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Champions League East?

Königsklasse als solche ist die Sache von MeyView.com nicht unbedingt. Also, rasenballsportlich betrachtet. Ansonsten außenorientiert sich MeyView.com schon gern mal. Hier und da. In vielerlei Hinsicht. “Ach, selbst das weiseste Sprichwort irrt: Nicht alles ist Gold, was geschwiegen wird“ (Oscar Blumenthal). Auch über den eigenen flachen Tellerrand hinaus.

Gewisse Fixation ist eines, weiterschweifende Kimmung etwas anderes. Beispielsweise in die wahre Champions League, wie landläufig nach wie vor behauptet wird, fußballerisch gesehen. Wie stehen da so die Aktien? Wen’s interessiert. Und wer spielt wann gegen wen? “Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ (Otto Rehhagel). Whatever.

Aber lesen bildet. Und kann träumerisch Horizonte weiten. Über lang oder kurz. Wer weiß? Sol lucet omnibus …

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(Screenshots Twitter: O.M.)

n-tv raucht rot-weiß

Wenige Wochen nach der UEFA EURO 2016 erfreut sich der geneigte Fan nun wieder am regionalen Fußball. Und auch noch Tage nach dem Start der diessaisonalen 3. Liga über kompetente Berichterstattung. Beispielsweise aus Erfurt.

Im Steigerwaldstadion spielten zum Saisonauftakt FC Rot-Weiß Erfurt und Hallescher FC (0:3). Vereinsfarbenmäßig quasi rot-weiß gegen rot-weiß. Aber fußballsportliche Auswärtsspielkleidung gibt es ja nicht erst seit vorvorgestern, Verwechslungsgefahr auf dem Rasen also ausgeschlossen. Den Rängen blieben andere Spielchen vorbehalten. Die pyrotechnische Rauchentwicklung musste natürlich näher beleuchtet werden.

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(n-tv, 30. Juli 2016 – Screenshot: O.M.)

Im darüber gezeigten Foto wabert tatsächlich farbiger Rauch. In rot-weiß. Irgendwo im Steigerwaldstadion. Und Hausherr ist dort gleich nochmal wer …

n-tv_ba_30_07_16… wie das Fotofragment aus der Darstellung zur Betitelung zeigt, wohl der Hallesche FC. Irgendwie. Jedenfalls bei n-tv.

Aber eventualiter war des rot-weißen Nebels auch nur zuviel. Kann einem selbsternannten Nachrichtensender dann schon mal passieren. So im Rauchrausch der Farben des eigenen Senderlogos.

Werte Nachrichtensendler, ihr hättet vielleicht nebenbei auch einfach nur mal ein Fenster aufmachen müssen …

“Die Gästefans aus Halle zeigten eine Kurvenshow aus roten und weißen Luftballons im Gästeblock. Dazu wurde der Spruch ’Rot und Weiß ist heiß’ präsentiert. Diese Botschaft wurde zudem mit rotem und weißem Rauch untermalt“ (faszination-fankurve.de, 30. Juli 2016).

Faustrecht des Ostens?

Fast augenblicklich – nachdem ein Nazi-Mob seine Spur durch Connewitz gezogen hatte – verlautbarte inmitten Leipziger Allerlei-Ansagen die zuständige Polizeidirektion, hernach am 11. Januar dieses Jahres Festgesetzte des rechten Spektrums seien “aufgrund mitgeführter Utensilien dem Fußballfanklientel zuzuordnen“. Aus der kürzlich erfolgten Antwort von Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 6/3840) der Linken-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz geht hervor, dass 147 Personen – und damit ein Großteil der insgesamt 215 Beschuldigten – keinen erkennbaren Fußballbezug haben.

Mithin befänden sich unter den Verdächtigen vier mutmaßliche Fans des FC Rot-Weiß Erfurt, zwei vom FC Carl Zeiss Jena sowie jeweils einer des Halleschen FC, Chemnitzer FC und von RasenBallsport Leipzig. Den Hauptteil mit 41 Beschuldigten rechnet das Innenministerium der Fanszene des 1. FC Lok Leipzig zu. Sechs davon sollen der als aufgelöst geltenden Gruppierung Scenario Lok angehören. Dem Umfeld von Dynamo Dresden werden 16 Verdächtige zugeordnet, darunter sechs von der Faust des Ostens. Gegen alle Beschuldigten wird wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt.

Nach letzten behördlichen Angaben umfasste vor gut einem Jahr die Faust des Ostens rund 40 Mitglieder. Im Mai 2013 bezifferte Oberstaatsanwalt Jürgen Schär noch mehr als 100 Beschuldigte im Verfahren gegen die Gruppierung aus dem Umfeld des amtierenden Drittligisten Dynamo Dresden.

