hat die Fernbedienung schon in der Hand. Edgar denkt an seinen Enkel, grübelt über Peinlichkeiten – und schaut trotzdem MDR.

Leise summt Eddi vor sich hin: The Times They Are a-Changin’ …

[Dieser Beitrag wurde am 21. September 2013 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]