MDR. Sachsenpokal. Westpolen?

Der 1. FC Lok Leipzig setzte sich in der Verlängerung des Viertelfinals im diessaisonalen Wernesgrüner Sachsenpokal gegen die BSG Chemie Leipzig schlussendlich mit 1:0 durch. Wie angedroht, übertrug der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) die rasenballsportliche Veranstaltung “ab 12:20 Uhr live im TV und Livestream“. Und setzte dabei ein kleines Highlight. Mindestens. Kommentatorisch. Und geopolitisch. Sowie geschichtlich. Quasi historisch.

Am MDR-Mikrofon in dieser speziellen Lehrminute war Eik Galley zugange. Unvergesslich. Unglaublich? This has been live …

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(Screenshots Twitter: O.M.)

War da noch was? Fragen?

Leipziger Fußball-Allerlei. Nur ein Pokal-Spiel?

Landespokalzeit in Sachsen. Viertelfinale. Es geht um den Wernesgrüner Sachsenpokal. Mindestens. Am kommenden 13. November treffen die BSG Chemie Leipzig und der 1. FC Lok Leipzig aufeinander. Ballspielerisch im Alfred-Kunze-Sportpark. Der Anstoß soll 13 Uhr erfolgen. Auf dem Rasen. Übertragen wird die Veranstaltung von der Dreiländer-Anstalt Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) – “ab 12:20 Uhr live im TV und Livestream“. Weltweit. Mindestens.

Apropos Anstoß –

“Ende Oktober kletterten mehrere Dutzend vermummte Lok-Leipzig-Fans über den Zaun des Alfred-Kunze-Sportparks, dem Stadion von Chemie. Sie posierten dort und rollten ein Banner aus, auf dem der Derby-Gegner geschmäht wird. Im Gegenzug luden Chemie-Fans das Video angeblich auf Pornoportale hoch, mit dem Hinweis, dass Lok-Anhänger immer zu früh kommen. In der vergangenen Woche kesselte die Polizei rund 100 teils vermummte Lok-Hooligans in der Innenstadt ein. Was sie vorhatten, ist unbekannt. Doch ganz offensichtlich wollten sie ihre Macht in der Stadt demonstrieren“ [Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 11. November].

Nicht zuletzt baumelten eine größere Anzahl lebensgroßer Strohpuppen an Brücken und Straßenschildern im Leipziger Revier –

“Die Täter sind unbekannt, der Stil jedoch nicht. Im April 1996 hing eine Puppe von einer Autobahnbrücke in der Nähe von Jena: Sie trug einen Davidstern, der Kopf befand sich in einer Schlinge. Uwe Böhnhardt wurde dafür zu einer Haftstrafe verurteilt, welcher er sich durch die gemeinsame Flucht mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe entzog. Auf den Puppen vom 10. November in Leipzig finden sich nun aufgemalte Hinweise auf die BSG Chemie und die Polizei Leipzig fahndet nach Zeugen zu der symbolischen Hinrichtung“ [Leipziger Internet Zeitung, 10. November].

Botschaften? Es ist nur ein Spiel. Auf dem Rasen. Wo sonst?

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Sondereinsatz Radebeul: Chemie Leipzig on Tour

Am 22. Oktober 2011 kommt es in der Wernesgrüner Landesliga Sachsen zum Punktspiel Radebeuler BC 08 gegen BSG Chemie Leipzig. Der Anpfiff zu dieser Begegnung auf dem Rasen im Lößnitzstadion Radebeul ist auf 15 Uhr terminiert.

So kann sich eine Ankündigung dieser Partie allerdings auch lesen: “Am Sonnabend werden 300 vermummte Leipziger Fußball-Fans erwartet. Die Polizei rät davon ab, Dynamo-Schals zu tragen“ (“Sorge wegen Hooligans in Radebeul“, Sächsische Zeitung). Ein Teil der Chemie-Fans sei bekannt für Randale, die Leipziger Ultras “allerdings nicht zu vergleichen mit denen von Dynamo. Zu Problemen komme es oft erst, wenn die Ultras einen Anlass zum Prügeln finden“, so der Artikelverfasser Peter Redlich – Fußballfans, Ultras, Hooligans mit wenigen Tastaturanschlägen mal eben ganz locker in eine Schublade schreibend. Und “deshalb wird Radebeul, auch zum ersten Mal, einen richtigen Polizeieinsatz erleben“. Da hat wohl jemand ziemlich kritiklos undifferenzierend fleißig von einem Sportredakeur selbiger Zeitung gelernt?

“… Wir bekommen Augenkrebs beim Lesen von Sven Geislers Artikeln …“ (Ultras Dynamo, ’Zentralorgan’ 7/11/12)

Einsatzleiter Torsten Schulze rät am kommenden Samstag – so jedenfalls die Sächsische Zeitung – den Radebeulern “dringend, nicht mit Dynamo-Schals aufzutreten“, denn wie bereits verkürzt zitiert, “zu Problemen komme es oft erst, wenn die Ultras einen Anlass zum Prügeln finden. Dies könnte beispielsweise ein Fan in Dynamo-Kleidung sein. Darauf würden die Leipziger allergisch reagieren“.

“… Zwischen den Fanblocks soll es einen Sicherheitszaun geben. Willomitzer rechnet mit insgesamt 400 bis 600 Leipzigern, darunter der harte Kern. Eigentlich fasse das Lößnitzstadion locker 5.000 Besucher. Deshalb hofft der [Radebeuler] Sportstättenchef, dass die Situation beherrschbar bleibt …“

Fast ansatzlos folgend formulierte Jörg Richter für die Sächsische Zeitung: “… Die Angst geht um in Radebeul. Dessen weinselige Idylle soll gestört werden. ’Vermummte Barbaren’ aus dem fernen Leipzig wollen zu Hunderten mit dem Zug in die kleine Stadt an der Lößnitz einfallen und sie aus ihrem Dresdner Vorortschlaf entreißen … – Doch sind die Chemie-Fans wirklich die bösen Chaoten mit dem Negativimage, das ihnen in jedes Stadion voraus eilt? …“ (“Angst vor Chemie-Fans berechtigt?“, Sächsische Zeitung). Die Leserin und der Leser werden schier hin und her gerissen zwischen Apokalypse und Apokalypse.

Der Radebeuler BC 08 unterdessen “lädt alle Fans und Fußballfreunde zum Heimspiel am kommenden Wochenende zum Lößnitzstadion ein“. Wie einfach liest sich das denn …

[Dieser Artikel wurde am 21. Oktober 2011 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]