Die Sächsische Zeitung stellt nunmehr aktuell fest, Mitglieder der Faust des Ostens “konnten sich möglicherweise nur deshalb an den Ausschreitungen vom 11. Januar in Leipzig-Connewitz beteiligen, weil sie noch nicht verurteilt sind“.

Nach Recherchen der Zeitung liegt seit 19. Juli 2013 eine Anklage gegen fünf mutmaßliche Faust des Ostens-Rädelsführer bei der Staatsschutzkammer am Landgericht Dresden. “Bisher wurden nur einige wenige Mitglieder der Vereinigung als Einzeltäter bestraft. Mehrere Verfahren wurden an die Generalstaatsanwaltschaft abgegeben. Was aus ihnen wurde, konnte am Freitagnachmittag [12. Februar] in der Behörde nicht geklärt werden“ (Sächsische Zeitung, 15. Februar).

Dieser Sachverhalt lässt Reporter Thomas Schade resümieren: “Wäre es in allen Verfahren zu Verurteilungen gekommen, stünden die meisten Hooligans unter Bewährung und müssten möglicherweise in Haft, wenn sie weiterer Straftaten überführt würden.“

Staatsanwaltlich offiziell wird gegen die Faust des Ostens seit Juni 2012 ermittelt.

Live-Fußball: 3, 2, 1 … MDR

Manche Zuschauerin und mancher Zuschauer mag sich doch etwas verwundert die Augen gerieben haben, als die Live-Bilder von der Begegnung FC Rot-Weiß Erfurt gegen RasenBallsport Leipzig über den heimatlichen Bildschirm flimmerten oder via Livestream auf dem Bildschirm des Rechners zu sehen waren. Aber warum?

Ja, da waren Menschen zu sehen. Fußballerisch beschäftigte Menschen auf dem mehr oder weniger grünen Rasen des Steigerwaldstadions – und zuschauende Individuen auf den Traversen. Sogar ziemlich gut besucht war augenscheinlich diese Begegnung in der 3. Liga am 8. Februar in Erfurt, wenn denn den Live-Bildern zu trauen war. Aber wem kann heute schon noch vorbehaltlos getraut werden …

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(Erfurt, 8. Februar 2014 – Foto: YouTube.com)

Und so sucht sich der informationshungrige Mensch der heutigen Zeit gern noch eine zweite Quelle, um vielleicht wenigstens annähernd Gewissheit zu erlangen, oder sich eben einfach nur mehrquelleninformiert eine eigene Meinung von den Geschehnissen bilden zu können. Beim Stand von 2:0 für die rasenballerischen Red-Bull-Artisten ist das Spiel gegen Ende sowieso so gut wie gelaufen, da lohnt sich vielleicht nebenbei – quasi mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus – auch einmal ein Blick auf die blanke Statistik der Begegnung.

Erstaunlicherweise erblickte da der geneigte informationshungrige Mensch, die Live-Bilder des MDR aus Erfurt noch vor dem inneren Auge, neben dem Ticker zum Spielverlauf, den Aufstellungen der beiden Mannschaften und den Torschützen auch eine doch etwas ominös erscheinende Zahl, nämlich die der Zuschauer …

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(Screenshot: O.M.)

… der Mitteldeutsche Rundfunk live ist schon etwas ganz Besonderes.

“RW Erfurt hat das mitteldeutsche Derby gegen Aufsteiger und Neuling RB Leipzig verloren. Vor der Saisonrekordkulisse von 11.240 Zuschauern siegten die Messestädter im Steigerwaldstadion mit 2-0 und kamen damit zu ihren ersten Punkten im neuen Jahr“, so die News auf rot-weiss-erfurt.de – und mittlerweile stimmte dann auch bei mdr.de die Zuschauerzahl.

Gut, dass dem MDR so ein kleiner Lapsus zum ersten Mal passiert, ansonsten könnte ja die gebührenzahlende mitteldeutsche Seh- und Hörgemeinde leicht noch mehr verwirrt werden …

[Dieser Artikel wurde am 9. Februar 2014 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Rot-Weiß Erfurt gegen Dynamo Dresden: Ost-Klassiker geht anders

Gerade einmal offiziell 8.858 Zuschauer wollten am 16. Oktober 2010 die Begegnung des 12. Spieltages in der 3. Liga zwischen dem FC Rot-Weiß Erfurt und der SG Dynamo Dresden im altehrwürdigen Steigerwaldstadion miterleben, mithin eine Partie, die durchaus in der Rubrik Ost-Derby firmiert. Im Vorfeld des Aufeinandertreffens beider Mannschaften hatten die Ultras Dynamo aufgrund der Erfurter Preispolitik bei den Eintrittskarten zu einem Boykott des Dresdner Auswärtsspiels aufgerufen, dem sich zahlreiche Fan-Gruppierungen anschlossen. Während am Rand der Begegnung die Zahl der letztendlich angereisten Dynamo-Anhänger auf 1.800 beziffert wurde, schrieb einen Tag später die Morgenpost von “1.500 Dresdner Fans, die trotz Boykotts nach Erfurt gekommen waren“.

