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Im RückSPIEGEL: Faust des Ostens


“Eine sächsische Hooligangruppe terrorisiert Ausländer und Fußballfans“, teasert DER SPIEGEL inter alia in seiner Ausgabe vom 25. Februar dieses Jahres und blickt ganzseitig – mit großformatiger Bebilderung – auf die Faust des Ostens (FdO).

“Sie sahen sich als ‘disziplinierter Haufen von 50 Mann, der nicht besoffen, sondern motiviert die Bullen wegknallt’”, zitiert DER SPIEGEL eine ungenannte Quelle.

Aktuell erfährt die geneigte Leserin und der geneigte Leser im SPIEGEL-Artikel “Explosive Mischung“ so einiges. Neues?

Beispielsweise das kolportierte Gründungsdatum der FdO, den 20. April 2010 [MeyView.com, 23. August 2013].

Oder über die “Ausschreitungen im linken Leipziger Stadtteil Connewitz Anfang 2016“ (DER SPIEGEL) unter FdO-Beteiligung [MeyView.com, 15. Februar 2016].

Auch, dass die FdO während der EURO 2016 im französischen Lille – wie es DER SPIEGEL formuliert – Spuren hinterlässt [MeyView.com, 19. Juni 2016].

Ebenso vom SPIEGEL gestreift wird unter anderem die 2015’er Randale von Heidenau [MeyView.com, 30. August 2015].

“Seit nunmehr sieben Jahren verfolgen sächsische Ermittler die Umtriebe der rechtsextremen Gruppe. Bereits im Juli 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen mutmaßlich führende Köpfe, unter anderem wegen des Verdachts der Gründung einer kriminellen Vereinigung. Doch ein Prozessbeginn ist bis heute nicht angesetzt“, weiß DER SPIEGEL [MeyView.com, 15. Februar 2016].

Soviel nachrichtenmagazinliche Aktualität ist beileibe nicht immer gegeben.

“Hintergrundartikel haben das ganz wörtliche Ziel, über Hintergründe zu informieren. Meistens haben Hintergrundartikel durchaus einen aktuellen Anlass, versuchen aber ein Gesamtbild zu zeichnen, in das man den tagesaktuellen Aufhänger einordnen kann“ (Deutscher Medienverband).

Nun tagträumt MeyView.com mitnichten in der kühlen Märzensonne, Steffen Winter vom SPIEGEL – für besagten Artikel verantwortlich zeichnend – wäre bei seinen Gesamtbildrecherchen auf das kleine ElbsandsteinPolemik-Blog gestoßen und hätte herumgestöbert. Oder etwa gelesen. Beispielsweise über das “Verbot der Gruppe Faust des Ostens durch Ultras Dynamo“ im Rudolf-Harbig-Stadion (RHS) [MeyView.com, 10. Oktober 2012] beziehungsweise den Dresdner “szeneinternen Reinigungsprozess“ [MeyView.com, 18. November 2012].

“FdO-Hooligans im Fanblock von Dynamo Dresden“, ist unter der Bebilderung im aktuellen SPIEGEL zu lesen. Undatiert. Im Artikel unreflektiert. Quasi wie mit der Tastatur in Stein gemeißelt.

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(Dresden, unweit des RHS, Februar 2011 – Foto: O.M.)

MedienScreen # 153 [Erika Krause auf himmelblauer Wolkenwiese]

(…) Die frühere Fernsehmoderatorin der DDR-Kultsendung “Du und dein Garten“ Erika Krause ist tot. Das berichtete der MDR (…) Auch der Wochenkurier schrieb in seiner Online-Ausgabe darüber. Demnach starb Erika Krause bereits am 2. Februar im Alter von 92 Jahren. Krause wurde ab 1968 Millionen Fernsehzuschauern bekannt durch die Sendung “Du und dein Garten“ (…) [Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), 13. Februar 2017].

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“’Wo Unkraut gedeiht, wird Jäten zur Pflicht.’ frei übersetzt: Nazis raus!“ [cfc-fanpage.de – Forum, 3. September 2008].

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(Chemnitz. Fischerwiese. Unvergessen. – Screenshot Ultras.ws: O.M.)

Riss im SPIEGEL?

Der einen oder dem anderen mag es vielleicht bekannt vorkommen. Erdkundlich betrachtet. Und auch sonst. DER SPIEGEL spiegelt wider. Faktenreich. Mehr oder weniger. Geopolitisch. Städtebaulich. Fußballerisch. Politisch. Irgendwie.

