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Ennobled by n-tv: Pyro is not a crime

Der Fußballsport und die Begeisterung seiner Anhänger jeder Provenienz – unendliche Weiten. Wir haben Dinge gesehen … Mitunter rauchblinkend von den Stadionrängen beleuchtet. So vor sich hin fackelnd von einigen verteufelt. Und nicht nur monetär geahndet durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Vormals.

Bis es sich begab, die Augen geöffnet zu bekommen, die Anmut des Augenblicks erkennend.

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Kein Gelaber mehr. Emotionen sprechen. Endlich Tatsachen. Nachdrücklich. Mit Macht des Bildes.

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(Screenshots n-tv: O.M.)

Es ist an der Zeit. Auch nt-tv Der Nachrichtensender kämpft. Für die Freiheit der Stadionkurven? Was sonst?

Doppelmoral, die

Wortart: Substantiv, feminin

Worttrennung: Dop|pell|mo|ral

Bedeutungsübersicht: verschiedene Grundsätze gelten lassende, zweierlei Maßstäbe anlegende Moral

[aus: duden.de]

Werte Kolleginnen und Kollegen von nt-tv, sollten wir reden?

Der Aufstand? Saisonrückblick 2016/17 von Blickfang Ultra.

Vor zwei Jahren fast noch ’sterbender Schwan’. Im vorigen Jahr dann ’Phönix aus der Asche’. Nun die siebte Ausgabe eines BFU-Saisonrückblicks. Und diese – jedenfalls erinnerlich – so zeitlich nah zur Vorsaison wie wohl nie zuvor. Chapeau für jemanden, der im fast zeitgleich erschienenen BFU-Stammheft schreibt –

“… So gefestigt wie viele Ultragruppen oder Kurven heute sein mögen, so langweilig kommen sie mir auch vor … (Mirko Otto, ’Salut!’ in Blickfang Ultra # 41).

Mitnichten langweilig betrachtet sich allerdings das 2016/17’er BFU-Saisonheft. Mit darin 33 vertretenen Ultra-Gruppierungen. Wie mittlerweile gehabt wieder im A4-Format. Liebevoll und fast perfekt layoutet. 296 Seiten stark. Solch Brett will erst einmal gestemmt sein …

Viele Bilder. Weniger oder mehr umfangreiche Texte. Lesen bildet. Und alles sollte gelesen werden. Schließlich sind es unwiderrufliche Dokumente der Zeitgeschichte. So wie auch das Coverbild –

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“… Ganz klar, dünnes Eis und extrem diskussionswürdig. Also geil?! Ich meine ja. Es war – denke ich – zum Ende hin das bestimmende Thema und wird uns wie ich vermute auch noch weiterhin verfolgen. Dass die Neutralität im Foto nicht gegeben ist, wissen wir … Sollte es da draußen wirklich jemanden geben, der sich nicht damit identifizieren kann, sollte derjenige dennoch versuchen milde drüber hinwegzuschauen …“ (Mirko Otto, ’Hallo’, BFU-Saisonrückblick 2016/17).

Was kommt? Ungewiss. Was bleibt? Dieses Heft. Und alle davor.

Und was bliebe vielleicht noch sagen zu lassen?

“… Na gut, muss für dieses Jahr reichen. Den Pulitzerpreis werd ich wohl … nicht einheimsen und das Gespött sämtlicher progressiver Ultras auf mich ziehen. Aber keine Angst, wer Sehnsucht nach meinen Spitzen, Kommentaren und Rundumschlägen hat, besorgt sich einfach im September das neue BFU. (Ja, es geht weiter, zumindest vorerst.) Bis dahin nun viel Spaß mit dem Schinken“ (Mirko Otto, ’Hallo’, BFU-Saisonrückblick 2016/17).

Bei einer Händlerin/einem Händler des eigenen Vertrauens ist Blickfang Ultra Saisonrückblick 2016/17 garantiert noch vorrätig.

Breaking News? DFB. Ultras. Fragen BILDet?

Die Ticker rauschen im Blätterwald. “DFB und Politik forcieren Dialog mit Ultras“ (n-tv.de, 16. August). “Keine Geisterspiele – aber Pyro?“, steht da eben auf einmal im Raum.

“Der DFB empfiehlt seinem Kontrollausschuss, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist … Der Fußball in Deutschland steht auch für Stehplätze, faire Eintrittspreise und die 50+1-Regel. Der DFB meint es mit dem Angebot zum Dialog ernst“, wird aktuell Reinhard Grindel, DFB-Präsident, medienseitig zitiert.

Dialog? War da nicht schon mal was? Lange her? Alles neu? Fragen dürfen wird man ja wohl noch mal.

Apropos Fragen. Selbige hatte – fast zeitgleich, aber nur fast – auch die von Kommissar Stoever oft gelobte “BLÖD-Zeitung“ an die Fußball-Fanszene. Oder Ultras. Oder Hooligans. Oder so. Jedenfalls investigativ. Irgendwie so …

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(Screenshot ultras-dynamo.de: O.M.)

