Schlagwort-Archive: PPQ

MedienScreen # 295 [Truth?]

[Fundstück] “Zitate zur Zeit …“, politplatschquatsch.com, 20. September 2022 –

Die Wahrheit! Was ist die Wahrheit? Die Wahrheit kann viele Schattierungen haben. Sie kann von den Umständen abhängen. Ich habe schon zu viele Wahrheiten erlebt.

Meist sind es die Umstände – Anschauungen, die zu einer gewissen Zeit in einer gewissen Gesellschaft Gültigkeit haben -, welche Wahrheit und Recht bestimmen. Und nicht oder nur selten – viel zu selten – allgemeingültige, beständige moralische Werte.

Vielleicht sehen Sie das anders. Vielleicht leben Sie in einer besseren Welt, vielleicht haben Sie nur die Kulissen betrachtet.

(’Mark Caine’ – in “Die Akte Coreolanus“, so zitiert @ PPQ)

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im Original.]

MedienScreen # 293 [Far from Retired? Pittiplatsch.]

[Fundstück] “Pittiplatsch: Des Widerspenstigen Zähmung“, politplatschquatsch.com, 17. Juni 2022 –

(…) Hässlich, frech, schwarz und aus dem Osten, ungeachtet dessen aber laut und widerspenstig. Ein Migrant, dem das Land abhanden gekommen ist, kinderlos, aber selbst auch im hohen Alter noch ein Kind. Ein Punk, ein brauner Bomber, ein Glatzkopf mit der Stimme einer Krähe, bewundert, verachtet, geliebt und missbraucht. Das alles ist Pittiplatsch, eine Symbolfigur für das Überleben unter ungünstigsten Umweltbedingungen (…)

Dabei war die Karriere des Pittiplatsch, dem seine Schöpfer wie in kolonialen Zeiten durchweg üblich die Vergabe eines Nachnamens verwehrt hatten, schon zu Ende, als sie gerade erst begonnen hatte. Kurz nach dem Mauerbau ins Fernsehstudio geschoben, um die Stimmung im Volk mit systemerhaltenden Streichen, Rock-Roller-Sprüchen wie “Ach, du meine Nase“ und das später durch PPQ weltweit bekannt gewordene “Platsch-Quatsch!“ zu heben, flog Pitti, wie ihn seine Pupp*innenkolleg*innen in einer typisch ostdeutschen Verniedlichungsform nannten, nach Protesten besorgter Pädagogen wenig später schon wieder raus.

Ein frühes Opfer der damals noch jungen Cancel Culture, die in jenen Jahren der sozialistischen Zensur erst so grob entwickelt war, dass ihre Kinderschuhe es nicht vermochten, die Laufbahn des Bildschirmrebellen dauerhaft zu stoppen. Schon Heiligabend 1962 durfte der runde schwarze Fex wieder Possen reißen und Schnatterinchen ärgern – ein Stellvertretender aller Machos, Zyniker, Herrenwitzanhänger, den seine sagenhafte Herkunft aus einem Geschlecht von Kobolden, die seit alters her in einem sagenhaften Koboldland leben, vor jeder Kritik schützte. Pittiplatsch durfte das, denn er war Pittiplatsch (…)

Zu seinem 60. ist Pittiplatsch angekommen im neuen Deutschland, das in so vielen kleinen Dingen an das Land erinnert, aus dem er kommt. Auch dort wurde Kaisergeburtstag für Kunstfiguren gefeiert, die man sich eigens zu diesem Zweck sorgsam ausgedacht hatte. Auch dort durfte mitfeiern, wer seine Gängigkeit unter Beweis gestellt hatte, die Freundschaft zum großen Bruder war wichtig, der gemeinsame Kampf gegen Abweichler und daher gerade dieser Pittiplatsch, der das nonkorforme Element darstellte, den Markus Wolf, den Manfred Krug, den Jürgen Fuchs und Wolf Biermann im Puppenkörper, kantige Geschmeidigkeit, die richtige Grundüberzeugung, aber wandelbar wie die eines SPD- oder CDU-Politikers in der Russlandfrage.