“(…) Eine zierliche, blonde Studentin geht am helllichten Tag in eine Dresdner Plattenbausiedlung, dorthin, wo Dunkeldeutschland vielleicht am dunkelsten ist (…) Sie betritt Acki’s Sportsbar, die wegen rechter Krawalle berüchtigte Kneipe des Fanclubs von Dynamo Dresden. Das Stadion liegt nebenan, Aldi gegenüber, Spielautomaten dudeln, über dem Tresen hängt kalter Rauch (…)“ [DER SPIEGEL, 4. Februar 2017].

Begeben wir uns doch einmal selbst ganz vorsichtig an den Straßburger Platz in der sächsischen Landeshauptstadt. Und schauen. Ringsherum. Aldiplattenbausiedlerischer Anblick. So liest Frau oder Mann jedenfalls.

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(Elderly Screenshot by Google Maps? – O.M.)

Und jetzt haben alle Beteiligten noch ’eine Stunde Zeit’ – do you remember the month of may 2014? – um ihr Wissen über die Dresdner Dynamo-Fanszene zu aktualisieren. Update läuft.

Besagte SPIEGEL-Kolumne von Fiona Ehlers in der Rubrik “Eine Meldung und ihre Geschichte“ wurde übrigens mit “Auf die Fakten!“ übertitelt. Quasi Fakten, Fakten, Fakten im Focus. Plaktativ angelesenes Hintergrundwissen, in guter Absicht?  Von damals. Vielleicht.

Aber wabert da nicht kalter Rauch über den Tresen der Geschichte? How ever.

Werte Fiona Ehlers, sollten wir reden? Über innerstädtische Orientierung? Oder über mehr? Irgendwas. Irgendwie. Vielleicht. Irgendwann. An einem hellichten Tag. Eine Stunde Zeit?

Post Scriptum – Wir sehen uns in der angeblichen Plattenbausiedlung am Straßburger Platz? Gegenüber der Gläsernen Manufaktur? Bei Aldi? Oder doch im Ackis? Auf der Cockerwiese vielleicht? Hoffentlich verfehlen wir uns nicht. In Dresden? Ja?

Post Post Scriptum – Als Erkennungszeichen werde ich eine sich hellicht spiegelnde Blume, Insider*innen bekannt als ’Rosa Quasi Factotum’, in einem noch old school gedruckten Dresdner Stadtführer dabei haben. Haben Sie auch so einen Führer*innen-Plan? Ich bin schon aufgeregt, bisschen … Capice?

MedienScreen # 151 [Björn H. als solcher]

[Fundstück] Oliver Reinhard, “Lieber Genosse Björn Höcke! – Offener Brief an den heimlichen Antifaschisten und AfD-Gegner“, Sächsische Zeitung (Print-Ausgabe), Magazin, 21. Januar 2017 –

Ich weiß, viele Leser werden mich jetzt wieder für einen Hitlerfaschisten halten, aber ich muss Ihnen mal ein Kompliment machen: Sie spielen Ihre Rolle ausgezeichnet! (…)

(…) Sie sind in Wahrheit gar kein völkischer Nationalist und Geschichtsklitterer. Sie sind vielmehr ein heimlicher Antifaschist, ein U-Boot in Ihrer Partei, und haben nur ein Ziel: die AfD von innen heraus zu zerstören.

Okay Björn, ich verstehe ja, dass Sie dies vehement abstreiten würden (…) Aber Pardon, Sie altdeutsches Schlitzohr – mich können Sie nicht länger leimen! Ich bleibe auch nicht wie so viele lokale Bejubler auf der geschickt von Ihnen ausgelegten Dresden-müsste-deutsche-Hauptstadt-werden-Schleimspur kleben, ätsch.

Denn für mich und vor den Gesetzen der Logik ist sonnenklar: Wer wie Sie Geschichte studiert hat und Lehrer ist, kann unmöglich in vollem Ernst derartig viel ahistorischen und faktenwidrigen Unsinn von sich geben (…)

Also geben Sie es ruhig zu, Genosse Höcke: Ihre tatsächliche Mission besteht darin, die wahren völkischen Nationalisten in Ihrer Partei immer weiter nach rechtsextrem zu locken und den Bogen dabei irgendwann so sehr zu überspannen, dass die AfD auseinanderbricht (…) Sie klammheimlicher Terminator (…)