Hooligans Elbflorenz – stay rules?

Am 29. April 2013 verurteilte das Landgericht Dresden fünf Männer wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, teilweise auch Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung. Die Angeklagten standen seit 24. August 2011 vor Gericht. Durch die Staatsanwaltschaft wurden sie beschuldigt, die Hooligans Elbflorenz gegründet und zahlreiche Gewalttaten in Zusammenhängen mit Fußballspielen von Dynamo Dresden angezettelt zu haben.

Die Verteidigung der Beschuldigten kündigte nach dem damaligen Urteilsspruch umgehend eine Revision vor dem Bundesgerichtshof an. “Die Urteile wurden noch nicht zugestellt“, wurde zwischenzeitlich allerdings erst Anfang des Jahres 2014 kolportiert.

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(Foto: O.M.)

In der heutigen Sächsischen Zeitung wundert sich nunmehr Gerichtsreporter Alexander Schneider – bei einem anderweitigen Verfahren vor dem Dresdner Amtsgericht (“Dynamo-Schlachtenbummler wegen Raubes verurteilt“) – randseitig ein wenig über Stadion-Verbote hin oder her …

“(…) Apropos Stadion-Verbote: Während der Angeklagte wie viele Dynamo-Schläger sehr schnell noch im Ermittlungsverfahren aus den Stadien verbannt wurde, gilt das offenbar nicht für vier der fünf mutmaßlichen Rädelsführer der sogenannten ’Hooligans Elbflorenz’. Die Männer wurden im April 2013 am Landgericht teilweise zu Haftstrafen von mehr als vier Jahren verurteilt – doch die Männer besuchen weiter Dynamo-Spiele, als wäre nichts gewesen.“

So lange sich sonst niemand wundert. Aber vielleicht könnte man ja beim Pressesprecher von Dynamo Dresden, Henry Buschmann, einmal nachfragen …

[Dieser Artikel wurde am 25. Februar 2014 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

1. FC Lok Leipzig: Mobilmachung mit Ehrenkodex und Stadionordnung

Am 16. Februar startet Lokomotive Leipzig vor heimischer Kulisse mit dem verlegten Spiel gegen die Amateure von Hertha BSC in das neue Punktspieljahr. Nach Angaben von 4-liga.com kann die Leipziger Lok zudem einen neuen Dauerkarten-Rekord vermelden. Die Sachsen verkauften – obwohl aktuell Tabellenschlusslicht – bisher fast 500 Saisonkarten. Davon gehören rund 50 zur Kategorie Rückrundendauerkarte.

In der Zeit vor dem Start auf dem grünen Rasen im Bruno-Plache-Stadion (BPS) hat der 1. FC Lokomotive Leipzig einen Ehrenkodex für die Fans sowie eine neue Stadionordnung erarbeitet und beschlossen. Über drei Monate saßen Verein und engagierte Anhänger zusammen und diskutierten über allgemeingültige Spielregeln, welche vor allem zur Selbstregulierung innerhalb der Fanszene beitragen sollen.

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(BPS, Frühjahr 2013 – Foto: O.M.)

Lok-Präsident Heiko Spauke zeigte sich mehr als zufrieden mit den Ergebnissen der Ausarbeitung: “Wir wollen damit nochmals allen zeigen, dass Gewalt und menschenverachtende Weltanschauungen nichts beim 1. FC Lok verloren haben.“ Präsidiumsmitglied Martin Mieth: “Die beschlossene Stadionordnung ist nun aktualisiert und auch ausführlicher. Wenn es nötig ist, wird sie natürlich weiter ergänzt. Ein zusätzlicher Anhang zur Stadionordnung soll einen beispielhaften Überblick über verbotene Kleidung, Symbole und Zahlencodes geben. Dieser wird ebenso fortlaufend angepasst.“ Darüber hinaus erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Olaf Winkler: “Die Werte, die in unserem Verein seit Jahren wie selbstverständlich gelebt werden, sind nun in neuer und aktueller Form niedergeschrieben“.