Sein Denkmal hat der prototypische Deutsche, der Pittiplatsch längst geworden ist, bereits bekommen (…) Aus dem echten, abgelebten Frontschwein so vieler verbaler Schlachten mit Schnatterinchen, dem Tschekisten Mischka oder dem womöglich russischen Hund Moppi wurde ein weicher, wolliger Plüsch-Pitti, eine West-Figur mit feinem Pelz und falschen Zähnen, mit einer gelifteten Stimme und gekämmtem Haar. Diese Nachgeburt ist es, die nun überall gefeiert wird, als sei sie nicht längst gebrochen, ein vom System gezähmter Widerspenstiger, der nur noch seine Hofnarr-Rolle spielt, ohne sie wirklich zu fühlen.

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[Mit Dank & Gruß an PPQ’Pittis Geist wohnt hier’ – und dortselbst im vollständigen Original.]

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MedienScreen # 289 [Balla Balla – Einst war alles anders?]

[Fundstück] “BFC Dynamo München: Triumph der Langeweile“, politplatschquatsch.com, 25. April 2022 –

(…) Die Meisterschaft zu gewinnen, ist heute für FC Bayern genau so Tagesgeschäft, wie es das für den BFC Dynamo war (…)

[Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im vollständigen Original.]

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(Twitter, 24. April 2022, 09:28 Uhr)

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(T_oma_de @ Twitter, 25. April 2022, 12:21 Uhr – Faksimiles: O.M.)

Pittiplatsch. Die Wahrheit?

Die Sächsische Zeitung publizierte in ihrer Print-Ausgabe vom 12. November dieses Jahres unter der Headline “Pitti, wurdest du von Anfang an gemocht?“ ein von Henry Berndt geführtes Gespräch mit dem durchaus bekannten Protagonisten.

Im Verlauf des kurzweilig geführten Interviews (“… Ich bin von Natur aus schön …“) replizierte Pittiplatsch unter anderem seinen offiziellen Lebensweg –

“Am Anfang wussten manche Erwachsene nichts mit meinem Aussehen anzufangen. Außerdem fürchteten einige, dass ich den Kindern Dummheiten beibringen würde. Nach nur zwei Folgen war deswegen zunächst wieder Schluss für mich. Aber die Zuschauer haben protestiert und wollten mich zurück. Ab Weihnachten 1962 durfte ich wieder mitmachen – nur nicht mehr ganz so frech. Als ich am 17. Juni 1962 zum ersten Mal im Abendgruß des Sandmännchens auf dem Bildschirm zu sehen war, hatte ich endgültig gewonnen. So etwas wie mich gab es noch nie und wird es auch nie mehr geben.“

Auf seinen lang anhaltenden künstlerischen Erfolg hin angesprochen, wird Pitti so zitiert –

“Ich bin eben unwiderstehlich! … Außerdem habe ich viele Freunde, ohne die ich es nicht bis heute geschafft hätte. Das Schnatterinchen, Bummi, später den Mischka-Bär, den Moppi, Mauz und Hoppel. Nicht zu vergessen natürlich Herrn Fuchs und Frau Elster …“

Moment – Bummi? Mischka? War da nicht was?

Wurden Pittiplatsch die nunmehr aktuell scheinenden Aussagen etwa vom Gesprächsführer in den Mund gelegt, quasi abgepresst, wie auch immer?

Wenn das Politplatschquatschwo ’Pittis Geist wohnt’ – wüsste.

“Die Wahrheit ist immer konkret“ (Wladimir Iljitsch Uljanow) –

(Screenshot Twitter: O.M.)

 

– Nachschiebsel –

“Herrlich. Und auch der Pitti macht mit beim Verschweigen des Skandals um die Verbannung.“ [PPQ, 16. November 2021, 17:49 Uhr]