Schlagwort-Archive: Pegida

MedienScreen # 173 [Causa AfD. Ruf! Mich? An!]

[Fundstück] “Doku Deutschland: Ich kann nicht mehr dein Freund sein“, politplatschquatsch.com, 30. Oktober 2017 –

(…) Der komplette Abbruch der Kommunikation mit Pegidisten, AfD-Wählern und Gauland-Verstehern – PPQ stellt ein Formschreiben zur Verfügung, mit dem Betroffene ihrem ins ideologische Trudeln geratenen Umfeld mitteilen können, welcher Maßnahmen es bedarf, damit eine schon lange bestehende Freundschaft, eine Ehe oder auch ein Verwandtschaftsverhältnis weitergeführt werden kann (…)

Hallo …,

ich bin seit unserem letzten Gespräch in einem großen Gewissenskonflikt dir gegenüber geraten. Deshalb gehen ich auch nicht mehr ans Telefon, wenn du anrufst, und ich beantworte deine Mails nicht.

Ich will überhaupt nicht mehr mit dir reden, seit du mir gestanden hast, dass du ein großes Kreuz im Auto aufgehängt hast, um wohl zu demonstrieren, dass hier das gute Abendland wäre. Der zweite Schock, dass Du die AfD gewählt hast und auch noch offen darüber sprichst.

Ich will ehrlich sein, ich hatte dich schon eine ganze Zeit lang im Verdacht, weil so vieles, was du sagst, nicht dem entspricht, was ich in der Tagesschau so mitbekomme. Ich weiß, dass du dich als Protestwähler siehst. Ich habe lange darüber nachgedacht, aber ich bin der Meinung, dass man seinen Protest auf einem anderen Weg kundtun kann. Du könntest, das ist nur ein Beispiel, an deinen Abgeordneten schreiben. Oder an Frau Merkel direkt. Du könntest auch eine Petition im Internet starten oder eine Partei gründen.

Dagegen hast du dich aber entschieden, um der AfD deine Stimme zu geben. Angeblich, so meinst du, bringt das die, die du verächtlich “Altparteien“ nennst, obwohl sie sich immer um uns gekümmert haben, dazu, ihre Politik zu ändern.

Es ist für mich unerträglich, dass ein Freund von mir so denkt und dann eine rechtsradikale Partei wählt. Ich halte es für sehr gefährlich und für mich untragbar. Ich werde in meinem Freundeskreis weder einen Scientologen, noch einen Terroristen, keinen Veganer, keinen Hindu, keinen Radfahrer, kein Nagetier und auch einen AfD-Wähler tolerieren. Da ich, wie du weißt, eigentlich immer versuche, andere zu verstehen und zu tolerieren, hat es einige Tage gedauert, bis ich mich zu dieser Entscheidung durchgerungen habe. Es blieb mir nichts anderes übrig, auch nach fast 36 Jahren Freundschaft vom Kindergarten an.

Diesmal reicht es mir einfach. Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, als ob du eine schleichende Gehirnwäsche übers Internet bekommst. Du hast dich radikalisiert, spricht von Grenzen, die geschlossen sein müssten, von Merkel, die du weg haben willst, und eben davon, dass eine AfD-Fraktion im Bundestag den Meinungsstreit befeuern werde.

Ich muss dir sagen: Mit solchen Leuten will und brauche ich keinen Meinungsstreit!

Ich kann niemand vorschreiben, wen er wählt, aber ich kann für mich entscheiden, mit wem ich eine Freundschaft führen will. Es ist mir deshalb im Moment nicht möglich, weiterhin Kontakt mit dir zu pflegen, ehe du dich nicht von deinen zuletzt vertretenen Ansichten distanziert hast. Glaubhaft, bitte. Ich habe auch meiner Familie, insbesondere unseren Kindern und meinem Mann, mitgeteilt, dass sie den Kontakt mit dir zu unterlassen haben, bis von deiner Seite das Signal kommt, dass du bereit bist, auf den Boden des Grundgesetzes zurückzukehren. Mein Mann sah das anfangs anders, er meint, nicht mehr zu reden, sei das Schlimmste.

Aber ich habe ihm deutlich gemacht, dass ich darüber nicht mehr reden werden. Die Maßnahmen gegen dich sind notwendig, sie sollen dir helfen, sie sind zweckmäßig und angemessen, er kann mir da folgen oder sich gegen mich stellen, so dass ich selbige Maßnahmen auch gegen ihn treffen müsste. Ich habe ihn schon eine ganze Weile im Verdacht, dass er manchem populistischen Satz im Fernsehen gegenüber zu nachgiebig ist. Aber wir haben Briefwahl gemacht, ich weiß daher, er hat nicht die AfD gewählt.

Du musst wissen, dass es jederzeit eine Rückkehr in meinen Freundeskreis gibt. Du muss nur mal nachdenken, neue Schlüsse ziehen und dich um 360 Grad drehen. Bedenke doch bitte, wir leben hier immer noch in einem demokratischen Staat und auch du kannst nicht behaupten, dass es dir so schlecht geht. Der allgemeine Trend in der Weltpolitik ist schlimm, aber noch lange kein Grund diese AfD-Nazis zu unterstützen, die auf banale Art und Weise den Menschen Angst machen, die Wissenschaft verdrehen, die Gesellschaft spalten und auch noch so menschenverachtend sind, dass sie ihre Positionen künftig im Bundestag vertreten wollen. Wir wissen doch seit 33, wo so etwas hinführt!