Bisher waren einige Passagen der Stadionordnung allgemein gehalten, hier wurden nunmehr Änderungen vorgenommen. Eine Liste führt Kleidungsmarken sowie Kleidung mit Zahlencodes und Bandnamen auf, deren Tragen im Geltungsbereich der Stadionordnung nicht gestattet ist. Auch der Ehrenkodex für die Fans spricht in seinen Eckpunkten eine klare Sprache: “Blau und Gelb sind unsere Farben“, “Respektvoller Umgang miteinander“, “Rassismus ist kein Fangesang“, “Gewaltfreiheit im und vor dem Stadion“, “Emotionen tolerieren“. Am 10. Februar 2014 sind Stadionordnung und Ehrenkodex in Kraft getreten.

Derweil sieht gegenwärtig das sächsische Innenministerium im Freistaat offenbar vier rechtsextreme Fangruppen im Fußball aktiv. “Im Zusammenhang mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig wird die Gruppierung ‘Scenario Lok’ mit etwa 70 Mitgliedern genannt“.

[Dieser Artikel wurde am 13. Februar 2014 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Sachsen: Rechtsextreme Fußballfans im Fokus oder so

“Fans aus dem Umfeld von Dynamo Dresden werden – Innenminister Markus Ulbig (CDU) zufolge – gegenwärtig nicht durch das LfV Sachsen überwacht. Gegen die ’derzeit nicht in Erscheinung tretende Gruppierung’ Faust des Ostens läuft allerdings unterdessen ein Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung“ (September 2012).

Im damaligen Zusammenhang listete im Jahr 2012 dann das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Sachsen “wegen rechtsextremer Umtriebe“ unter Beobachtung stehende Fußballfans auf. Nach Angaben des Staatsministers zählten die Fan-Gruppen Scenario Lok und Blue Caps LE aus dem Umfeld des 1. FC Lok Leipzig sowie – den Chemnitzer FC tangierend – New Society/NS Boys und Hoonara zu den Beobachtungszielen des Verfassungsschutzes in Sachsen.

(…) Die getroffenen Aussagen stießen beim Chemnitzer FC auf Unverständnis. Bei MDR-Online kommt (…) CFC-Geschäftsstellenleiter Lutz Fichtner zu Wort, dem derzeit keinerlei Informationen vorliegen, dass der Verein oder einzelne Fans unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen würden. Im Gegenteil, die Gruppierung “Hoonara“ bestünde in ihren Strukturen bereits seit dem Jahr 2000 nicht mehr; ebenso wurde die zweite Gruppe, die “New Society“ vor drei Jahren hinsichtlich ihrer Symbolik vom Verein verboten. Gegen damalige Führungskräfte sind entsprechende Stadionverbote verhängt worden (…) [cfc-fanpage.de, 19. September 2012]

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(Dresden, Herbst 2013 – Foto: O.M.)

“Das sächsische Innenministerium sieht derzeit vier rechtsextreme Fangruppen im Fußball aktiv“, vermeldet DPA aktuell am 12. Februar dieses Jahres. “Im Zusammenhang mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig wird die Gruppierung ’Scenario Lok’ mit etwa 70 Mitgliedern genannt. Bei Dynamo Dresden geht es um die ’Faust des Ostens’. ’Sie bestand zeitweise aus über 180 Mitgliedern. Die aktuelle Mitgliederzahl ist nicht bekannt’, hieß es. ’Hoonara’ und ’New Society’ (NS Boys) gehören zur Szene beim Chemnitzer FC. Auch hier wird das Potenzial auf 70 Leute beziffert.“

Wie weit darf die Verarschung der öffentlichen Wahrnehmung, auch bei einem per se unterstellt gutgemeinten Ansinnen (“Kampf gegen Rechtsextremismus“), durch eine landesbehördliche Institution mit bundesweiter Einbindung eigentlich von demokratischen Gremien unhinterfragt so schamlos billig plakativ betrieben werden? – Was an dieser bereits 2012 in den Raum gestellten Frage scheint größtenteils nach wie vor unverändert keine Aktualität mehr zu haben, und einen Anspruch auf Klärung darüber hinaus? Herr Innenminister Ulbig, übernehmen Sie!

[Dieser Artikel wurde am 12. Februar 2014 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

Live-Fußball: 3, 2, 1 … MDR

Manche Zuschauerin und mancher Zuschauer mag sich doch etwas verwundert die Augen gerieben haben, als die Live-Bilder von der Begegnung FC Rot-Weiß Erfurt gegen RasenBallsport Leipzig über den heimatlichen Bildschirm flimmerten oder via Livestream auf dem Bildschirm des Rechners zu sehen waren. Aber warum?

