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Faust des Ostens – Years later

Was ist zur selbst so ernannten Faust des Ostens (FdO) – sehr frei nach Gunnar Schubert – “nicht schon alles geklöppelt, gebatikt und gelyrikt worden“? Und die Jahre zogen ins Land …

Aktuell berichtet just die Dresdner Morgenpost (tag24.de, 4. Februar): “Doch nun könnte der Prozess noch diesen Monat in Dresden beginnen.“ Überraschung?

Naja – “Nach knapp acht Jahren, die diese Anzeige schon beim Landgericht Gericht Dresden vorliegt, gibt es nun erste Terminvorschläge der zuständigen Kammer“, liest es sich dann etwas genauer. Irgendwie. Denn – Überraschung?: “Terminiert wurde noch nicht. Der Prozess könnte diesen Monat schon beginnen, aber der Auftakt beispielsweise auch erst im Mai sein“, wird Landgerichtssprecher Thomas Ziegler zitiert.

Staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegen die FdO werden, jedenfalls offiziell, seit Juni 2012 geführt. “Letzte Straftaten bekannter Mitglieder verzeichnet das Justizministerium noch im Dezember 2020“, so die Dresdner MoPo.

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Dresdner K-Block. Pyro-Böller am Allerwertesten.

Abendlich ins Rudolf-Harbig-Stadion geschaut. Nur mal so. Zum aktuell Tabellenletzten der zweiten bundesdeutschen Liga, anlässlich des 13. Spieltages einer wie auch immer laufenden Saison. In die erste Halbzeit der rasenballsportlichen Begegnung gegen SV Wehen Wiesbaden. Oder darüber hinaus?

 

 

 

 

 

(@ Twitter, 8. November 2019, 19:17 Uhr)

 

 

 

Die Partie zwischen Dynamo Dresden und SV Wehen Wiesbaden endete dann schlussendlich 1:0, auf dem Rasen.

(Screenshots Twitter: O.M.)

Pyrotechnik ist kein Verbrechen – War da was?

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– Nachschiebsel –

(…) die Partie stand kurz vor dem Abbruch.

Auch auf den Rängen wurde es unruhig. Offensichtlich wollte sich der Böllerwerfer in den benachbarten J-Block absetzen und dort verstecken, was misslang, weil ihn Anhänger der aktiven Fan-Szene verfolgten und stellten. Ein Selbstreinigungsprozess also, was bemerkenswert wie löblich ist.

Allerdings soll der Verdächtige dabei leichte Verletzungen davongetragen haben. Ob es sich tatsächlich genauso abgespielt hat, ist jedoch nicht ganz klar (…)

Mit dem Böllerwurf sei eine Grenze überschritten wurden, erklärte [Dynamo-Pressesprecher] Buschmann und sprach von einem Einzeltäter. Bedenklich ist jedoch, dass nach längerer Zeit wieder im Heimbereich des Rudolf-Harbig-Stadion Bengalos außerhalb einer Choreografie abgebrannt wurden – und das auch schon bei der Erwärmung der Mannschaften vor dem Spiel (…)

[Daniel Klein, “Die Folgen nach dem großen Knall“, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 11. November 2019]

– Nachnachschiebsel –

(…) Unmittelbar nach dem Vorfall, noch während des Spiels, hatten Dynamo-Fans einen 23-Jährigen an den Sicherheitsdienst übergeben, der einen Böller im Block zur Explosion gebracht hatte (…) [dynamo-dresden.de, 28. November 2019].

(…) Eigentlich hatten die Dynamo-Fans direkt nach der Aktion einen Mann ausfindig gemacht. Sie übergaben den 23-Jährigen der Security. Doch der hatte mit der Tat offenbar nichts zu tun. Denn wie die Polizei am Donnerstag [28. November] mitteilte, wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein ein 18-Jähriger als Tatverdächtiger identifiziert (…) [Dresdner Morgenpost, tag24.de, 28. November 2019].

Ultra-Kunst im SPIEGEL. Weil das Magazin es kann?

