Archiv der Kategorie: CulturalScene

Quote fishing made by BR

Ach, Bayrischer Rundfunk (BR), so geht das ja nun auch nicht. Auf der einen Seite klagen öffentlich-rechtliche TV-Medien über Zuschauerrückgänge in Größenordnungen. Auf der anderen Seite aber werden Menschengruppen – wie kürzlich durch den BR selbst – vom Genuss eines wie auch immer gearteten Bildungsfernsehens quasi regelrecht ferngehalten.

Oder besser treffend gefragt –

(Twitter, 22. August 2019, 19:58 Uhr – Screenshot: O.M.)

“Sol lucet omnibus“ (Titus Petronius Arbiter).

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Steimle – Doktor Stuber kann da wohl auch nicht mehr helfen …

“(…) ’Kraft durch Freunde’ steht in schwarzer Frakturschrift auf dem weißen Untergrund des T-Shirts mit roten Ärmeln zu lesen. ’Kraft durch Freude’ (KdF) hingegen waren ein Werbespruch und gleichzeitig eine Organisation im Dritten Reich (…) Getragen wurde das T-Shirt mit dem abgewandelten Nazi-Werbespruch am Pfingstmontag [2019] vom sächsischen Kabarettisten Uwe Steimle bei einem Besuch des Literaturfestes in Meißen. Hier hat der Künstler bereits seit längerer Zeit engen Kontakt zu dem CDU-Stadtrat Jörg Schlechte (…)“ [Sächsische Zeitung, Print-Ausgabe, 13. Juni 2019].

(’Ina Pompeule’ @ Twitter, 12. Juni 2019, 21:39)

Wohlan denn, Herr Uwe Steimle. Da ist ja nun mittlerweile aus einer quasi kabarettistisch verbrämten Brust (fast?) alles weniger oder mehr anzügliche herauspulsiert – auf (original?) sächsisch gewissermaßen – und sich dabei völlig unschuldig gebend, genossen worden. Chapeau, Kamerad Steimle.

(Twitter, 13. Juni 2019, 13:47)

“(…) Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), konfrontiert mit dem Posting, mag sich nicht so recht festlegen, was er von dem Auftritt seines Mitarbeiters im KdF-Shirt hält (…) Auf die Tagesspiegel-Anfrage wie der Sender den Auftritt im ’Kraft durch Freunde’-Shirt bewertet, erklärte die MDR-Pressestelle: ’Wir bewerten das, was Herr Steimle in unserem Programm tut.’ (…) Steimle sorgt für Quote. Trotz – oder möglicherweise sogar wegen – seiner regelmäßigen rechten Ausfälle (…) Inzwischen hat Steimle keine Berührungsängste mehr mit Rechtspopulisten (…) Steimle selbst verteidigte sein KdF-Shirt in der ’Bild’-Zeitung. Er sagte dem Blatt: ’Ich bin Satiriker! Vermutlich hätte Jan Böhmermann für diesen Spruch einen doppelten Grimme-Preis mit Eichenlaub bekommen.’ Die Debatte um ihn nannte Steimle ’Blödsinn’. Ein langjähriger Freund von ihm, der mit seiner Aussage nicht namentlich zitiert werden will, stellt fest: ’Uwe Steimle entwickelt eine immer größere Nähe zu politischen Kräften der äußersten rechten Seite.’ Der Mann sagt das mit Bedauern. Und Ratlosigkeit.“ [Der Kabarettist Uwe Steimle und seine rechte Mission, Matthias Meisner, Der Tagesspiegel Online, 13. Juni 2019]

(Twitter, 13. Juni 2019, 22:12)

“(…) Uwe Steimle selbst wollte sich nicht äußern. Er gebe derzeit keine Interviews, sagte sein Agent. Zum T-Shirt mit dem offenkundigen Bezug zum Nationalsozialismus erklärte der Chef der Agentur: ’Da steht doch ’Kraft durch Freunde’ drauf.’“ [Steimles neue Provokation, Oliver Hach, Freie Presse Online, 13. Juni 2019]

Post Scriptum

(Screenshots Twitter: O.M.)

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Post Post Scriptum

Der MDR hat ein Problem. Es heißt Uwe Steimle. Der Schauspieler und Kabarettist, vielen noch bekannt als Kommissar Jens Hinrichs aus dem Schweriner Polizeiruf, eckt immer wieder an. Mal sind es verleumderische Gerüchte über Geflüchtete, die er in seiner Sendung “Steimles Welt“ (MDR) zum besten gibt. Mal, wie jüngst, ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Kraft durch Freunde“ – eine Abwandlung des NS-Slogans “Kraft durch Freude“ (…)

(…) “Das hat der Privatmann Uwe Steimle gemacht. Meine Meinung ist, das ist nicht originell. Das ist auch nicht lustig. Aber darüber hinaus, wenn er als Privatmann solche T-Shirts anzieht, warum sollte ich dann Konsequenzen ziehen?“ [MDR Fernseh-Unterhaltungschef Peter Dreckmann].