Ja, da waren Menschen zu sehen. Fußballerisch beschäftigte Menschen auf dem mehr oder weniger grünen Rasen des Steigerwaldstadions – und zuschauende Individuen auf den Traversen. Sogar ziemlich gut besucht war augenscheinlich diese Begegnung in der 3. Liga am 8. Februar in Erfurt, wenn denn den Live-Bildern zu trauen war. Aber wem kann heute schon noch vorbehaltlos getraut werden …

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(Erfurt, 8. Februar 2014 – Foto: YouTube.com)

Und so sucht sich der informationshungrige Mensch der heutigen Zeit gern noch eine zweite Quelle, um vielleicht wenigstens annähernd Gewissheit zu erlangen, oder sich eben einfach nur mehrquelleninformiert eine eigene Meinung von den Geschehnissen bilden zu können. Beim Stand von 2:0 für die rasenballerischen Red-Bull-Artisten ist das Spiel gegen Ende sowieso so gut wie gelaufen, da lohnt sich vielleicht nebenbei – quasi mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus – auch einmal ein Blick auf die blanke Statistik der Begegnung.

Erstaunlicherweise erblickte da der geneigte informationshungrige Mensch, die Live-Bilder des MDR aus Erfurt noch vor dem inneren Auge, neben dem Ticker zum Spielverlauf, den Aufstellungen der beiden Mannschaften und den Torschützen auch eine doch etwas ominös erscheinende Zahl, nämlich die der Zuschauer …

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(Screenshot: O.M.)

… der Mitteldeutsche Rundfunk live ist schon etwas ganz Besonderes.

“RW Erfurt hat das mitteldeutsche Derby gegen Aufsteiger und Neuling RB Leipzig verloren. Vor der Saisonrekordkulisse von 11.240 Zuschauern siegten die Messestädter im Steigerwaldstadion mit 2-0 und kamen damit zu ihren ersten Punkten im neuen Jahr“, so die News auf rot-weiss-erfurt.de – und mittlerweile stimmte dann auch bei mdr.de die Zuschauerzahl.

Gut, dass dem MDR so ein kleiner Lapsus zum ersten Mal passiert, ansonsten könnte ja die gebührenzahlende mitteldeutsche Seh- und Hörgemeinde leicht noch mehr verwirrt werden …

[Dieser Artikel wurde am 9. Februar 2014 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

VFC Plauen: Deadline?

Beim Siebtplatzierten der Regionalliga Nordost scheint im vogtländischen Revier sinnbildlich nicht nur eine Tanne in Flammen zu stehen. Die Dresdner Morgenpost jedenfalls beschreibt aktuell “Chaostage beim VFC Plauen“.

So haben Mitte der zurückliegenden Woche die VFC-Spieler das anberaumte Training boykottiert. Grund dafür sei unter anderem eine regelmäßig unpünktliche Zahlung der Gehälter gewesen.

“Das war ein letzter Hilfeschrei. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber die Ausmaße sind für einzelne Spieler nicht mehr zu verantworten. Seit zwei Jahren gibt es immer wieder massive Probleme mit den Gehaltszahlungen“ (Kai Zimmermann, Stürmer beim VFC).

Auf einer 90 Minuten dauernden Pressekonferenz am 6. Februar “gaben Präsident Wilfried Hub und Finanzvorstand Matthias Gräf ein jämmerliches Bild ab“ (Morgenpost); mehrmals musste Gräf von Hub in seinen Aussagen korrigiert werden.

“Durch einen Glücksumstand sind wir in der Lage, alle ausstehenden Gehälter zu zahlen. Wir leben trotzdem weiter von der Hand in den Mund, weil einige Sponsoren nicht pünktlich zahlen. Die Situation wird möglicherweise so bleiben. Wir dürfen die Lage aber nicht schlechter reden als sie ist. Uns ist immer etwas eingefallen“ (Wilfried Hub).

Allerdings klingen dahingehend zitierte Worte von Kai Zimmermann irgendwie nicht ganz so optimistisch: “Wir haben nicht das Gefühl, dass hier alle alles geben“. Denn: “Trotz der jetzt geleisteten Zahlungen ist die sportliche Zukunft des VFC unklarer denn je“ (vogtland-sport.de).

VFC Plauen – Quo vadis?

[Dieser Artikel wurde am 7. Februar 2014 bei Ostfussball.com veröffentlicht.]

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