Es könnte, angenommen, ein Lückentext als Grundlage gedient haben. In den dann vorgegebene – holzschnittartig urteilende – Begriffe möglichst kunstvoll verquirlt einzufügen waren, günstigstenfalls in einem Halbsatz kulminierend. So schwierig konnte das Unterfangen für die Kulturredaktion des SPIEGEL nicht gewesen sein.

Und so steht in besagtem Nachrichtenmagazin vom 24. Februar dieses Jahres auf einer der Kulturseiten unter der Headline “Fotografie – Ultras für die Oper“ mehr als nur wenig verquast zu lesen …

“… Für ein anderes Plakat fotografierte er [Andreas Mühe] 1200 Fans des Fußballvereins Dynamo Dresden in der Semperoper – und zwar die oft als rechte Hooligans verrufenen Ultras. Wie lassen sich die Vermummten mit klassischer Musik, in diesem Fall mit Giacomo Meyerbeers ’Die Hugenotten’, in Einklang bringen? … Wie passen die Motive, die allesamt irritieren, zusammen? Der Fotograf sagt, die Bilder hätten zu tun ’mit der Zeit, in der wir leben’. Ganz sicher sorgt er dafür, dass nun alle über die Oper reden.“

Offenbar von Ulrike Knöfel (Autorenkürzel uk) verfasst, wurde eine fußballerische Fanszene selten so prägnant undifferenziert dargestellt – quasi Punktlandung in einem Halbsatz. Alle vorverurteilenden Begriffe abgearbeitet, begrifflich leicht verwürfelt sowie noch dazu pseudorelativierend. Wenn das keine tiefer greifende journalistische Sprachkunst ist. Chapeau.

Und bevor “nun alle über die Oper reden“, sei an dieser Stelle erst einmal leise Dank gesagt. Ganz einfach so. Wofür, mag jeder selbst entscheiden.

“Es ist eine phantastische Aufnahme entstanden. Andreas Mühe hat uns drei Motive zur Auswahl gestellt, gemeinsam haben wir uns dann für das Foto entschieden, das wir alle für das stärkste halten“, erklärte Susanne Springer, Leiterin Kommunikation und Marketing der Semperoper. “Die Oper voll mit maskierten Dynamo-Fans, das ist sehr ungewöhnlich. Gleichzeitig ist es eine unglaubliche Chance, diese zwei verschiedenen Kulturen, die vielleicht gar nicht so verschieden sind, auf einem Bild zu vereinen.“

“In diesem Bild steckt viel Energie, es transportiert die Stimmung, die ich auf der Bühne als Beobachter empfunden habe. Vielleicht trifft es auch das Gefühl, wenn ich sage, dass wir die Semperoper an diesem Abend für ein paar Minuten alle zusammen geentert haben. Ohne dabei einen einzigen Kratzer zu hinterlassen“, sagte Fotograf Andreas Mühe. “Es war für mich eine Ehre, dass Ultras Dynamo mir ihr Vertrauen geschenkt und sich einhundertprozentig auf die Arbeit mit mir eingelassen haben.“ [dynamo-dresden.de, 26. Februar 2018 (500 Internal Server Error)].

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[DynamoTV, YouTube.com, 12. März 2018]

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Wenn heute gestern ist. Morgenpostlich.

Die Botschaft war klar und unmissverständlich. Als Ansage der Ultras aus dem K-Block im Rudolf-Harbig-Stadion zu Dresden. Präsentiert bei der Begegnung gegen SSV Jahn Regensburg (1:0) am diessaisonalen 23. Zweitliga-Spieltag.

(Screenshot Twitter: O.M.)

So ein – eindeutiges – Statement von den Stadionrängen kann schon für Verwirrungen sorgen. Politisch gesehen. Gerade in Dresden. Oder nur bei der Dresdner MorgenPost? Wo sich irgendwer – den Kalauer mit der Praktikantin oder dem Praktikanten an der Tastatur lassen wir jetzt mal weg – vor lauter Verwirrung augenscheinlich in eine klitzekleine Zeitreise verfingerte …

(Dresdner Morgenpost Online, 18. Februar 2018 – Screenshots: O.M.)