Zwei Monate vor den Landtagswahlen in Sachsen kann der MDR nur verlieren: Hält er an Uwe Steimle fest, wird er von dessen Kritikern mit Steimle zusammen in die rechte Ecke gestellt. Kündigt er die Zusammenarbeit auf, droht aus dem Lager der Steimle-Fans umso heftigere Kritik. Wohl niemand will Uwe Steimle in dieser Situation zum Märtyrer machen.

[Nadja Mitzkat, “Grenzen der Satire? Der MDR und Uwe Steimle“, ZAPP @ ndr.de, 26. Juni 2019 (Rechtschreibung sanft korrigiert)]

“… wie leicht man vergisst, dass alles, was man tut, für immer ist.“

Und aus gegebenem Anlass –

(Screenshot Twitter: O.M.)

* Wiglaf Droste, 27. Juni 1961 – 15. Mai 2019 *

“Wer sonst gar nichts hat, der hat doch ein Vaterland. Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine“ (2003).

– without further words.

R.I.P.

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MedienScreen # 216 [”Wondering if it’s me you’re seeing …”]

[Fundstück] “Zitate zur Zeit: Were you having fun?“, politplatschquatsch.com, 13. April 2019 –

Tyler: Oh, hell yeah. Of course! You have a shot of Jack Daniel’s and you play Madison Square Garden and you get offstage and you go clubbing with Jimmy Page – come on! After two encores in Madison Square Garden, you don’t go and play shuffleboard. Or Yahtzee, you know? You go and rock the fuck out. You’ve done something that you never thought you could, and you actually think that you are a super-being.

Steven Tyler (Aerosmith) talks with Julien Baker, Ben Harper, Jason Isbell, Joe Walsh and other sober musicians on how to thrive creatively without drugs or booze.

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Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im Original.

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“Das war’s mit Judas …“ – Ben Becker in der Martin-Luther-Kirche zu Dresden

Worte, die nachhallen im Kirchenschiff. Bewegend. Worte, die hernach im Beifall des Publikums enden. Stehender Applaus. Nachdem Ben Becker seine Zelebrierung von “Ich, Judas – ’Einer unter euch wird mich verraten’“ ausklingen lassen hat. Nur Worte? Aber was für Worte, und wie dargebracht …

Gibt es eine Steigerung von grandios? Subjektiv betrachtet – in diesem Fall mit vorvorvorjährigem Bühnenvergleich.

Becker selbst war sichtlich bewegt. Von sich. Von seinem Schauspiel. Vom Auditorium. Vom Abend. Seinen Kostümumhang immer wieder wedelnd, die Faust mehrmals auf den stilisierten Altartisch schlagend, feierte er diesen – mit seinen Worten – wirklich schönen Auftritt, da sei er ganz uneitel. Eins mit sich und seinem Publikum. Was spräche dagegen, es nicht für bare Münze nehmen zu wollen, einfach so? Ein wahrliches Erlebnis.

Die Martin-Luther-Kirche, übrigens mit bester Veranstaltungsstruktur, war in Dresden für das Becker’sche “Ich, Judas – ’Einer unter euch wird mich verraten’“ bereits die dritte sakrale Bühne, nach zuerst der Lukaskirche sowie später dann in der Kreuzkirche. Der Vorstand, oder wer auch immer, der kreuzkirchlichen Gemeinde – so persiflierte Becker im Anschluss seines Auftritts  – habe ihm, warum auch immer, beschieden, solcherart Worte wie die seinen, nicht in ihren Räumlichkeiten hören zu wollen. Und Becker resümierte für sich, und zur Erheiterung des Publikums, dann sei er eben jetzt hier bei Luther in der Kirche, obwohl der ja auch ganz schön “auf’s Maul“ kriege.

(Sah Schatten ich am Ufer eines Stromes … à la Dante Alighieri – Foto: O.M.)

Was bleibt? “Das war’s mit Judas“, so Ben Becker an diesem Abend in der Dresdner Luther-Kirche. Was kommt? Wer weiß …

Eines allerdings möge, wie quasi nochmals in die Tastatur gehauen, definitiv stehen bleiben – “Es gibt nicht viele wie ihn.“

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(…) vielen Dank für [die Kenntnisgabe] Ihrer wunderbaren Rezension von Ben Beckers Auftritt mit Ich, Judas in Dresden! (…)

[die LAUTsprecherin, PR- und Presse für Kultur, 15. April 2019]

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