(…) Natürlich hätte man sich weniger gewünscht, aber in den letzten vier Spielzeiten hat Dynamo immer zwischen 3.000 und 4.000 Fans nach Erfurt mitgebracht, obwohl da auch Freitagsspiele dabei waren. Von daher ist das schon im Rahmen der Erwartungen (…) [ultras.ws-Forum, 16. Oktober, 16:40]

In der Anfangsphase der Partie war der Dresdner Anhang dann durchaus noch im Steigerwaldstadion zu vernehmen. Allerdings kann dies auch daran gelegen haben, dass die Erfordia Ultras bis zur exakt 30. Spielminute einen fast durchgehenden akustischen Stimmungsboykott vollzogen, optisch artikuliert durch lediglich zusammengerollte oder verkehrt herum hängende Flaggen am Zaun und beispielsweise ein Banner mit der Aufschrift “Nischelmann sei Dank bleibt die Choreo heut im Schrank!“.

Aber auch nach dem “Jetzt gehts los!“ und danach im Erfurter Block auftauchenden Doppelhaltern und Schwenkfahnen entzündete sich keine wirkliche Derby-Stimmung im weiten Rund, allein einige umstrittene Entscheidungen von Schiedsrichter Deniz Aytekin sorgten kurz vor dem Pausenpfiff temporär ansatzweise für hochkochende Emotionen auf den Rängen. Da allerdings war im Dresdner Zuschauerbereich schon so gut wie nichts mehr an Fan-Aktivitäten auszumachen. Den stimmungsvollen Charakter eines Ost-Klassikers hatte diese Begegnung jedenfalls nicht. Was, abgesehen der Begleitumstände vorab um die jeweiligen Fanszenen – wie im Nachhinein trefflich diskutierbar ist – einerseits auch am schmuddeligen Oktoberwetter, andererseits am klaren Spielverlauf gelegen haben kann. Aus dem Dresdner und Erfurter Fanbereich wurde während des Spiels übrigens jeweils ein Böller in den Stadioninnenraum geworfen. Herr Mohren (“Die DFB-Strafen durch Böller und Co. muss der Verein tragen. Durch den Aufschlag kassieren wir das Geld dafür vorher von den Fans.“) – übernehmen Sie!

Letztendlich fertigte der FC Rot-Weiß Erfurt die Dresdner Dynamos, besonders in der zweiten Halbzeit, auf dem Rasen klar und deutlich ab. Die Tore für die Erfurter erzielten Rudolf Zedi (20.), Thomas Ströhl (56.) und Tino Semmer (62.). Eine Gegenwehr eines Großteils der Dresdner Spieler hielt sich dabei in sehr überschaubaren Größenordnungen und auch der Dresdner Anhang war schließlich nur noch körperlich anwesend. Ob nach dem Abpfiff die auf die Kurve zulaufende Mannschaft von den angereisten schwarz-gelben Fans zurück gebuht wurde oder ob die Spieler schon weit vor Erreichen des Zauns freiwillig wieder umkehrten, spielte dann schon fast keine Rolle mehr.

Selbstverständlich feierte man im anderen Teil des Steigerwaldstadions den Sieg ausgiebig und ließ die gesamte Erfurter Mannschaft mehrfach hochleben. Trotzdem bleibt der Eindruck: Ein so genanntes Ost-Derby geht auch anders.

Während Rot-Weiß-Trainer Stefan Emmerlich seinen Spielern “ein sehr gutes Spiel“ attestierte, kritisierte sein Dresdner Amtskollege Matthias Maucksch auf der anschließenden Pressekonferenz, ein Großteil der Dynamos sei aufgetreten “wie eine Jugendmannschaft, die ein bisschen Fußball spielen will“. Das Tischtuch zwischen Trainer und zumindest einigen Mannschaftsteilen scheint in Dresden mittlerweile mehr als nur ein wenig verrutscht zu sein. Man darf also auf die weitere Entwicklung durchaus gespannt sein, schließlich tritt nun bereits am 23. Oktober der FC Hansa Rostock zum nächsten Derby im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion an.

[Dieser Artikel wurde am 17. Oktober 2010 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]