… online up to date. Gestern? Heute? Morgen?

Eine terminliche Dreiteilung von rasenballsportlichen Spieltagen kann schon verwirren. Die Botschaft der Ultras Dynamo dagegen nicht.

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MedienScreen # 177 [’Football Army Dresden’. Razzia.]

[Fundstück] ”Großrazzia bei Dynamo-Fans”, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 6. Dezember 2017 –

(…) Die Polizei durchsucht 35 Objekte von 28 Beschuldigten. Sie sollen im Mai die “Football-Army“ in Karlsruhe angeführt haben (…)

(…) Die Aktion erzielt die gewünschte Aufmerksamkeit, ob sie jedoch ein Schlag gegen kriminelle Fußball-Schläger ist, darf bezweifelt werden. Die Zahlen im Zusammenhang mit den Durchsuchungen in der Fanszene von Dynamo Dresden am Dienstagmorgen erscheinen dramatisch hoch: 31 Objekte in Dresden sowie je eines in Zwickau, Brandenburg, Baden-Württemberg und in Basel/Schweiz, 28 Beschuldigte, knapp 400 Polizeikräfte und drei Staatsanwälte. Die Ermittler aus Karlsruhe laden zur Pressekonferenz in Dresden ein. Ein ungewöhnlicher Vorgang (…) [“So lief die Dynamo-Razzia ab“, sz-online.de, 5. Dezember 2017]

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“… Anlässlich des Zweitligaspiels von Dynamo Dresden beim Karlsruher SC wurden 15 Polizeibeamte und 21 Ordner verletzt. Auf Nachfrage … erklärte die Polizei Karlsruhe nun, dass keiner der Beamten schwer verletzt oder stationär im Krankenhaus behandelt werden musste.

Bei den 15 verletzten Polizeibeamten handelte es sich demnach durchweg um Knalltraumata, die durch zahlreiche Böller ausgelöst wurden, die von Dynamo Fans geworfen worden sein sollen. Schwindel und Gleichgewichtsstörungen können Symptome eines solchen Knalltraumas sein. Laut aktuellen Informationen des Pressesprechers der Polizei Karlsruhe, Martin Plate, liegen bisher jedoch keinerlei Krankmeldungen von Polizeibeamten wegen der Vorfälle beim Gastspiel von Dynamo Dresden in Karlsruhe vor. Einzelne Beamte hätten sich ärztlich behandeln lassen, seien aber dienstfähig geblieben. Die Verletzungen zogen sich alle der 15 Polizisten laut Polizeiangaben auf dem Fanmarsch oder am Eingangsbereich zum Gästeblock zu …

Die schwerste Verletzung des Spieltags hat sich hingegen ein Polizeibeamter zugezogen, der nach dem Spiel beim Verladen eines Polizeipferdes von dem Tier angegangen und am Kopf verletzt wurde. Dies erklärte Pressesprecher Plate … An diesem Vorfall war kein Fußballfan beteiligt …“ [faszination-fankurve.de, 17. Mai 2017].

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Die Großrazzia gegen die Dresdner Ultra-Szene wirft Fragen auf. Für Ermittlungen wegen Landfriedensbruch war der Polizeieinsatz merkwürdig überdimensioniert [“Razzien gegen Dynamo-Fans – Böller, Pyrotechnik, Schlagring“, Christoph Ruf, SPIEGEL ONLINE, 11. Dezember 2017].

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  • Banner in ganz Deutschland! Das halten die Fußballfans von der Razzia bei Dynamo [Dresdner MoPo Online, tag24.de, 11. Dezember 2017]
  • “Fußballfans als Staatsfeind Nr. 1?“ – Ein Kommentar [faszination-fankurve.de, 11. Dezember 2017]

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“War der Versuch des Berliner Polizeipräsidenten, generell allen Anhängern von Dynamo Dresden den Zutritt zum Regionalliga-Spiel bei Union Berlin zu untersagen, ein nur vorerst geplatzter Testballon für zukünftige Szenarien? …“ [Der Fußball-Fan als Persona non grata, 10. Mai 2008].