“… Das Ziel des DFB ist ganz eindeutig, die Fans zu spalten. Dafür hat man mit der BILD einen langjährigen Partner in die Spur geschickt, um nun die Stimmung anzuheizen. Die tendenziöse Fragestellung der vorliegenden Anfrage belegt das. Aktive Fans sind von Grund auf Böse und die Vereine sollen sich dazu äußern. Ganz bewusst wird im selben Fragenkatalog auch speziell auf Hooligans eingegangen, die für sich im aktuellen Konflikt mit dem DFB keine Rolle einnehmen. Man kann nur vermuten, dass der Autor im fertigen Bericht hier erneut die Begriffe Ultras und Hooligans vermengt, um negative Assoziationen zu wecken. Für die Beschreibung der positiven Seiten einer lebendigen Fankultur ist kein Platz vorgesehen. Welche Ziele die Fans mit dem Protest gegen den DFB verfolgen, wird kaum Beachtung geschenkt. Das ist uninteressant, weil es nicht ins Bild passt. Es geht nicht um eine neutrale Wiedergabe der aktuellen Zustände, es geht einzig und allein um die Agenda des DFB …“ (’Hallo, hier ist die BILD, wir hätten mal ein paar Fragen …’ – Ultras Dynamo, 12. August).

Fragen über Fragen. Und damit sind nicht unbedingt die der “BLÖD-Zeitung“ gemeint …

Wie Phönix aus der Asche? Saisonrückblick 2015/16 von Blickfang Ultra.

Das mit der Asche stimmt ja nun nicht ganz, Phönix wohl eher. Nach dem in der vorausgegangenen Publikation vor einem Jahr für solcherart Rückblicke von Blickfang Ultra (BFU) schon ein wenig mehr als üblich schwanengesungen wurde, deutete sich 2016 frühjährlich im regulären BFU-Heft Numero 39 bereits an, dass es saisonrückblickend “eine positive Wendung geben“ könnte.

Und so lebt der totgeglaubte Schwan als Phönix – oder besser: als heller Stern – weiter am Firmament affiner Print-Erzeugnisse. In seiner Art zugegeben alle anderen nach wie vor überstrahlend.

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“(…) Es gibt doch keine schönere Motivation, wenn da draußen die Schar sehnsüchtig auf ein Machwerk wartet, dazu noch so völlig überraschend und konträr zur eigenen Sichtweise. Positiv denken heißt also die Devise und so haben wir uns auch von vielen Absagen nicht unterkriegen lassen, auch weil wir es immer noch als wichtiges Gesamtprojekt für die Ultraszene in Deutschland erachten (…)“ [Mirko Otto im Intro].

Wohlan denn. Auf 324 Heftseiten im mittlerweile üblichen A4-Format präsentieren sich 32 Ultragruppierungen, die Saison 2015/16 Revue passieren lassend. Aus durchaus subjektiver Sicht und auch über den eigenen Tellerrand hinausblickend. Angereichert mit vielen, teilweise grandiosen, Fotos und last but not least wie immer vortrefflich layoutet.

Inhaltlich sprechen die jeweiligen Gruppenbeiträge – wie bereits in den Vorjahren – ihre eigene qualitativ unterschiedliche Sprache. Hier und da scheint sich der Fokus ein wenig in Richtung eher erlebnisorientierter Begebenheiten verschoben zu haben, so der Eindruck. Was der Sache als solcher keinerlei Abbruch aufnötigt, spiegelt es doch nur die Realität wider.

Einige Rubriken aus der Vergangenheit – beispielsweise Zaunfahnen-Ranking und Auslandsseitenblick – fehlen in der aktuellen Publikation. Manche mögen dahingehend einiges vermissen, andere die alleinigen Gruppendarstellungen besser finden. Es ist wie es ist. Und gut so.

Was dagegen nicht fehlt, ist – schon aus Tradition? – der Schwanengesang. Auch wenn es diesjährig nur ein klitzekleiner ist, eher leise angestimmt.

“(…) Wie sich die Sache zukünftig gestaltet, sprich, ob es auch im kommenden Sommer eine Fortsetzung geben wird, ist im Moment noch offen. Sollten die diesmal teilnehmenden Gruppen vom Gesamtergebnis nicht enttäuscht sein, weiterhin Freude am Schreiben und Zusammenstellen ihrer Artikel haben oder gar ideologisch derartige Projekte unterstützen, dann geht es im Juni 2017 erneut rund! An uns soll es nicht scheitern (…)“ [Mirko Otto, Intro].

Wie war das doch gleich in der Mythologie? Phönix verbrennt und entsteht aus seiner Asche neu? “Nicht aus jeder Asche fliegt ein Phönix auf“ (Jean Paul). Oder trifft es – in altägyptischer Anlehnung – die Saga vom Wiedergeborenen besser?