Also bitte, denk darüber nach.

Du kannst mir über Sylvia ein Zeichen geben, wenn du wieder bereit bist, meiner Meinung zu sein.

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Mit Dank & Gruß an PPQ und dortselbst im Original.

MedienScreen # 161 [Faust des Ostens. Liest Christoph Ruf den SPIEGEL nicht?]

[Fundstück] Christoph Ruf, “Dynamo-Fans kämpfen gegen schlechtes Image“, Stuttgarter Nachrichten Online, 29. März 2017 –

(…) “Dynamo hat eine der größten und vitalsten Fanszenen in Deutschland. Da kann es bei einzelnen Spielen immer mal zu unschönen Vorfällen kommen“, sagt Michael Gabriel, Leiter der Koordinierungsstelle der Fanprojekte in Frankfurt. “Das verbreitete Klischee, die Dynamo-Fans seien in der Mehrzahl gewalttätig und rechts, trifft aber schon lange nicht mehr zu.“

Immer noch kommen allerdings viele kampfsportgestählte Männer zu den Spielen, die politisch der Pegida-Bewegung näherstehen als dem demokratischen Spektrum. Doch im Gegensatz zu den 1990er Jahren, als rassistische Rufe noch an der Tagesordnung waren, bleiben die heute aus. Nicht nur, weil der Verein seit Jahren viel deutlicher Position bezieht als früher. Nicht nur, weil auch in Dresden die Mehrheit der Stadionbesucher findet, dass “Rassismus kein Fangesang“ ist, wie auf der Anzeigetafel steht. Sondern vor allem, weil die enorm große Ultraszene des Vereins sich als “unpolitisch“ erklärt. Der Begriff ist umstritten, im Kurven-Alltag aber bedeutet er, dass jeder Fan, der sich politisch äußert, gegen den Minimalkonsens verstößt – egal, ob er als Privatperson rechts oder links tickt. Das “Keine Politik im Stadion“-Dogma führte auch dazu, dass der rechtsextreme Schlägertrupp “Faust des Ostens“ aus dem Stadion komplimentiert wurde, die Linie schränkt aber auch Fans ein, die sich offensiver gegen rechts positionieren wollen (…)

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Wort zum Montag. In Dresden.

Ohne weitere Worte …

(…) “Wir freuen uns aufrichtig, mit euch jetzt diesen kleinen Spaziergang hinzulegen“, ruft Sänger Campino mit Blick auf Pegida ins Mikro (…) [Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 28. März 2017].

… oder?

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(Screenshot Twitter: O.M.)

MedienScreen # 158 [Ostdeutschland. Sachsen. Dresden.]

[Fundstück] Ulrike Knöfel, “Ungemütlicher Osten – Nach dem Fall der Mauer wurde die alte Residenzstadt Dresden mit Liebe und Geld aus aller Welt überschüttet. Nun ist sie Pegida-Aufmarschgebiet, will aber Kulturhauptstadt Europas werden. Wie Künstler und Bürger miteinander ringen“, DER SPIEGEL, 11. März 2017 –

(…) Warum sollte man das Feld den falschen Leuten überlassen, die das Bild der Stadt inzwischen mehr prägen als die vielen originalen und nachgebauten Barockgebäude? (…)

Dresden (…) hat sich zu dem gemacht, was es jetzt ist. Und Dresden kann das wieder ändern (…)

Dresden – “Wir sollten feiern“ …

… “Wenn wir nicht feiern, dann bekommen die Hetzer und Angstmacher noch mehr Zuspruch“, wird Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) vor den anstehenden Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am kommenden Wochenende medienseitig zitiert. Von der frühnachmittäglichen Pressekonferenz am 27. September zu den nächtlich explodierten Sprengsätzen in der sächsischen Landeshauptstadt. “Beide Anschläge ereigneten sich am Jahrestag des Terrorangriffs auf das Münchener Oktoberfest 1980, und das zudem zu einer ähnlichen Tageszeit“ (Telepolis).

“(…) Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat die Ermittlungen zu den Sprengstoffanschlägen auf eine Moschee und das Kongresszentrum übernommen. Es wurde ein Verfahren gegen Unbekannt ’wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion’ eingeleitet, wie die Behörde (…) mitteilte. Da der Verdacht einer politisch motivierten Straftat derzeit nicht ausgeschlossen werden könne, untersucht das Sonderdezernat ’Politisch motivierte Kriminalität’ die beiden Fälle. Für weitere Angaben zu den Ermittlungen sei es zu früh, sagte ein Sprecher (…) [Radio Dresden, 16:30 Uhr].

twitter_27_09_16_1040Derweil einige sich nicht verwundert zeigen. Es wissen. Es? Besser wissen? Oder feiern. Sich? Für jeden ist etwas dabei. Fast. Verschwörungstheoretisch. Politisch. Einseitig? Whatever – zur eigenen Wertung. Aus rund einer virtuellen Erdenstunde. Ein subjektives Exzerpt …

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(Screenshots Twitter: O.M.)