Aktuell jedenfalls ist Blickfang Ultra Saisonrückblick 2015/16 für 9,90 Euro bei einem Händler des eigenen Vertrauens nach wie vor erhältlich.

UEFA EURO 2016. No signs before the time?

Betroffenheit. Entsetzen. Über allseits bekannten Bilder aus Frankreich, die mit dem fußballerischen Sport auf dem grünen Rasen nichts gemein haben. Landläufig. Erklärungsversuche allenthalben. Andere wiederum geben sich erstaunt, sind überrascht. Im Gastgeberland. Und nicht nur dort.

Polizeisprecher Thomas Geithner sagt, vor der Europameisterschaft habe es keine Hinweise darauf gegeben, dass gewaltbereite Hooligans aus der Region Dresden vorgehabt hätten, nach Frankreich zu reisen … Nun habe sich die Lage “komplett geändert“. Die Dresdner Polizei werde ihre Maßnahmen korrigieren. Rund 70 Personen stünden im Visier. “Wir haben unsere Planung über den Haufen geworfen“, sagt Geithner (Sächsische Zeitung, 14. Juni).

Nun sind nicht allein aus bundesdeutschen Gefilden fußballaffine Einzelpersonen und Gruppierungen aller Couleur in Frankreich unterwegs. Das Spiel heißt schließlich Europameisterschaft.

In einem Gastgeberland, wo durchaus mehr Reactio als Actio den Alltag der Fanszene beherrscht. Die bereits vorab teilweise auch ihre ganz eigene Sicht auf das anstehende Spektakulum in ihrem Heimatland nicht hinter dem sprichwörtlichen Berg gehalten hat.

Im Mai dieses Jahres publizierte ERLEBNIS FUSSBALL in seiner Ausgabe Numero 69 einen “Lagecheck – Frankreich vor der Euro 2016“. Im Gespräch mit französischen Ultra-Gruppen (Tigers Lens, Brigada Sud Nice, Green Angels, Ultramarines, Indian Tolosa) ging es auf gut dreizehn Heftseiten darum, “was für Veränderungen dieses ach so tolle Event namens EM für die Fans vor Ort mit sich gebracht hat“. Und um Gefühle mit Blick auf das Großereignis.

“… Es gibt keine Gespräche zwischen den Fans, der Polizei, dem Staat, dem Verband und der Liga. Das einzige Mittel, das die Behörden wählen, ist Repression …“ (Lens)

“… für uns hängt diese EM vor allem mit langen Jahren voller Repression zusammen. Die Europameisterschaft ist und bleibt ein wichtiges Werkzeug der UEFA, um das Fußball-Business in den Vordergrund zu drängen. Es ist in erster Linie ein Kommerzevent. Um ehrlich zu sein, hoffen wir, dass die EM 2016 auf dem Niveau der Sicherheit ein Misserfolg wird …“ (Nice).

“… Letztlich hofft man aber auch auf zahlreiche Zwischenfälle und Ausschreitungen während der EM, um der Gesellschaft zu zeigen, wie unfähig die Verbände und weiteren involvierten Instanzen sind, ein solches Ereignis zu organisieren. Auf diese Art könnte man die Absurdität von Maßnahmen wie Auswärtsverboten, die wir innerhalb einer Saison regelmäßig erdulden müssen, aufzeigen, und man kann so die Verantwortlichen unglaubwürdig machen – Verantwortliche, die weder mit uns in den Dialog treten, noch eine Ahnung von den Kurven Frankreichs haben …“ (Bordeaux).

“… So wie dieses Event angegangen wird, kotzt uns das alles nur noch an. Die UEFA kommt mit ihren Sponsoren daher und alles andere wird bei Seite geschoben … Wie immer steht die UEFA über allen Gesetzen, und so wird einem mal wieder vor Augen geführt, was für ein mafiöses System das Ganze doch ist … Auf der anderen Seite sind wir neugierig, welche französischen und ausländische Supporter zu uns in die Stadt kommen werden …“ (St. Etienne).

“… wie jede Gruppe aus Frankreich, hat man eher gemischte Gefühle, was die EM anbelangt: Auf der einen Seite gibt es eine gewisse Vorfreude, dass sehr viele Leute aus überall zu diesem Fest kommen werden. Auf der anderen Seite sehen wir den Maßnahmen, die unsere Regierung unternommen hat, sehr kritisch entgegen. Denn eigentlich ist es nicht mehr die UEFA, die das Turnier organisiert, sondern eher die französische Regierung, die das Turnier nutzt, um ihre neue Repressionspolitik durchzusetzen; und letztendlich wird es dann die französischen Ultras treffen …“ (Toulouse).

“Die Zeichen der Zeit sind überall sichtbar, aber nicht gern gesehen“ (Ernst Ferstl). Die UEFA EURO-Spiele anno 2016 haben gerade erst begonnen.